Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Finovate: Deutsches Bankenhandwerk hat goldenen Boden

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… Hoffentlich ist der goldene Handwerksboden nicht gleich ein doppelter, denn der Zeit Blog Herdentrieb hat gerade festgestellt, dass wir uns bei dem Thema „Gold als sicherer Hafen gegenüber dem inflationsgefährdeten Papiergeld“ allmählich dem Siedepunkt annähern.

Sprich, es droht möglicherweise eine Goldblase (Unwort des Jahres?), die bald platzt, so orakelt jedenfalls Autor Dieter Wermuth.  Ich wusste es schon immer, alle anderen wissen es irgendwie besser – wie dem auch sei, jenseits von Medien- und Finanzorakeln, für jeden Anleger kann es durchaus sinnvoll sein, einen kleineren Teil seines Geldes mittel- bis langfristig in das hübsche Edelmetall einzutauschen.

Nicht mehr und nicht mehr weniger. Blasen gibt es überall. Manche gehen unter, manche steigen auf, vor allem dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. Und dann haben es plötzlich alle besser gewusst.

Und damit sind wir wieder bei der Fidor Bank und der Finance Innovate, kurz Finovate, denn der einzige deutsche Vertreter hat auf der Konferenz sein eigenes neues Produkt vorgestellt. Und so betraten die Münchner Macher die Höhle des Löwen mit einem silbernen Koffer. Schauen Sie doch mal selbst genauer hin und weg:

[Eine Anmerkung, bevor mich die Fidor Bank AG abmahnt oder belobigt, ganz nach Gusto – ich habe mich nicht wie ein Paparazzi schon in der Nacht auf die Lauer gelegt, um auf die Herren mit den Koffern schon beim Kommen virtuell mitzuschneiden. Nein, ich kam auch grad des Morgens zum Konferenzbeginn vorbei und habe einfach spontan auf den Auslöser gedrückt.]

Und damit sind wir wieder beim Gold, das manchmal auf der Straße liegt. Dies hier ist natürlich kein bezahlter Werbeeintrag von und für die Macher von Fidor.  Aber die Präsentation auf der Finovate war durchaus beeindruckend, weil es die einzige war, die von einer Bank kam, die sich „offiziell“ und damit auch angreifbar zu einem anderen Wertekanon bekannt hat. Sicherlich, es ist noch ein steiniger Weg für den Newcomer.

Und manche auf der Konferenz haben wohl nur im Keller den Fidorianern zu applaudiert, wenn eine Bank tatsächlich mal die Innovationskette auf den Kopf stellt. Aber immerhin – auch für den Bankexperten Brett King war Fidor eines der Highlights. Er twitterte heute nachmittag:

My top 3 at #finovate: eToro, StockTwit, Fidor. Special mention to Cardlytics for most practical platform

Blicken wir also weiter hinein in die bei der angelsächsischen Welt oftmals etwas müde belächtelte „German Gründlichkeit“. Aber immerhin – derartige Tugenden würden den Amis und Briten mehr als gut zu Gesicht stehen, und da hilft denen auch nicht ein bisschen Social Media als neu verpacktes window dressing in der Big Finance Industry. 

Bodenständig – nun gut – seit kurzem kann man sich bei den Fidors auch physisches Edelmetall wie Gold über die Community-Webanwendung ins Depot legen. 

Der Vortrag von Matthias Kröner kam insgesamt ziemlich gut an, aber irgendwie erfreuten sich die geladenen Gäste dann doch lieber an eher leicht verdaulichen Häppchen aus der bloßen Bankenperipherie, sprich da, wo es keinem so richtig weh tut, und von diesem Geist der Diplomatie konnte man einiges nach der Konferenz mitnehmen…..

Schon mal was von der Finanzkrise und dem Vertrauensverlust gehört? Neee wirklich, verschont mich doch mit diesen ollen Kamellen. Vertrauen hin oder her, das Geschäft läuft doch wieder wie plangemäß die Ölforderung im Golf von Mexiko. Die Kurse steigen wieder, es wird schon nicht so schlimm kommen, trotz Wikileaks und Co, die den Mächtigen dieser Welt schon ein bisschen Bauchgrummeln verursachen.

Wieder zurück zum offiziellen Tonfall: Der Veranstalter nahm in diesem Jahr zum ersten Mal die Szene in der europäischen Finanzmetropole in London mit der Business-Konferenz ins Visier. Dies zeigt, die Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich von Finance 2.0 und Online-Bezahlverfahren wächst weiter dynamisch, getrieben vor allem durch mobile Anwendungen.

Klar ist aber auch, Personal Finance Management und all die anderen netten Spielereien, sie greifen zu kurz. Und damit sind wir bei der Manöverkritik der Konferenz. Stellen wir Plus und Minus mal gegenüber, nachdem man sich im Nachgang via Netbanker,  Bank-Blog, Finance 2.0 und Blicklog relativ auf den Punkt über das kleine deutsche Außenteam vor Ort informieren kann.

Ich selbst war den ganzen Tag über präsent, und habe ich vielen Hintergrundgesprächen die neuesten Entwicklungen quasi eingeatmet.

Positiv:

– Die professionelle Organisation, von der Technik über die Moderation bis hin zu den Präsentationen. Alles auf den Punkt, daneben blieb aber enorm viel Zeit für persönliche Gespräche. Der Mix im strategischen Feintuning der Finovate stimmte also.

– Die Teilnehmer: Man erlebt es selten, dass rund 35 Start Ups allesamt in sieben Minuten ihr eigenes Geschäftsmodell ohne jegliche Hektik und Getriebenheit darstellen. Nicht immer braucht man also eine Dreiviertelstunde, um das Wesentliche zu sagen, manchmal reicht auch deutlich weniger. Für den Rest waren persönliche Gespräche an den Ständen und den anderen Verweilplätzen da.

Negativ:

– Der starke Fokus auf Personal Finance Management (PFM) und all die netten mobilen Gimmicks und Apps, man möge mir diese fundamentale Kritik verzeihen, er verdeckt, dass es in der Bankenbranche immer noch erheblich am Willen zur Innovation mangelt.

– Demzufolge war das Gros der vertreteten Firmen eher als eine Art „brave Dienstleisterschaft“ im Gefolge der Finanzindustrie anzusehen. Man arbeitet am Detail, vor allem an der optischen Präsentation einer vermeintlich kundenfreundlicheren Bankenszene mit, ohne jedoch wirklich produktiv in die Spielregeln und Geschäftsprozesse eingreifen zu müssen.

– Will heißen: Wenn die Produkte und Mitarbeiter nicht den Kundendialog auf Augenhöhe möchten, dann nützt auch ein mobiles App, oder eine iPhone-Anwendung nichts, oder ein tolles Tool, das mir zeigt, wieviel Geld ich im Monat wofür ausgebe. Im Gegenteil: Das ist erneut eine Art glatt polierte Oberfläche, die keinerlei substanzielle Fortschritte nach der Finanzkrise ergibt.

These – was resultiert aus meiner positiven wie negativen Kritik?

Es mangelt an einer inhaltlichen Kongressführung, die die relevanten Herausforderungen in der Bankenbranche ohne „nice-to-meet-you-here-again“ thematisiert. Ich weiß, diese Veranstaltung wird so vielleicht nie stattfinden.

Aber träumen darf man ja… allein mit dem Leitmotiv „the technical light show must go on“ wird es jedenfalls künftig nicht getan sein. Ein wachsender Teil der Kunden wird andere Umgangsformen von der Produktgestaltung über die Kommunikationswege bis hin zur „Endkontrolle“ einfordern.  Das ist doch wirklich eine gute Nachricht.

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Written by lochmaier

Februar 2, 2011 um 4:42 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Hallo Herr Lochmaier,

    Nachdem dies der erste europäische Finovate-Event war, würde ich die Meßlatte eher nicht so hoch legen, wobei Sie sicher recht haben mit Ihrer Bemerkung, dass es Technik alleine auf Dauer nicht bringt.

    Dass es der Bankbranche an Innovationswillen mangelt, dazu kann ich Ihnen nur beipflichten. Die mangelnde Beteiligung speziell deutscher Institute ist ein deutlicher Indikator hierfür. Es scheint, als ob es hierzulande allen im Retail Banking noch viel zu gut geht.

    Dass PFM ein zentrales Thema war sehe ich eher positiv, haben doch europäische Banken hier noch viel nachzuholen, um Online Banking auf eine neue strategische Stufe zu heben. Dass mit Meniga ein Anbieter ausgezeichnet wurde der nicht nur europäische Wurzeln hat, sondern vor allem ein auf europäische Verhältnisse angepasstes Produkt, sehe ich daher auch positiv. Man darf gespannt sein, ob die Banken die Chancen auch zu nutzen verstehen, die sich aus solchen „Steilvorlagen“ für sie ergeben.

    Beste Grüße
    Ihr
    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de

    Hansjörg Leichsenring

    Februar 2, 2011 at 5:57 pm

  2. Guten Morgen Herr Lochmaier,
    vielen herzlichen Dank für das bisher beste deutsche Resümee der finovate und die positiven Erwähnungen der Fidor Bank und dem neuen Edelmetall Produkt.

    Ab heute 03.02.2011 mittag können unsere Kunden mit Ihren Edelmetall Orders starten – besonders spannend natürlich der Online-Versand von physischen Edelmetallen z.B. als Geschenk oder als neue Bezahlvariante.
    Dieses feature ist auch der Start in die virtuellen Währungs-Features, die wir zukünftig anbieten werden.

    Ach ja, und die Abmahnung ist natürlich schon unterwegs (kleiner Scherz 😉 )

    Sonnige Grüße aus München
    Christian Mueller
    Fidor nick: CM
    Fidor Bank AG

    Christian Mueller

    Februar 3, 2011 at 9:23 am


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