Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Fidor Bank: Interview mit Matthias Kröner über die neue Servicequalität im Netz – Was Banken vom Full-Service-Hotel unterscheidet

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Anknüpfend an den Beitrag zum Beschwerdemanagement 2.0 aus Sicht der Fidor Bank  – aufgegriffen wurde dieser Spielball unter anderem von Lead Digital bei W&V – hier nun ein Interview mit dem Geschäftsführer Matthias Kröner, bekanntermaßen der Verfechter einer neuen Servicequalität bei Finanzdienstleistungen. Da er sein know-how von der Pike an in der Hotellerie gelernt hat, habe ich mal die Gelegenheit genutzt, den Vorzeigebanker 2.0 zu dem kleinen aber feinen Unterschied zu befragen, was denn ein Hotel von einer Bank unterscheidet.  

Die Geschichte der Bankeninnovation bis zum Geldautomaten. Was kommt jetzt? Quelle: Fidor Bank/Matthias Kröner

Zeitdiagnose: Die Geschichte der Bankeninnovation bis zum Geldautomaten.

Was kommt jetzt? Fotoquelle: Fidor Bank/Matthias Kröner

Zunächst einmal die aktuellen Fakten: Die um das Web 2.0 herum gruppierte Fidor Bank hat ihre Wachstumsdynamik deutlich beschleunigt. Die angesammelten Kontoguthaben haben sich in den vergangenen sechs Monaten verzehnfacht. Weiterer Turbo: Durch die engere Kooperation mit dem P2P-Krediteanbieter Smava sind seit Anfang Dezember 2011 rund 6.000 neue Kunden dazugekommen. Mehr dazu via Xing.

Dennoch bleibt die Frage: Sind Bankprodukte durch das Netz nicht in beliebiger Form kopier- und austauschbar. Können nicht deshalb andere Dienstleister den Banken größere Marktanteile abtrotzen, mit diesen Fragen beschäftigt sich ein längerer Artikel auf der Plattform iBusiness: Fünf Szenarien für die Zukunft der Banken.  Mehr dazu auch auf dem Injelea-Blog.  

Versuchen wir jedoch, das brisante Thema einer neuen Servicequalität in der Finanzbranche von der praktischen Seite her zu beleuchten, und zwar im Schlagabtausch mit Matthias Kröner, dem Geschäftsführer der Fidor Bank. Er ist vergangene Woche übrigens ausführlich in der Süddeutschen Zeitung vorgestellt worden: Die Bank sind Sie!  – das kommt mir doch irgendwie fast bekannt vor, wie hieß noch einmal mein erstes Buch: Die Bank sind wir

Social Banking 2.0: Herr Kröner, wann fühlen Sie sich wohl in einem Hotel, was braucht es dazu?

Matthias Kröner: Der erste wirklich nachhaltigere Eindruck ist die Freundlichkeit der Mitarbeiter und wie sehr diese das Gefühl vermitteln können, dass man wirklich „willkommen“ ist. Der zweite Eindruck entsteht dann schon beim Gang zum Zimmer, denn da erlebt man schon erste Momente der Sauberkeit etc. – Insofern sind Freundlichkeit und Sauberkeit schon mal die wesentlichen Faktoren.

Social Banking 2.0: Und wann fühlen Sie sich nicht wohl?

Am meisten stört mich pseudo-routiniertes Personal, das den Gast eher als Störung empfindet. Leider gibt es viele, die in der Hotellerie arbeiten und eigentlich nicht wissen warum bzw. was der Kern dieser DIENSTLEISTUNG ist.

Das Humankapital spielt im Netz eine gewichtige Rolle

Fotoquelle:Gerd Altmann/Pixelio.de

Social Banking 2.0: Der Mensch ist vielleicht das wichtigste „Humankapital“ bei einer serviceorientierten Bank. Sie haben vor Ihrer Zeit bei DAB und Fidor Bank in der Hotelbranche gearbeitet, was unterscheidet denn ein Hotel von einer Bank?

Emotional wenig, denn für beide Bereiche der Dienstleistungsindustrie (Banken sind bekanntlich ein Bestandteil der Finanzdienstleistungs-Branche) gilt für das Kundenerlebnis eine wesentliche Erkenntnis: Kunden oder Gäste werden sich vielleicht nicht daran erinnern, was man zu ihnen wörtlich gesagt hat. Sie werden sich aber immer daran erinnern, welche Gefühle wir ihnen vermittelt haben, bzw. wie die Engländer sagen „how we made them feel…“

Social Banking 2.0: Kann eine Bank so gut und kundenfreundlich werden wie ein  Hotel, wo der Gast zumindest bei den guten Adressen ja der „König“ ist?

Natürlich. Warum denn nicht? Alles, was ich in dieser Hinsicht bisher sagte, ist übrigens unabhängig von der Sterne-Anzahl oder auch unabhängig vom Offline- oder Online-Status Denn ein Drei-Sternehaus kann freundlich und sauber sein, während eine Fünf-Sternehaus unfreundlich und nachlässig geführt sein kann.

Fidor Bank: Matthias Kröner lotet die zwei Seiten einer Medaille aus

Social Banking 2.0: Wie schafft man als Bank eine Atmosphäre, wo der Kunde das Gefühl hat, ernst genommen zu werden, auch oder gerade wenn er sich mal beschwert, unabhängig davon, ob berechtigt oder unberechtigt?

1.       „Attitute“: Dienstleistung bedeutet, dass man ZUHÖRT!

2.       „Process“: Dienstleistung bedeutet, dass man den Kunden integriert.

3.       „Communication“: Klare Ansage und Positionierung mit dem Ziel zu vermitteln, was der Kunde erwarten kann.

4.       Ableitung von klaren Serviceversprechen aus dieser Positionierung.

5.       „Management“ Übererfüllung dieser Versprechen – und damit das Schaffen von positiven Überraschungen!

6.       „Culture“: Es müssen Menschen mitarbeiten und dies umsetzen, die darauf auch „Bock“ haben…

Social Banking 2.0: Worauf setzt die Fidor Bank bei der Verzahnung aller Kanäle in einem gut funktionierenden „Beschwerdemanagement 2.0“?

Oberste Zielsetzung ist zu vermitteln, dass wir nicht GEGEN den Kunden sind und GEGEN den Kunden arbeiten. Als Bank muss man mittlerweile bei kleinsten Fehlern den Kunden klar machen, dass dies immer mal passieren kann – was in der Regel verstanden wird – und dass dies kein systematischer Fehler ist, den die Bank absichtlich eingebaut hat um den Kunden systematisch zu übervorteilen. Diesen Generalverdacht haben mittlerweile die Mehrheit der Bankkunden, was sicherlich eines der Ergebnisse der Finanzkrise ist. Die Banken haben lange für dieses Image gearbeitet, damit müssen wir nun Schluss machen.

Eine weitere Zielsetzung ist es, zu „erklären“. Wie gesagt, Fehler passieren immer mal. Kein Kunde hat wirklich die Erwartung, dass es irgendwo auf einer Welt eine „fehlerfreie Zone“ gibt. Es kommt aber darauf an, wie ich damit als Bank umgehe. Lasse ich den Kunden im Dunkeln und verneine meinen Fehler, dann entsteht das, was ich im oberen Absatz beschrieben habe. Das wiederum gilt es dringenst zu vermeiden.

Weitere – alte – Regel: Jeder Kunde, der sich beschwert, ist eine Chance, einen begeisterten Kunden zu schaffen! Ein Kunde, bei dem alles rund läuft, tut sich mit der Begeisterung für einen Partner schwerer als ein Kunde, der ein negatives Erlebnis hat und dann erlebt, wie wir uns anstrengen, um das wieder gut zu machen. Natürlich sollte das aber nicht zum Regelfall werden…

Beschwerdemanagement 2.0: Das Netz als Seismograph für Verbesserungen nutzen

Fotoquelle: JMG/Pixelio.de

Social Banking 2.0: Wann haben Sie sich zuletzt in einer Bankfiliale wohl gefühlt?

NIE. Ich hatte NIE das Gefühl wirklich willkommen zu sein. Da gilt wohl eher der alte Spruch: „Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt und deswegen auch im Weg.“ 😉

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Lothar Lochmaier

Und hier listet Matthias Kröner noch zum obigen Beitrag quasi exklusiv für die Leser von Social Banking 2.0 seine konkrete Praxiserfahrung in der Hotellerie auf, damit die Leser nachvollziehen können, hier kennt sich einer im gehobenen Metier der Servicequalität wirklich aus:

–          Lehre: Hotel Kempinski Vier Jahreszeiten München

–          Dann: Hyde Park Hotel (heute ein Mandarin Orientiel): Assistent Back of the House Manager

–          Dann: Studium in CORNELL UNIVERSITY „Center for professional Development” für Hotel- and Restaurant Administration and Management. Dieser Lehrstuhl an einer der ersten US Universitäten wurde von Conrad Hilton ins Leben gerufen und unterstützt.

–          Dann Studium an der FH München (arbeitet mit CORNELL zusammen): BWL mit Schwerpunkt Hotel Management.

Bildquelle: Bildpixel/Pixelio.de

Besteht die neue Servicequalität im Netz aus neuen Wolkenkratzern? 

Bildbeschreibung: Blick durch ein Fenster im Souk Al Bahar auf der Insel „The Old Town Island“ im künstlichen See „Lake Dubai“ zum gegenüberliegenden Wolkenkratzer Burj Khalifa. Der Burdsch Chalifa (Burdsch Khalifa, Dubai-Turm, eng. „Burj Khalifa“) in Downtown Duba (erbaut 2004-2010) ist mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt. Im Gebäude befinden sich das erste Armani-Hotel der Welt Büros in 49 Etagen, 1044 Appartmentwohnungen, Restaurants, Lobbys in meherern Etagen, Fitness- und Wellness-Bereiche in 4 Etagen und 3000 Parkplätze. Bei 452 Metern gibt es die weltweit höchste Aussichtsplattform „At the Top“ mit Außenterrasse.

Weitere Stationen der Hotellaufbahn von Matthias Kröner während des Studiums: 

            a) Arlberg Hospiz, St. Christoph, Demi Chef de Rang (Service)
            b) beim Oktoberfest München, Hacker Zelt, Stellv. Geschäftsführer
            c) Oktoberfest München, Armbrustschützen-Zelt, Stellv. Geschäftsführer.

Zielsetzung war es – vor allen Dingen während des Studiums -, die unterschiedlichsten „Extrem“-Konzepte der Hotellerie und Gastronomie kennen zu lernen.

Quelle: Matthias Kröner/Lothar Lochmaier

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Written by lochmaier

März 12, 2012 um 7:40 am

Veröffentlicht in Uncategorized

7 Antworten

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  1. […] der Münchner Fidor Bank erstellt worden sind. Am kommenden Montag folgt dann ein ergänzendes Interview mit Geschäftsführer Matthias Kröner zur Frage, wie sich Servicequalität im Web 2.0-Zeitalter gerade im bis dato wenig […]

  2. Der Xing Link (www.xing.com/app/message?op=show&box=GROUP_NEWSLETTER&id=473493&dpt=sysm&ttp=mail&plf=own&pid=group-newsletter&xtr=lnk) geht bei mir leider nicht. Was mache ich falsch..?

    Martin Burch

    März 14, 2012 at 5:46 pm

  3. Für alle mit dem gleichen Problem: https://www.xing.com/net/ficoba

    Martin Burch

    März 15, 2012 at 2:18 pm

  4. Anmerkung der Redaktion: Der Autor dieses Weblogs möchte an dieser Stelle noch einen Kommentar freischalten, der die Diskussion um die Zukunftsperspektiven der Fidor Bank – hoffentlich jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei – produktiv beleben kann (bei weiteren Kommentaren bitte aber immer sachlich und fair bleiben). Folgende mail hat mich dazu erreicht:

    … Ich habe erst kürzlich wieder angefangen, die Fidor Bank zu beobachten. Das letzte Mal habe ich vor anderthalb Jahren oder so draufgeguckt und gesehen, wie sie den Leuten irgendwelche sehr „transparenten“ Zertifikate als Geldanlage andrehen wollten, da habe ich das Interesse recht schnell verloren. Aber das war wohl eine kurze Phase, aktuell finde ich das Angebot übersichtlich und zinslich attraktiv.

    Prinzipiell empfinde ich die Fidor-Bank auch als ein sehr spannendes Experimentierfeld. Vieles von dem, was hier erprobt wird, wird vermutlich bald in modifizierter Form zum Standard gehören. Beispielsweise die Eröffnung einer bankeigenen Community finde ich super. Das schafft Raum für eine Feedback-Kultur, die so wohl im Banksystem bislang einzigartig ist. Die Unternehmenskultur so konsequent darauf auszurichten, finde ich bewunderswert.

    ABER: Leider ist das generelle Niveau der Community-Beiträge sehr, naja, durchwachsen, die Community finde ich generell sehr unübersichtlich strukturiert und was sich da als „Berater“ tummelt, überzeugt mich auch nicht gerade. Die Sache durch monetäre Anreize anzuheizen, seien sie auch noch so mickrig, hat für mich das Geschmäckle eines Strukturvertriebs auf Laienbasis oder zumindest auf sehr undeutlicher Kompetenz der Beratenden. Wie ich vorhin gesehen habe, treiben sich da sogar AWD-Fuzzis herum, au Backe! Das ist man mit regelmäßiger Finanztestlektüre höchstwahrscheinlich besser dran.
    Wenn ich das mit dem von mir sehr geschätzten Wertpapier-forum.de vergleiche, meinem finanziellen Erweckungserlebnis 😉
    – da liegen Welten dazwischen.

    Und letztlich ist das Community-Modell m.E. keine wirkliche Lösung des alten Dilemmas zwischen neutraler Honorarberatung und provisionsbasierter „Beratung“ (=Abverkauf). So lange niemand bereit ist, für eine gute Beratung zu zahlen, wird auch Social media das interessengeleitete Produkteverkaufen der Banken nicht verändern. Es wird nur ein Medienwechsel stattfinden.

    Daher bin ich umso gespannter darauf, wenn die Fidor Bank mit Investment-Angeboten beginnt. Bestimmt stricken die schon an irgendwelchen Fonds-Angeboten oder Koops, auf deren tatsächliche Transparenz ich sehr neugierig bin. Eigentlich erstaunlich, dass die noch nix mit dem Stuttgarter Aktienfonds zusammen machen, das würde sich ja wirklich anbieten.

    Generell bin ich vielleicht auch zu skeptisch, was die Aufhebung der Informationsassymetrien angeht, die Teil des bankerischen Geschäftsmodells sind. Die Information ist sicherlich leichter verfügbar, überhaupt war es wohl noch nie so leicht, seine Finanzen in die eigene Hand zu nehmen – aber: Wer nutzt diese Freiheit? Wer ist wirklich willens, sich mit der Materie auseinanderzusetzen? Ich denke, nach wie vor sind die meisten Leute mit einer Black Box wie der Bank of Scotland glücklich, so lang der Tagesgeldzins ein paar Mickerpunkte über dem Durchschnitt liegt. Mit der Frage, warum der Zins besser ausfällt und was das eigentlich bedeutet, möchte sich ein Großteil schon gar nicht mehr befassen.

    Aber was für mich bei Fidor am Schwersten wiegt, hatten wir schon angesprochen: Ich sehe kein gewinnbringendes Geschäftsmodell dahinter. Dass sich Fidors Nische in den nächsten Jahren wesentlich erweitert, glaube ich nicht. Zu klein, zu unbekannt, zu wenig Möglichkeiten, mit der Marktmacht der Etablierten konkurrieren zu können. Dazu noch kein richtiges Kreditgeschäft und dieses merkwürdige Fidorpay ist, wenn ich es richtig verstanden habe, auch kein wirkliches Äquivalent zu einem Girokonto. Mag sein, dass sie den Direktbanken ein bisschen was abluchsen können, aber ob das reicht?

    Mein zugespitztes Fazit: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Ich würde nur sehr wenig Geld bei denen parken wollen.

    lochmaier

    März 17, 2012 at 8:55 am

  5. Verehrter Verfasser dieses Kommentars,

    als erstes möchte ich Ihnen für die Ausführlichkeit danken, mit der Sie Ihre Gedanken zu unserem Ansatz beschreiben. Dies ermöglicht mir eine detaillierte Antwort. Es wird nicht meine Absicht sein, Ihnen zu widersprechen, denn einem persönlichen Eindruck kann ich nicht widersprechen. Ich würde Ihnen aber gerne die ein oder andere Zusatzinformation geben, so dass man das Bild vielleicht ein wenig abrunden kann.

    1. Die Fidor Bank ist nicht angetreten, den Zahlungsverkehr zwischen München und Starnberg zu optimieren. Die Bank ist auch nicht angetreten, um nun mehr oder weniger gewöhnliche Fonds unters Volk zu streuen. Weder das eine noch das andere braucht unsere Unterstützung. Wofür aber tritt die Fidor Bank an?

    2. Die Fidor Bank hat sich die internet-basierte Entwicklung von Verhaltensweisen in den letzten Jahren sehr genau angesehen. Die daraus resultierenden Zielgruppen sind uns sehr gut bekannt. Vor allen Dinge das daraus resultierende Produkt-Angebot bzw. die Produkt-Möglichkeiten faszinieren uns. Denn mit einem ordentlichen Schuß Verständnis von web 2.0 und social media läßt sich einiges an Innovation betreiben, Innovation, die den Nutzern der Bank das Leben leichter macht und im Umgang mit Geld wieder Spaß entstehen läßt.

    3. Eines der Kernelemente ist die von Ihnen genannte Community. Wichtigste Voraussetzung hierzu ist, dass man über Geld reden und sich austauschen möchte. Ich habe sehr viel Verständnis für Menschen, die das nicht wollen, möchte Ihnen aber eines zurufen: „Wenn Sie nicht über Ihr Geld reden, dann machen dies andere!“ Das Niveau der Diskussion ist dabei natürlich nicht zingend wissenschaftlich und hängt an der finanziellen Vorbildung der Diskutanten. Woher sollten die Menschen es auch wissen, haben doch die Banken viele Jahrezehnte daran gearbeitet, die Kunden eben NICHT zu informieren, NICHT zu integrieren. Wen wundert es also, dass wir einen gewissen finanziellen Analphabetismus haben. Diesen kann man in unserer Community sehr leicht überwinden und dazu sind wir da. Diese Community ist natürlich kein Ersatz für ein persönliches Beratungsgespräch. Der Unterschied ist aber, dass ich mich nun über eine Community neutral vorab informieren kann und so nicht mehr gänzlich naiv der Meinung eines Beraters ausgeliefert bin. Alleine das halte ich schon für einen massiven Zugewinn im Vergleich zur Situation vor Eröffnung der Fidor Bank. Die Nutzer sehen es ähnlich: Mehr als 6.000 Fragen wurden bislang gestellt, diese wurden bis zu 6 mal pro Frage beantwortet. Wie immer muss man das mit dem vergleichen, was man heute bei BAnken etc. so vorfindet.

    4. Das Bonusprogramm ist wesentlicher Bestandteil unserer Community und Ausdruck unserer Kultur. Eine öffentliche Diskussion hilft allen, viele lesen mit und denken sich: genau eine solche Frage habe ich auch. Da wir dadurch keine Content-Aufgabe mehr im Haus haben sondern diese an die Nutzer „outgesourct“ haben, haben wir Einsparungen, die wir mit den nutzern teilen. Dies mag für den Kunden einer normalen Bank geradezu unglaublich klingen, für uns ist es einfach nur fair.

    5. Unser Kernprodukt ist das FidorPay Konto. In diesem Konto verbinden wir die Einfachheit eines Payment Dienstes mit den vielen Vorteilen eines Vollbank-Angebots. Dies bedeutet, dass man auf der einen Seite Geld an email-Adressen senden kann, oder auch an Mobilfunknummern. Natürlich kann man auch ganz normal Geld senden – ganz wie es beliebt. In diesem Konto kann man aber auch – ohne extra Kosten und ohne ein extra Konto eröffnen zu müssen – Edelmetalle kaufen, Fremdwährungen kaufen und beispielsweise an innovativen Finanzlösungen wie „crowdfunding“ und „peer to peer lending“ teilnehmen. Der Kunde kann somit entscheiden, ob er seinen Finanzbedarf mit der Bank oder dank der Hilfe anderer Nutzer decken möchte.

    6. Abgerundet wird dies durch eine FidorPrepaid MasterCard, einsetzbar überall, wo MasterCard akzeptiert wird. Also überall. Vor allen Dingen aber auch im Internet, denn die Karte kommt mit einer Internet-Shopping-Versicherung.

    7. Nun, ist Deutschland dafür reif? Ich denke ja, denn wir werden sehr bald die 100.000er Marke an Registrierungen durchbrechen, nachdem es noch 75.000 zum Jahresende 2011 waren. Und dies ist der Anfang, denn wir haben noch keine große Kampagne gemacht und wir haben noch keinen der zahlreichen Partner angeschlossen, die nur darauf warten, die Idee der FIDOR Bank international in die Welt hinaus zu tragen. Insofern mache ich mir über die Wachstumsmöglichkeiten unserer Bank überhaupt keine Sorgen.

    Ich hoffe, ich konnte das Bild ein wenig abrunden. Wie Sie vielleicht sehen, hat sich in den letzten 12 Monaten sehr viel getan. Die kommenden Monate werden nicht weniger spannend sein.

    Beste Grüße
    M. Kröner

    Matthias Kroener

    März 17, 2012 at 2:59 pm

    • Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, Herr Kröner. Gerne möchte ich mich noch mal in Ihre Erläuterungen einklinken.
      1. Zum Thema Fonds: Dass Fidor auf irgendwelche High-Net-Worths am Starnberger See abzielt, wäre mir auch nie in den Sinn gekommen. Für deren optimiertes Private Banking sind Sie ja auch an fundsaccess beteiligt. Aber Privatanlegern bei Fidor Zugang zu Aktien und Anleihen zu schaffen, erscheint mir erst einmal nicht Verwerflich. Fonds und ETFs können Kleinanlegern dies erheblich erleichtern und auch bei kleinen Beiträgen risikomindernde Streuung ermöglichen. Angebote wie der Stuttgarter Aktienfonds oder Investtor.de mit seinem Mitmachkonzept reichern das mit zusätzlicher Transparenz an (auch wenn letztere natürlich in Starnberg sitzen). Ist so ein Communityfonds denn kein reizvolles Konzept für Fidor?
      2. Das Fidor-Pay-Konto: Es ist also kein vollwertiges Äquivalent zu einem Girokonto (inklusive Dispokredit, EC-Karte etc.), richtig? Warum eigentlich nicht? Girokonten sind doch letztlich das einzige Bankprodukt, das nun wirklich jeder braucht.
      3. Das Kundenwachstum: Freut mich, dass Sie positive Zahlen anpeilen können. Aber Einlagen Einsammeln ist nun mal nur die eine Hälfte der Medaille. 4% Zinsen für Sparbriefe müssen auch irgendwo erwirtschaftet werden – und da beginnen meine Zweifel. Aber ich erwarte jetzt auch nicht, dass Sie sich so tief in die Karten gucken lassen. Das sind eben die natürlichen Grenzen der Transparenz.
      4. Die Community: 6000 Fragen, die durchschnittlich 6 Antworten bekommen, klingt beeindruckend. Alles, was finanzielle Mündigkeit fördert, finde ich begrüßenswert. Aber Aktionen wie diese hier, bei denen Sie alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, zur Berater-Anmeldung einladen – so etwas weckt meine Skepsis:
      http://www.offenes-presseportal.de/finanzen_wirtschaft/content-offensive_schwerpunkt_beraterdatenbank_-_fidor_bank_ag_belohnt_mitarbeit_der_user_105587.htm

      Gleichwohl kann ich nicht abschätzen, wie stark Sie ihre Community moderieren (lassen) und wie gut die Bewertungsfunktion Mißbräuche und Werbung verhindert. Aber wie gesagt: Die Foren, in denen ich mich gerne tummle, kommen ohne finanzielle Anreizsysteme aus. Und bieten dennoch Wissen auf hohem Niveau.

      Trotz aller Kritik: Ich bin sehr gespannt, wie es sich bei Ihnen weiterentwickelt.

      Axel Kannenberg

      März 18, 2012 at 7:54 pm

      • Hallo Herr Kannenberg,

        gerne lade ich Sie dazu ein einfach mal ein wenig die Community zu beaugapfeln. Im großen und ganzen ist die Community ziemlich sauber von Mißbräuchen und (erst recht) Werbung, diese wird auch schnell durch die Community „entlarvt“ und „abgewatscht“, worauf wir im Prinzip sehr stolz sind, ich denke da rede ich für die Community 😉
        Im Kommentar von Herrn Kröner liest es sich ein wenig so als ob die Communitymitglieder keine allzuhohe „Finanzbildung“ hätte und auch nur als „grobe Vororientierung“ für ein „echtes“ Beratungsgespräch dient.
        Dem möchte ich widersprechen, das Niveau ist deutlich höher als das, was man von den meisten Bankberatern hier in Deutschland erwarten kann. (meine Meinung… kleines Beispiel: Ich trug monatelang einige „Finanzfragen mit mir rum, die mein Finanzberater nicht beatworten konnte – dieser war kein 0815-Berater/Verkäufer einer „normalen“ Bank, in der Community konnten diese Fragen beantwortet werden.)

        Zum Thema moderieren….

        Mit freundlichen Grüßen

        Dennis Herrmann
        (Moderator, Fidor-Community, Nickname: BekLOPD)

        BekLOPD (@BekLOPD)

        März 19, 2012 at 8:05 pm


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