Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Financewatch: Wie gut lassen sich Finanzmärkte überwachen?

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Einige EU-Abgeordnete haben (mal wieder) eine Art informelle Lobby „gegen Banken“ gegründet, berichtet die FTD. Mehr dazu auch in einem Update vom April auf nachhaltigkeit.org. Laut Sven Giegold, Europavertreter der Grünen, soll es sich dabei um eine Partei übergreifende Alternative zu der gerade in Brüssel äußerst rührigen Finanzindustrie handeln. Das klingt ebenso griffig wie belanglos.

Denn schaut man sich die Vielzahl derartiger Iniativen an, dann wird deutlich, der Bürger ist müde, sich immer wieder gegen irgendwelche klischeehaften Feindbilder zu erheben im Netz. Derartigen Initiativen mangelt es deshalb allesamt an Durchschlagskraft, weil die Ziele schwammig sind und die verlässlichen Alternativen nicht bereit stehen.

Denn wer A wie Anti sagt, sollte auch den Weg nach B wie neue Betaversion beschreiben. So waren bei Financewatch am 8. Mai auf dem Twitter-Account gerade mal 190 Follower versammelt. Auch selbst folgt die Initiative niemandem. Ein Start sieht anders aus – Klickt man auf den Facebook-Button, so landet man gelegentlich auf Umwegen, auch dies ein wenig rühmlicher Auftakt im geistigen Gefolge von Wikileaks und Co.

Dies führt zu der höchst banalen Erkenntnis. Das allzu lärmende Geschrei der Transparenzgesellschaft bringt uns nicht weiter. Es reicht nicht aus. Worauf es vielmehr ankommt, ist echte Partizipation, also kreative Konzepte und Alternativen, die sich nicht nur in der Protestkultur „die da oben“ und „wir Ohnmächtigen“ hier unten erschöpft. Das Prinzip Wikileaks droht sich sonst totzulaufen, noch bevor es sein kreatives Potenzial überhaupt entfalten kann.

Mehr zum Hintergrund von Financewatch offeriert das Weblog von Marco Althaus. Sein Fazit: Lobby bleibt Lobby. Daran müssen wir aber nicht verzweifeln. Denn es gibt wirksame Elemente der Selbst- und Fremdkontrolle, und das Netz ist das Werkzeug, ja gelegentlich sogar eine scharfe Waffe, um grobe Missstände ans Tageslicht zu befördern.

Für die Protagonisten gelten allerdings einige banale Grundregeln: Wenn sie moralisch nicht integrer agieren, als die von ihnen so scharf Kritisierten, dann läuft jede Initiative, wie Wikileaks und all die kreativen Abkömmlinge wie Stopbanque, Greenleaks und Openleaks, in die geistige Leere.

Hier ist künftig erheblich mehr Professionalisierung gefragt, statt eingängiger moralischer Vorzeigehaltungen, aber auch hier dürfte der Lernprozess etwa durch die jüngsten Geschehnisse im Guttenplag bereits eingeleitet sein. Das Netz ist im Idealfall ein großes weltumspannendes Dokument, das viele Menschen kreativ bearbeiten können, und in das sich sogar leistungsfähige Mechanismen zur Qualitätssicherung einbinden lassen.

Fakt ist aber auch: Wichtiger als allein Mißstände in der Finanzindustrie aufzudecken, wo oftmals unklar ist, wer das trojanische Pferd ist, ist es, weiter an den kreativen und verlässlichen Alternativen zu feilen, damit diese sich professionalisieren können.

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Written by lochmaier

Mai 11, 2011 um 6:41 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Stimmt – die Financewatch Facebook Seite geht ins Nirvana – komisch. Wobei mir der Sinn dieser Seite weiterhin verschlossen bleibt – machen die denn auch was oder ist einfach nur die Seite da.

    BankingCheck

    Mai 11, 2011 at 12:11 pm


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