Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Googles zweites Plus – Wer macht das Rennen gegen Facebook?

with one comment

In Berlin ist das von Ex-CEO Eric Schmidt im Frühjahr angekündigte Institut für Internet und Gesellschaft vorgestern offiziell ins Leben gerufen worden. Damit sagt der Global Player nach dem Launch seiner sozialen Netzwerkumgebung Google+ dem Rivalen Facebook auch mit den modernen Bordmitteln der Wissenschaft den Kampf an.

Das mag sich jetzt leicht tendenziös angehaucht anhören, trifft aber durchaus den Kern der Sache.

Bemerkenswert daran war, dass Eric Schmidt nach seinem Rückzug eingestand, er ganz persönlich habe es versäumt, das Unternehmen fit für die Herausforderungen im sozialen Netzwerkzeitalter zu machen. Inzwischen hat man reagiert. Heute spekulieren Branchenkenner über die denkbare Verschmelzung von führenden sozialen Netzwerkplattformen wie Facebook, Twitter und Google+.

Mehr noch: Spätestens seit dem jüngsten Hype um das selbst gestrickte Social Network Google+ stellt es für Marktanalysten ein offenes Geheimnis dar. Der Suchmaschinenmonopolist beansprucht im Social Media Zeitalter seinen Platz in der ersten Reihe. Bedeutet dies Kooperation oder Verdrängung?

Dort ganz oben tummelt sich bekanntlich bereits Facebook mit über 750 Mio. registrierten Nutzern weltweit. Und genau in dieses globale Szenario an der hart umkämpften sozialen Netzwerkfront passt das frisch gegründete Institut für Internet und Gesellschaft i.G. in Berlin. Mein Bericht mit dem zweideutigen Titel Berliner Google-Institut gegründet findet sich auf silicon.de.

Eine weitere differenzierte Einschätzung gibt das Blog Neunetz oder via Gründerszene – einschließlich einiger informativer Videointerviews, die zeigen, dass auch die Bewegtbildblogger Fortschritte machen und ein Interview sich nicht immer im steifen schematischen Rahmen bewegen muss, was auch die Partner auflockern kann.   

Aus meiner Sicht gab es neben dem grundsätzlich für die Forschungslandschaft sicherlich begrüßenswerten Akt einige peinliche Momente. Vor allem ist die deutsche Mentalität so gestrickt, hier in erster Linie Forschungsgelder im interdisziplinären Fachkauderwelsch abzugreifen, die üblichen Platzhirsche kommen zum Zug.

Was es hierzulande kaum gibt, ist inhaltlicher Forscherdrang jenseits von Versorgungungsstreben und natürlich Leidenschaft und Kreativität. Es sieht aber auch seitens Google eher so aus, dass das ganze einen PR-Coup bzw. eine Internationalisierungsstrategie darstellt (entgegen öffentlichem Bekunden). 

Mit Hilfe der sicherlich nicht ganz billigen Agentur Publicis wird man diesen Event gut vermarkten. Die Rechnung scheint schon jetzt aufzugehen: Die bisherige Presseresonanz zeigt deutlich, dass eine wissenschaftliche Kampagne mehr und qualitativ bessere Medienresultate bringt, als wenn Google direkt als „bad data guy“ in Erscheinung träte.

So hat man sich bei Google unbemerkt eine Art Ritterrüstung gegen Speerspitzen von außen angelegt. Und man ist der König des Sommerlochs, das man mit nur 4,5 Mio. Euro regieren kann, die einen schreiben gegen den Platzhirschen, die anderen für ihn, zumindest ein bisschen. Die Hauptsache, es wird über einen gesprochen, so wird man von ganz allein ein sozialer Netzwerkriese. 

Schließlich bewegen wir uns entweder auf eine Synergie zwischen Facebook, Google und möglicherweise Twitter zu. Oder aber die Karten werden neu gemischt. Peinlich war aus meiner Sicht, dass es auf der Homepage der neuen Initiative ein (auch auf Yotube präsentes Video mit Ex-CEO Eric Schmidt gibt (siehe unten).

Dabei hatte Schmidt sich vor seinem großen Abgang, den man mit einem neuen Amtstitel in der zweiten Reihe gut kaschiert hat, öffentlich im Wall Street Journal und Co. für sein Versagen in der sozialen Netzwerkstrategie entschuldigt. O-Ton war etwa: Sorry, ich habe es komplett vermasselt.

Nun gut, vielleicht gibt es jetzt ein zweites Plus von Google.

Aber so wie wir hier die Debatten um das Netz in Deutschland führen , wird das German business as usual mal wieder nach folgender Fieberkurve ablaufen: Nun gut, dann warten wir halt, bis das Gute (zunächst als das Böse angesehen) mal wieder aus Amerika heran naht. Wir kritisieren es dann bis zum Umfallen – und kopieren es anschließend 110-prozentig.

Fazit: Mit diesem Portfolio an deutscher Forschungsexzellenz werden vor allem die existenten Strukturen genährt, statt mutig etwas Neues kreiert. Dabei bräuchten wir längst ein disruptives Element auch in der allem Neuen hinter her blickenden selbst ernannten Expertenriege, die das Internet als eine enorme Herausforderung begreift, und kaum versteht, worüber da in den ewig gleichen Worthülsen schwadronniert wird.

Na dann, viel Glück beim Erforschen von etwas, was man nur durch eigene Schritte in neues Land je verstehen wird können. Google wird so oder so seinen Weg machen, ob mit expliziter Zustimmung der User oder ohne. Denn praktisch gibt es in dieser von BWLzweinull bereits beschriebenen „Social Mania“ einen unausgesprochenen Anmeldezwang bei Google+. Jeder muss dabei sein, allein schon wegen dem klingenden Namen. Man möchte und darf nichts verpassen.

Einige sprechen bei Google+ bereits von fünf, manche schon von 10 Mio. Nutzern. Wer hat denn hier was und wen vermasselt? Hier noch das Grußvideo des in die zweite Riege zurück gesetzten Ex-CEO’s Eric Schmidt. Es zeigt, dass viele Ungläubige und Unwissende mit der bedeutungsschwangeren  Aura von sozialen Netzwerken hantieren:

Advertisements

Written by lochmaier

Juli 13, 2011 um 8:29 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Social Banking 2.0: Googles zweites Plus – Wer macht das Rennen gegen Facebook? […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: