Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Gastbeitrag: Florian Haufe über „Plusbanker“ mit Zukunft

with 2 comments

Manchesmal fragen PR-Leute bei mir an, ob der eine oder andere Bankenvorstand mal was auf meinem Blog veröffentlichen kann. Dazu kann ich nur sagen, solange die Führungsriege mit dem Internet als Teufelszeug so wenig anfangen kann, um jenseits von Fassadenpolitur einen substanziellen Beitrag zur geistigen Wertschöpfung zu leisten – solange veröffentliche ich lieber Gastbeiträge von jungen Menschen, die sich Gedanken um ihre eigene Zukunft machen.

So meldete sich kürzlich bei mir Florian Haufe aus dem Umland von Berlin, der sich mit einer kleinen Gruppe an dem Projekt  www.schulbanker.de beteiligt, ein seit Jahren in der Branche durchaus geläufiges Bankenplanspiel. Dazu kreierten Haufe & Co. die fiktive „PlusBank“.

Ich habe die Plusbanker nun angeregt, auf diesem Weblog zum Thema „Wie sieht die Bank der Zukunft aus?“ einen kleinen sportlichen Ideenanstoß zu verfassen. Also Bühne frei für den „Schulbanker“ Florian Haufe:   

Immer deutlicher wird die Silhouette, immer augenfälliger die Kontur. Griechenlandkrise, Occupy Frankfurt, Rechnungsfehler – das Feindbild im 21. Jahrhundert? Banken.

Gastbeitrag von Florian Haufe

Aller Kritik zum Trotz und entgegen der hinfälligen Meinung sind Banken unentbehrlich. Banken nehmen in modernen Volkswirtschaften eine zentrale Stellung ein, sie verwalten das Geld von Sparern und stellen es Unternehmen sowie Privatpersonen als Kredit zu Verfügung. Banken sind gewissermaßen die Mittler zwischen denjenigen, die sparen und denjenigen, die investieren. Im wesentlichen transformieren sie Beträge, Risiken und Fristen.

Dennoch – die Finanzkrise 2008, verbunden mit der Lehman-Pleite, wirbelte Staub um die Frage der „Systemrelevanz“ auf. Aufgrund der Größe und des Kundenkreises mancher Banken wurden durch Pleiten monumentale Verwerfungen ausgelöst.

Ein hohes Risiko, wenn man die globalen Verflechtungen von Finanzdienstleistern bedenkt.

Globale Strukturen sind häufig sehr statisch und träge. Sie erinnern sich an Kostolanys Metapher vom Mann mit Hund? Mal rennt der Hund (Börse) vor, mal hängt er zurück, doch letztendlich orientiert er sich immer am Mann (Wirtschaft). Das lässt sich um eine Variable ergänzen: globale Strukturen. Sie sind in diesem Zusammenhang eine kleines Kind – es ist langsam und traut sich nicht so recht.

Die Politik ebnet den Weg für die Strukturen und da diplomatische Strukturen nicht so recht übergangen werden wollen, hängt man der Realwirtschaft hinterher. Der neoliberalistische Ansatz ist hier recht interessant, den Staat ein wenig auskoppeln und die Sache in die eigene Hand nehmen. Geht in der Realität nur nicht immer so einfach. Hedgeing kann zum Schlüsselbegriff werden, sich gegen Risiken die aus globalen Strukturen resultieren, absichern, seien es Währungsrisiken oder was auch immer. Trifft’s dann einen, bekommen die anderen nicht automatisch den schwarzen Peter zugeschoben.

Doch die Fragen, die die Bank der Zukunft ausmachen sind nicht allein von struktureller Natur, es geht auch um einen, gern zu Werbezwecken verwendeten, Begriff: Beratung. Banken sollten den Kunden Beraten. Die Realität sieht anders aus. Verkaufsdruck von allen Seiten, der Umsatz muss stimmen. Nur manchmal geht es einfach nicht, der Markt ist gesättigt. Letztendlich verkaufen Banken – keine Frage. Nur bekommen Schuhverkäufer einen Rüffel, nur weil jemand, der schon 100 paar Schuhe hat, keine neuen mehr kaufen möchte?

In vielen Vermögensverwaltungen ist die Arbeit auf Honorarbasis oder – netter ausgedrückt – Erfolgsbeteiligung Gang und Gebe. Scheinbar funktioniert es, getreu dem Motto gute Arbeit, gutes Geld – schlechte Arbeit, schlechtes Geld. Der Kapitalismus lässt grüßen.

Das Angebot in vielen Geschäften wechselt ständig. Sommerkollektion, Winterkollektion oder stellen Sie sich eine Lagerräumung des erwähnte Schuhgeschäfts vor. Das Sortiment ändert sich entsprechend des Kundenwunsches. Scheinbar ist in den Produktschmieden der Banken selten einer auf die Idee gekommen dem Kunden das zu bieten, was er möchte. Die Volksweisheit „Nehmen was da ist!“ hat ausgedient.

Eine hervorragende Plattform um mit Menschen in Kontakt zu treten ist das Internet. Vor allem die Entwicklung des Web 2.0 war eine einschneidende Veränderung. Den Protagonisten des Schauspiels „Leben“ wurde ermöglicht, virtuell und interaktiv miteinander in Kontakt zu treten. Die Grenzen des Internets werden lediglich von unserer Ideenvielfalt gezogen.

Es selbst einmal versuchen und den Schwergewichten im Bankensektor zeigen, dass es auch anders geht. Das hat sich die PlusBank auf den Hut geschrieben. Zwar ist die PlusBank nur eine fiktionale, im Rahmen des Bankenplanspiels Schul/Banker kreierte Bank, doch allein schon der Name lässt hoffen.

„Plus“ eben nicht „Minus“. Mit dem Plus an Vertrauen, oder einfach mit dem Plus an Ihrer Seite. Die Namensassoziation steht unter guten Sternen.

Die Strategie der PlusBank ist dabei stark an regionale Identität geknüpft – klein anfangen, statt groß scheitern.

Bei Geld werden die Leute komisch, dass wissen auch die PlusBank’ler. Daher geht es ihnen um das Vertrauen der Kunden. Nur damit ist keinesfalls das kurzweilige, scheinbare gemeint, sondern das wahrhaftige Vertrauen gemäß der preußischen Tugend. Wenn man es nun schafft, alles auf diesen einen Nenner zu kürzen, steht einer (Plus)Bank der Zukunft doch eigentlich kaum mehr etwas im Weg.

Fasst schon schade, dass in die Auswertung des Planspiels nur Zahlen einfließen. Diese „Wirtschaft auf dem Papier“ birgt die Schwierigkeit das geistige Innovationspotential in die offenbar präziseste Sprache der Welt zu übersetzen – in die Mathematik. Je nachdem wie gut die Vokabel- und Grammatikkenntnisse sind, werden u.U. interessante Ansätze nicht erfasst.

Naja, Ziel des Wettkampfes ist jedenfalls der Dazugewinn von wirtschaftlichen Erkenntnissen. Es ist ein Anfang, Jugendliche an die Problematik heranzuführen und ihnen freie Hand zu lassen. So kommt dem SocialBanking möglicherweise zukünftig doch noch eine gewisse Beachtung zu Gute.

Zum Autor: Bereits im Jahr 2009 gehörte der damals 16-jährige Florian Haufe aus Oberkrämer zu den Gewinnern bei Brandenburgs Rhetorik-Wettbewerb Jugend debattiert (1. Preis). Jetzt ist Florian Haufe, 18, zwar geboren in Berlin, aber wohnhaft im nordwestlichen ‚Speckgürtel‘. Der Gymnasiast befindet sich im 13. und letzten Schuljahr.

Nach erfolgreichem Abschluss des Abiturs beabsichtigt er, Anfang Herbst 2012 ein Dualstudium bei der BHF-Bank in Frankfurt am Main zu beginnen. Was ihn nach eigenen Angaben antreibt, habe Goethe’s Faust so formuliert: „Daß ich erkenne was die Welt im Innersten zusammenhält […]“ – im wirtschaftlichen Sinne. Florian Haufe sieht sich demzufolge als Querdenker, der nicht nur den nächsten, sondern auch die Konsequenzen des übernächsten Schrittes versucht zu bedenken. 

Auf der Website (bisher noch im Beta-Format) http://l.hh.de/plusbank und auf der Facebook-Seite http://www.facebook.com/pages/PlusBank/277247115650447 stellt sich das Projekt kurz vor. Das Team besteht aus 5 Schülern und einer beratenden Lehrkraft. Bei der Zusammenstellung des Teams liegt der Schwerpunkt auf „Asset Allocation“. So bündeln die Plusbanker Kompetenzen in Mathematik, Informatik, Wirtschaft und Finanzmarkt sowie Marketing.

Zum Hintergrund des Projekts: Seit vierzehn Jahren veranstaltet der Bundesverband deutscher Banken (www.bankenverband.de) ein Bankenplanspiel, genannt Schul/Banker (www.Schulbanker.de). Dieser Wettbewerb richtet sich an Schülerinnen und Schüler deutscher Schulen, der oberen Sekundarstufe. Finale und Preisverleihung finden vom 29. bis 31.04 2012 in Potsdam statt.

Advertisements

Written by lochmaier

November 30, 2011 um 7:56 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. „Der Kunde übernimmt die Regie“ – wie in allen Branchen stimmt das auch für die Kreditwirtschaft! Das gilt insbesondere für die Kommunikation! Auch Banken müssen lernen, dass Information keine Einbahnstrasse ist und der Kunde gerade in dieser Branche sehr kritisch (geworden) ist. Man wird sich immer mehr austauschen, Empfehlungen oder Ablehnungen austauschen – da muss die Bank mithalten, ansonsten ist sie „weg vom Fenster“. Ich plädiere für einen Kommunikations-Mix aus den bekannten Facebook & Co und einem eigenen Sozialen Netzwerk für die Bank-Kunden.

    Wie sehen das die jungen Schulbanker?

    Erfolg-reiches Netzwerken
    Hans Bayartz
    http://www.WEPS.AG

    Hans Bayartz

    November 30, 2011 at 9:36 am

  2. Hallo Herr Bayartz, sehe ich sehr ähnlich. Die gescheiterte Kommunikation der letzten Dekaden rächt sich nun, mitunter könnte dafür auch die wachsende Individualisierung verantwortlich sein bzw. das Ablehnen des „Abnickens“ der Entscheidungen der Geldhäuser. Gerade im Anlagebereich bildet sich ein Trend heraus, dass immer mehr Leute das Schicksal ihres Geldes in die eigene Hand nehmen wollen.
    Facebook und Co halte ich allerdings für weniger geeignet um die Kommunikation herzustellen. Themen dieser Art auf Facebook zu „posten“ ist … ganz nett, meiner Meinung nach aber nicht zielführend. Zu groß die Möglichkeit der Beeinflussung und zu gering der tatsächliche Gedankenaustausch mit den Banken.
    Allerdings finde ich, ein bankeigenes Social Network ist eine prima Idee. Ein erster, großer und wichtiger Schritt in Richtung Kunde-Bank-Kommunikation.

    Florian Haufe

    November 30, 2011 at 3:13 pm


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: