Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Banking ohne Banken: Gibt es dafür den richtigen Boardingpass?

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In einem mehrteiligen Gastbeitrag haben sich Florian Semle und Dirk Elsner auf der Plattform PR Blogger mit der Bank der Zukunft befasst. Gibt es die überhaupt? – mögen einige Spötter jetzt einwenden, wo das business as usual vermeintlich weiter dominiert. Das Provisionsmodell beherrscht den Markt ebenso wie die Tendenz, nur lukrative Fondsprodukte für den Massenmarkt anzubieten, die einer genauen Betrachtung mit Blick auf das aktive Management selten dem hohen Anspruch standhalten.
 
Welche Chancen aber haben innovative Modelle tatsächlich, die den Mittelsmann neu definieren? Bleiben sie eine Randerscheinung oder erreichen sie irgendwann die Mitte der  Gesellschaft? Gibt es beispielsweise bald eine Art von Google-Bank, wie ein interessanter Beitrag auf dem Bank Blog dieser Frage genauer nachgeht.
 
Oder anders herum gefragt: Werden soziale Netzwerke auch die finanziellen Verhaltensweisen der Anleger neu justieren, so dass Banken am Ende nachziehen müssen, um nicht auf der Rücksitzbank in der dann anders verteilten Wertschöpfungskette zu landen. Kommt also sowas wie die virtuelle Facebook-Währung und -Filiale?
 
Vielleicht sollten wir uns eine gewisse Bodenhaftung bewahren. Keiner ist das Orakel von Delphi. Der Beitrag von Florian Semle und Dirk Elsner via PR Blogger liefert zumindest eine gute Zusammenfassung anhand von vier Thesen, denen ich nur zustimmen kann:
 
1.  Die Machtverlagerung von der Bank zum Kunden
2. Technik als (man könnte hier ergänzen als fairer und so gesehen „sozialer“) Service
3. Kollektives Finanzwissen
4. Der Kunde als aktiver Teil des Wertschöpfungsprozesses
 
Quelle: pr-blogger.de
 
Was geht hier ab? Der Reihe nach: Kaum einer, der das Internet und dessen neue Spielregeln wirklich kennt, möchte die oben genannten Punkte bestreiten. Warum aber vollzieht sich die Innovation in der Finanzwelt trotzdem so schleppend?
 
Nähern wir uns der virtuell ausgedruckten Bordkarte zur Killerapp in der Bank 2.0 langsam: Weil sich viele aktuelle Geschehnisse mit Blick auf die Mitte der Banken langsam und nach innen abspielen. Der Dialog mit neuen Stakeholdern wird nicht offen geführt, offenbar befürchtet man, dass die eigene Produktphilosophie ins Erodieren kommen könnte.
 
Angesichts der existenten Zielkonflikte zwischen Kunde und Bank ist dies freilich nachvollziehbar. Wehret den Anfängen, wenn das Provisions getriebene Vertriebsmodell ins Wanken käme. Untermauert wird diese Einschätzung auch dadurch, dass die Banken stärker als früher auf  margenträchige „Hausprodukte“ setzen, wie soll da der offene Dialog via Social Media gelingen, wo dort die Nutzer mit am Regiepult sitzen, jenseits von substanzlosen Produktinfoblättern und hübsch ausschauenden Kundenbeiräten.
 
Hier wird noch mancher Stein den Berg heraufrollen, und mancher Prophet im eigenen Land auf Granit beißen, bis die Philosophie „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ ein Auslaufmodell darstellt. Aber das Internet ist in der Lage, hier nicht nur als Korrektiv in Richtung mehr „Kundenorientierung“ zu fungieren, sondern auch neue Geschäftsmodelle von der Basis her zu kreieren, die die „Top Downs“ dieser Welt zum Nachdenken anregen.
 
Ich für meinen Teil freue mich dazu im Frühjahr auf zahlreiche spannende Diskussionen vor und hinter den Kulissen. Sprechen und diskutieren werde ich etwa am 15. Mai auf dem Retail Banking Forum in Wien – dort nach einem Vortrag steht in einem Roundtable das provokante Thema an: Banking ohne Banken? 
 
Bezeichnend ist auch die Aufgeschlossenheit von jüngeren Bankern, sich mit neuen Ausbildungsinhalten jenseits des „Mainstreams“ zu befassen, was meiner Einschätzung nach allerdings im Ausland zumindest vordergründig betrachtet etwas engagierter gelingt als hier. Aber irgendwann erreicht jeder Innovationszug uns.  
 
So bin ich etwa im Frühsommer in Sofia unterwegs, und zwar hier: 1st Annual summit ~ Sustainable Banking & Social Entrepreneurship ~ 08 June 2012, Sofia (Bulgaria), mit einem Vortrag zum Thema: Social Banking 2.0 – the future of finance?   
 
Kommen wir nun zur Frage, ob und in welcher Form es überhaupt einen technisch-ökonomisch-sozialen Boardingpass für das Banking ohne Banken geben kann. Dazu ein Lesetipp: Die aktuelle Ausgabe Nr. 27 der Fachzeitschrift T3N verfolgt das Schwerpunktthema „Future Cash“. Darin beleuchte ich neben anderen Autoren das Thema: Wie viel Social Media braucht und verträgt die Bank? Das Heft erscheint am 29. Februar im Handel. Mehr Infos auf den Onlineseiten von T3N. Ein paar Schnupperzeilen meines Beitrags „Offene Banken“ finden sich hier.
 
Fazit: Wie komplex die Frage zu beantworten ist, ob und bei wem man den Boardingpass in die neue Bankenwelt käuflich erwerben kann, möchte ich mit einem vielschichtigen Querverweis statt mit fertigen Patentrezepten veranschaulichen. 
 
Auf dem Weblog Berliner Gazette findet sich ein Buchauszug meines Romans Schattenbanken, er zeigt jenseits von Klischees, Rechtfertigungen, aber auch von plumpem Bankenbashing die Mechanismen auf, die sich in unserer Gesellschaft und Wirtschaft derzeit abspielen. Das Ganze ist künstlerisch ansprechend mit Fotos des in New York lebenden japanischen Fotographen Noritoshi Hirakawa aufgemacht. 
 
Wer die Gratwanderung unternehmen möchte, die bunte Welt zwischen den Licht- und Schattenbanken zu erkunden, der kann außerdem ein Interview mit dem Autor auf dem Bank Blog nachlesen. 
 
Und heute hat die Fachzeitschrift t3N (02.03., 11.53 h) noch eine kleine  Promo-Aktion gestartet, bei der es drei Gewinner gibt: 1. Preis: ein t3n Jahresabo 2.+3. Preis: Je eine aktuelle Ausgabe des t3n Magazins. Rasch bei mir melden, info(at)wellenenergie.de.
 
Und so sieht das Titelbild zum „Geld der Zukunft“ bei T3N aus:
 
 
t3n27 future cash
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Written by lochmaier

Februar 27, 2012 um 8:11 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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