Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Finanzwelt Inside (Teil III): Banker suchen Zuflucht in der Kunst

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Wie Banker(innen) den Karrierehebel umlegen, wenn sie – oft noch in jungen Jahren – zuvor schon genug Geld verdient haben, das lässt sich am Beispiel von Kreativberufen wie dem Bildhauer oder Buchautoren skizzieren. Aber schauen Sie selbst, wer sich im Gegensatz zum durchschnittlichen Arbeitnehmer einen derart eleganten Umstieg leisten kann.

In der Reihe Die schönsten Karrierewechsel in der Finanzwelt  behauptet die FTD jedenfalls, dass in London immer mehr Banker zu freischaffenden Künstler mutieren. In der bunt gemischten Gruppe der „Left Bankers“, in Anlehnung an die Künstlerszene des Pariser Seine-Ufers Rive Gauche, engagiert sich beispielsweise ein früherer COO der US-Bank Merrill Lynch namens Nasser Azam.

Sie wissen nicht, was ein COO ist? Kein Problem, andere sind auch nicht schlauer. Es ist sowas wie der ultimative Durchlauferhitzer im Unternehmen, der Chief Operating Officer. Aber er betreibt offenbar auch Kunst parallel zu seiner Banktätigkeit: Denn Nasser Azam verbindet laut FTD seit den frühen 80er-Jahren bereits seine Karriere im Finanzwesen mit einer Karriere in der Kunstwelt.

Im Jahr 2008 wurde sogar eine große Bronzeskulptur, „The Dance“, im Londoner Flussufergebiet South Bank enthüllt. Ob es hier einige Fürsprecher gab? Es soll sogar einen recht erfolgreichen Banker in New York geben, ist mir zugetragen worden, der bei Lust und Laune nach Feierabend seine Gitarre nimmt und in der Metro Musik macht. Auf beachtlichem Niveau, eine echte Leidenschaft, kein Fake, so ist zu vernehmen. 

Offenbar reichen die nackten Zahlen doch nicht ganz aus, um glücklich zu sein, oder zumindest zufrieden zu sein mit der Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit.  Der elegante Wechsel ins künstlerische Metier ist freilich alles andere als ungewöhnlich. Mit dem Geld wächst auch der Wunsch nach stilvoller Verfeinerung des privaten Lebens, Spötter würden sagen: nach Inszenierung.

Immerhin waren und sind Banken immer noch die größten Kunstmäzene, da liegt der Wechsel einzelner Banken in das Kreativfach gar nicht so weit entfernt. Vertreten in der Kunstwelt sind natürlich auch neue Bankenmodelle aus dem Web 2.0-Umfeld. So der Mitbegründer von Wonga Jonty Hurwitz, einem britischen Onlineunternehmen für kurzfristige Kredite, der wunderschöne anamorphe Skulpturen mithilfe algorithmischer Berechnungen formt – mit Hilfe der gleichen Technik, die er zum Aufbau von Risikomodellen zur Bewertung von Kreditanträgen benötigt haben soll.

Und die Daily Mail berichtet über die 32-jährige Polly Courtney, eine frühere Bankerin, die jetzt Romane schreibt. Die Londoner City verließ sie demnach, weil sie den Sexismus nicht mehr ertrug. Wir wussten es schon immer: It’s a Men’s World we live in.

Und aus dem gleichen Grund wechselte sie jetzt den Verlag, weil der bisherige ihren jüngsten Roman auf sexistische Weise vermarktet habe, behauptet jedenfalls das britische Blatt. Schließlich heißt der Untertitel ihres Buches ja auch: It’s a Men’s World. But it takes a woman to run it. Dem wollen wir an dieser Stelle nichts mehr hinzufügen.

Fazit: Der Grat zwischen Mythos und rauer Wirklichkeit ist ziemlich schmal, wenn es darum geht, den Bankern eine neue Lebenslegende zwischen linksintellektueller Boheme oder blankem beruflichen Opportunismus anzudichten, wenn man sich den Wechsel auf ein elegantes neues Pferd leisten kann. Die Medien lieben halt den einsilbigen Schwarz-Weiß-Kontrast, für die bunteren Töne dazwischen fehlt oftmals der Blick.

Zurück zu der adelsgleich regierenden Männerwelt Inside: Thomas Ostenberg, früher Vizepräsident der Citibank in Brasilien und Spanien, soll inzwischen mit Bronze arbeiten, um tierische und menschliche Figuren darzustellen. Und: Sogar der Büroleiter von Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich ins Romanmetier als Schriftsteller vorgewagt. Markus Heipertz hat einen Roman über einen Aussteiger geschrieben, der einen Banker in Zweifel und Gewissenskonflikte stürzt.

Das Ganze soll sogar nach einem realen Vorbild geschrieben sein, berichtet im Interview mit dem Autor die FAZ über die damit verbundenen tektonischen Verschiebungen in der Finanzwelt. Hartnäckig hält sich übrigens auch das Gerücht, der Bildhauer Jeff Koons sei früher einige Jahre in der Finanzbranche an der Wallstreet für Warentermingeschäfte tätig gewesen, bevor er seine erfolgreiche Karriere gestartet habe.

Vielleicht aber hat Koons nur beide Ambitionen parallel verfolgt, denn welcher Mensch ist schon gerne ganz eindimensional? Aber auch für diese schwierige Frage gibt es nun wieder Spezialisten, die die Verbindung von Koons (leicht als sexistisch verschrieener) Kunst und seiner biographischen Episode im Finanzwesen beleucht und seziert haben. 

Die Überschrift unter diesem vielschichtigen Blogeintrag lautet nämlich: Jeff Koons, der Commodity-Broker. Nicht alles soll ganz legal bei einigen seiner früheren dort gelisteten Arbeitgeber aus der Finanzbranche zugegangen sein, was den Autor zu der etwas waghalsigen Spekulation verführt hat, dass dies den künstlerischen Drang eher verstärkt habe.

Aber analysieren Sie doch am besten selbst das (Man)Ouevre von Jeff Koons, um zu sehen, ob hier ein Ex-Banker tatsächlich Zuflucht in der Kunst genommen hat oder nicht: 

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Written by lochmaier

Oktober 4, 2011 um 6:58 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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