Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Guttenberg: Was wir vom gescheiterten Doktor lernen können

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Ich habe ein bisschen hin- und her überlegt, ob ich über den gescheiterten Verteidigungsminister einen Blogbeitrag machen soll. Denn das Stimmenwirrwarr ist groß. Kaum ein Blog oder Medium, das sich nicht dazu geäußert hat. 

Einige werfen sogar die Frage auf, ob es das Netz war, das zu Guttenberg letztlich zu Fall brachte. In der Tat, es spielt als Machtkorrektiv von unten künftig eine größere Rolle, größer als es manchem in den oberen Etagen lieb sein kann. Das Internet, es bringt als ergänzendes Korrektiv tatsächlich eine neue Medienqualität hervor, das sich freilich immer wieder aufs Neue beweisen muss.

Indes: Die Preisfrage, der sich unsere Inszenierungsgesellschaft ausgesetzt sieht, ist die, ob wir in einer Leistungs- oder Erfolgsgesellschaft leben, wo die Wahl der Mittel nachrangig ist. Letzteres gilt derzeit. Und jetzt muss ein Adliger zurecht als Bauernopfer herhalten, damit wir bald schon die nächsten selbst inszenierten unechten Heldenbilder vorgesetzt erhalten.

Bereits vergangene Woche hatte ich in meinem Videoblog Doktor Spar die Causa Guttenberg in einem persönlichen Kommentar analysiert: Ich war der Ghostwriter von Guttenberg

Folgende Punkte sehe ich als gelernte Lektion:

– Aus Niederlagen lernt man mehr als aus einem strahlenden Siegerlächeln

– Die leise Macht der agilen Netzdemokratie gegen verkurstete Strukturen sollte man nicht unterschätzen

– Wirkliche Einsicht brachte die pathetische Rücktrittserklärung von Guttenberg nicht, weswegen dezentrale Machtkontrolle umso wichtiger wird

– Es kann nicht sein, dass heute Mittdreißiger in Top-Entscheidungspositionen ähnlich routiniert wirken wie erfahrene Manager, die diesen Horizont freilich erst mit 50 Jahren haben können

– Demzufolge wäre es gut, sich an klassischen Lebenszyklen zu orientieren, die Phase des jugendlichen Experimentierens bis Mitte Dreißig, danach das allmähliche Hineinwachsen in die Verantwortung – und mit Mitte bis Ende Vierzig schließlich die Verantwortungsübernahme ganz oben

– Ich weiß, dieses Prinzip gilt sicherlich nicht in jedem Fall, aber es wäre gut, wenn jüngere Akademiker und schnelle Aufsteiger nicht nur mit einer oberflächlichen Fassadenpolitur nach oben kommen, statt mit einer über mehrere Jahre und Jahrzehnte erworbenen Expertise

> Führt die „Erfolgsphilosophie Guttenberg“ weiter die Regie, dann werden die Fundamente unserer Gesellschaft auf das untere Mittelmaß reduziert

– Auf der Strecke bleiben dann aber vor allem jene Menschen, die harte Arbeit, Kreativität, Leistung, Risikofreude und Verantwortung nicht nur propagieren, sondern übernehmen (müssen).

>>> Was folgt daraus? Sagen wir es mit einer visuellen Anregung, ob die Zeit der marmornen Glaspaläste wirklich die Lösung für unsere Zukunftsprobleme darstellt. Reicht es zur Lösung unserer Herausforderungen aus, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Leitbilder sich als blendende Glasfassade inszenieren? Hier als optischer Appetithappen ein unidirektionales Imagevideo zum architektonischen Konzept der neuen Deutsche Bank-Türme in Frankfurt am Main.

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Written by lochmaier

März 2, 2011 um 7:39 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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