Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Datev: Setzen auf die „risikolose“ Trumpfkarte Social Media?

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Die 1966 gegründete Datev zählt mit rund 39.000 Mitgliedern und ca. 5.500 Mitarbeitern zu den größten Informationsdienstleistern und Softwarehäusern in Europa.  Werfen wir doch mal einen genaueren Blick in den unauffällig hinter den Kulissen operierenden IT-Dienstleister in der Finanzbranche. 

Umsatz von 672,4 Mio. Euro in 2009. Zahl der Mitglieder der Genossenschaft für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer: 39.625. Die Datev ist laut aktuellem Lünendonk-Ranking übrigens das viertgrößte Softwarehaus in Deutschland. So weit, so gut.

Aber: Datev geht zunehmend dazu über, manche Inhalte exklusiv nur noch im Social Media Umfeld zu veröffentlichen, beispielsweise Fotos von Events auf der Foto-Plattform flickr. Das haut Sie noch nicht vom Hocker? Kein Problem.

Denn das Unternehmen hat offenbar auch die Botschaften des Cluetrain-Manifestes erkannt. Die Konsequenz für Datev war daher, sich lieber an diesen Gesprächen zu beteiligen als sie zu ignorieren; mit anderen Worten: Sich aktiv an Social Media zu beteiligen, offen, transparent und authentisch zu kommunizieren und den Dialog zu suchen.

Das geschieht je nach Zielgruppe mal mehr über Facebook, Xing oder Twitter oder Youtube.Wie das konkret aussieht, kann man in der vollständigen Geschichte zu Datev und Social Media im neuen Bitkom-Leitfaden nachlesen, und zwar direkt ab Seite 23. Gleich danach folgt noch ein weiteres interessantes Beispiel aus dem Hause von Microsoft.

Das Ganze ist natürlich gerade mit Blick auf die Finanzwelt noch keine große Schubumkehr in dem weiterhin verborgenen Treiben hinter den Kulissen. Es dient auch und vor allem der werblichen Außendarstellung. Aber wir sind gespannt, was nicht nur bei DATEV aus derartigen zarten Pflänzchen wird.

Und was kommt am Ende dabei raus, unter dem Strich, wird jetzt so mancher Leser fragen. Oder mit den Worten der Datev: Wie lässt sich feststellen, ob der betriebene Aufwand auch lohnt? Natürlich gebe es auch bei Social Media  handfeste Kennzahlen, die sich messen ließen, etwa die Anzahl der „Follower“ auf Twitter oder die Zahl der „Fans“ auf Facebook.

Solche Zahlen seien aber mit Vorsicht zu genießen, da sie nichts über die Aktivität der Nutzer .aussagen würden. „Oder anders ausgedrückt: 100 aktive Nutzer seien besser als 1.000 Karteileichen!

Allerdings gibt es nun doch noch ein kleines Häkchen als Fußnote unter diese Zeilen. Denn die Datev muss (uns) ja nichts verkaufen oder direkt vertreiben. Insofern unterscheidet sie sich doch deutlich von anderen Finanzdienstleistern im Netz, die dies tun (müssen). Also ein ziemlich risiko- wenngleich jedoch nicht sorgloser Umgang mit der sozial-kommunikativen Medienwelt 2.0.

Auch die Erfolgsmessung von Social Media ist somit in einem etwas verhalteneren Licht zu bewerten. Oder wie es die Macher selbst bilanzieren: „Datev leistet sich daher den „Luxus“, Social Media zu betreiben, ohne dieses Engagement bis zur letzten Kennzahl durchkalkulieren zu können.“

Social Media helfe Datev dabei, Online-Reputation aufzubauen, ganz im Sinne des Markenbildes authentisch und persönlich, als sympathischer Partner ihrer Kunden und Mitglieder in Erscheinung zu treten und eine Kultur der Offenheit und Transparenz zu vermitteln. Und Social Media diene dazu, neue Zielgruppen in neuen Kontexten zu erreichen.

Mehr Infos gibt es auf www.datev.de/socialmedia. Und hier kann man sich noch „Chip“ anschauen, ein bildbasiertes Info-Magazin des Unternehmens, um zu sehen, was das Unternehmen konkret anbietet – und warum ein so einflußreicher Finanzdienstleister natürlich auch in eine Strategiebroschüre des Bitkoms zu Social Media in den Unternehmen Eingang findet:

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Written by lochmaier

Dezember 6, 2010 um 8:49 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Ein guter Beitrag! Nur „risikolos“ ist Kommunikation natürlich nie, egal ob offline oder online, Web 1.0 oder 2.0. Der Nutzer nimmt gerade in Social Media in einem Ausmaß Einfluss auf die Wahrnehmung einer Marke, wie es das früher nicht gegeben hat. Das bietet viele Chancen, aber natürlich auch Risiken. Nur ist man bei DATEV – ganz im Sinne des Cluetrain Mainfest – der Überzeugung, dass es besser ist an den Gesprächen teilzunehmen als sie zu ignorieren. Zum BITKOM-Leitfaden habe ich auch ein paar Worte gebloggt: http://buggisch.wordpress.com/2010/11/25/social-media-im-unternehmen-kein-fall-fur-den-praktikanten/

    Christian Buggisch

    Dezember 6, 2010 at 11:41 am

    • Hallo Herr Buggisch,

      danke für den Kommentar – ich sehe den Ansatz der Datev durchaus als produktiv an. Risiken stehen immer Chancen gegenüber – bei den deutschen Banken vermisse ich etwas mehr Neugier, man klebt doch sehr an etablierten Hierarchien fest (Motto: wir sind ja wegen Datenschutz und Compliance zur Festungsmentalität verpflichtet). Aber der Kunde und neue Mitarbeiter werden hier eine Brücke zwischen den bis dato festgefügten Machtblöcken herstellen (Kunde gegen Bank, und nicht mit der Bank). Aber es wird seine Zeit dauern, bis eine neue Managergeneration nachrückt.
      Der Begriff „risikolos“ und Datev bezieht sich übrigens darauf, dass der IT-Dienstleister sich nicht im unmittelbaren Sperrfeuer dieser Interessenkonflikte befindet, es also deutlich einfacher mit seiner Social Media Strategie als andere hat, die nicht wollen, aber vielleicht irgendwann vom hohen Ross herunter müssen.

      lochmaier

      Dezember 6, 2010 at 1:34 pm

      • Hallo Herr Lochmaier! Einfacher – ja, da wir seit über 40 Jahren Genossenschaft sind und damit „Community“ von Beginn an. Das begründet meines Erachtens tatsächlich eine andere, engere Form der Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden bzw. Mitgliedern, insofern ist auch das Community-Building in Social Media etwas einfacher. Was die Interessenskonflikte angeht bin ich mir nicht sicher bzw. frage mich, worin genau die bestehen – so gut kenne ich mich beim Thema Banken nicht aus. Die vermeintlichen „Gegenargumente“ (nicht von Ihnen, ich weiß!) Datenschutz und Compliance können es nicht sein, denn beides hat bei DATEV höchste Relevanz. Man kann also natürlich höchste Priorität auf Datenschutz legen und trotzdem munter twittern und in anderer Weise Kunden und Interessenten im Web begegnen … Aber vielleicht muss ich mal Ihr Buch lesen 😉

        Christian Buggisch

        Dezember 6, 2010 at 2:45 pm


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