Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Dezember 2010

Cancun’s Klimawandel – Hausgemacht oder Schicksal? Deutsche Bank rügt Skeptiker

leave a comment »

Kyoto und die kleinen Schritte danach, das ist zweifellos der Klimagipfel der Mächtigen in Mexikos Cancun.  Viel wird bei den unzähligen Sitzungsmarathons nicht  rumkommen, es will sich und anderen ja keiner weh tun. Das findet auch unser Umweltminister Norbert Röttgen via finanznachrichten.de. Nun ja, übermäßig motiviert scheint auch er nicht zu sein, angesichts der Übermacht anderer Ministerien.

Umweltverbände wie der Naturschutzbund sehen jedenfalls in Cancun nichts als faule Kompromisse heraufziehen. Es ist ein immer wiederkehrendes Thema, ob der Klimawandel von Menschen verursacht wird, oder dem Einfluss „regulärer“ Aufs und Abs in der umweltpolitischen Zeitachse zuzurechnen ist. Solange wir noch diskutieren, reißen wir bereits die kritischen Hürden in der Erderwärmung von rund drei Grad Celsius.

Ein interessantes Whitepaper der Deutschen Bank Climate Change: Adressing the major sceptic arguments klärt jetzt auf, und stellt sich auf die Seite derjenigen, die einen eindeutigen Einfluss von „hausgemachten“ menschlichen Problemen sehen. Wir sind also nicht aus der Verantwortung entlassen.

Damit die Leser von Social Banking 2.0 sich ein klares Bild machen können, habe ich einmal kurz einige substanzielle Mythen herausgegriffen, mit denen die Studie der Deutschen Bank gründlich aufräumt:

Erstens: Seit der Eiszeit steigt der CO2-Gehalt konstant an.

Zweitens: Der Hauptverursacher ist die Sonne.

Drittens: Wasserdampf ist die relevanteste Quelle für das CO2-Treibhausgas.

Viertens, fünftens, sechstens und so weiter. Die von den Gegner immer wieder neu verpackte Botschaft lautet: Wir passen uns irgendwie allem Neuen an, wenn wir nur ein bisschen umsichtiger agieren. Mal sehen, ob diese „Ökobilanz“ wirklich aufgeht.

In den 55 Seiten der Studie kann man sich natürlich ein exakteres Bild jenseits von einseitigen Klischees zu den wissenschaftlichen Diskussionssträngen machen.  Und jene Leser, die gerne schnell lesen, sollten sich wenigstens mal die Zusammenfassung und die Schlussfolgerungen ab Seite 34 durchlesen.

Was resultiert aus derartigen immer noch allgemein gehaltenen Studien? Der Markt ist unübersichtlich, schwer von klassischen Marktsegmenten abzugrenzen, aber das Geld fließt. China hat im dritten Quartal mit 13,5 Mrd. $ deutlich mehr in Cleantech-Unternehmen investiert als Europa (8,4 Mrd. $). Die European Private Equity Association (EVCA) warnt in einem aktuellen Papier (wieder einmal) davor, dass Europa seine Führungsrolle in der Cleantech-Industrie verlieren könne.

Mal sehen, wie sich die Deutsche Bank und Co. jetzt neu für diese Zukunftsmärkte aufstellen – und in den neuen Geschäftsbereich „Sustainability“ jenseits von plakativem „window dressing“ investieren … Oder kommen am Ende die Rückversicherer, und gehen gemeinsam mit der Finanzbranche die „ausgefallenen“ Rechnungen für die dann hinterher zu behebenen Umweltfolgen durch?

Das wäre dann eine Art „Ethik-Lüge“, wenn nachhaltige Investments nur der allgemeinen Fassadenpolitur dienten. Wie schwer jedoch jenseits von moralisch allzu simpel gestrickten Kategorien die Auswahl der Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins…. fällt, das kann man hier in einem Beitrag in der Fachzeitschrift Capital nachlesen.   

Die Weltbank in Washington hat übrigens einen genauen Investitionsplan erstellt, wie die Herausforderungen des Klimawandels auf Seite der Finanzwelt zu adressieren wären. Nachzulesen ist der ausführliche Maßnahmenkatalog auf dem Blog der World Bank.

Written by lochmaier

Dezember 7, 2010 at 7:48 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Datev: Setzen auf die „risikolose“ Trumpfkarte Social Media?

with 3 comments

Die 1966 gegründete Datev zählt mit rund 39.000 Mitgliedern und ca. 5.500 Mitarbeitern zu den größten Informationsdienstleistern und Softwarehäusern in Europa.  Werfen wir doch mal einen genaueren Blick in den unauffällig hinter den Kulissen operierenden IT-Dienstleister in der Finanzbranche. 

Umsatz von 672,4 Mio. Euro in 2009. Zahl der Mitglieder der Genossenschaft für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer: 39.625. Die Datev ist laut aktuellem Lünendonk-Ranking übrigens das viertgrößte Softwarehaus in Deutschland. So weit, so gut.

Aber: Datev geht zunehmend dazu über, manche Inhalte exklusiv nur noch im Social Media Umfeld zu veröffentlichen, beispielsweise Fotos von Events auf der Foto-Plattform flickr. Das haut Sie noch nicht vom Hocker? Kein Problem.

Denn das Unternehmen hat offenbar auch die Botschaften des Cluetrain-Manifestes erkannt. Die Konsequenz für Datev war daher, sich lieber an diesen Gesprächen zu beteiligen als sie zu ignorieren; mit anderen Worten: Sich aktiv an Social Media zu beteiligen, offen, transparent und authentisch zu kommunizieren und den Dialog zu suchen.

Das geschieht je nach Zielgruppe mal mehr über Facebook, Xing oder Twitter oder Youtube.Wie das konkret aussieht, kann man in der vollständigen Geschichte zu Datev und Social Media im neuen Bitkom-Leitfaden nachlesen, und zwar direkt ab Seite 23. Gleich danach folgt noch ein weiteres interessantes Beispiel aus dem Hause von Microsoft.

Das Ganze ist natürlich gerade mit Blick auf die Finanzwelt noch keine große Schubumkehr in dem weiterhin verborgenen Treiben hinter den Kulissen. Es dient auch und vor allem der werblichen Außendarstellung. Aber wir sind gespannt, was nicht nur bei DATEV aus derartigen zarten Pflänzchen wird.

Und was kommt am Ende dabei raus, unter dem Strich, wird jetzt so mancher Leser fragen. Oder mit den Worten der Datev: Wie lässt sich feststellen, ob der betriebene Aufwand auch lohnt? Natürlich gebe es auch bei Social Media  handfeste Kennzahlen, die sich messen ließen, etwa die Anzahl der „Follower“ auf Twitter oder die Zahl der „Fans“ auf Facebook.

Solche Zahlen seien aber mit Vorsicht zu genießen, da sie nichts über die Aktivität der Nutzer .aussagen würden. „Oder anders ausgedrückt: 100 aktive Nutzer seien besser als 1.000 Karteileichen!

Allerdings gibt es nun doch noch ein kleines Häkchen als Fußnote unter diese Zeilen. Denn die Datev muss (uns) ja nichts verkaufen oder direkt vertreiben. Insofern unterscheidet sie sich doch deutlich von anderen Finanzdienstleistern im Netz, die dies tun (müssen). Also ein ziemlich risiko- wenngleich jedoch nicht sorgloser Umgang mit der sozial-kommunikativen Medienwelt 2.0.

Auch die Erfolgsmessung von Social Media ist somit in einem etwas verhalteneren Licht zu bewerten. Oder wie es die Macher selbst bilanzieren: „Datev leistet sich daher den „Luxus“, Social Media zu betreiben, ohne dieses Engagement bis zur letzten Kennzahl durchkalkulieren zu können.“

Social Media helfe Datev dabei, Online-Reputation aufzubauen, ganz im Sinne des Markenbildes authentisch und persönlich, als sympathischer Partner ihrer Kunden und Mitglieder in Erscheinung zu treten und eine Kultur der Offenheit und Transparenz zu vermitteln. Und Social Media diene dazu, neue Zielgruppen in neuen Kontexten zu erreichen.

Mehr Infos gibt es auf www.datev.de/socialmedia. Und hier kann man sich noch „Chip“ anschauen, ein bildbasiertes Info-Magazin des Unternehmens, um zu sehen, was das Unternehmen konkret anbietet – und warum ein so einflußreicher Finanzdienstleister natürlich auch in eine Strategiebroschüre des Bitkoms zu Social Media in den Unternehmen Eingang findet:

Written by lochmaier

Dezember 6, 2010 at 8:49 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Virtueller Gastbeitrag: Woran die Banken jenseits von Bashing wirklich kranken

with 3 comments

Der Medienhype um Wikileaks hält an, Mächtige spüren die Macht der Hacker-Ethik schreibt Spiegel online. Die spüren aber auch Julian Assange und Co, denn die Luft für sie ist sehr dünn geworden.

Denn auch der amerikanische Internetbezahldienst Paypal, dem man trotz offizieller Dementis aufgrund der eigenen Monopolstellung durchaus eine gewisse Nähe zur „zentralisierten Macht“ unterstellen darf, mischt mit, indem er jedwede finanzielle Transaktionen über sein System unterbunden hat.

Wikeleaks geht es jetzt ans Geld, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.  Nach Amazon und Every DNS ist Paypal immerhin bereits der dritte Mainstream-Service, der Wikileaks die Dienstleistung verwehrt. Deshalb fragt netzpolitik.org

Es wird spannend zu sehen, wie die Mehrheit der (US-/Welt-)Bevölkerung diese Schritte bewertet. Werden die drei Konzerne in Ihrem gewissenhaften und rechtschaffenen Image gestärkt, oder richten sie irreversible Schäden an Ihrer Reputation an?

Social Banking 2.0 versucht sich dem Thema mit etwas eigenen Blickwinkeln anzunähern, wenn es darum geht, ob jetzt die Bank of America ins Visier der Internetaktivisten rücken wird (siehe meinen vorherigen Eintrag). Dass mit den Banken trotz abgekühlter Finanzkrise etwas grundsätzlich nicht stimmen mag, dämmert zumindest einigen kritischen Menschen, und zwar sowohl von innen als auch von außen.

Eine Repositionierung der Geschäftsmodelle in der Finanzindustrie ist für vernünftige Menschen jenseits der politischen Farbenlehre überfällig. Dazu braucht es neben Social Coding und Social Recoding weitere Innovationen, um den Kunden mal – wie seit Jahrhunderten versprochen und nicht eingehalten – in den Mittelpunkt der Produktgestaltung zu stellen.

Wie es um die „Moral und Arbeitsweise“ der Banken bestellt ist, verdeutlicht nun dieser Leserkommentar auf einen meiner letzten Artikel die strukturellen Defizite in der Finanzbranche, und deshalb sollen die nun folgenden Ausführungen auch auf diesem Weblog sichtbar gemacht werden: 

Als ich das erste Mal für eine Bank gearbeitet habe, dachte ich noch,
ich werde dort eine beispielhafte IT, funktionierende und gut
dokumentierte Prozesse sowie aktuellste Sicherheitstechnik und
gründlich-umfassende Projekte vorfinden.

Dachte ich.

Was ich fand war eine IT, die ausser extrem teuren Anschaffungen von
Hard- und Software (die jedoch keiner verstand, geschweige denn
beherrschte, von Integration wollen wir gar nicht reden) noch nicht
mal das Niveau einer Basis-IT-Lösung für eine Pommesbude auf einem
Laptop von 1990 hat. 

Dazu ein Haufen 100-1000seitige Dokumente, die hauptsächlich aus
Templatetexten bestand, statt irgendetwas zu beschreiben oder
dokumentieren (sehr wirksam für Reviews, da will sich keiner
Durchbeissen zudem ist nicht zu beurteilen, ob das Dokument etwas
dokumentiert ausser der Tatsache, dass dieses Dokument existiert).

Dazu inkonsistente Prozessbeschreibungen von anno dunnemals in 10fach
redundanter Ausfertigung. Keine aktuell, aber alle widersprüchlich
ohne das ersichtlich wäre, welche Fassung der Realität am nächsten
kommt.

Dann ein Projektmanagement das gnadenlos drauf gedrillt war jedes
Projekt zu 100% erfolgreich abzuschliessen. Das gelang dadurch, dass
man den Projektauftrag solange zusammenkürzte bis nur noch die
Dokumentation der Projektmeetings den Projektauftrag ausmachten. Dies
konnte dann meistens mit Ach und Krach geschafft werden und somit war
das Projekt ein Erfolg, obwohl fast nichts der ursprünglichen Ziele
umgesetzt wurde. Da jedes Projekt ein Supererfolg war und alles
bestens lief, waren die Lessons-learned-Dokumente weiss wie Schnee.
Heisst man lernt nix und will nix lernen, weil sonst müsste man
zugeben, das man irgendwo Fehler gemacht hat und das in einer
Zero-Fehler- und Zero-Toleranz-für-Fehler-Kultur. Stagnation und
Degeneration vom Feinsten.

Und Sicherheit … hahaha … selten so gelacht. Künstliche
Testdaten? Weit gefehlt. Wir testen auf der Produktion mit
produktiven und sensitiven Daten, die dann jeder interne und externe
Hanswurst sehen kann. Wann hatte der nochmal Geburtstag? Welchen
Kontostand hat der den jetzt? Wo wohnt der nochmal? Alles Fragen die
man sich in 5 Minuten mittels einer Abfrage beantworten konnte.

Interessant wie sich der ursprünglich löbliche Ansatz, keine Fehler
zu machen so gegen das System wendet, dass man gemäss dem Spruch wer
nix macht, macht auch keine Fehler, einfach nur nix macht. Oder
Verantwortung an irgendwelche externe oder andere Abteilungen
delegiert. Die wiederum die Verantwortung an irgendwelche Externe
oder andere Abteilungen delegieren. Alle paar Jahre kommt so das
delegierte Problem mal wieder vorbei, worauf man erneut jemanden
sucht, der sich damit rumschlagen oder es weiter delegieren soll.

Es ist ein System der Angst entstanden. Angst Fehler zu machen. Angst
Verantwortung zu übernehmen. Also macht niemand was und keiner
übernimmt Verantwortung. Es wird Reise nach Jerusalem gespielt und
gehofft, dass es immer einen Stuhl gibt, wenn man weiterrücken muss.

Und nein, das war keine kleine Bank sondern ein Global Player dessen
einzige funktionierende Abteilung der Bereich Marketing und Legal &
Compliance war. Die waren wirklich professionell. Legal & Compliance
allerdings nur im Verhältnis der Bank nach aussen (der „Saustall“
innen war nicht so schlimm, solange alle dicht halten und niemand was
nach draussen durchdringen lässt).

Ich kann Marketingstudenten nur empfehlen zu einer grossen Bank zu
gehen, da lernen sie Eskimos erfolgreich Kühlschränke zu verkaufen.

Und bei den kleineren Banken wird alles „pragmatisch“ gehandhabt (da
habe ich auch gearbeitet). Wobei pragmatisch nicht für geringste
Kosten/Aufwände bei höchstem Ertrag und trotzdem professionelles
Vorgehen steht sondern für „Wir pfuschen da mal rum, ohne Sinn und
Verstand, Hauptsache wir haben was gemacht und sind wieder weg bevor
es jemand merkt! Notfalls reden wir solange mit den Leuten bis sie
einsehen, dass es halt jetzt so oder so gehen muss.“ 

Im Endeffekt läuft es auf’s Gleiche hinaus. Die Kennzahlen und
Statusanzeigen für die „entscheidenden“ Manager (keiner von denen
traut sich wirklich Entscheidungen zu fällen) müssen auf „grün“
stehen. Dann ist alles bestens. Notfalls muss halt die Realität an
die Kennzahlen und die Statusanzeigen angepasst werden. Tja Jungs &
Mädels – das ist mal richtige Science-Fiction!

Liebe Grüsse an die 0-Fehler-Fraktion

das kleine Dummerchen

P.S.: Das Bankensystem ist von Grund auf marode und die Exzesse der
Manager sind nur das Sahnehäubchen auf einem System, dass schon 
lange nicht mehr die Ansprüche erfüllt, die an es gesetzt werden.
 

Written by lochmaier

Dezember 5, 2010 at 9:37 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Wikileaks: Bank of America im Visier – Bashing geht auch ohne Geheimdokumente

with one comment

Mein Beitrag auf Heise Telepolis Stopbanque trifft Wikileaks

Bankenhierarchie im Fokus der Netzaktivisten

… hat ein ziemlich breites Echo gefunden, es wird viel diskutiert, natürlich kontrovers. Das führt gleich zu der nächsten Frage, was es mit den Gerüchten um die Bank of America (BoA) so an sich hat. Kurzum: Dürfen wir im Gegensatz zur diplomatisch nett-belanglosen Gerüchtesuppe hier von Julian Assange und Co. etwas Substanzielles erwarten?

Mit der obigen Überschrift habe ich jedenfalls diese Frage schon fast beantwortet. Aber Vorsicht mit allzu hurtigen Schlussfolgerungen. Man weiß nie,  was in der Black Box Bank so an verborgenen Risiken und Nebenwirkungen drin steckt. Leider gibt es keinen Arzt oder Apotheker, den wir dazu befragen können. 

Das findet auch das österreichische Wirtschaftsblatt, das berichtet, wie österreichische Banken über seltsame Umwege ins Visier von Wikileaks gerückt sind. Ein Auszug:

Im Visier der US-Behörden waren vor allem die Bank Austria und Raiffeisen. So wurde die Bank Austria verdächtigt, Geschäfte mit Nordkorea zu machen, die Raiffeisen Investment AG (RIAG) stand im Verdacht, Geschäftsbeziehungen zum organisierten Verbrechen in Russland zu unterhalten.

Die USA ersuchten jeweils die österreichischen Behörden um Auskunft und erhielten diese laut der von Wikileaks veröffentlichten Notiz aus dem Jahr 2006 unter anderem von einem Mitarbeiter der FMA, dessen Namen unkenntlich gemacht wurde.

Quelle: wirtschaftsblatt.de

Was rollt nun an vermeintlich geheimen, gerichtlich belastbaren Dokumenten rund um die Bank of America auf uns zu. Die BoA hatte jedenfalls bisher keinen Kontakt mit Wikileaks, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Einige Kommentatoren rechnen zumindest mit Kursverlusten an der Aktienbörse, wenn die Gerüchteküche nach oben brodelt, wie RP online berichtet. Finanzsender n-tv findet eher, dass die Wall Street kalt bleibt.

Halten wir den Ball im Spiel der extrem positionierten Argumente erstmal ziemlich flach. Denn den meisten Kunden jeder x-beliebigen Bank geht es mit ihrem Insititut oftmals nicht viel besser, als das, was wir bald aus dem Innenleben  der großen amerikanischen Bank erfahren werden. Und somit liegt die sensationelle Meldung wie so oft im Kleingedruckten der Wirtschaftswelt.

Ketzerisch könnte man es so formulieren: Fürs Bankenbashing braucht man keine sensationellen Enthüllungen, es reicht ein tiefer Blick in den Alltag der ineffizient arbeiten Branche, die noch dazu seit der Finanzkrise ihr Gespür fürs maßvolle Risikomanagement verloren hat. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Aber lesen Sie doch mal den gleich via Link verdrahteten ausführlichen Kommentar auf meinen obigen Artikel in Heise Telepolis – zur Analogie zwischen Wikileaks und Stopbanque – etwas genauer durch. Am besten entspannt und unabhängig davon, was sie von den beiden Aktionen der Netzaktivisten gerade halten.

Der Kommentator beschreibt ziemlich präzise, wie es innerhalb einer durchschnittlichen Bank so zugeht. Kurzum: Aus Insidersicht ein lesenwerter und überaus spontaner Überblick über die Moral und Arbeitsweise eines x-beliebigen Geldinstituts.

Bis zum Ende durch gelesen? Gut. Denn dann erübrigt sich jedes Banken-Bashing von außen. Dämmert es? Wir brauchen angesichts des medialen Kleingedruckten, das leider kaum jemand zur Kenntnis nimmt, gar keine Enthüllungsstory a la Wikileaks, um etwa bei der Bank of America durch die Glitzerfassade klar bis zum Backoffice hindurch zu sehen.

Die fundamentale „Chart-Analyse“ der latent vorhandenen Innovationsdefizite in der Branche, sie reicht jenseits der reinen weiß-schwarzen Farblehre völlig aus. Die Social Banking 2.0 regelmäßig verfolgenden Leser wissen es schon längst.

Statt langatmiger weiterer theoretischer Ausführungen zum Abschluß lieber ein knackiges Youtube-Video, das in den USA immerhin mehr als eine halbe Million Surfer anklickten. Der vielsagende Titel: „Debtors revolt begins now“.

Die Geschichte mit der ineffizienten Bankenbranche ist und wird in den nächsten Jahren eine never-ending-story. Das klingt natürlich nicht sehr spektakulär als wenn ein Diplomatenziehsohn irgendwo mal was pupst.

Ach ja, dreimal dürfen Sie raten, um welche Bank(mutter) es sich dabei in der nun folgenden Videobotschaft indirekt gehandelt hat, die in der geistigen Wildnis verhaftet so gar nicht auf eine Kundenbeschwerde ihres ziemlich allein zu Hause gelassenen Bankkindes reagieren wollte? 

Written by lochmaier

Dezember 3, 2010 at 8:29 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Investieren in CH: Schweizer Crowdfunder und Venture Capitalists 2.0

leave a comment »

Unsere Nachbarn fremdeln derzeit ein bisschen, nicht nur mit anderen Sprachen und Kulturen, auch mit der ausländischen Finanzwelt. Also – dass dort in der Alpenrepublik ohne große Volksabstimmung viel Geld in geheimen Tresoren schlummert(e), das ist jedem bekannt.

Dass es dort aber auch viele kreative neue Ansätze in der nachhaltigen Banken- und Finanzwirtschaft gibt, schon weniger. So gehört etwa die Züricher SAM Group als globaler Vermögensverwalter zu den Pionieren in der nachhaltigen Investitionswelt.  

Kurzum: Ab und an riskiert Social Banking 2.0 ja gerne einen Blick über den mental eingegrenzten Gartenzaun, so z.B. ins österreichische Nachbarland, und jetzt auch mal in die Schwyz, pardon Schweiz. Denn dort gibt es ja so einiges zu berichten.

Es gibt dort jede Menge (sorry für die Übertreibung) spannender Agenturen aus dem Web 2.0-Universum ebenso wie neue Bankingansätze, allen voran derzeit die Nettobank, deren Wirken ich hier immer wieder ausführlich beschrieben habe, etwa unter der Fragestellung: Neuer Ansatz in der internetbasierten Kundenorientierung? 

Auch im Peer-to-Peer-Lending ist die kleine, aber feingliedrig getunte Venture-Capital Szenerie im Nachbarland sehr aktiv. So hat zum Beispiel Fabian Bläesi sogar eine Bestandsaufnahme des Marktes geschrieben, mehr dazu auf Amazon

Das Spannende darin ist, dass Blaesi die beiden Modelle von Smava (Deutschland) und dem Schweizer Anbieter www.cashare.ch genauer unter die Lupe nimmt und vergleicht. 

Szene(n)wechsel: Seit rund zwei Jahrzehnten arbeitet und forscht Steffen Wagner an der Schnittstelle zwischen Finanzmärkten und dem Privatsektor. Er hat zwei erfolgreiche Unternehmen gegründet, war als Managementberater für Finanzdienstleister tätig, und er hat Erfahrung als Entwicklungshelfer in Afrika gesammelt.

Das hört sich nach einem reichlich sturmerprobten Lebenslauf an, also genau richtig, um mit einem Crowdsourcing-Modell so richtig durch zu starten. In einem Interview auf Seedfinance beleuchtet er nun sein eigenes Geschäftsmodell, das er mit der Plattform www.investiere.ch ins Auge gefasst hat. Und das ist laut eigener Aussage nichts weniger als die „Demokratisierung der Venture Capital Szene“.

Oder – wie es das Swiss Equity Magazin neulich (fast) mit den Worten von investiere in CH formulierte: Die Investoren sind nur noch einen Mausklick entfernt. Auch das hört sich also reichlich interessant an. Es gibt also neben zahlreichen erprobten Modellen aus der neuen Venture Capital und Private Equity Szene auch die bunte neue Szenerie.

Dazu gehören natürlich auch Robert Lempka und seine Mitstreiter von der börsennotierten Investmentgesellschaft Next Generation Finance Invest AG – huch, was für ein langer Name. Was die VC-Szene 2.0 denn so alles treibt, kann man hier www.nextgfi.com nachlesen.

Gegenüber Social Banking 2.0 erläutern die Macher ihr Modell, und betonen, sie seien ausschliesslich in der „Nische Next Generation Finance“ investiert. Das heißt dann offiziell „Innovative Geschäftsmodelle und Technologien, die zu signifikanten Effizienzsteigerungen im Bereich Finance führen“.

Ja, die bodenständigen Schweizer und die schwäbischen Hausfrauen. Beide Tugenden sind jetzt plötzlich wieder in Mode gekommen. Aber mal ganz im Ernst: Robert Lempka und sein Geschäftspartner Thomas Winkler zielen nicht nur auf den qualifizierten Investor, sondern auch den „kleinen“ Investor, der an einen neuen Megatrend im Bereich Finance glaube.

„Wir haben ein sehr renommiertes Aktionariat sowie ein extrem kompetentes und erfahrenes supervisory als auch advisory board und streben ein starkes Wachstum an“, sagt Lempka. Im Portfolio des Unternehmens stehen etwa Qanda.com, Gekko, 2iQ, aber auch das deutsche Web 2.0-basierte Börsenportal www.ayondo.com, über das Social Banking 2.0 bereits mehrfach berichtete.

Sie sehen also, die kleine Alpenrepublik leben und bebt, es wächst dort mehr als nur ein solches Veilchen, eine ganze Wiese erblüht.  Und wer eher dem extremeren Bergsteigen zuneigt, der findet auch reichlich gesellschaftskritisches abseits der Autobahnen und vielen Tunnel. So etwa das Basel Institut of Commons and Economics (www.commons.ch) , das immer wieder in renommierten Medien mit gegen den Strich gebürsteten Analysen zum finanziellen Treiben auf sich aufmerksam gemacht. So startet zum Beispiel übernächsten Montag auf www.hurrawirtilgen.de eine neue öffentliche Initiative, wie Initiator Alexander Dill mitteilt.

Sicherlich wird jetzt der eine oder andere wie die Leberwurst etwas beleidigt sein, dass er hier unerwähnt bleibt. Ich bin leider kein Hellseher nach allen Seiten. Deshalb: Wer jetzt noch weitere zarte Pflänzchen auf der Venture Capitalwiese 2.0 kennt, oder auch schon ein paar größere hinzufügen möchte, der kann dies über die Kommentarfunktion gerne tun. Bitte möglichst genau beschreiben, worum es dabei inhaltlich geht …

Written by lochmaier

Dezember 2, 2010 at 7:56 am

Veröffentlicht in Uncategorized