Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Trial and Error: Wie erkennt man gute Finanzberater?

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Finanzvermittler sind selten besser als die Produkte, die sie verkaufen. Soweit mein provokatives Eingangsstatement. Die FAZ hat sich kürzlich mit der schwierigen Frage befasst, woran Kunden einen guten Finanzberater erkennen. Ein noch neuerer (Gast)Artikel im selben Medium macht nun den nicht ganz neuen Kompromissvorschlag, die Beratung vom Verkauf zu trennen. 

… Und wenn all das nicht wirklich klappt – die Honorarberatung fristet bekanntlich immer noch ein Nischendasein – dann bleibt den Internetkundigen nur, sich mit anderen Nutzern über ihre schlechten Erfahrungen auszutauschen, um so vielleicht zu mehr Transparenz, zu besseren Ergebnissen oder zumindest neuen Erkenntnissen zu gelangen, wie es nicht funktioniert.

Allerdings stellt sich die Frage, wo der Internetnutzer seriöse Angebote findet, auf denen Finanzberater tatsächlich anhand von klaren Kriterien auf neutrale Art und Weise bewertet sind. Was die Versicherungsbranche angeht, so musste beispielsweise das Portal www.vote4u.de bereits die Segel wieder streichen.

Auf Nachfrage von Social Banking 2.0 erläutert der Betreiber webcon-development nun die Gründe für das bereits wieder beendete Experiment: Weder Entscheidungsträger in Versicherungen, noch Vertriebsmitarbeiter seien von der Idee zu überzeugen gewesen, die Risiken der möglicherweise negativen Bewertungen hätten überwogen.

Auch sei es vote4u nicht gelungen, wie etwa beim Portal whofinance der Fall, über das Portal „Neukundengeschäft“ zu generieren. Offenbar sei die Branche noch nicht reif, das Web als „Verkaufshilfe“ zu erkennen und zu nutzen.

Ein etwas anderes Stimmungsbild als bei vote4u zeichnet derzeit der oben schon angesprochene Marktführer www.whofinance.de– er sieht sich im Aufwind.  Am 13. Januar sei bei WhoFinance die 30.000. Bewertung eingegangen. Derzeit seien über 21.400 Bewertungen veröffentlicht.

Demnach überwiegen die positiven Aussagen. Bis jetzt seien aber auch mehr als 8.400 Bewertungen nicht freigeschaltet worden. Die WhoFinance-Qualitätsprüfung habe hier zumindest Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen oder der Authentizität des Absenders ergeben.

Insgesamt aber, so bestätigen es die Betreiber, suchten immer mehr Verbraucher online nach „fähigen Finanzberatern, die die Kundenbedürfnisse berücksichtigen und dies mit Hilfe von Bewertungen Ihrer Kunden auch belegen können“. Entscheidend für das erfolgreiche Finden eines kompetenten und „erprobten“ Beraters sei dabei die Anzahl und Aussagekraft der Bewertungen auf dem Portal.

Mehr Infos zu diesem Thema finden Sie hier auf diesem Weblog:

Whofinance: Raffinierte Methodik um Finanzberater zu outen?

Who (does) finance: Wie genau lassen sich Finanzberater bewerten?

Einen Überblick über einzelne Bewertungsplattformen für Finanzprodukte  und -berater gibt auch mein Artikel vom vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift GI Geldinstitute:

Wo schlechter Rat teuer wird

Weitere Plattformen für Finanzberater in der Übersicht:

Beim Online-Portal mybankrating www.mybankrating.de soll der Kunde mit Hilfe von fairRate eine erfolgte Finanzberatung anhand von acht Kriterien bewerten. Er kann seinen eigenen Risikotyp nach dem Wertpapierhandelsgesetz ermitteln und damit das Endergebnis indirekt beeinflussen. Das Bewertungssystem, also der Algorithmus „FairRate“, erfragt etwa bei Anlageentscheidungen den persönlichen Risikotyp des Kunden. Ist dieser unklar, kann ihn der Nutzer auch über die Plattform ermitteln. Fazit: Ambitionierter Ansatz, der seine Funktionstüchtigkeit in der Praxis aber erst noch unter Beweis stellen muss.

Mit dem FinanzABC steht schon die nächste Plattform am Start, um das bunte Einmaleins von Vorsorge, Sparen, Krediten bis hin zum Bauen und Wohnen zu durchleuchten. Und auch hier geben die Kunden und Nutzer durch ihre kollektive Bewertungsintelligenz ein Urteil ab, ob der jeweilige Anbieter ihren Ansprüchen genügen kann. Fazit: Ein weiterer kreativer Neueinsteiger, der sich am Markt noch behaupten muss.

Gesamtfazit: Es bleibt fraglich, ob die Kundenbewertungen zu den Finanz- und Versicherungsberatern ein wirklich fundiertes Gesamtbild zur inhaltlichen Performance abgeben. Weiche Kriterien wie Freundlichkeit oder Zeitaufwand sind zwar wichtig, aber nicht unbedingt entscheidend.

Provokant ausgedrückt wäre so manchem Kunden ein Berater lieber, der unfreundlich ist, aber dafür „reinen Wein“ einschenkt, über seine Provisionen und über die Risiken und Chancen, die in dem liegen, was er gerade mit so eindrucksvollen tollen Charts präsentiert hat. Oder?

Written by lochmaier

Januar 17, 2012 um 9:45 am

Veröffentlicht in Uncategorized

5 Antworten

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  1. Einen etwas anderen Weg verfolgt http://www.BankingCheck.de/ – dort sollen keine Berater geoutet werden, sondern Leser und insbesondere Kunden können Finanzprodukte nach jeweils für das Produkte festgelegte Kriterien bewertet werden.

    Daraus ergibt sich eine klare Bewertung der Kunden und gute Produkte können aus den negativen herausstechen. Derzeit sind bei BankingCheck.de schon mehr als 80 Banken mit 300 Produkten aus allen Bereichen vertreten.

    BankingCheck

    Januar 17, 2012 at 10:17 am

    • Ohne das jetzt in Frage stellen zu wollen, irritiert mich bei dem Ansatz ein klein wenig, dass man Usermeinungen, im Sinne von subjektiven, nachfrageorientierten Globalurteilen, verwendet, um objektiv vergleichbare Fakten zu bewerten. Bilden wir einen Stuhlkreis um zu ermitteln ob uns die Zinsen beim Tagesgeld gefallen, mal ganz überspitzt gesagt? Aus Anbietersicht eine sehr spannende Lösung, aus Nachfragersicht würde ich gerne Details wissen. Könnten Sie die 5 Kriterien kurz erläutern, die bewertet werden? Interessanter Ansatz, ist mir bisher nur von Finanz-abc bekannt.

      Majonek

      Januar 18, 2012 at 4:33 pm

      • Aber klar – nehmen wir doch einfach das Beispiel Tagesgeldkonto – dort können Leser folgende Kriterien bewerten:

        1. Zinssatz (Höhe des Zinssatzes)
        2. Zinsgutschrift (Anzahl Zinsgutschriften; Mindest- und Maximalanlage)
        3. Sicherheit (Höhe der Einlagensicherung und Sicherungsystem, bspw. Einlagensicherungsfonds)
        4. Service (Service per Internet und Telefon sowie Beratung und Support)
        5. Beantragung (Online- und Offline Antragsprozess und deren Bearbeitung)
        … Kommentar oder Erfahrungsbericht ist optional.

        Sprich der Kunde bewertet nicht einfach, ob die Bank gut oder schlecht ist, sondern geht direkt auf die produktspezifischen Kriterien ein – so kann ein andere Leser sich bspw. eine Bank suchen, die eine gute Einlagensicherung und einen guten Support hat, vielleicht aber nicht die allerbesten Zinsen. Also eine detaillierte und differenzierte Bewertung, um gute / schlechte Banken und Produkte besser zu erkennen.

        So sind auch die Kriterien bspw. beim Girokonto auch fast komplett anders, denn dort zählen die Kosten, Dispozinsen, Anzahl Geldautomaten usw.
        Ich hoffe man versteht, was gemeint ist.

        BankingCheck

        Januar 18, 2012 at 5:02 pm

  2. Das bedeutet dann also, keine Globalurteile, einzelne Merkmale und das Ergebnis errechnet sich aus der Summe der Einzelmerkmale?
    Mit Bezug auf Zinssatz z.B., so ist das ja ein objektives Kriterium -> heisst, ich kann Zinssätze sortieren und den besten oben listen. Warum sollte das subjektiv, also user-bewertet, dargestellt werden?
    Das funktioniert, allerdings braucht man m.E. nach eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit und viel wichtiger, viele User. Wenn sich der Referenzzinssatz ändert, ändern sich Tagesgeldzinsen oder Banken pushen Angebote bei denen sie „drauflegen“. Ein objektiver Vergleich zieht diese Daten aus einer Quelle. Bei subjektiven Bewertungen müssten User reagieren, Ratings müssten sich ändern. Was vor 6 Monaten noch ein super Zins war, ist heute unter Umständen auf Universalbankniveau. Wie bildet die Plattform das ab, wenn man sich rein auf User-Bewertungen stützt? Verfallen die Ratings nach einer Zeit?

    Die Höhe der Einlagensicherung ist in dem Fall auch objektiv vergleichbar, weil das vom KI veröffentlicht wird. Als kundenspezifische Faktoren, wo subjektive Bewertungen sehr wichtig sind, sehe ich Service und Beantragung, da diese beiden Merkmale zu Zeiten vollkommener Information die einzigen Dinge sind, mit denen sich eine Bank von anderen nachhaltig abheben kann. Das geht in Richtung Qualitätsmerkmale und „Qualität messbar machen“.

    Danke für die Erläuterung!

    Majonek

    Januar 18, 2012 at 5:21 pm

  3. Genau, die Gesamtbewertung des Produktes wird immer auf Basis der Bewertungen der letzten 3 Monate berechnet / ausgegeben (kann der Nutzer aber auch ändern), dadurch können sich Produkte auch verbessern oder halt verschlechtern. Ich finde die Kundenbewertungen für alle Kriterien wichtig, denn für den einen ist die gesetzliche Einlagensicherung super, ein anderer zählt nur auf den Einlagensicherungsfonds – das kann der Kunde schon bewerten und auch dort seine Meinung sagen. Ähnliches gilt für Zinssätze – der eine ist mit weniger zufrieden, andere kann man mit 10% Zinsen nicht zufrieden stellen.

    BankingCheck

    Januar 18, 2012 at 5:40 pm


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