Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Umweltbank: Top-Erfolgszahlen, aber kein Social Media und falsche Werbeversprechen?

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Bis dato hat dieses Weblog sich noch nicht explizit mit der Umweltbank befasst, die neben der GLS Bank sicherlich zu den erfolgreichsten Vorreitern unter den deutschen Ökobanken gehört. Den erfolgreichen Bilanzen auf der Habenseite der letzten Jahre mit zweistelligen Zuwachsraten in Kundenzahl und Geldvolumina stehen aber auch kritische Punkte gegenüber.

Neben der Finanzierung von Solartechnologien steht vor allem das ökologische Bauen im Vordergrund. Längst ist das auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierte Institut in den Mainstream vorgedrungen. So kann man via BILD studieren, wie die Nürnberger im 15. Jubiläumsjahr erneut kräftig gewachsen sind. Aber es gibt auch Kritikpunkte, die bislang jedoch eher marginal ausfielen.

So nutzt die Umweltbank beispielsweise im Gegensatz zu der sehr aktiven GLS Bank gar kein Social Media, um mit den Kunden zu kommunizieren. Im Gespräch mit Social Banking 2.0 begründet ein Unternehmenssprecher diese Haltung einerseits mit einem Mangel an personellen Kapazitäten, aber auch mit der geringen Notwendigkeit. „Wir erreichen unsere Kernzielgruppen auch ohne Social Media“, so die Aussage der Umweltbank am Telefon.

Kurzum: Auch in Zukunft ist keine Präsenz in den sozialen Medien angedacht. Etwas schwerer als die nicht vorhandene Öffnung in Richtung neuer Zielgruppen via Social Media wiegt aber ein anderer Vorwurf, durch den die Umweltbank neuerdings wegen irreführender Angaben in Werbeprospekten zu Windparkprojekten ins Visier von Verbraucherschützern gerät, berichtet jedenfalls die Stiftung Warentest.

Und das sind die konkreten Vorwürfe:  

Viele Anleger sind von der Umweltbank enttäuscht. Die Bank habe ihnen mit falschen Werbeaussagen riskante Beteiligungen an Wandparks angedreht und langjährige Investitionen in Windparks als sichere Altersvorsorge empfohlen. Später, als die Erträge ausblieben, habe sie ihre fehlerhaften Angaben und die Sicherheitseinschätzung für die Windfonds deutlich nach unten korrigiert.

Quelle: test.de

Was ist nun dran an den Vorwürfen, werden hier Äpfel mit Birnen vermengt, wie ein Leserkommentar kritisch zur Berichterstattung der Stiftung Warentest anmerkt? Gegenüber Social Banking 2.0 räumt die Umweltbank zwar gewisse Mängel in den früher aufgelegten Prospekten ein, sieht jedoch den Vorwurf der Verbraucherschützer, es drohe bei dieser Anlagevariante der „Totalverlust des eingesetzten Kapitals“ als unbegründet an – vor allem, weil die Windprojekte ja physisch vorhanden seien, also ein materieller Gegenwert.   

Mir geht es auch in diesem Fall darum, den konstruktiv-kritischen Dialog auch in Richtung Umweltbank zu eröffnen, und zwar jenseits von Banken-Bashing, aber auch der gelentlich zu beobachtenden Tendenz, das Geschäftsgebaren von Ökobanken gegenüber dem Mainstream etwas idealistisch zu überhöhen.

Also: Was meinen die Leser, zu folgenden Fragen:

– Warum verzichtet die Umweltbank ganz auf Social Media?

– Ist das gar nicht notwendig, um als nachhaltiges Finanzinstitut erfolgreich zu sein, oder vergibt man hier Chancen?

– Und: Wie sehen die Leser die angeblich „falschen Werbeversprechen“ der Umweltbank, richtig oder unwahre Behauptungen (bitte mit präziser Begründung, dabei jedoch immer sachlich und fair bleiben)?

Ich freue mich über jeden aussagekräftigen Kommentar. Bitte aber keine reinen Werbeeinträge zu der einen oder anderen alternativen Bank, das wäre etwas durchsichtig, sondern eine sachliche Auseinandersetzung rund um Chancen und Grenzen in der „Umweltbank 2.0“ im Auge behalten.

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Written by lochmaier

Februar 21, 2012 um 3:01 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Social media?! Herr Lochmaier, die Umweltbank hat noch nicht mal Onlinebanking. Mein Tagesgeldkonto bei denen muss ich über das Telefon anweisen. Daher meine Vermutung: Zu der mangelnden Inhouse-Kompetenz kommt gleichzeitig eine ausgeprägte Online-Aversion. Und da der Laden ja auch so brummt, muss man sich wohl nicht nach der Decke strecken, wie der Sprecher selber schon sagte.
    Hier wäre sicherlich mal interessant, auf die Altersstruktur der Kunden zu schauen – die Umweltbank dürfte eher ältere Semester ansprechen, die keinen großen Wert auf soziale Netzwerke legen. Nicht unbedingt nachhaltig, würde ich denken.
    Andererseits: Beispiele wie die Community der Fidor-Bank erwecken in mir immer etwas ungute Assoziationen zum Strukturvertrieb der 90er Jahre. Da ist mir die staubige Umweltbank doch irgendwie noch lieber.

    Und was Sie da zitieren: Stand nicht in dem Finanztest-Artikel auch drin, dass die Umweltbank die in den besagten Windfonds geflossenen Gelder rückerstatten will? Immerhin, würde ich sagen. Welche Bank in Deutschland macht sowas, ohne von einem Gericht dazu gezwungen zu werden?

    Candide

    Februar 29, 2012 at 9:20 pm

    • Wenn man die Tatsache, daß sich Milliarden von Menschen bereitwilligst durch zwielichtige Geschäftemacher, die so bezeichnete „soziale“ Netzwerke ausschließlich aus kommerziellem Interesse betreiben, um immense Mengen an Informationen über ihre meist ahnungslosen Benutzer zu sammeln, als Kriterium für „Nachhaltigkeit“ ansieht, dann mag man auf Basis dieser „Man-kann-sich-doch-dem-Zeitgeist(Zeit als solche ist übrigens im Sinne der Zellularautomatentheorie kontextfrei; somit stellt selbiger Begriff eine klassische Antinomie dar !)-nicht-in-den-Weg-stellen“-Denkweise auch Kritik an all‘ solchen Menschen üben, die ihr Heil nicht darin sehen, sich bedingungslos den herrschenden Strukturen zu unterwerfen und diese durch Benutzung derer systemtragender Instrumente auch noch zu fördern, sondern den Weg beschreiten, sich zu Institutionen wie z.B. der UmweltBank zusammenzuschließen, die – so meine Hoffnung – sich so schnell dem f***book-Wahn nicht anheimfallen lassen wird !
      (Über „Nachhaltigkeit“ diskutieren wir am besten dann wieder, wenn sich die Fronten im sich aus meiner Sicht anbahnenden „Kulturkampf“ des hier herrschenden Systems mit z.B. den Kräften in China, die das informationelle „Gewaltmonopol“ der Allgemeinheit nicht zugunsten Informationsmonopolisierung durch Individualinteressen aufgeben wollen – hoffentlich wird das https:-Protokoll dort wie auch sonst überall bald für alle Zeit beseitigt ! – irgendwann klären werden und wir zur Kenntnis nehmen werden, wo der Hase hinläuft …)
      Dankbar bin ich allerdings für die Wertung in Candide’s Beitrag, die die Stellung der Bank im System positiv ausleuchtet.

      MfG, sb

      StribelB

      April 25, 2012 at 12:44 am

  2. Auch die Beteiligung am Kraftwerk Emlichheim bei n-prior ehemals Prokon Nord ist hops gegangen, hier hat die Umweltbank nicht die Bilanzen verfolgt, jetzt im Insolvenzverfahren bietet sie 50 % Abfindung, zuerst glaubte die Umweltbank, daß das Kraftwerk durch Verkauf entschuldet und weitergeführt werden kann, hat sich nach einigen Wochen als falsch erwiesen, deshalb die Abfindung

    Insgesamt hat die Umweltbank mit dem Heizkraftwerk Emlichheim sich und den Kunden keinen Dienst erwiesen, darauf bin ich hereingefallen, weil ich dachte die Umweltbank kennt sich aus in der Umweltttechnik,

    mein Eindruck, lieber die Finger lassen vom Beteiligungsgeschäft der Umweltbank, hier hat keiner richtig Ahnung von Bilanzen und Technik, eine Ausnahme davon wäre höchstens die Genußscheine der Umweltbank selbst

    Grüße
    Wolfgang Dietzinger

    Dietzinger

    Dezember 4, 2012 at 1:05 pm


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