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Greenleaks: Umweltklon von Wikileaks nimmt Arbeit auf

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Dass die Enthüllungsplattform Wikileaks keine Eintagsfliege im Netz darstellen würde, trotz gewisser konzeptioneller Fehler und öffentlicher Kritik, war klar. Jetzt gibt es weitere „Klons,“ so einen aus dem Bereich Umwelt. Das Greenpeace Magazin berichtete Ende Januar: 

Die am Montag in Berlin ans Netz gegangene Plattform „GreenLeaks“ hat nicht nur eine andere thematische Ausrichtung, sondern möchte auch teilweise anders arbeiten als ihr großer Bruder. Eine Gruppe von Journalisten, Juristen und Umweltschützern um den australischen Dokumentarfilmer Scott Millwood möchte sich mit GreenLeaks auf die Veröffentlichung von Missständen aus den Bereichen Umwelt und Klima sowie Verbraucherschutz konzentrieren. Als wichtig erachtet werden ausdrücklich nicht nur Themen von internationaler Brisanz wie illegale Handlungen beim Emissionshandel oder Umweltsünden von Großkonzernen, auch Übles auf lokaler Ebene soll ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden.

Das Ziel der GreenLeaks-Betreiber besteht auch darin, Unternehmen und Regierungen davon zu überzeugen, dass sie in ihrem eigenen Interesse die Forderungen der Öffentlichkeit nach Umwelt- und Klimaschutz ernst nehmen sollten.

In der Tat wird die Gratwanderung zwischen Aufklärung und notwendiger Kooperation mit offiziellen Stellen oder Unternehmen spannend zu beobachten. Denn die Umweltsünden sind ein mindestens ebenso brisantes Thema – man erinnere sich an das Beispiel BP  im Golf von Mexiko – als die Banken und Finanzindustrie oder die große Politik.  

Was also ist von der Plattform Greenleaks zu erwarten? Zunächst einmal haben wir es an der Spitze mit einem Kreativschaffenden aus Australien zu tun, der sich in Deutschland nieder gelassen hat. Den Macher hinter den Kulissen, den Dokumentarfilmer Scott Millwood, portraitiert die Tasmanian Times

The Australian-born, Berlin-based filmmaker and lawyer, is well known for his environmental advocacy. His AFI-award winning film “Wildness” (2003) told the story of two Tasmanian wilderness photographers whose work marked the emergence of conservation in Australia.
Millwood’s book and feature documentary “Whatever Happened to Brenda Hean?” (2008), exploring the disappearance and possible murder of the founder of the world’s first green political party, is also based upon secret government files that were leaked to the filmmaker.

Man darf gespannt sein, wie die Plattform ihre Tätigkeit zwischen den Spannungspolen Sensationsmache, Aufklärung und notwendiger Kooperation mit Opfern (und Tätern) konstruktiv gestalten wird. Auf alle Fälle ist es wünschenswert, dass Transparenz und Aufklärung in alle Teilbereiche von Gesellschaft und Wirtschaft Einzug hält. Insofern ist das Internet bzw. sind die Netzwerke wirklich eine bahn brechende Innovation.

Fragen wir doch mal einen nüchternen, nicht moralisch vorein genommenen Bankmenschen nach seiner Meinung, wie Konrad Hummler von der Schweizer Privatbank Wegelin. Er hält in seinem Anlagenkommentar das Prinzip Wikileaks immerhin für bedeutender als der Fall der Berliner Mauer:

Mit „Wikileaks“, der Internetcommunity für mehr Transparenz in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, hat sich nun gewiss ein Quantensprung ereignet, vergleichbar mit dem Fall der Berliner Mauer oder der Zerstörung der Twin Towers am 11. September 2001. Weshalb? Weil sich die Welt mit Wikileaks völlig anders organisieren muss als zuvor. Staaten und andere, vor allem grosse Organisationen haben die Herrschaft über „ihre“ Daten verloren.

Aber Konrad Hummler spart auch nicht mit deutlicher Kritik am Wikileaks-Enthüllungsprinzip:

Wikileaks ist weit davon entfernt, eine valable Alternative zu den demokratischen Rechtsstaaten eigenen Kontrollmechanismen und -instanzen zu sein, denn die Veröffentlichungen sind willkürlicher Natur, nehmen keine Rücksicht auf andere schützenswerte Rechtsgüter und orientieren sich nicht an der Maxime der Angemessenheit.

Ganz am Ende fällt die Bilanz aber trotz einiger Wermutstropfen durchaus positiv aus:

Wenn wir dennoch der Meinung sind, mit Wikileaks habe sich eine Art Quantensprung in unserer schönen neuen Welt vollzogen, dann wegen der offenkundigen Etablierung einer zur territorial orientierten Staatenwelt parallelen Hoheit des Datenbesitzes. Es scheint sich abzuzeichnen, dass das Ersatzsubstrat für Territorialität die Herrschaft über Daten und die Zuordnungsfähigkeit zu Individuen und Organisationen wird. Das gilt es festzuhalten.

Was bleibt also unter dem Strich – Green- und Wikileaks sind dort am notwendigsten, wo es am meisten Diktatur, Kontrolle und Hierarchie von oben gibt. Dieses Prinzip gilt grenzüberschreitend.

Denn man fragt sich beispielsweise angesichts des Öldesasters von BP vor der mexikanischen Küste, wo der Unterschied zwischen totalitären Regimen und einer wirtschaftlichen Hegemonie besteht, die letztlich beide auf das gleiche Ziel hinaus laufen. Auf die Ausbeutung von Mensch und Umwelt.

Es gibt also viel zu tun für Wikileaks – und seinen Klon, den Umweltableger Greenleaks. Hoffen wir, dass die Akteure mit viel Bedacht und Sorgfalt agieren. Denn nur so kann der hoch gesteckte ethische Anspruch eingelöst werden. Das aber wird zu harschen Gegenreaktionen autokratischer Systeme führen, wie etwa am Beispiel des nach Unruhen von der Regierung „gekappten“ Internets in Ägypten der Fall.     

Im zweiten Teil folgt ein exklusives Interview Wir sind anders als Wikileaks mit Scott Millwoold, dem Gründer von wikileaks.com.

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Written by lochmaier

Februar 3, 2011 um 8:53 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] This post was mentioned on Twitter by R+V, Lothar Lochmaier. Lothar Lochmaier said: Greenleaks: Umweltklon von Wikileaks nimmt Arbeit auf Trendanalyse auf Social Banking 2.0 http://bit.ly/fFRirN […]


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