Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Wie mit Magic Fonds das Geld der Anleger verschwindet

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Fotoquelle: Deutsches Theater Berlin

Kürzlich war ich in der „schwarzen Box“ am Deutschen Theater, um mir an einem schönen Samstagabend ein spannendes Theaterexperiment anzusehen. Es hieß Magic Fonds – Ein Rechercheprojekt über das rätselhafte Verschwinden des Kapitals. Alles weitere dazu findet sich auf den Facebookseiten von Magic Fonds. Ein Auszug:

Was macht eigentlich mein Geld, wenn ich gerade nicht hinsehe? – Jeden Tag werden 2.160 Mrd. Euro auf dem europäischen Kapitalmarkt transferiert. Irgendwo in diesen globalen Finanzströmen befindet sich auch das Geld, das ich auf mein Girokonto eingezahlt habe. Welche verschlungenen Pfade durch dieses Labyrinth aus Finanzderivaten, Hedgefonds und Spekulationsblasen nimmt mein Sparguthaben? Durch welchen rätselhaften Zauber vermehrt es sich? Wie kommt es, dass es auf magische Weise verschwinden kann?

Für das Projekt führten fünf Schweizer und sechs Berliner Jugendliche über 50 Interviews u.a. mit Kleinanlegern, Investmentbankern, Börsenpsychologen, Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank und ehemaligen Mitarbeitern des Bundesfinanzministeriums. ‚Magic Fonds‘ erzählt die entdeckten Geschichten als Taschenspielertricks oder Großillusionen und erforscht so die Magie des Geldes.

Quelle: MagicFonds/Facebook.

Wer mehr erfahren möchte, hier ein mit Originaltönen angereicherter Rundfunkbeitrag zu den Magic Fonds im Deutschlandfunk. Nun mein persönlicher Eindruck nach dem Anschauen des Stücks: Man würde sich dem Selbstversuch der Theatercrew ein deutlich größeres, ja nicht nur bildungsbürgerlich geprägtes Publikum wünschen.

Denn die ambitionierten Darstellerinnen und Darsteller beeindruckten mit ihrem undogmatisch-kreativen Theaterstück über etwas, das in unserem Leben zwar eine große Rolle spielt, über das aber trotzdem nicht allzu gerne gesprochen wird – das Geld.

Aber was ist Geld eigentlich? Was macht Geld aus? Wie funktioniert es? Und wen könnten diese Fragen mehr herausfordern als eine Generation, die sich angesichts bröckelnder ökonomischer und sozialer Sicherheiten mit den Konsequenzen der Finanzkrise wohl noch lange konfrontiert sieht.

Bei den Magic Fonds, einem Synonym für unverständliche Finanzprodukte, wurde jenseits von plumpem Bankenbashing sogar deutlich, wie sich ein Finanzberater fühlt, wenn er etwas verkauft, das er selbst nicht mal verstanden hat. Das Publikum wurde dabei auf intelligente Art und Weise in den virtuellen Geldkreislauf mit hineingezogen. In den unzähligen Pappkartons, aus denen das Bühnenbild im Wesentlichen bestand, war dabei so manche Überraschung verborgen.

Im Interview mit dem DT Magazin vom Deutschen Theater redet Regisseur Tobias Rausch Klartext: „Wir hantieren mit einem imaginären Versprechen, dem Versprechen, dass es das Kaninchen im Hut tatsächlich gibt. Aber diese Welt funktioniert nur solange, wie keiner das Kaninchen sehen will.“

Und so manchen Aha-Effekt, welchen Weg das Geld hinter den Kulissen tatsächlich nimmt, konnten die jungen Theatermacher aus Basel und Berlin tatsächlich erzielen. Einen Ausweg aus dem Dilemma, wes Brot ich ess, des Lied ich sing! bekam das volle Haus zwar nicht präsentiert, deutlich wurde aber, dass allzu wünschenswerte soziale Visionen von mehr Verteilungsgerechtigkeit weder mit dem Kapitalismus noch mit dem Sozialismus tatsächlich zu haben sind.

So blieb es am Ende bei einem verhalten surreal vorgetragenen Alternativexperiment: Einem erfolgsmüden Ex-Banker kam die missionarische Aufgabe zu, eine ökologische Community in Neuseeland zu gründen, um dort Gleichgesinnte um sich zu versammeln, die nicht nur des Geldbesitzes, sondern auch seiner Vermehrung schon überdrüssig waren. Hier ein Videoausschnitt via Youtube zu den Magic Fonds aus der Schlussszene:

Das mag ein bezeichnendes Bild für die innerlich reichlich desorientierte westliche Industriegesellschaft sein. Was aber geschieht mit denen, die gezwungen sind, jenseits der medialen Aufmerksamkeitsschwelle hinter dem Geld her zu rennen? Wer fragt schon nach all den „Geldlosen“ und denen, die sich krumm buckeln für die „Traumrenditen“?

Fragen, wie das Geld unser Denken und Handeln prägt, wie wir es gebrauchen und was der Umgang mit ihm über uns und unseren Lebensstil verrät, wurden von den Theatermachern freilich nur in Ansätzen ausgeleuchtet. In den nächsten Tagen geht Social Banking 2.0 diesen und anderen Fragen nach und stellt das gerade erschienene Buch der Berliner Finanzsoziologin Anke Wahl vor: „Die Sprache des Geldes. Finanzmarktengagement zwischen Klassenlage und Lebensstil“, und zwar in einer dreiteiligen Serie.

Für alle Neugierigen: Hier geht es zu den Verlagsseiten – und hier kann man das Buch etwa auf Amazon bereits bestellen.

Die Sprache des Geldes: Finanzmarktengagement zwischen Klassenlage und Lebensstil

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Written by lochmaier

Juni 1, 2011 um 10:22 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] kurzem habe ich hier das Theaterstück Magic Fonds vorgestellt. Alles weitere dazu: Wie mit Magic Fonds das Geld der Anleger verschwindet. […]


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