Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Hype oder Chance: Exchange Traded Funds (ETF) goes Web 2.0

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Die Bafin prüft, prüft, prüft, aber sie handelt nicht. Der Hype um die (Exchange Traded Funds) ETFs ist schon sehr offensichtlich – siehe die letzte Anlegermesse Invest in Stuttgart. Positiv kann man anmerken, dass die Branche jetzt auch Produkte launcht, die nicht aktives Management gegen exzessive Gebühren vorgaukeln, wo gar keines drin steht.

Kurzum, auch in Insiderkreisen durfte man durchaus politisch korrekt so spötteln: Die Finanzbranche war bis dato eine der überbezahltesten Branchen, die es gibt. Aber leider gibt es das Paradies auf Erden nirgendwo umsonst. Auch vermeintlich bessere Alternativen müssen sich erst beweisen und sich ihr Vertrauen erarbeiten.

Um es mit den zuzegebenermaßen etwas provokanten Worten der wunderbarenweltderwirtschaft zu sagen: Wenn ein Index sich „dämlich“ verhält, dann nützt es auch nichts Produkte zu designen, um diese Entwicklung für Produkte seriös abzubilden. Aber gehen wir mal jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei genauer ins Detail.

„Einfache“ weil automatisch erfolgreiche Finanzprodukte gibt es nicht, das Wetten auf die Zukunft an der Börse ist immer ebenso chancenreich wie riskant. Die Bandbreite der neuen Produkten um das Thema Indexfonds – quasi ein Synonym für ETF – ist mittlerweile breit gestreut.

Das Thema beschäftigt mich seit längerem, warum also nicht in der 2.0-Variante? Wer die Umschlagseite meines Buches „Die Bank sind wir“ genau gelesen hat, der durfte meine Aussage wörtlich nehmen, gedacht für alle „die daran glauben, dass nicht mehr staatliche Regulierung die Zukunft im Bankwesen darstellt, sondern Geschäftsmodelle, bei denen die Nutzer die Regie führen.“  

Lässt sich dieser Trend mit Blick auf die ETFs auch auf das Social Web übertragen? Vielleicht nicht ganz, es kommt schon auf das Design der Produkte an. Aber man könnte eine Art übergreifendes Management-Cockpit generieren, um den Anlegern eine bessere Orientierung durch den Produktdschungel zu verschaffen.

Hier nur der Verweis auf eine Kolumne auf finanzen.net, die einige Chancen und Risiken der ETFs beleuchtet, also worauf Anleger konkret achten sollten.  Und da bin ich neulich auf das Geschäftsmodell von Yavalu aufmerksam geworden, das sich kürzlich auf dieses Terrain begeben hat.

Das Neue hat seinen Charme, aber auch seine Risiken. Welches Team aus der Finanzwelt steckt hinter der Business Intelligence für die ETF-Auswahl, so dass am Ende nicht die ausgehöhlte „Propagandaformel“ gilt, geringe Gebühren, aber eine schlechte Performance? Das jedenfalls sagen die Macher über sich aus:

Die yavalu GmbH wurde im Oktober 2010 gegründet und hat ihren Sitz in München. Der Service von yavalu.de richtet sich an alle privaten Anleger, die mit wenig Zeitaufwand ihre Geldanlage professionell managen wollen. In drei Schritten erhält jeder Anleger ein individuell zugeschnittenes ETF-Portfolio, das laut eigenen Aussagen durch den Betreiber rund um die Uhr überwacht wird.

Für welches Gebührenmodell entscheiden sich denn die Nutzer? Welches sind realistische Ziele mit Yavalu? Das waren erst einmal nach erster Durchsicht der Homepage meine Einwände, oder besser gesagt Rückfragen. Und so hat Mattias Lamberti, der Gründer und Geschäftsführer der Plattform, sich daran gemacht, einige Fragen für die Leser von Social Banking 2.0 zu beantworten – um das Geschäftsmodell genauer zu skizzieren.

Der Ausgangspunkt: Wir wollen hier in diesem Blog  jenseits von Bankenbashing, aber auch dem vorschnellen Ausrufen neuer messianischer Geschäftsmodelle, quasi den goldenen Mittelweg finden. Mit yavalu werde das Rad nicht neu erfunden, sondern die „Speichen“ seien praktischer angeordnet, so bringt es Matthias Lamberti auf den Punkt.

Eine geistige Anleihe nimmt die Plattform von dem Buch Daniel C. Goldies: The Investment Answer.  Yavalu bekennt sich offen dazu, diese Strategie eins zu eins abzubilden:

  1. Breit diversifizieren in verschiedene Märkte (Anlageklassen)
  2. Passiv statt aktiv investieren (aktives Fondsmanagement bringt in seltensten Fällen einen Mehrwert.  Die Plattform nimmt nur passive ETFs und keine neumodischen „double short leverage enhanced ETF-Produkte“ ins Programm, die mittlerweile auch schon auf dem Markt sind.
  3. Regelmäßig Rebalancieren (Anpassen) beim Überschreiten einer bestimmten Toleranzgrenze (relativ 15%).
  4. Selbst managen ohne Berater, um teure Provisionen zu vermeiden

Die Auswahl der ETFs erfolgt laut Auskunft von Matthias Lamberti „völlig unabhängig“, und zwar aus dem gesamten ETF-Universum nach 3 Faktoren:

  1. Die Größe (das Volumen) des ETF: Sicherstellung der Liquidität
  2. Die Kosten des ETF 
  3. Der Spread des ETF

Quelle: yavalu

Wie kann sich der Kunde nun einen konkreten Eindruck von der Leistungsfähigkeit verschaffen, ohne gleich teures Lehrgeld zu bezahlen? Der Nutzer kann erst einmal den kompletten Service kostenlos testen. Bleibt er am Ball, fällt für eine „unabhängige Marktinfo und den Überwachungsservice des Plattformbetreibers“ (neudeutsch: Risiko Management) eine Gebühr von 7,95 € im Monat an.

„An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass wir über kein Hintertürchen mitverdienen“, betont Lamberti. Die Zielgruppe sieht das Startup vor allem in einer größeren Gruppe der Online-affinen Anleger. Die Plattform soll zudem – einschließlich der bereits geplanten Internationalisierung –  für „kleinere Sparer“ eine attraktive Option sein.

Geht diese Rechnung auf – oder ist es letztlich nicht doch ein kurzlebiger Modetrend? „Wieso sollte in der Finanzwelt nicht das möglich sein, was wir heute schon tagtäglich bei Gebrauchsgegenständen, Hotels und Reisen online erleben“, gibt Matthias Lamberti abschließend zu bedenken.

Fazit: Auf alle Fälle bereichern derartige Plattformen die ETF-Szene, und sie stellen ein wichtiges Monitoring-Instrument dar, das letztlich jede Anlageklasse benötigt. Denn „Die Bank sind wir“, die Kunden, die über den Erfolg oder Misserfolg der Produkte bestimmen. Und hier wird die vermeintlich doch so private Geldanlage plötzlich zum öffentlichen Politikum, wie die Atomkatastrophe in  Japan gezeigt hat.

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Written by lochmaier

April 11, 2011 um 6:57 am

Veröffentlicht in Uncategorized

7 Antworten

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  1. Interessantes Geschäftsmodell. Besonders würde mich mal interessiere, wie das rechtlich gelöst wurde – Finanzdienstleistungen bedürfen einer Lizenz von der BaFin und das widerrum erfordert neben Kapitaleinlagen, geeignetem Management auch ein geeignetes Risikocontrolling. Vermutlich wurde hier ein goldener Mittelweg gefunden?! Der Unternehmensgegenstand ist zwar im Impressum sauber erläutert, aber sobald man einen konkreten Fond empfielt, zieht doch §1 KWG?! + Rattenschwanz.

    Alexander Majonek

    April 11, 2011 at 8:12 am

    • Lieber Herr Majonek,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Über Ihren ersten Eindruck „Interessantes Geschäftsmodell“ freuen wir uns, aber auch Ihre Bedenken kann ich gut nachvollziehen.
      Wir haben uns bewusst gegen reine Musterportfolios, die man auch ohne Lizenz aufzeigen kann, und für eine konkrete und persönlich zugeschnittene ETF-Empfehlung entschieden, die rechtlich nach dem §34 c Gewerbeordnung geregelt ist. Diese Lizenz führen wir. Da es sich um Investmentfonds handelt zieht in diesem Fall nicht das KWG sondern die Gewerbeordnung.
      Auch das Management des Vermögens obliegt beim Kunden, yavalu übernimmt keine Verwaltungsfunktion: Sozusagen von „Assets under Management“ worüber sich jeder Verwalter definiert zu „Assets out of Management“. Der Kunde, und nicht nur sein Geld, steht also im Mittelpunkt.

      Ich hoffe ich konnte Ihnen so in kürze die Lizenzfrage beantworten.

      Matthias Lamberti

      April 11, 2011 at 10:52 am

  2. Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Die Sache erscheint mir sehr gut gelöst.
    Das heisst Sie geben konkrete Anlageempfehlungen und das ist in diesem Fall ohne eine FDL Lizenz möglich, weil es sich im Investmentfonds handelt-, oder weil sie passiv gemanaged sind? Konkret und persönlich bedeutet demnach auf ISIN / WKN Ebene?!

    Viele Grüße
    Alexander Majonek

    Alexander Majonek

    April 17, 2011 at 8:37 pm

  3. Weil es sich um Investmentfonds handelt, die über die GewO geregelt werden. Konkrete Empfehlung heißt nicht nur WKN / ISIN, sondern der Kunde erhält eine Art Orderliste mit genauer Angabe der Stückzahl und des aktuellen Kurswertes. Individuell deshalb, da sich die Allokation der jeweiligen Anlageklasse bzw. des ETF am Risikoprofil orientiert. Der Anleger muss nicht zwischen verschiedenen Musterportfolios wählen, sondern erhält einen persönlichen Anlagevorschlag, passend zu seinem Risikoprofil.

    VG Matthias Lamberti

    Matthias Lamberti

    April 18, 2011 at 9:55 am

  4. Das nenne ich eine Finanzinnovation im Web 2.0 Umfeld. Sie haben nun mein Interesse für Ihren Service geweckt.
    Ich werde es wohl mal kritisch testen :).

    Viele Grüße
    Alexander Majonek

    Alexander Majonek

    April 18, 2011 at 10:01 am

  5. „Kritisch“ ist genau das Richtige! Nur so können wir auch wirklich etwas für den Kunden erschaffen, wovon auch er profitiert und nicht wie sonst die Bank.

    VG Matthias Lamberti

    Matthias Lamberti

    April 18, 2011 at 10:08 am

  6. […] Finance Management Tools und Yavalu (Exchange Traded Funds), über die ich auf diesem Blog bereits im April berichtet habe.   So lässt sich bilanzieren: An der Schnittstelle zwischen Bank und Kunde ist das […]


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