Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Teil III: (Business) Crowdfunding mit cofundit

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Mit von der Partie in dieser Folge der kleinen Serie zum Thema Crowdfunding ist auch die Schweizer Plattform Cofundit. Business Development Manager Gerrit Sindermann erläutert im Schlagabtausch mit Social Banking 2.0 den konzeptionellen Ideenansatz.

Social Banking 2.0: Ist dies ein neues Geschäftsmodell, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, oder bleibt es ein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte?

Gerrit Sindermann: Crowdfunding hat gute Chancen, auch einen Marktanteil bei Unternehmensfinanzierungen einzunehmen. Insbesondere fuer Transaktionen, die für institutionelle Investoren entweder zu klein oder zu „unberechenbar“ sind, können Klein(st)beitraege von individuellen Investoren eine interessante Alternative darstellen.

Diese können andere Risiken akzeptieren als Investoren, die treuhänderisch Vermögen verwalten. Auch spielen beim Privatinvestor sicherlich häufiger geographische Nähe und Begeisterung für das Unternehmen eine stärkere Rolle als bei einer traditionellen Finanzierung.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor im Reifeprozess des Crowdfunding wird die systematische Unterstützung der Crowdinvestoren bei ihrer vor Entscheidungsfindung – sowohl vor wie nach dem Investment, durch Finanzkennzahlen oder auch Unterstützung in der Frage, welchen Zinssatz der Investor von einer Firma verlangen kann oder sollte.

Social Banking 2.0: Welchen Einfluß hat es auf die Geschäftswelt?

Für Unternehmer ergeben sich neue Chancen und Herausforderungen. Erkenntnisse aus dem Umgang mit Social Media Marketing lassen sich zu einem guten Teil übertragen. Ein selbstbewusster und offener Umgang mit durch Crowdfunding Plattformen erreichbaren Nutzern, Kunden oder Investoren kann in erheblichen Reichweitenvorteilen resultieren.

Während Unternehmen in der Vergangenheit zumeist von der wohlwollenden Beurteilung einiger weniger Finanzintermediaere abhingen, können sie nun mit Investoren in  Kontakt treten, die bisher keinen direkten Zugang oder Mitentscheidung bei der KMU-Finanzierung hatten.

Wichtig ist für Unternehmen, eine Crowd-Finanzierungsrunde ähnlich sorgfältig zu behandeln wie PR. Besser gesagt, Crowdfunding ist dann am erfolgreichsten, wenn es viel (positive) Aufmerksamkeit erzeugt. Interessant ist überdies der angenehme „Nebeneffekt“, dass der breite Aufruf an mögliche Investoren auch gleichzeitig kommerziellen Werbeeffekt hat.

Ein Kreislauf kann entstehen, wenn Kunden mit solch einer Aktion zu Investoren werden und umgekehrt. Eine grössere Anzahl an Direktinvestoren hat schliesslich den Vorteil, dass diese allein schon im Eigeninteresse den Namen des Unternehmens verbreiten, um zum Geschäftserfolg – und somit auch dem des eigenen Investments – beizutragen.

Social Banking 2.0: Welche Rolle könnte dabei cofundit spielen, gibt es bereits konkrete Projekte?

Cofundit hat bereits eine erste Platzierung von CHF 170.000 erfolgreich abgeschlossen – fuer Faction Skis (www.factionskis.com), einen jungen aufstrebenden Skiproduzenten aus Verbier. Faction war die letzten zwei Jahre dank Angel-Startfinanzierung bereits stark gewachsen. Fuer die Saison 2010/11 war nun das Orderbuch zu gross, um den Einkauf der Basisstoffe aus eigenen Mitteln vorzufinanzieren. Dieser Liquiditaetsbedarf über 6 Monaten wurde über die Cofundit Plattform bei sieben Investoren innerhalb eines Monats platziert.

Die nächste potentielle Finanzierungsrunde steht nun mit KeyLemon an, einer jungen Firma, die eine sehr nutzerfreundliche Zugangssicherungssoftware auf Basis von Gesichtserkennung entwickelt hat. Neben erstem erfolgreichem Retailverkauf hat die Firma schon einen grossvolumigen OEM-Vertrag für einen Pilotmarkt abschliessen können. KeyLemon wird in den kommenden Wochen gemeinsam mit Cofundit für einen mittleren sechsstelligen Betrag nach Investoren suchen.

Social Banking 2.0: Crowdfunding bleibt wohl – direkt in der Unternehmensfinanzierung angesiedelt – zunächst noch ein Randphänomen, unter anderem wegen diverser Regularien. Blockt der CFO eine derartige Initiative aufgrund von Compliance, aber auch dem drohenden Machtverlust, eher ab?

Cofundit fokusiert sich auf die Vergabe von Darlehen, wodurch die mit Eigenkapital verbundenen Mitentscheidungsrechte der Investoren wegfallen. Deshalb ist ein drohender Machtverlust nur bedingt ein (wirklicher) Grund. Im Gegenteil, geschickt addressiert, kann ein sprunghaft angewachsenes Beziehungsnetzwerk mit verstreut angesiedelten Individuen durchaus die eigene Position und Reichweite stärken. Ausserdem verschafft sich der CFO eher einen zusätzliche Verhandlungsspielraum gegenüber konventionellen Finanzierungshaüsern. Allerdings wird in den neuen Kanälen häufig eine deutlich offenere, direktere und schnellere Kommunikation erwartet.

Social Banking 2.0: Sprich, brauchen wir erst eine andere Unternehmenskultur, oder spricht hier der Markt seine eigene Sprache?

Crowdfunding wird nicht jeden Manager ansprechen, erfordert es doch einen neuen Denkansatz und eine in der Vergangenheit selten geübte Transparenz und Offenheit voraus. So werden sich anfänglich zumeist jüngere Unternehmenslenker an Crowdfunding heranwagen, die bereits mit Social Networks und ähnlichen Phänomenen aufgewachsen sind. Werden mehr und mehr Erfolge durch Crowdfinanzierung bekannt, wird dann aber auch ein Teil der „anderen“ Unternehmer nachziehen. Wichtig ist dafür aber auch, ein Mindestmass an Diskretion von vertraulicher Information zu gewährleisten, z.B. durch geschützte Bereiche in denen detailliertere Finanzinformationen zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem ist eine der Herausforderungen für Crowdfundinganbieter, Lösungen zur Verfügung zu stellen, die eine effiziente Kommunikation zwischen Unternehmen und Investoren ermöglichen wie zum Beispiel Cofundit Investor Webcast oder Live Events – kein CFO kann (oder sollte) Einzelanfragen von 50, 100 oder mehr Investoren beantworten.

Social Banking 2.0: Bis in welche Größenordnungen könnte „Business Crowdfunding“ vorstoßen, bleibt es bei kleineren Finanzierungen, oder lässt sich das Modell auch weiter nach oben skalieren?

Einige Modelle für die Web 2.0 Bank, wie zum Beispiel Fidor, gibt es ja schon. An sich ist die Crowdfunding Branche wie andere Industrien darauf angewiesen, Skaleneffekte zu realisieren, um nachhaltig profitabel zu arbeiten. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die Konzentration der Kreditvergabe in der Vergangenheit auch zu einer Verknappung der Kreditmittel für junge Unternehmen geführt hat, da Großbanken häufig die Tuchfühlung mit diesem Segment verloren und als zu riskant eingestuft haben.

Crowdfunding hat das Potenzial, eine bevorzugte Finanzierungsquelle werden für Unternehmen die alternative Brückenfinanzierungen auf Darlehensbasis suchen. Es ist deshalb ein attraktiver Ansatz für neue Geschäftsmodelle in der Finanzintermediation oder Mittelallokation – als dauerhafte Alternative zur Bankfinanzierung.

Interview: Lothar Lochmaier

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Written by lochmaier

März 14, 2011 um 2:25 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] im Startup-Bereich finden Sie in meiner kleinen Interviewserie vom vergangenen Jahr: Seedmatch  Cofundit  C-Crowd   – und in einem Gastbeitrag der Schweizer Plattform investiere.ch, der Crowdfunding […]


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