Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Teil II: (Business) Crowdfunding mit startnext

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Und hier geben die Macher der Internet-Plattform startnext, über die Künstler, Kreative und Erfinder ihre Projekte finanzieren lassen können, einen Einblick hinter ihre Kulissen: 

Social Banking 2.0: Ist dies ein neues Geschäftsmodell, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, oder bleibt es ein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte?

Denis Bartelt | tyclipso.net]: Spätestens seit den politischen Veränderungen in der Arabischen Welt verursacht durch Social Networks, erkennen auch Konsumenten mit geringerer Internet-Affinität, dass sich hier etwas verändert hat. Wird diese neue Macht erst einmal im Bereich Produktenwicklung erkannt, werden große Marken an Gewicht verlieren, weilen ihnen zum Teil die Dynamik für schnelles Handeln fehlt.

Es wird definitiv eine Verschiebung zugunsten solcher Projekte geben, bei denen sich die Crowd einbringen kann. Die Masse macht‘s! Es gibt aber Bedingungen: Ein Geschäftsmodell oder eine Idee muss wirklich so gut und nachvollziehbar sein, dass es der Konsument sofort versteht, für notwendig hält und braucht.

Ist dies der Fall, funktioniert Crowdfunding in Zukunft auf jeden Fall und wird viele Geschäftsprozesse und Entstehungsgeschichten von Unternehmen beeinflussen. Crowdfunding gleicht einem Elevator-Pitch: Mit nur wenigen Mitteln muss das Projekt verstanden sein, Fans müssen generiert werden, der „Aha-Effekt“ möglichst groß sein. Wer eine Community mitbringt, ist klar im Vorteil. Projekte in den USA haben aber gezeigt, dass man auch durch das Anzapfen existierender Communities sein Ziel erreichen kann. Am Beispiel von „Apple“-Accessoires, die immer wieder hunderttausende Dollar einspielen. Leichtes Spiel für Produktdesigner.

Social Banking 2.0: Welchen Einfluß hat es auf die Geschäftswelt?

Denis Bartelt | tyclipso.net]: … Mehr Transparenz, mehr Kapital, weniger Spekulation, bessere Involvierung der Geldgeber. Der Prozess selbst ist Teil des Produktes und deshalb unterhaltsam. Klassische Marketingfloskeln werden hinfällig. Das Produkt wurde durch die Crowd bereits „geadelt“.

„Schau mal, im Laden steht ein neuer Rasierer! Ich habe dessen Entwicklung begleitet, Ideen gegeben, Geld geben und bin ein Teil der Idee.“

Social Banking 2.0: Welche Rolle könnte etwa startnext spielen, gibt es evtl. bereits konkrete Projekte, die auch über den rein künstlerischen Bereich hinausgehen, die Grenzen zwischen Kunst und Geschäft sind ja ohnehin fließend, da jeder irgendwie sein Geld verdienen will und muss?

Denis Bartelt | tyclipso.net: Es gibt diese Projekte bei Startnext. Die Vorbereitungen dazu sind jedoch enorm und werden noch einiges an Zeit brauchen. Derzeit werden Erfindungen und größere Produktionen in den Bereichen 100.000-300.000 € geplant, die vor allem Endkunden ansprechen werden.

Social Banking 2.0: Schließlich könnten auch die Unternehnen selbst für bestimmte definierte Projekte sich die finanzielle Unterstützung aus der großen „Firmencommunity“ zusammen stellen, was somit indirekt die Finanzstrukturen tangieren würde. Allerdings bleibt der Trend Crowdfunding – direkt in der Unternehmensfinanzierung angesiedelt – zunächst noch ein Randphänomen, unter anderem wegen diverser Regularien. Blockt der CFO eine derartige Initiative aufgrund von Compliance, aber auch dem drohenden Machtverlust, eher ab?

[Denis Bartelt | tyclipso.net]: Die Macht der Crowd im Zusammenhang mit Finanzierungen ist heute noch schwer abschätzbar. Geldgeber konnten schon immer auch Einfluss und womöglich Veränderung von Produkten und Zielen in einem Unternehmen erreichen. Bisher war dies kontrollierbar, weil nur wenige Zugang zu den sensiblen Bereichen erhielten. Sollte die Crowd entscheiden, was morgen in einen BMW verbaut wird, eigenes Kapital dafür einsetzten, dann wären wir bei Elektrofahrzeugen und Softwareschnittstellen schon 5 Jahre weiter.

Bei der aktuell agierenden Manager-Generation sehe ich Probleme hier kurzfristig Akzeptanz zu entwickeln. Von der gewonnenen Macht muss definitiv abgegeben werden, damit das Prinzip funktioniert. Es wird sich zeigen, dass Crowd getriebene Unternehmen in Zukunft viel weniger Marketing-Budget aufwenden müssen, weil schon der Finanzierungsprozess Marketing ist und das Markenbewusstsein auf einer anderen Ebene stattfindet.

Interessant ist auch, wie Banken auf diese Veränderung reagieren. Die teuren Kredite im Bereich unter 1 Mio. Euro werden womöglich gegen Vorkassezahlungen der Crowd ersetzt. Produkte werden billiger, weil Zinsen nicht gezahlt werden müssen.

Social Banking 2.0: Brauchen wir erst eine andere Unternehmenskultur, oder spricht hier der Markt seine eigene Sprache?

[Denis Bartelt | tyclipso.net]: In Deutschland muss sich zuerst die Unternehmenskultur verändern und Öffnung dahingehend zulassen. Die Angst vor Einfluss hat schon häufig dazu geführt, dass andere schneller und innovativer waren. Junge neue Unternehmen werden die Marktveränderungen aber erkennen und somit den Druck auf bestehende Unternehmen erhöhen. Wer heute von der Uni kommt und etwas eigenes aufbauen will, kann diese Option schon in Betracht ziehen.

Social Banking 2.0: Bis in welche Größenordnungen könnte „Business Crowdfunding“ vorstoßen, bleibt es bei kleineren Finanzierungen für einzelne Personen oder Start ups, oder lässt sich das Modell auch weiter nach oben skalieren? (Wird die Hausbank also künftig aus einer Art Web 2.0 Community bestehen, oder ist dies zu hoch gegriffen?)

[Denis Bartelt | tyclipso.net]: Ich halte Business Crowdfunding in den nächsten 3-5 Jahren für absolut in der Lage Finanzierungsfragen bis 500.000€ zu klären. Offen bleibt, ob der jeweilige Supporter dafür einen Anteil am Unternehmen oder eher ein individuelles Dankeschön (das jeweilige Produkt) haben möchte. Ein Nebeneffekt, Crowdfunding ist damit auch in der Lage konservative Geldanlagen zu ersetzen, denn mit etwas Geschick kann der „Supporter aus der Crowd“ mindestens die gleiche Rendite erreichen, hat dabei jedoch noch Spaß, beschäftigt sich aktiv an Prozessen, beeinflusst sein Portfolio, fiebert mit und wird es weitererzählen! Es ist im Grunde kinderleicht und dem Menschen angeboren.

Interview: Lothar Lochmaier 

Hinweis: Das Thema Crowdsourcing wird auch auf der Konferenz co:funding am 15.04.2011 (eine Subkonferenz der re:publica) diskutiert. www.cofunding.de

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Written by lochmaier

März 10, 2011 um 7:28 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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