Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Morgan Stanley: Wenn Börsenbewertungen infrage gestellt sind

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Was passiert, wenn nach einem Börsengang plötzlich der Wert eines neuen Unternehmens in Frage gestellt wird – und sich die Zweifel übers Netz rasch verbreiten. Derzeit erlebt das die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley hautnah, so kursieren entsprechende Gerüchte in Insiderkreisen.  

Ein frustrierter chinesischer Kunde, der frühere Besitzer der Firma Dangdang, welche nach dem IPO in den USA durch die Börse knapp hundert Prozent höher bewertet wurde, trat nach Einschätzung der Schweizer Privatbank Wegelin eine Protestlawine „von atemberaubendem Momentum los“.

Über 2.600 zum Teil überaus gehässige Kommentare seien innerhalb von 24 Stunden ins Netz gestellt worden. Selbst wenn alles mit rechten Dingen zugegangen sei, der Schaden für die betreffende Bank wäre kaum wiedergutzumachen. An Schadenersatzforderungen seitens der betroffenen Bank sei mangels greifbarer Adressaten kaum zu denken.

Mehr Infos zu diesem konkreten Fall, in dem offenbar der chinesische Online-Book-Retailer dangdang.com involviert  gewesen sei, berichtet die Nachrichtenagentur AFP:

Li Guoqing, chief executive of Dangdang.com, wrote on a microblogging service similar to Twitter on Chinese Internet portal Sina.com.

He criticised the bank by name after posting an angry rant in a Chinese rap style with lyrics railing against the investment bankers, saying they were celebrating while he was furious when the company was valuated.

Dangdang, co-founded by Li’s wife and the firm’s chairwoman Peggy Yu, raised 272 million dollars last month by selling a total of 17 million American Depositary Shares at 16 dollars a piece, a price above its revised 13-15 dollar range, according to Dow Jones Newswires. Morgan Stanley and Credit Suisse were the leading underwriters for the listing.

Quelle: AFP

Morgan Stanley versuchte natürlich aus seiner Sicht den Fall richtig zu stellen. Wer sich ein eigenes Bild von der interessanten Case Study (unabhängig von der persönlichen Positionsnahme) machen möchte, findet mehr Infos auf digitaleastasia.com oder auf dem Reuters Blog.  

Stellen wir aber die Wahrnehmung dieses Falls – den wir bis dato vor allem aus dem Blickwinkel der Finanzbranche skizziert haben –  auf den Kopf, und betrachten den Fall aus der Perspektive der „ohnmächtigen“ weil einflusslosen Kleinanleger. 

Dann bleibt festzuhalten: Die faktische Machtaneignung des Börsenparketts durch die virtuelle Internetgemeinde hat begonnen.

Die spannende Frage lautet, ob wir durch die Offenlegung von Stimmungsbildern, Geschäftszahlen bis hin zu Gerüchten, wer mit wem was hinter den Kulissen verhandelt, einen qualitativen Wert in der „anlegerorientierten Börsenberichterstattung“ erleben. Diese Preisfrage ist tatsächlich schwer zu beantworten.

Denn seit jeher sind Informationen, die den Börsenwert eines Unternehmens betreffen, mit einer Absicht dahinter versehen. Kurzum, wer profitiert von der News? Es geht um bares Geld, und noch so jede kleine Regung und jedes Achselzucken beeinflußen den Kurs nach oben oder nach unten.

Daraus folgt, dass auch im Netz jede Art von Information sorgfältig auf ihren neutralen Wahrheitsgehalt, oder zumindest die Absicht über wichtige Zusammenhänge aufzuklären, geprüft werden müsste. Doch hier kommt der Nachteil einer sich rasch aufschaukelnden Meinungslawine im Netz zum Tragen.

Noch bevor überlegt und bewertet werden kann, hat sich die Nachricht über Twitter, Facebook und Co. bereits verbreitet – und wird somit selbst zum Faktum. Das hat seinen Charme, aber auch seine inne wohnenden Risiken. Der Absender sollte seine Motivationen kund tun, und nicht nur seinen unkontrollierten Ärger, dem durchaus auch eine für andere gelegentlich nicht durchschaubare Motivation zugrunde liegen kann.  

Fassen wir zusammen: Handelt es sich um notwendige Aufklärung, dann steht dem Gang in ein Netzforum nichts im Weg, denn die interessierte Weltöffentlichkeit hat ein jedes Recht zu erfahren, wenn etwas hinter den Kulissen der großen wie kleinen Finanzwelt nicht mit rechten Dingen zugegangen sein sollte. Erst recht, wenn es sich um sensible Börsennotierungen handelt, die die eigene Rendite beeinflussen.

Mittelfristig stellt sich die Frage, ob die Grenzziehung zwischen „Insider“ und „Outsider“ aufrecht erhalten werden kann. Denn wenn immer mehr exklusives Wissen über Schwachstellen und offene Kanäle binnen Minuten an die ganze Welt gelangt, dann schwindet auch der Wert von vermeintlich exklusiven Informationen. Derartige Schwachstellen zu schließen, daran wird die Finanzbranche künftig erheblich akribischer als früher arbeiten. Ob dies gelingt, steht auf einem anderen Blatt …

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Written by lochmaier

Februar 2, 2011 um 8:29 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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