Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Finanzwelt Inside (Teil IV): Banker suchen Zuflucht in der Natur

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Neben dem Komplettumstieg auf die Segelyacht und den Golfplatz, alternativer Arbeitgeber und der Kunst gibt es einen weiteren Fluchtpunkt für Banker, die es sich leisten können oder wollen: Die Natur. Sie bietet vieles von dem, was die gekünstelte Finanzwelt kaum offeriert: Die Pflanzen, die Bäche plätschern, und die Vögel auf den Bäumen singen, sie sind einfach da und genügen sich selbst. Zu existieren und sich redlich zu nähren reicht aus, mehr braucht es zu dieser Lebensform scheinbar nicht. 

Wie ein „einfacher“ bayrischer Banker beruflich nach einschlägiger Ausbildung auf ein anderes Jagdrevier jenseits der Finanzbranche bzw. auf Gebirgsförster umgesattelt hat – und welche interessanten Erfahrungen er mit der Natur im Hochgebirge macht, verdeutlicht ein Interview mit Franz Obermayer auf der Homepage der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Auch ein äußerer Schock wie der 11. September 2001 kann zum Weckruf für einen sukzessiven Umstieg in eine neue Karriere werden. So ging der Deutsch-Türke Mustafa Ücözler (36) nach dem Abitur in die USA, studierte dort Volkswirtschaft und Sinologie, arbeitete als Programmierer und begann einen Monat vor dem 11. September als Börsenhändler bei Morgan Stanley im Süd-Turm des WTC.

Einige Jahre später stieg der türkischstämmige Deutsche aus der Finanzbranche aus, heute züchtet er Ziershrimps in San Diego, wie man in einem Interview mit dem Standard nachlesen kann. Ein kurzer Auszug daraus:

STANDARD:  Sie handeln heute mit Ziershrimps und nicht mehr mit Aktien. Warum?

Ücözler: Ich war immer schon ein kritischer Mensch. 9/11 hat den Ausschlag gegeben, mein Leben zu überdenken: Was mach ich denn jetzt? Worum geht es hier eigentlich? Ich bin jetzt fast gestorben, soll ich weitermachen und nur Geld verdienen, wie alle anderen leben und dann irgendwann sterben? Oder soll ich jetzt vielleicht anders denken? Soll ich ein Bestandteil dieses ganzen Schauspiels sein oder soll ich vielleicht zuschauen und analysieren? Ich habe mich für das Letztere entschieden. Deswegen hab‘ ich auch meinen Job an der Wall Street ein paar Jahre später aufgegeben. Diese Skandale, die es an der Wall Street gab, sind nur die Spitze des Eisberges. Es gibt viel mehr illegale Sachen, die diese Firmen machen. Es geht nur ums Geld, wie man rankommt ist eigentlich egal. Ob etwas ethisch nicht in Ordnung ist und auch kaum legal, es wird dort trotzdem gemacht. Wenn das überall so ist, auch in der Politik, dann fragt man sich, möchte ich wirklich Bestandteil dieses Ganzen sein? Ich habe zu mir selber gesagt: Nein. Möchte ich nicht.

Quelle: derstandard.at

Wer es noch etwas glaumouröser mag – ein öffentlich wesentlich bekannteres Beispiel für diesen Trend zur ökologischen Neuorientierung unter den Top-Managern ist Rudolf Wötzel. Er führte bis 2008 als Spezialist für Unternehmensübernahmen ein Leben auf der Überholspur. Dann erkannte er: Es ist nicht klug, im Job Schwäche zu zeigen, wie er in einem längeren Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger ausführt.

Rudolf Wötzel kam ins Straucheln, ein totaler Burnout war die Folge. Er konnte nicht mehr funktionieren und musste zwangsläufig über sich und sein Leben nachdenken. Heute bewirtschaftet er eine Berghütte namens Gemsi. Aber ganz tief innen drinnen bleibt der Banker natürlich bestehen. Denn er sieht die Natur bzw. genauer die Hütte auch als betriebswirtschaftliches Investment an, das sich lohnen müsse.

Insofern schließt sich anhand dieses Beispiels der Kreis zwischen Kunst, Natur und Mensch. Nur der Stärkere überlebt, denn auch in dieser parallelen Existenzform jenseits der Businesswelt gibt es eine Art von Konkurrenzgesellschaft. Jeden Tag muss sich jede Kreatur beweisen und eine individuelle Überlebensstrategie entwickeln.

Und so bilanziert Rudolf Wötzel heute mehr als drei Jahre nach seinem Umstieg auf das Almleben, dass eine exakte Lebensplanung doch einen gravierenden Nachteil aufweise: Das, was das Schicksal einem anbiete, die verborgenen Dinge, die rechts und links vom Wege lägen, die seien viel interessanter als die eigene Fantasie zu einem gegebenen Zeitpunkt.

Wer mag da heute noch anlässlich der Marathonsitzungen zum Euro-Rettungsschirm in Brüssel und überall von einem Schicksalstag für die Weltwirtschaft oder die Finanzwelt sprechen. Ob die Leser dem uneingeschränkt zustimmen?

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Written by lochmaier

Oktober 26, 2011 um 7:23 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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