Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Teil I: (Business) Crowdfunding mit c-crowd

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Insbesondere im Bereich der Mikrofinanzierung von jungen Unternehmen macht ein Trend derzeit auf sich aufmerksam: In den USA dürften Vorreiter wie die prominente Crowdfunding Plattform Kickstarter mittlerweile rund 80 Mio. Dollar eingesammelt haben, nicht nur für private Zwecke ,sondern auch für unternehmerische Absichten.

Crowdfunding bedeutet, dass spezielle Plattformen als Vermittler für Spenden und/oder Kredite dienen, die per Aufruf übers Netz eingeworben werden. Crowdfunding ist somit eine neue internetbasierte Art der Finanzierung, durch die sich Aktionen (Produkte, Projekte oder auch Geschäftsideen von Privatpersonen und Einzelunternehmern) mit Fremdkapital versorgen lassen.

Als Kapitalgeber fungiert die anonyme Masse der Internetnutzer. Eine Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Masse fremdfinanziert sein muss, bevor die Aktion startet. Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jedes Mitglied der Masse(Crowdfunder) nur einen geringen finanziellen Anteil.

Dass es sich beim Crowdfunding um ein neues Geschäftsmodell handelt, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, es also kein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte bleiben wird, davon ist Philipp Steinberger überzeugt, Gründungspartner bei der c-crowd AG  in Zürich, einem Online-Fundraising-Spezialisten, der auch im geschäftlichen Umfeld agiert.

Im Dialog mit Social Banking 2.0 skizziert  Philipp Steinberger nun das kleine und große Einmaleins der Unternehmensfinanzierung „Business Crowdfunding „: 

Social Banking 2.0: Ist dies ein neues Geschäftsmodell, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, oder bleibt es ein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte?

Philipp Steinberger: Crowdfunding ist ein innovatives Geschäftsmodell welches sich in erster Linie im Spenden-Bereich und Peer2Peer Lending durchgesetzt und etabliert hat. Dies nicht nur, weil es oft ein emotionell getriebener und einfacher Prozess ist, sondern auch, weil in vielen Länder eine Direktinvestition in Jungunternehmen, vermittelt durch eine Online-Plattform, aus rein regulatorischen Gründen gar nicht möglich ist.

Die zunehmende Beliebtheit von Crowdfunding zeigt insbesondere auf, dass Kapitalgeber (Spender/Investoren) anfangen, bestehende Strukturen zu hinterfragen. Macht es wirklich Sinn, zusätzliche Fondsanteile zu kaufen, an welcher in erster Linie die Bank Geld verdient oder braucht die globale Stiftung mit einem administrativen Aufwand von 40% wirklich meine Unterstützung? Kapitalgeber wollen vermehrt wissen, was genau mit ihrem Geld passiert und sind diesbezüglich auch bereit, neue Wege zu gehen.

Somit bekommen kleine, wohltätige Projekte, vielleicht sogar aus dem geografischen Umfeld des Kapitalgebers, Jungunternehmer mit einer tollen Idee oder  lokale Künstler plötzlich einen anderen Stellenwert, insbesondere weil der Kapitalgeber meistens ja nur einen geringen finanzieller Anteil leistet und somit das Risiko überschaubar hält.

Social Banking 2.0: Was resultiert daraus?

Crowdfunding erlaubt dem Kapitalgeber sein Geld emotionell einzusetzen, was bei einem Fonds-Anteil oder einer globalen Stiftung kaum möglich ist. Dieser kann, sofern gewünscht, den wohltätigen Zweck, Künstler oder Jungunternehmer mit persönlichen Kontakten und Ideen unterstützen und wird somit Teil des Projektes. Dies ist auch für den Projekt-Initiator von grossem Interesse, denn ein zufriedener Kapitalgeber spricht im persönlichen Umfeld gerne über „seine“ Projekte, was wiederum einen Hebeleffekt auf das Projekt hat in Bezug auf Visibiltät und zusätzlichem Kapital. 

Für Jungunternehmer ist es heutzutage immer schwieriger an Investoren zu kommen, insbesondere wenn das bekannte „Friends, Family“ Netzwerk nicht vorhanden ist. VC Investoren scheuen zunehmend das Risiko und investieren selten in Unternehmen, welche ganz am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Hier bietet das Crowdfunding den Jungunternehmern eine geeignete Plattform, auf welcher sie sich einer grossen Anzahl von möglichen Investoren präsentieren können. Eine Finanzierung via Crowdfunding zu erhalten, ist, neben der Alternative zu traditionellen Finanzierungsmöglichkeiten, auch für Jungunternehmer ein spannender Test für deren Businessmodell. Sollte er es nicht schaffen die Masse von seinem Vorhaben zu überzeugen, so sollte er sich vielleicht grundlegende Gedanken machen ob er mit seiner Geschäftsidee überlebensfähig ist oder nicht.

Social Banking 2.0: Gibt es rechtliche Hürden?

Eine Eigenkapital-Finanzierung via Crowdfunding zu finden, ist leider nicht in allen Länder möglich und hängt sehr stark von den lokalen Regularien ab. In der Schweiz können Jungunternehmer unter bestimmten Bedingungen Anteile an mögliche Investoren anbieten;unsere Plattform http://www.c-crowd.com hat diesbezüglich speziell ein Ruling der schweizerischen Finanzmarkaufsicht FINMA eingeholt.

Wir glauben stark daran dass, Unternehmensfinanzierungen durch das Crowdfunding nachhaltig tangiert werden. In der heutigen Zeit sehen wir vor allem Projekte mit überschaubaren Finanzierungsvolumen im Vordergrund. Mit der steigenden Bekanntheit des Crowdfundings werden auch die Investitionssummen steigen. Wichtig ist natürlich, dass die steigende Bekanntheit durch erfolgreiche Projekte getragen wird. Aus diesem Grund setzen wir bei c-crowd.com sehr viel Wert auf seriöse Projekte. Der Jungunternehmer muss eine ganz klar definierte Liste von Informationen einreichen, welche wir dann auf deren Plausibilität prüfen. Erst nachdem wir zusätzlich das Geschäftsmodell mit dem Unternehmer persönlich besprochen und hinterfragt haben, setzen wir das Projekt mit den gesamten Informationen auf unsere Plattform. Dann liegt der Ball beim Investor, welcher die Informationen selber prüfen muss bevor er seinen Investitionsentscheid fällt. Bei c-crowd.com geben wir keine Investitionsempfehlungen ab, die Verantwortung liegt voll und ganz beim Investor.

Social Banking 2.0: Welchen Einfluß hat Crowdfunding auf die Geschäftswelt?

Das Thema Crowdfunding wird auf jeden Fall einen Einfluss auf die Geschäftswelt haben. Die Macht der Masse, sei es für Finanzierungen oder Visibiltät eines Unternehmen oder Produktes wird in Zukunft stark steigen. Je mehr Aktionäre ein Jungunternehmer hat, desto mehr „Helfer“ hat er. Jede Person, welche via Crowdfunding in ein Jungunternehmen investiert, hat das Interesse „sein“ Unternehmen nach vorne zu bringen und wird seine Investition, sowie deren Produkt/Dienstleistung aktiv im eigenen Kontaktnetzwerk verbreiten.

Natürlich ist hier auch der Unternehmer gefragt, denn es ist wichtig mit seinen Aktionären ein gutes Verhältnis zu haben und diese kontinuierlich über den Fortschritt zu informieren. Diese Informationspflicht des Unternehmers ist auf c-crowd.com Standard und vertraglich geregelt.

Ein einfaches Beispiel: Ein Jungunternehmer sucht Geld für ein neues Produkt welches er produzieren und verkaufen möchte. Durch Crowdfunding hat er 100 neue Aktionäre gefunden und kann somit das Produkt herstellen. Diese 100 Aktionäre werden nicht nur sein Produkt kaufen sondern werden auch mit ihren 10 engsten Kontakten darüber sprechen. Somit kennen bereits 1000 mögliche Kunden das Produkt, dies nur wegen der Finanzierung durch Crowdfunding.

Social Banking 2.0: Schließlich könnten auch die Unternehnen selbst für bestimmte definierte Projekte sich die finanzielle Unterstützung aus der großen „Firmencommunity“ zusammen stellen, was somit indirekt die Finanzstrukturen tangieren würde. Blockt der CFO eine derartige Initiative aufgrund von Compliance, aber auch dem drohenden Machtverlust, eher ab?

Wie bereits erwähnt, sind Firmenfinanzierungen derzeit noch immer stark durch Regularien der jeweiligen Märkte geprägt welche vor einiger Zeit u.a. zum Schutz von Kleininvestoren erstellt wurden. Dass diese Regeln zum Teil versagt haben wurde spätestens in und nach der Finanzkrise ersichtlich. Zur Zeit entwickelt sich in den USA eine Bewegung mit dem Ziel, diese Regeln in Hinsicht auf Crowdfunding zu lockern. Die Finanzierung von Innovation und Jungunternehmern ist eine Investition in die Zukunft des jeweiligen Landes und sollte nicht durch allzu rigorose Regeln blockiert werden.

Auf c-crowd.com bestimmt der Unternehmer wie viele neue Aktionäre er an Bord holen möchte indem er eine Mindestinvestitionsgrösse in der Finanzierung festlegt. Somit ist der Machtverlust für den Unternehmer kontrollierbar und genau abschätzbar. Zusätzliche „Ordnung“ kann auch erreicht werden indem die Stimmen der neuen Crowdfunding-Aktionäre z.B. vertraglich gebündelt werden und durch einen Crowdfunding-Aktionär vertreten werden.

Bestimmt ist nicht jedes Unternehmen tauglich für eine Finanzierung via Crowdfunding, es bedarf einer gewissen Offenheit gegenüber dem Internet, denn um die Investoren zu erreichen und überzeugen muss das Unternehmen Informationen öffentlich zugänglich machen, damit kommt nicht jedes Unternehmen klar.

Auf c-crowd.com versuchen wir anhand einer Jahresmitgliedschaft für Investoren die unseriösen Investoren welche nur auf Informationensuche sind fern zu halten. Grundsätzlich sind wir aber auch der Meinung, dass je länger sich Crowdfunding entwickelt, umso besser werden die Tools welche Vertraulichkeit und Transparenz in das richtige Verhältnis rücken.

Social Banking 2.0: Brauchen wir also erst eine andere Unternehmenskultur, oder spricht hier der Markt seine eigene Sprache?

Firmen, welche sich über Crowdfunding finanzieren lassen, haben bereits eine Unternehmenskultur, geprägt durch Offenheit gegenüber neuen Finanzierungsmöglichkeiten, Transparenz und grösseren Aktionärskreisen. Diese Unternehmen suchen allerdings auch (noch) nicht Investorengelder in Millionenhöhe. Je länger sich aber Crowdfunding im Markt als erfolgreiche Finanzierungsmöglichkeit behauptet umso mehr wird der Markt die Firmenkultur eines Crowdfunding-Unternehmens bestimmen.

Dasselbe gilt auch für die Investoren, die heute wohl eher jünger und innovativ sind, aber in Zukunft genauso älter und traditionellsein können. Hier versucht c-crowd die Brücke mit spannenden Events zu schlagen in welchen auch ältere Generationen den physischen Kontakt zu den Jungunternehmern geboten wird.

Social Banking 2.0: Und eine Bilanz – bis in welche Größenordnungen könnte „Business Crowdfunding“ vorstoßen, bleibt es bei kleineren Finanzierungen, oder lässt sich das Modell auch weiter nach oben skalieren?

Das wird sich erweisen. Während es heute eher noch kleinere Finanzierungen sind, so könnte Crowdfunding schon bald ein institutionalisiertes Werkzeug zur Finanzierung werden. Dies hängt davon ab wie erfolgreich die bisher finanzierten Projekte sind und wie sich die Regularien in den einzelnen Länder anpassen. Grundsätzlich findet aber das Kapital immer irgendeinen Weg zu den guten Projekten und dieser Weg heisst hoffentlich auch in Zukunft Crowdfunding.

Interview: Lothar Lochmaier

Im nächsten Teil stellt sich die Plattform startnext vor.

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Written by lochmaier

März 8, 2011 um 12:46 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. Sehr spannend und da scheinen Schweizer Anbieter die tieferen regulatorischen Hürden gut genutzt zu haben. Kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass in Deutschland ein Modell Cash gegen Aktien auf Mikrofinanzebene legal möglich ist… Andere Meinungen?

    Andreas B.

    März 29, 2011 at 3:09 pm

  2. […] finden Sie in meiner kleinen Interviewserie vom vergangenen Jahr: Seedmatch  Cofundit  C-Crowd   – und in einem Gastbeitrag der Schweizer Plattform investiere.ch, der Crowdfunding als Königsweg […]


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