Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Teil IV: (Business) Crowdfunding mit seedmatch

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Im letzten Teil der vierteiligen Serie zum Thema Crowdfunding (plus voran gegangener Einführung) erläutert nun Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer von seedmatch in Dresden den neuen geschäftlichen Ansatz, der sich am besten mit dem Begriff „Business Angels 2.0“ beschreiben lässt:  

Social Banking 2.0: Ist dies ein neues Geschäftsmodell, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, oder bleibt es ein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte?

Jens-Uwe Sauer: Crowdfunding für Startups wird eine wichtige Säule für die Finanzierung  junger Unternehmen werden. Einerseits weil Frühphasenkapital in Deutschland  – insbesondere im internationalen Vergleich – eine Mangelware ist. Und andererseits auch,  weil Menschen, die nicht über das Portemonnaie eines Business Angels verfügen, sich mit kleinen Tickets an spannenden Unternehmenskonzepten beteiligen können. Damit demokratisiert Crowdfunding den Venture Capital Markt.

Social Banking 2.0: Welchen Einfluß hat es auf die Geschäftswelt?

Mit Crowdfunding liegt die Entscheidung, ein Startup zu finanzieren, nicht mehr bei einem Investmentmanger oder einem kleinen Investmentteam. Es sind die Verbraucher, die mit ihrem „Mikro-Engagement“ über eine Finanzierung abstimmen und damit vorab ein Marktresearch über die Attraktivität eines Produktes abliefern.

Der Einfluss der Crowd auf die positive Entwicklung eines Startups wird ein zentraler Mehrwert sein, den das Startup durch Crowdfunding erlangt. Die Crowd erzeugt Buzz, indem sie über ihr Startup spricht, es weiterempfiehlt und dessen Produkte selbst konsumiert.  

Social Banking 2.0: Welche Rolle könnte dabei seedmatch spielen, gibt es evtl. bereits konkrete und vorzeigbare Projekte?

Seedmatch wird den Bereich der Eigenkapitalfinanzierung von Startups abdecken. Der Fokus liegt dabei auf jungen Unternehmen mit Innovationskraft und skalierbaren Geschäftsmodellen. Idealerweise hat das Gründerteam ein fertiges Produkt vorzuweise oder steht kurz vor dem Markteintritt.

Seedmatch hat sich teilweise selbst durch Crowdfunding aus den auf der Plattform registrierten Usern finanziert. Damit hat Seedmatch gezeigt, dass Mikroinvestments in Deutschland funktionieren (Proof of Concept gezeigt), auch ohne dass ein persönlicher Kontakt besteht. Die ersten Projekte auf Seedmatch wird es in Q2 geben.

Social Banking 2.0: Blockt der CFO eine derartige Initiative aufgrund von Compliance, aber auch dem drohenden Machtverlust, eher ab?

Die jungen Gründer sehen einen hohen Kommunikations- und Verwaltungsaufwand auf sich zukommen, der sich allerdings in Grenzen hält, wenn das Startup ohnehin Social Media als eine wichtige Säule seiner Marketingaktivitäten identifiziert hat. Der anfallende Verwaltungsaufwand wird überschätzt, weil Seedmatch entsprechende Schnittstellen für die steuerliche Abrechnung usw. bietet.

Einen größeren Machtverlust als gegenüber einer Business-Angels- oder VC-Finanzierung gibt es nicht. Im Gegenteil, Crowdfunding bringt mit der Crowd ein hohes Potential an Aufmerksamkeit usw. mit.

Social Banking 2.0: Brauchen wir erst eine andere Unternehmenskultur, oder spricht hier der Markt seine eigene Sprache?

Crowdfunding braucht eine Orientierung hin zu Social Media, eine Bereitschaft zu Transparenz und die Überzeugung, dass mit der Einbindung der Crowd in die Unternehmenskommunikation mehr erreicht werden kann. Ohne diese drei Voraussetzungen sollte das Startups nicht bei Crowdfunding nicht anklopfen.

Social Banking 2.0: Bis in welche Größenordnungen könnte „Business Crowdfunding“ vorstoßen, bleibt es bei kleineren Finanzierungen für einzelne Personen oder Start ups, oder lässt sich das Modell auch weiter nach oben skalieren? 

Crowdfunding für Startups kann leicht Summen von 500.000 Euro für ein einzelnes Projekt zusammentragen. Allerdings ist auch diese Form der Eigenkapitalfinanzierung teurer als jeder Hausbankkredit. Eine intelligente Unternehmensfinanzierung sollte daher niemals Fördermittel und günstige Fremdkapitalkredite außer Acht lassen.

Interview: Lothar Lochmaier

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Written by lochmaier

März 17, 2011 um 7:57 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. Warum denn „in Leipzig“? Seedmatch agiert aus Dresden!

    JUS

    März 21, 2011 at 7:10 pm

  2. […] im Startup-Bereich finden Sie in meiner kleinen Interviewserie vom vergangenen Jahr: Seedmatch  Cofundit  C-Crowd   – und in einem Gastbeitrag der Schweizer Plattform investiere.ch, der […]


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