Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Virtuelle Währungen: Funktionieren neue Community-Modelle?

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Die Welt ist sich uneins über die Zukunft von digitalen Währungseinheiten. Kann man daraus tatsächlich vertrauenswürdige soziale bzw. monetäre Netzwerke konstruieren? Denn Bitcoins etwa bezeichnen einige Experten als eine lästige Spam-Plage, die die Welt nicht wirklich weiter bringt. So bringt Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman die Meinung der Kritiker auf die Formel: Bitcoins seien zu viel „Asset“ und zu wenig Bezahlmittel.  

Zum Hintergrund: In der realen Welt schaffen nur Zentral- und Geschäftsbanken neues Geld. Nicht so im Internet. Die von einem Japaner kreierte virtuelle Währung „Bitcoins“, siehe die Erläuterung von Wikipedia, wird nicht von Druckerpressen, sondern von Rechnern erzeugt. Je leistungsfähiger diese sind, desto schneller lässt sich ein neuer „Bitcoin“ errechnen.

Der Aufwand dafür ist zwar beträchtlich, lohnt sich aber laut den Initiatoren. Jedes Mal, wenn eine so genannte Bitcoin-Sperre – eine eingebaute Verschlüsselung, die verhindern soll, dass massenhaft neues Internetgeld geschaffen werde, und gewissermaßen eine Inflationsbremse darstellt – von einem oder mehreren Rechnern gelöst werde, dann entstünden 50 neue Bitcoins, die dem oder denen gehören, die zur Lösung der Sperre beigetragen haben.

Soweit die idealtypische Konstruktion. In seinem Blog in der New York Times erklärt Paul Krugman nun, warum das so nicht funktionieren kann, vor allem, weil Bitcoins Deflation und Depression produzierten. Aber auch Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Online-Betrügereien mit der virtuellen Währung „Bitcoins“ nähmen drastisch zu.

Cybergangster, ein etwas nebulöser Begriff, so wird nahegelegt, kaperten nicht nur Privatrechner, um damit neues Online-Geld zu erzeugen, sondern drohten auch den Betreibern von Websites damit, diese stillzulegen, wenn sie nicht eine bestimmte Menge an Bitcoins innerhalb einer gewissen Frist auf das Konto der Erpresser überwiesen.

Bleiben wir einmal in der Mitte zwischen Ablehnung und überzogener Euphorie. Es gibt durchaus auch andere interessante Modelle von virtuellen Währungseinheiten jenseits von Bitcoins. Zwei Beispiele sind Ripple und faircash.  Wie Ripple und faircash genau funktionieren, kann man unter den beiden zuvor genannten Links nachlesen.

Der deutsche Erfinder von faircash – Heinz Kreft – stellt die Vor- und Nachteile herkömmlicher und neuer Verfahren gegenüber.

Das Konto: Nachteile der zentralistischen Struktur

– Ausschließlich online-fähig

– Immer mit „dritter Partei“ (Intermediate).

– Niemals anonym

– Medienbrüche treten auf

– Hohe Betriebskosten der Business-Modelle

eCoins: Das alternative Modell

– Verteilte Architektur, einfach, simpel, vertraut

– Offline-fähig.

– Immer direkt (Peer-zu-Peer, Person-zu-Person)

– Anonym oder identifiziert (Wahlfreiheit für den privaten Anwender).

– Natives Internet-Verfahren, ohne Medienbrüche.

– Moderate Betriebskosten des Business Modells (keine Transaktionskosten)

Quelle: faircash.org 

Wer die beiden Modelle etwas gründlicher unter die Lupe genommen hat, der sieht, dass es noch eine relativ weite Wegstrecke ist, bis sich virtuelle Währungseinheiten jenseits eines spielerischen Accessoires in der Finanzwelt einen eigenen Platz verschaffen. Die Ansätze sind teils sehr kreativ, jedoch stellt das eigenständige Wertschöpfen von „virtuellem Geld“ einschließlich deren komplexe Verteilungsmechanismen noch eine große Herausforderung dar. Letztlich geht es darum, vertrauenswürdige Netzwerke für den direkten Geldtransfer zu bilden, und nicht unbedingt, eine neue Währungseinheit zu erfinden.

Dass die etablierte Geldwirtschaft kein großes Interesse daran hat, da ihr die Regie dadurch möglicherweise entgleitet, ist offensichtlich. Somit bleibt jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei festzuhalten: Der Trend zu virtuellen Währungen wird vor allem durch den direkten Geldtransfer zwischen einzelnen Menschen und Gruppen gekennzeichnet – unabhängig davon, ob es sich um „Cybercash“ oder „Papiergeld“ handelt. Entscheidend ist der zugrunde gelegte Wert dahinter und nicht die Verpackungseinheit.  

So bestätigt eine recht detaillierte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass immer mehr Menschen beim Banking nicht nur den Gang ins Internet antreten, sondern auch bereit sind, private Kreditplattformen im Netz zu nutzen.  Die Autoren bilanzieren: Zwar machten Online-Kreditplattformen immer noch nur einen sehr kleinen Teil des weltweiten Kreditmarktes aus, aber sie seien kein Sonderphänomen mehr. Die Plattformen verzeichneten große Zuwachsraten und lockten zunehmend klassische Bankkunden an.

Auch ein ausführliches Diskussionspapier der Universität Bielefeld stellt aus Bankenkritischer Sichtweise einige Orientierungslichter neuer, auch geldphilosophisch motivierter Geschäftsmodelle auf, so dass die Branche intensiv an ihrer Glaubwürdigkeit arbeiten sollte, um sich nicht selbst als seriöser Partner in der Geldwirtschaft überflüssig zu machen, dem letztlich nur sein eigenes Wohl am Herzen liegt – und der Kundennutzen im Nebulösen bleibt. 

Sonst lautet das Motto am Ende wie folgt: P2P-Banking, Social Lending und Crowdfunding verlassen die „Peanuts-Ökonomie“ und gewinnen  in den kommenden fünf bis zehn Jahren an volkswirtschaftlicher Relevanz, oder wie es das Arbeitspapier der Universität Bielefeld zugebenermaßen provokant so formuliert: Get rid of banks and build up a modern financial world!   

 

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Written by lochmaier

September 21, 2011 um 6:57 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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