Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Dezember 2010

Wikileaks: Bank of America im Visier – Bashing geht auch ohne Geheimdokumente

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Mein Beitrag auf Heise Telepolis Stopbanque trifft Wikileaks

Bankenhierarchie im Fokus der Netzaktivisten

… hat ein ziemlich breites Echo gefunden, es wird viel diskutiert, natürlich kontrovers. Das führt gleich zu der nächsten Frage, was es mit den Gerüchten um die Bank of America (BoA) so an sich hat. Kurzum: Dürfen wir im Gegensatz zur diplomatisch nett-belanglosen Gerüchtesuppe hier von Julian Assange und Co. etwas Substanzielles erwarten?

Mit der obigen Überschrift habe ich jedenfalls diese Frage schon fast beantwortet. Aber Vorsicht mit allzu hurtigen Schlussfolgerungen. Man weiß nie,  was in der Black Box Bank so an verborgenen Risiken und Nebenwirkungen drin steckt. Leider gibt es keinen Arzt oder Apotheker, den wir dazu befragen können. 

Das findet auch das österreichische Wirtschaftsblatt, das berichtet, wie österreichische Banken über seltsame Umwege ins Visier von Wikileaks gerückt sind. Ein Auszug:

Im Visier der US-Behörden waren vor allem die Bank Austria und Raiffeisen. So wurde die Bank Austria verdächtigt, Geschäfte mit Nordkorea zu machen, die Raiffeisen Investment AG (RIAG) stand im Verdacht, Geschäftsbeziehungen zum organisierten Verbrechen in Russland zu unterhalten.

Die USA ersuchten jeweils die österreichischen Behörden um Auskunft und erhielten diese laut der von Wikileaks veröffentlichten Notiz aus dem Jahr 2006 unter anderem von einem Mitarbeiter der FMA, dessen Namen unkenntlich gemacht wurde.

Quelle: wirtschaftsblatt.de

Was rollt nun an vermeintlich geheimen, gerichtlich belastbaren Dokumenten rund um die Bank of America auf uns zu. Die BoA hatte jedenfalls bisher keinen Kontakt mit Wikileaks, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Einige Kommentatoren rechnen zumindest mit Kursverlusten an der Aktienbörse, wenn die Gerüchteküche nach oben brodelt, wie RP online berichtet. Finanzsender n-tv findet eher, dass die Wall Street kalt bleibt.

Halten wir den Ball im Spiel der extrem positionierten Argumente erstmal ziemlich flach. Denn den meisten Kunden jeder x-beliebigen Bank geht es mit ihrem Insititut oftmals nicht viel besser, als das, was wir bald aus dem Innenleben  der großen amerikanischen Bank erfahren werden. Und somit liegt die sensationelle Meldung wie so oft im Kleingedruckten der Wirtschaftswelt.

Ketzerisch könnte man es so formulieren: Fürs Bankenbashing braucht man keine sensationellen Enthüllungen, es reicht ein tiefer Blick in den Alltag der ineffizient arbeiten Branche, die noch dazu seit der Finanzkrise ihr Gespür fürs maßvolle Risikomanagement verloren hat. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Aber lesen Sie doch mal den gleich via Link verdrahteten ausführlichen Kommentar auf meinen obigen Artikel in Heise Telepolis – zur Analogie zwischen Wikileaks und Stopbanque – etwas genauer durch. Am besten entspannt und unabhängig davon, was sie von den beiden Aktionen der Netzaktivisten gerade halten.

Der Kommentator beschreibt ziemlich präzise, wie es innerhalb einer durchschnittlichen Bank so zugeht. Kurzum: Aus Insidersicht ein lesenwerter und überaus spontaner Überblick über die Moral und Arbeitsweise eines x-beliebigen Geldinstituts.

Bis zum Ende durch gelesen? Gut. Denn dann erübrigt sich jedes Banken-Bashing von außen. Dämmert es? Wir brauchen angesichts des medialen Kleingedruckten, das leider kaum jemand zur Kenntnis nimmt, gar keine Enthüllungsstory a la Wikileaks, um etwa bei der Bank of America durch die Glitzerfassade klar bis zum Backoffice hindurch zu sehen.

Die fundamentale „Chart-Analyse“ der latent vorhandenen Innovationsdefizite in der Branche, sie reicht jenseits der reinen weiß-schwarzen Farblehre völlig aus. Die Social Banking 2.0 regelmäßig verfolgenden Leser wissen es schon längst.

Statt langatmiger weiterer theoretischer Ausführungen zum Abschluß lieber ein knackiges Youtube-Video, das in den USA immerhin mehr als eine halbe Million Surfer anklickten. Der vielsagende Titel: „Debtors revolt begins now“.

Die Geschichte mit der ineffizienten Bankenbranche ist und wird in den nächsten Jahren eine never-ending-story. Das klingt natürlich nicht sehr spektakulär als wenn ein Diplomatenziehsohn irgendwo mal was pupst.

Ach ja, dreimal dürfen Sie raten, um welche Bank(mutter) es sich dabei in der nun folgenden Videobotschaft indirekt gehandelt hat, die in der geistigen Wildnis verhaftet so gar nicht auf eine Kundenbeschwerde ihres ziemlich allein zu Hause gelassenen Bankkindes reagieren wollte? 

Written by lochmaier

Dezember 3, 2010 at 8:29 am

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Investieren in CH: Schweizer Crowdfunder und Venture Capitalists 2.0

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Unsere Nachbarn fremdeln derzeit ein bisschen, nicht nur mit anderen Sprachen und Kulturen, auch mit der ausländischen Finanzwelt. Also – dass dort in der Alpenrepublik ohne große Volksabstimmung viel Geld in geheimen Tresoren schlummert(e), das ist jedem bekannt.

Dass es dort aber auch viele kreative neue Ansätze in der nachhaltigen Banken- und Finanzwirtschaft gibt, schon weniger. So gehört etwa die Züricher SAM Group als globaler Vermögensverwalter zu den Pionieren in der nachhaltigen Investitionswelt.  

Kurzum: Ab und an riskiert Social Banking 2.0 ja gerne einen Blick über den mental eingegrenzten Gartenzaun, so z.B. ins österreichische Nachbarland, und jetzt auch mal in die Schwyz, pardon Schweiz. Denn dort gibt es ja so einiges zu berichten.

Es gibt dort jede Menge (sorry für die Übertreibung) spannender Agenturen aus dem Web 2.0-Universum ebenso wie neue Bankingansätze, allen voran derzeit die Nettobank, deren Wirken ich hier immer wieder ausführlich beschrieben habe, etwa unter der Fragestellung: Neuer Ansatz in der internetbasierten Kundenorientierung? 

Auch im Peer-to-Peer-Lending ist die kleine, aber feingliedrig getunte Venture-Capital Szenerie im Nachbarland sehr aktiv. So hat zum Beispiel Fabian Bläesi sogar eine Bestandsaufnahme des Marktes geschrieben, mehr dazu auf Amazon

Das Spannende darin ist, dass Blaesi die beiden Modelle von Smava (Deutschland) und dem Schweizer Anbieter www.cashare.ch genauer unter die Lupe nimmt und vergleicht. 

Szene(n)wechsel: Seit rund zwei Jahrzehnten arbeitet und forscht Steffen Wagner an der Schnittstelle zwischen Finanzmärkten und dem Privatsektor. Er hat zwei erfolgreiche Unternehmen gegründet, war als Managementberater für Finanzdienstleister tätig, und er hat Erfahrung als Entwicklungshelfer in Afrika gesammelt.

Das hört sich nach einem reichlich sturmerprobten Lebenslauf an, also genau richtig, um mit einem Crowdsourcing-Modell so richtig durch zu starten. In einem Interview auf Seedfinance beleuchtet er nun sein eigenes Geschäftsmodell, das er mit der Plattform www.investiere.ch ins Auge gefasst hat. Und das ist laut eigener Aussage nichts weniger als die „Demokratisierung der Venture Capital Szene“.

Oder – wie es das Swiss Equity Magazin neulich (fast) mit den Worten von investiere in CH formulierte: Die Investoren sind nur noch einen Mausklick entfernt. Auch das hört sich also reichlich interessant an. Es gibt also neben zahlreichen erprobten Modellen aus der neuen Venture Capital und Private Equity Szene auch die bunte neue Szenerie.

Dazu gehören natürlich auch Robert Lempka und seine Mitstreiter von der börsennotierten Investmentgesellschaft Next Generation Finance Invest AG – huch, was für ein langer Name. Was die VC-Szene 2.0 denn so alles treibt, kann man hier www.nextgfi.com nachlesen.

Gegenüber Social Banking 2.0 erläutern die Macher ihr Modell, und betonen, sie seien ausschliesslich in der „Nische Next Generation Finance“ investiert. Das heißt dann offiziell „Innovative Geschäftsmodelle und Technologien, die zu signifikanten Effizienzsteigerungen im Bereich Finance führen“.

Ja, die bodenständigen Schweizer und die schwäbischen Hausfrauen. Beide Tugenden sind jetzt plötzlich wieder in Mode gekommen. Aber mal ganz im Ernst: Robert Lempka und sein Geschäftspartner Thomas Winkler zielen nicht nur auf den qualifizierten Investor, sondern auch den „kleinen“ Investor, der an einen neuen Megatrend im Bereich Finance glaube.

„Wir haben ein sehr renommiertes Aktionariat sowie ein extrem kompetentes und erfahrenes supervisory als auch advisory board und streben ein starkes Wachstum an“, sagt Lempka. Im Portfolio des Unternehmens stehen etwa Qanda.com, Gekko, 2iQ, aber auch das deutsche Web 2.0-basierte Börsenportal www.ayondo.com, über das Social Banking 2.0 bereits mehrfach berichtete.

Sie sehen also, die kleine Alpenrepublik leben und bebt, es wächst dort mehr als nur ein solches Veilchen, eine ganze Wiese erblüht.  Und wer eher dem extremeren Bergsteigen zuneigt, der findet auch reichlich gesellschaftskritisches abseits der Autobahnen und vielen Tunnel. So etwa das Basel Institut of Commons and Economics (www.commons.ch) , das immer wieder in renommierten Medien mit gegen den Strich gebürsteten Analysen zum finanziellen Treiben auf sich aufmerksam gemacht. So startet zum Beispiel übernächsten Montag auf www.hurrawirtilgen.de eine neue öffentliche Initiative, wie Initiator Alexander Dill mitteilt.

Sicherlich wird jetzt der eine oder andere wie die Leberwurst etwas beleidigt sein, dass er hier unerwähnt bleibt. Ich bin leider kein Hellseher nach allen Seiten. Deshalb: Wer jetzt noch weitere zarte Pflänzchen auf der Venture Capitalwiese 2.0 kennt, oder auch schon ein paar größere hinzufügen möchte, der kann dies über die Kommentarfunktion gerne tun. Bitte möglichst genau beschreiben, worum es dabei inhaltlich geht …

Written by lochmaier

Dezember 2, 2010 at 7:56 am

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