Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Jahrestagung Kerntechnik 2011: Journalisten von der Teilnahme ausgeschlossen

with 4 comments

Seit Jahren schreibe ich neben Themen rund um die Bankeninnovation und Informationstechnologie auch über Erneuerbare Energien bzw. das betriebliche Energiemanagement. 

So beschäftige ich mich auch mit den (wirtschaftlichen) Folgen und anderen Konsequenzen nach der (schleichenden) Atomkatastrophe in Japan.

Umso überraschender nun diese abschlägige Antwort auf meinen Akkreditierungsantrag zur Jahrestagung Kerntechnik 2011, dem who-is-who der deutschen und internationalen Atombranche.

In den letzten Jahren waren die Medien sehr willkommen, da das Image als der Treiber von „Restrisiken“ abgelegt werden sollte. Nun ist offenbar der aktive „Dialog“ nach der letzten Meile in der „Energiewende“ nicht mehr gewünscht. Hier die Antwort:

Sehr geehrter Herr Lochmaier,

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr damit verbundenes Interesse an der Jahrestagung Kerntechnik 2011.

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass sich der Veranstalter aufgrund der aktuellen Situation gegen die Akkreditierung von Jounalisten zur Tagung ausgesprochen hat.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.
CPO HANSER SERVICE GmbH

Fazit: Wir bleiben lieber unter uns, so das Motto der Branche, eine zugegebermaßen etwas holzschnittartige Betrachung, die aber die Akteure auch zum Umdenken anregen könnte. Denn neben den Banken sollte vor allem die Energiewirtschaft und die Pharma- bzw. Gesundheitsbranche den aktiven Dialog suchen, statt weiter danach zu streben, sich in ihren selbst geschaffenen exklusiven Parallelwelten oberhalb der Gesellschaft zu behaupten.

Darin lägen schließlich auch wirtschaftliche Chancen, wenn man den Wandel denn frühzeitig erkennen will. Aber wie so oft, die Treiber von Neuem sind jene, die nicht bereits einen bequemen Platz an der Sonne inne haben, sondern sich durch mehr Mut zum „unternehmerischen Restrisiko“ auszeichnen, und frühzeitig in neue Entwicklungen pragmatisch aber auch visionär investieren. Die übrigen schauen lieber in den Rückspiegel beim Autofahren.

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Written by lochmaier

April 13, 2011 um 7:07 am

Veröffentlicht in Uncategorized

4 Antworten

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  1. Hallo,

    das nenne ich mal auf den Punkt gebracht. Noch dazu untermalt mit dem schönen Beweis der ablehnenden E-Mail. Risiken werden eben politisch oder soll man besser sagen lobbyistisch ausgehandelt und am Verhandlungstisch sitzen eben nicht alle Betroffenen. Im Zeitalter der Transparenz werden Rationalitätsfassaden sichtbarer, aber das wars dann auch schon

    mfg
    Boris Janek

    Boris

    April 13, 2011 at 12:06 pm

  2. Wer heute noch nicht gelernt hat, dass Kommunikation (authentisch, ausgewogen und verständlich) der Schlüssel zum Erfolg ist, der hat auch noch nicht gelernt, dass man über anstelle mit ihm spricht. Was für das Image und unser aller Zukunft besser wäre, liegt auf der Hand.
    Nur wenn wir alle verstanden haben, dass jeder von uns Verantwortung trägt, dann können wir alle gemeinsam in die gleiche Richtung gehen. Doch Verantwortung hat auch etwas mit verstehen zu tun, und verstehen setzt Kommunikation voraus. Bleiben Sie also bitte weiter am Ball.

    Markus Bischoff-Wittrock

    April 13, 2011 at 3:17 pm

  3. Lieber Herr Lochmaier,
    nachdem was sich Journalisten in den letzten Wochen im Bezug auf die Kerntechnik geleistet haben, überrascht mich, dass Sie sich so übarrascht durch die Haltung des Atomforums fühlen.
    Ein offenes Dialog ist nur möglich, wenn die Teilnehmer für alle Argumente am Anfang offen sind. Und das ist in Deutschland schon lange nicht der Fall.
    Außerdem, ihr habt doch jetzt schließlich gewonnen, wen soll dann schon irgendeine fachliche Tagung interessieren?

    Arde

    Mai 15, 2011 at 11:51 am

    • Nachdem das Thema rund um das Atomforum nun doch einige Wellen geschlagen hat, bringe ich dazu auch hier in der kleinen Leserecke ein kurzes Update. So hat die Berliner TAZ sich hier damit beschäftigt:

      http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/panne-bei-der-kommunikation/

      Ein Auszug:

      „Verwirrung gab es auch um die Frage, ob Journalisten eigentlich von der Tagung berichten dürfen oder nicht. In einer Pressemitteilung aus dem Anti-AKW-Protestspektrum, die auf http://www.atomforum-blockieren.de erschien, heißt es, Presse sei bei der Tagung gar nicht erwünscht.
      Diese Behauptung, die die Tageszeitung Neues Deutschland ungeprüft druckte, basiert auf einer E-Mail, die der Journalist und Blogger Lothar Lochmeier am 13. April veröffentlichte. Die Antwort auf sein Akkreditierungsgesuch für den Kongress lautete nämlich lapidar: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass sich der Veranstalter aufgrund der aktuellen Situation gegen die Akkreditierung von Journalisten zur Tagung ausgesprochen hat.“

      Dazu meinerseits ein kurzer Kommentar, auch zum Leserkommentar weiter oben, dass „Journalisten jetzt gewonnen hätten“. Zunächst einmal lässt sich die obige Behauptung ja belegen. Da gibt es also nichts zu deuteln. Es geht hier außerdem weder um gewinnen noch verlieren, sondern um informieren und aufklären. Jedenfalls ist das bei mir so. Ich folge nicht primär meinem weltanschaulichen Credo, sondern möchte berichten, was passiert im Zuge der Neuorientierung bei der Energieversorgung. Das heißt aber auch: In den Jahren zuvor waren Journalisten willkommen, und die Entscheider aus der Energiebranche, respektive Atomindustrie, sind nicht müde geworden, den Berichterstattern viele zur allgemeinen Entwarnung gedachten Hinweise und Wegweiser aufzustellen.

      Seit kurzem wissen wir alle, was ein Restrisiko ist. Die vermeintlichen 20 Prozent an Restrisiko können zu 80 Prozent Hauptrisiken werden. Dreht die Stimmung aufgrund der Katastrophe von Fukushima, dann gilt jetzt plötzlich das Motto: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Diese Einigelungspolitik ist nur allzu menschlich, aber sie ist definitiv kein probater Lösungsweg, unabhängig davon, wie jeder Leser hier persönlich zur Atomenergie stehen mag.

      Offenbar ist jetzt zumindest laut TAZ der Trend hin zu selektiven Akkreditierungen direkt vom Veranstalter auch erkannt worden, nämlich dass eine vollkommene Abschottungspolitik zur Öffentlichkeit hin – und damit zum mündigen Bürger – nicht der letzte Weisheit Schluss sein kann. Solche komplexe Entscheidungsprozesse kann man übrigens auch nicht an externe Dienstleister outsourcen, die dann als Firewall die Absage überbringen dürfen.

      Dass jetzt offenbar bei der Jahrestagung Kerntechnik ein partielles Umdenken stattfindet, ist kaum verwunderlich, denn diese Verteidungslinie war und ist gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit kaum zu halten. Dann finden Proteste umso mehr vor den Türen der Veranstaltung von diesem Dienstag bis Donnerstag statt.

      Es ist also eine gute Nachricht, denn Unternehmen oder Verbände müssen sich gerade auch in kritischen Situation dialogfähig und konfliktbereit zeigen. Denn gegen eine breite Öffentlichkeit kann gerade aufgrund der netzbasierten Bürgerbeteiligungsmodelle niemand mehr regieren. Die Lernkurve ist rasant, aber sie ist für die Beteiligten durchaus produktiv, sofern sie sich wirklich dem Dialog von Angesicht zu Angesicht im Auge des Orkans öffnen können.

      http://www.neues-deutschland.de/artikel/197817.proteste-gegen-die-tagung-des-deutschen-atomforums.html

      Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass man sich jetzt ganz auf das wissenschaftliche Programm konzentrieren werde und da ist dann schon mal rasch eine größere Programmänderung drin:

      http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1154909

      Fazit: Es gibt, so jedenfalls meine Theorie, drei quasi suprahegemoniale Gebilde oberhalb der Gesellschaft, die dieser gegenüber seit geraumer Zeit gar nicht direkt „rechenschaftspflichtig“ sind. Das sind neben den Banken die Energiewirtschaft und die Pharmaindustrie.
      Dieses so diskret hinter den Kulissen agierende Triumvirat braucht sich nämlich nicht durch Kundenorientierung zu legitimieren oder permanent zu beweisen, es existiert quasi per staatlich sanktioniertem Dekret ganz von oben herab.

      Gelänge es, diese drei Festungen bzw. wirtschaftlichen Schlüsselsektoren „vernünftig“ zu demokratisieren und auch mit Hilfe neuer Partizipationsmöglichkeiten via Social Media produktiv zu restrukturieren, dann würde auch die Bewältigung von wichtigen Zukunftsaufgaben mit größerer Dynamik angegangen. Die ist jedoch nichts für reine Sozialromantiker – auch die Wutbürger müssen und dürfen dazulernen. Der Wandlungsprozess dahin wird allerdings nicht schmerzfrei erfolgen, das zeigen die aktuellen Geschehnisse etwa in den arabischen Staaten.

      Und nicht nur die Energiewirtschaft und andere Wirtschaftsakteure haben viel dazu zu lernen. Auch die Kunden müssen sich ihrer Verantwortung intensiver stellen und mehr Zeit mit dem Thema Geld, Energie verbringen als mit dem nächsten Urlaubsschnäppchen oder einem neuen Flachbildfernseher. Positiv bleibt festzuhalten: Die künftigen Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft sind aber deutlich mehr vernetzt und dezentral aufgestellt, insofern braucht man kein großer Energie- oder Wirtschaftstheoretiker zu sein, um diese Entwicklung als Schlüsselkriterium für neue und deutlich kooperative Wirtschaftsmodelle zu identifizieren, in denen das Ganze mehr darstellt als die Summe seiner Teile.

      lochmaier

      Mai 17, 2011 at 3:51 pm


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