Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for November 2010

Wirtschaftsblogger: Die verkannte Größenordnung

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Ich habe vor Jahren schon Dutzende von Artikeln im Handelsblatt zu diversen Innovationsthemen veröffentlicht. Zum Beispiel darüber, wie man ein Drei-Liter-Haus baut, oder was passiert, wenn das Handy plötzlich Japanisch spricht.

Wenn die Leitmedien aber unter der fürstlichen Regie von Springers Matthias Döpfner sich jedoch dazu entschließen sollten, nur noch bezahlte Artikel im Netz zu veröffentlichen, und jeden in kostenpflichtigen Regress zu nehmen, der sich ohne Erlaubnis des Königs traut, darauf zu verlinken, dann würde ich diese Steilvorlage gerne aufgreifen, und nur noch auf mich selbst und andere Wirtschafts- und Finanzblogsverweisen, und natürlich auch sonstige spannende Quellen, die noch frei zugänglich wären. 

Ich weiß, jeder muss irgendwie sein Geld verdienen. Aber das Jammern des Copy-and-paste-Journalismus geht selbst mir als ein zu dieser Zunft zugehöriger auf den geistigen Zeiger. Das wäre gar kein Beinbruch, ich sehe das Thema Blogger versus Medien völlig entspannt. Ich bin beides in Personalunion. Die Welten ergänzen sich wunderbar.

Aber ebenfalls vor Jahren schrieb ich für die Financial Times Deutschland mal einen provokanten Beitrag, wie Designer ihre Beraterzünfte bei der Produktentwicklung ersetzen könnten. Ich weiß, Unternehmen lieben ihre externen Berater, die ihnen das sagen, was sie selbst meist auch schon wissen, wenn sie ehrlich wären.  Oder was sie nur deshalb hören wollen, weil sie es nicht umsetzen müssen. Oder weil es gar nicht umzusetzen ist – machen Sie sich doch selbst Ihren Reim zum Beraterspiel, das einem mehrteiligen dramatischen Akt von Shakespeare oftmals sehr ähnelt.

Will heißen: Es kommt auf die Inszenierung an, der Inhalt ist eher sekundär. Mein Artikel „David für Goliath: Wie Designer Berater ersetzen“ für die FTD sorgte vor planmäßiger Freigabe und geplanter Veröffentlichung plötzlich unerwartet für reichlich Diskussionsstoff. Festgemacht hatte ich die Geschichte an Details aus dem Innenleben von Microsoft, eigentlich nichts Spektakuläres, sondern eher etwas für Leser, die sich Handlungen auf den zweiten Blick erschließen.

Vor vier Jahren gab es in der deutschen Niederlassung Diskussionen um die Kundenfreundlichkeit der Produkte. Man diskutierte über die Produktentwicklungsroutine. Heute kennt schon jedes kleine Kind einen gelungenen Design-Prozess, seit der Apple-Begeisterung für iPhone und iPad. Jeder Bild-Leser weiß es, und kann sich für knapp zwei Euro ein App downloaden. Nur die Macher der deutschen Variante vom WePad mussten eine harte Lerkurve durchlaufen, da sie die ganzheitliche Designouvertüre knapp verfehlten.

Ein journalistischer Blogger, oder ein bloggender Journalist, Richard Gutjahr, brachte die Geschichte ans Licht. Klein David arbeitet nicht nur gegen Goliath, sondern ergänzt die wenig gesalzene Mediensuppe wunderbar durch neue Stilperspektiven zur Wirtschaft und Gesellschaft.       

 

Wirtschaftsblogs: Hier steppt der kleine Berliner Bär!     

Zurück zu meinem Artikel für die FTD: Er wurde am Ende von der Chefredaktion sogar höchst persönlich „mangels ausreichender Qualität“ in die virtuelle Tonne gefeuert, also nicht abgedruckt. Jetzt wissen es alle Leser dieses Weblogs, ich bin ein Versager, ein miserabler Journalist. Deshalb bloggt er jetzt auch, weil er nichts besseres zu tun hat – werden jetzt einige Zeigenossen hämisch ergänzen.

Genau – das Ganze war und ist für mich nicht allzu tragisch, das kam gelegentlich vor, dass ein Artikel mal eine Nullnummer wurde – es bestätigte aber für mich meinen Eindruck, dass ich meine Arbeit lieber jenseits des medialen Durchschnitts in den Fachmedien verrichten wollte. Dort eben, wo es langweilig zugeht.

Wo die Menschen sprich Leser sich eher für die Inhalte, und nicht nur für die bloßen Überschriften, interessieren. Kurzum: Für die FTD war ich zweifellos zu phantasievoll vorgegangen, zu weit in meinem Interpretationsspielraum jenseits der Fakten.

So textete ich beispielsweise in einem kleinen Kasten (ich war ja vorsichtig):  Welche „Fehler“ machen Consultants? Sie propagieren gebetsmühlenartig immer die gleichen „Prozessroutinen“. Sie sind ein Spiegelbild, ein Abklatsch der Auftraggeber. Hört sich das schlimm an?

Mein Fazit, das ich weiter unten dann fein säuberlich in einen weiteren kleinen Kasten verpackt hatte (das nennt man Infohäppchen): Die Ergebnisse der Berater seien meist vorhersehbar und böten wenig Innovationspotenzial. Und: Sie dienten eher zur Absicherung von internen Managemententscheidungen. Es herrsche also wenig Mut zu echter Kreation.

Genau – Sie verstehen in der Medienbranche auch nur Spanisch oder Bahnhof? Dann stelle ich in den Raum, dass man eine neue Fremdsprache durchaus lernen kann. Japanisch ist allerdings zugegebermaßen ziemlich schwer. Aber von der deutschen Sprache aus gesehen gibt es ja zahlreiche, teils recht witzige Dialekte, die auch schon herausfordernd genug sind.

Zur Sache: Schaut man sich das Top-Blogger-Rankingscore auf  wikio.de an, dann fällt zum Beispiel eines auf: Wirtschaftsblogs oder Finanzen besitzen meist gar keine eigene Rubrik, obwohl sie im Leserinteresse nicht nur die hinteren Plätze belegen. Fällt aber niemandem auf. Wir sind ja alle finanzielle Analphabeten wie in den USA, gefangen im Tal der Ahnunglosen, wie ich heute sogar mal den Spiegel zitieren darf.

Wir einschläg vorbestraften Wirtschaftsblogger geben es natürlch gerne neidlos zu: Wir stehen auf verlorenem Posten, allein im dunklen Datendschungel, dort, wo es richtig wehtut, sich inhaltlich schlau zu machen. Kurzum: Wir laufen in der Medienökonomie nur unter ferner liefen mit, irgendwo subsummiert, und in virtuelle Unterkästchen verschoben.

Wenn das kein Grund zum Wehklagen ist. So rangiert dieses Weblog Social Banking 2.0 in der Rubrik Gesellschaft bei wikio quasi irgendwo unsichtbar in den hinteren Rubrikschubladen versteckt. Nein, wir brauchen jetzt kein Mitleid, oder eine Wachstumsspende. Nicht die Eitelkeit füttert diese Zeilen. Schon eher der untergewichtete gesellschaftliche Stellenwert von Wirtschaft und Finanzen.

Denn es handelt sich halt um schwer verdauliche Themen, statt einem leicht verpackten Big-Burger, wie es die Leitmedien so gerne immer wieder neu verpackt servieren. Aber auch als Blogger wäre es viel besser, man schreibt heute über kleine Zipperlein oder coole Gerätschaften, die die Welt nicht unbedingt braucht. 

Kurzum, man postet das, was alle bis zum Einschlafen so bewegt, über die große Politik, über Promis, über nette Belanglosigkeiten, die trotzdem jeden zu interessieren scheinen. Oder der Blogger beleuchtet neben Sex, Drugs and postanythingforfree vermeintlich neue Meilensteine im digitalen Avantgardismus.

Zur Not kritisiert man eben Google und Facebook gleichzeitig, um sich ins Rampenlicht zu katapultieren. Genau darin liegt das Problem von uns Wirtschaftsbloggern, in der, jetzt kommt die Kernbotschaft: Kompläääääääxxxxxxxiiiiiiittttttäääääääätttttttt.

Wirtschaft ist ja sowas von schwierig, sie fordert einen wachen Geist, ebenso wie das Treiben auf den Finanzmärkten keine Kost für den Normalkonsumenten darstellt. Jetzt ist es raus, keiner versteht uns, wir uns auch nicht!? Nein, so weit würde ich nicht gehen.

Aber der Leserkreis von Wirtschafts- und Finanzblogs reduziert sich nicht auf kreativ aufbereitete Hausmannskost, sondern auf Menus für spezielle Gourmetliebhaber. Das ist nicht so schlimm, wie es sich anhört. Das kann ja auch schmackhaft sein, im Hinterzimmer zu essen, statt dort, wo es hektisch lärmend zugeht. Sicherlich, nicht jedes Blog erfüllt die höchsten Qualitätsansprüche, die Welt ist nicht schwarz oder weiß, manche Querverbindungen sind nicht so offensichtlich.

„Die“ Wirtschaftsblogger gibt es nicht. Jedes Blog ist anders, es gibt keine objektiven Maßstäbe zur Erfolgsmessung. Wir wollen übrigens die Medienwelt nicht komplett umkrempeln, aber wir haben Spaß daran, als kreative Störenfriede des Burgfriedens in der großen Medienwelle zu agieren. Vielleicht ändert sich ja die Betrachtungslinse in der Gesellschaft noch, unter dem Eindruck der kommenden Jahre, wenn …. ja wenn, das Wörtchen wenn nicht wär.

Oder: Wenn sich die Menschen endlich für das interessieren, was sie am meisten scheuen, was aber das wichtigste Thema im Leben neben Liebe und der Gesundheit ist.- okay, Sex geht hier ersatzweise auch mal: Die Welt der Finanzen, oder wie Social Banking 2.0 es so gerne ausdrückt: Der Kunde übernimmt in diesem Jahrhundert in vielen Wirtschaftsbereichen die Regie.

Das soll aber keine leere Phrase sein, sondern einen schleichenden Trend beschreiben. Der gehörnte Kunde greift zumindest vielerorts ins Ruder der Kapitäne, um es vorsichtiger auszudrücken.

Das Teuflische daran, ist das Engelhafte darin: Leider reden Menschen über das, was sie am meisten drückt oder bewegt, nicht so gerne wie über Nebensächliches, mit dessen Hilfe sie sich von großen Existenzfragen ablenken. Zum Beispiel über das liebe Geld.

Klar, da brummt einem ja der Schädel vom Nachdenken und der medialen Bewusstseinswerdung, den lieben langen Tag. Und wer richtet den Spiegel schon gerne rund um die Uhr auf sich selbst. Den Wirtschaftsblogs bleibt also noch viel zu tun, indem sie Schwieriges auf verständliche Art und Weise plausibel und interessant machen. 

Der Hoffnungsträger: Die regulären Wirtschafts- und Finanzmedien verstärken in ihrer zumeist konventionell angelegten Berichterstattung den Gähnfaktor beim (nachdenklichen) multimedialen Endanwender.

Im allgemeinen Medien-Blitzlicht sucht man nämlich die wirklich wichtigen ökonomischen und finanziell relevanten Informationen meist vergebens, weshalb auf mittlere Sicht die Blogosphäre gerade in den Kernbereichen des menschlichen Daseins weiter an Schwung gewinnt. Ist doch mal eine interessante Prognose, so sicher wie das Geld auf einer Bank und das Amen in der Kirche.

Und hier gehören neben Liebe (alternativ: Viagra) und Gesundheit (alternativ: Glückspillen und Hormone) auch die Wirtschafts- und Finanzblogger zu den gesetzten Größenordnungen, falls so manchem nicht vorher die Puste ausgeht, beim Rennen um die kleinen Aufmerksamkeitshäppchen im verteilten virtuellen Resonanzbecken. Dann aber rückt flugs der nächste frische Wirtschaftsblogger nach. Die Reservearmee ist ja endlos auf Lager vorrätig.

Und hier beschreibt Prof. Peter Kruse ausführlich, wie Menschen auf die wachsende Komplexität in unserer (Medien)Welt reagieren – da bleibt auch für die Wirtschaftsblogger viel Futter übrig, um es aufzulesen und zu verarbeiten, denn manche Menschen versuchen mit neuen Ideen eine Antwort auf die Kompläxidäd zu geben:

Ganz am Ende komme ich nun zurück auf meinen ursprünglichen, vor ein paar Jahren mal für die FTD vorgesehenen Artikel, in dem ich am Ende die zugegebenermaßen kontroverse Frage zu beantworten suchte, warum Designer das schaffen, was Consultants in der Produktentwicklung vielleicht gar nicht ins Auge fassen:

 > Weil sie die emotionalen Komponenten von Projekten aus Kundenperspektive besser einschätzen und zweitens besser darstellen können

> Weil sie gedanklich freier sind und weniger in allgemein bekannten Methoden verhaftet

> Weil sie von ihrem Werdegang und Ausbildung her weniger in Konkurrenz zum Auftraggeber stehen, und somit „Narrenfreiheit“ im positiven Sinne genießen

> Weil Designer Menschen sind, die für die Unternehmer ungewöhnlich sind, weniger angepasst, interessant, inspirierend

> Ein ungewöhnlich „hoher Spaßfaktor, Prozesse zu durchlaufen, was zu ungewöhnlich hoher Identifikation der Teilnehmer mit den Ergebnissen führen kann

Jetzt ist es raus, denn hier über meinen eigenen kleinen Mediensender kann ich diese Botschaften ja wengistens mal abdrucken. Man spricht ja heute vom „liquid Mediendesign“, aber auch das ist jetzt ein neues, wieder mal hoch komplexes Thema, und der Beitrag ist jetzt schon viel zu lange geworden.  Bis zum nächsten Mal – in der bunten Welt der vielfach verkannten Größenordnungen. Hier noch eine visuelle Inspiration:

Written by lochmaier

November 16, 2010 at 8:25 am

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Crowdfunding: Wie erfolgreich agiert die kleinteilige Spendencommunity?

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Die Fidor Bank kooperiert mit der Berliner Crowdfunding-Plattform www.startnext.de. Mehr dazu auf neunetz.com, warum sich startnext.de nicht für einen arrivierten Platzhirschen bei der Wahl des Internetbezahlsystems wie Paypal verlässt, sondern für die Münchner Web 2.0-Bank entschieden hat.

Und der kreative Schub für die e-Wallet von Fidor soll jetzt wohl auch umgekehrt funktionieren, beleuchtet Dirk Elsner auf sharewise.com . Derartige Plattformen, in denen die Nutzer meist kreative Projekte fördern, liegen in den USA übrigens längst im Trend, mit Plattformen wie Diaspora, sellaband oder kickstarter. Nun gut, in den USA sind die Rahmenbedingungen auch etwas anders gelagert, wie der Tagesspiegel beleuchtet.

Ich muss ehrlich gesteehen, so sehr ich einerseits eine gewisse Sympathie für das dezentral organisierte Crowdfunding-Modell mit Open Source Touch habe, so wenig darf man die doch recht große Kluft zwischen Realität und Anspruch nicht außer Acht lassen. Und: Wir sollten nicht Äpfel mit Birnen verwechseln. Aber klar ist auch, das Potenzial ist da, so peilt Kickstarter laut Neunetz in diesem Jahr wohl um die 1,8 Mio. Dollar Umsatz an.

Dennoch bleiben erhebliche konzeptionelle Unwägbarkeiten. Wer darauf hofft, auf derartigen Plattformen schnell ans kleine oder gar große Geld zu kommen, könnte bald frustriert wieder von dannen ziehen. Ich zitiere dazu mal den Social Media Experten Leander Wattig aus einem Interview mit Deutschlandradio-Moderator Frank Meyer:

Meyer: Nun haben wir von amerikanischen Beispielen gehört, eben dieser Diaspora-Seite, oder von den 3000 Projekten, die bei Kickstarter.com da finanziert wurden. Kann man das auf Deutschland so übertragen? Wir wissen ja auch aus anderen Bereichen, dass es in Amerika eine ganz andere Spendenkultur gibt als bei uns.

Wattig: Es gibt ganz interessante Phänomene in Deutschland. Es gibt andere Plattformen, die so ähnlich aufgestellt sind, die auch letztendlich zum Crowdfundingbereich gehören, wie flattr oder kachingle, dort trägt man kleine Geldbeiträge bei zu Inhalteproduzenten im Internet, die beispielsweise einen kostenlos abrufbaren Blog betreiben. Und diese Plattformen interessanterweise haben eine enorm hohe Nachfrage in Deutschland, also die werden hier extrem stark genutzt. Also es scheint durchaus ein Prinzip zu sein, was hinter dem Crowdfunding steht, was auch uns in Deutschland anspricht.

Quelle: dradio.de

Gleich nach der obigen Passage beschreibt Wattig in dem Interview, dass es durchaus Leute gäbe, die via Crowdfunding a la Kachingle, Flattr auch bei uns analog zu den amerikanischen Pendants bereits monatlich nennenswerte Geldsummen einspielen. Gleich vorweg: Es geht mir nicht darum, anderen und durchaus kreativen Bloggern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Aber hier geht jetzt schon einiges durcheinander, die Crowdfunding-Plattformen funktionieren gerade in den USA teils schon gut. Was aber die Blogosphäre hierzulande angeht, so sieht das Bild schon differenzierter und deutlich eingetrübter aus. Kurzum: A star is not born overnight!

Ich habe das selbst einmal nachgeprüft, und bin leider zu dem Ergebnis gekommen, dass es nur eine ganz kleine Elite ist, die profitiert. Also: Einige der von ihren Fans so geliebten Blogs schustern sich die Einnahmen via Flattr und Kachingle gegenseitig zu, wenn man mal von der TAZ absieht, die offenbar schon mehrere zehntausend Euro verdient haben soll.

Was aber ist mit dem Grundprinzip von Crowdfunding? Letztlich spiegelt sich die alte Medienhierarchie nur in neuen Hierachieschläuchen wider. Wer groß und stark ist, der profitiert, wer schwach ist, bekommt ein paar Peanuts, die man fast schon vernachlässigen kann.

Kurzum: Ein zweites Standbein sieht anders aus. Drehen wir die Münze rum: Das ist aber noch kein K.O-Kriterium, man muss es halt wissen, um nicht irgendwann vom Tagtraum des nachts im Albtraum wieder aufzuwachen. Werden wir mal konkreter …

Man kann sich aus Bloggersicht die Flattr-Charts etwa auf Carta oder auf dem loadblog genauer anschauen. Nun lese ich ganz im Gegensatz dazu, dass sich die TAZ selbst enttäuscht zeigt  über die bisherigen Flattr-Einnahmen. Knapp 7.000 Euro in sechs Monaten für einen Top-Protagonisten – wie denn jetzt, ist das schon bahnbrechend? Und wieviel davon erhält dann jeder einzelne Redakteur?

Sie ahnen es -, wir sind leider wieder mal in der „Peanuts-Ökonomie“ gelandet. Ist nicht tragisch – aber auch sonst gibt es kritische Stimmen unter den Bloggern, etwa hier unter dem Stichwort Geld verdirbt den Charakter.  So manche schießen allerdings wiederum mit ihrer fundamentalen Kritik übers Ziel hinaus.

Denn die Crowdfunding-Systeme sind durchaus lernfähig. Es geht außerdem nicht nur um Blogger, sondern um junge Unternehmen und Einzeldarsteller in der Mikroökonomie, die mit einer konkreten Idee einen Raum zum Wachsen benötigen, den sie mit Hilfe von kleinteiligen und dezentral aufgestellten Plattformen evtl. leichter realisieren können, als aufwändig nach einer Venture-Capital Finanzierung zu fahnden – und die Türklinken zu putzen, und dabei ganz tolle Business-Pläne zu schreiben, die man zu dem Zeitpunkt gar nicht schreiben geschweige denn vorher sehen kann.

Bestes Beispiel in Deutschland dafür ist die Plattform www.seedmatch.de  So könnte eine Gründer-Idee ihren Charme übers Crowdfunding entfalten, wem das Konzept gefällt, der gibt was dafür, wie das Crowdourcing-Special auf netzwertig.com beleuchtet. Der virtuelle Haken: Als Piranha im Haifischbecken ist es nicht einfach, vom übrig gelassenen Futter der großen Raubfische noch etwas abzubekommen. 

Dennoch lässt sich mit den Worten eines Weblogeintrags von Seedmatch sagen: Crowdfunding funktioniert wirklich. Ich würde auch nicht sagen, dass Geld den Charakter verdirbt, aber es spiegelt untrüglich reale ökonomische Machtverhältnisse wieder. Das hat sich bloß noch nicht überall in hippen Kunst- und Internetkreisen herum gesprochen. Die Sprache des Geldes ist universal gültig, und sie ist eindeutig.

Jetzt haben wir den ungeschminkten Punkt der Nicht-Wiederumkehrbarkeit erreicht: Man muss es nur begreifen, dann kann man den Crowdfunding-Ansätzen etwas überaus Positives abgewinnen. Aber es wird noch einige Zeit brauchen, bis allzu idealistische Ansätze durch eine realistische Erwartungshaltung abgelöst sind.

Dann aber könnte der Trend greifen, sofern die Marktspezialisierungen und Kundensegmentierungen der Macher auf einer klaren Strategie und Roadmap beruhen … und die Nachfrager möglichst genau wissen, welche Idee sie präsentieren, und was sie damit gedenken zu erreichen.

Transparenz ist hier ein absolutes Muss. Nicht weiterbringen wird uns indes die typische deutsche Diskussionskultur, die alles und jeden absichern will. Unternehmertum ist Risiko, und das birgt viele Chancen, aber auch Stolpersteine. Matthias Kröner hat via Twitter vergangene Woche einige typisch deutsche Befindlichkeiten auf den Punkt gebracht, manche Veranstaltungen sind wirklich kein Vergnügen:

Erstens: „Wie wird sichergestellt, dass der Kreative meine 10,- EURO nicht nur versäuft?“

Zweitens: „Wie sind denn die Sponsor-Gelder steuerlich zu behandeln für den Starter?“

Drittens: „Mysherpas bekommt Provision bei erfolgreichen Projekten, dann habt ihr ja Kosten bei Nicht-Erfolg?“

Das alles sind derart spannende Fragen, die leider am Ziel vorbei gehen. Bevor man locker aus der Hüfte schießt, hätte man sich lieber das Geschäftsmodell von mySherpas und Co. mal genauer angesehen.

Also, liebes Deutschland, zuerst ein Knoppers morgens um halb zehn morgens essen, und dann sachlich analysieren, Chancen und Risiken ausloten, aber auch die Segel setzen, denn bekanntlich lernt man den richtigen Umgang mit dem Wind nur bei Seegang.  

Den während hierzulande eifrig debattiert wird, ob Geld eine gesellschaftlich sinnvolle Einrichtung darstellt, treten neue Spieler auf den Plan wie Sprowd. Und das sagen die Macher über sich selbst, wie sie den gordischen Knoten zwischen Hobbyplattform und professionellem Finanzakteur aufbrechen wollen:

What is Sprowd? Sprowd is a revolutionary platform that takes the concept of crowdfunding to a new level. Sprowd is different because:

  • We operate world wide
  • We help crowdfund substantial business projects (beyond grass roots and hobbyism)
  • The rewarding concept is open & fair: money making (no incentives other than financial)

Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung, viele Ansätze kommen, manche gehen wieder – aber es entsteht ein neues Mikrobiotop, das seine Kreise ziehen wird – und zwar jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei, die gerade in Gelddingen am wenigsten zum Ziel führt.

Aber klar ist auch, das Thema hat Börsenrelevanz, auch für Investoren ist es ein neues lukratives Feld, jedoch kein Selbstläufer. Kurzum, lesen Sie doch auf dailycrowdsource.com einfach diesen Beitrag hier über die Plattform EquitySplash , dann lässt sich der weite weite Horizont des Themas vielleicht erahnen.  

Es gibt jede Menge derartiger Ansätze, diejenigen mit den besten Konzepten und den stärksten Waffen werden sich durchsetzen: Connect – Invest – Grow. Mal schauen, ob und wie die sonst nur große Happen verdauende Wall Street dieses kleinteilige Schmieröl der neuen Wirtschaftskooperationen 2.0 aufnimmt … 

Es werden übrigens recht seltsam anmutende Bündnisse im neuen Hype ums Crowdfunding geschmiedet, die viele für bislang undenkbar hielten. Die Bodenhaftung zu behalten ist nicht ganz einfach.

Gleich folgt hier ein visuelles Beispiel, ja fast schon eine Karikatur, wie sich der schillernde Berliner Millionär und Disco/Nachtclubbesitzer  Rolf Eden fürs Crowdfunding interessiert – und zumindest vor der Kamera begeistert zeigt, wenn zehn Millionen Leute einen Euro für eine gute Songindee geben würden.

Das nun folgende Video eines Musikers ging erst vor ein paar Tagen ins Netz, alles eine reine Geschmacksfrage, aber die Seriösität des neuen „Geldmarktes“ wird man erst nach längerer Teststrecke eruieren können. Jedenfalls werden sich Wirtschaft und Gesellschaft von zwei Seiten dem Thema annähern, aus „Big Brother Perspektive“, und aus der Nische hoch spezialisierter Portale, die ihre Wegstrecke beharrlich noch zu gehen haben werden:

Was Crowdfunding im Gegensatz zur Wall Street Offensive a la Gordon Gecko sein könnte, lässt sich heute auch auf dem Blog von Seedmatch nachlesen: Crowdfunding (steht) für echte Werte!  

Written by lochmaier

November 15, 2010 at 8:33 am

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Clerical Medical, Royal London und Co: Wie man Kunden mit Garantieprodukten abzockt

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Alle schimpfen immer nur über die bösen Banken. Dabei gibt es unzählige sogenannte Kapitalgesellschaften, die ihre Kunden teilweise sogar noch dreister über den Tisch ziehen, und das nach wie vor fast völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Dazu gehören bestimmte Versicherungsprodukte ebenso wie andere angeblich renditeträchtige Kapitalanlagen. Auch ausländische Firmen mischen kräftig mit, wie Clerical Medical oder Royal London/Scottish Life, Canada Life – und viele andere mehr.

Ich habe mich mal umgehört unter den Anlegern – und einige Rückmeldungen zeigen das ganze Ausmaß der Kundenabzocke. Man darf sich nur wundern, dass manche Produkte von nicht nur einheimischen sondern auch ausländischen Anbieter überhaupt in Deutschland zugelassen sind oder waren.

Aber der Gesetzgeber schaut gerne weg, er spielt der Finanzindustrie die Trümpfe nur allzu gerne in die Hand. Die nimmt jedes Gastgeschenk dankend an. Wie gesagt, es geht hier nicht um plumpes Bankenbashing, sondern um eine nüchterne Marktanalyse ausgesprochen gravierender Missstände.

Und die Ungleichgewichte in der Wahl der Waffen sind eben gewaltig. Fangen wir mal an, denn die Liste der geschädigten Anleger ist groß. Einige e-mails haben auch mich erreicht. Die Rechtsanwälte sind gut beschäftigt, allerdings kommen solche Fälle kaum ans Licht der Welt. Meist wird es hinter den Kulissen geregelt. Außerdem schämen sich die Betroffenen, über ihre geistigen „Fehlspekulationen“ offen zu sprechen.

Clerical Medical ist auch in Deutschland stark vertreten. Mit jedem neuen Produkt wird eine Horde von „Finanzberatern“ gefüttert bis zur eigenen Bewusstlosigkeit. Dann wird sie auf die Menschheit losgelassen. 

Ziel ist es, Lebensversicherungen und andere Rentenprodukte zu verkaufen, bei denen gleich 10 bis 15 Prozent „Gebühren“ = Provisionen abgezogen werden. Kickbacks noch nicht mal mitgerechnet. Die Provisionen sind gigantisch, einige habe ich in meiner Datenbank gelistet.

Dann geht das Spiel weiter: Meist sind die Konstrukte so angelegt, dass man entweder auf einmal was einzahlt, eher aber über einen längeren Zeitraum, hohe Gebühren werden sofort abgezogen.

The finance show must go on

Wenn der Kunde nach zwei bis drei Jahren merkt, dass die Rendite (noch) nicht stimmt, Geduld – Geduld – dann ziehen die vermeintlichen Berater  den nächsten Masterplan aus der Tasche. Die switchen den Kunden einfach, wenn er zu laut reklamiert, auf eine neue Variante um, sagen, das sei noch besser als die bisherige.

Ziel: Der Kunde soll vergessen, was er irgendwann einmal einbezahlt hat. Er kann dann seine eigene Rendite nicht mehr berechnen. Und damit geht das perfide Spiel weiter, bei dem der Staat die Finanzindustrie fürstlich subventioniert. Spätestens nach ein paar Jahren, wenn überhaupt vorher der Fall, hört die ehrenwerte Gesellschaft auf, mit dem Geld produktiv zu arbeiten. 

Wer dann erst nach zehn Jahren genau nachrechnet,  der wacht böse auf. Denn die Rendite ist in der Regel auf einen deutlich zweistelligen Minusbetrag angewachsen. Nehmen wir das Beispiel  Clerical Medical Performancemaster Leben, aber es gibt unzählige andere Beispiele. Das Produkt ist an den Euro-Stoxx gekoppelt, hat nach Auflegung des Fonds vor einigen Jahren zunächst – weil der Aktienmarkt stieg – etwas zugelegt. 

Das beruhigte so manchen. Dennoch hat kaum ein Kunde je die Gewinnzone gesehen. Denn die Kosten fressen zweistellige potenzielle Zielrenditen ja sofort auf. Außerdem kann man ja den Vertrag nicht auflösen, wann man will.

Kurzum: Das volle Risiko trägt der Kunde, ohne die Gewinne zu sehen, der meist aus derartigen Verträgen kaum heraus kommt. Das ultimative Spiel endet nicht nur damit, dass die „Fondsgesellschaft“ gar nicht mehr aktiv wirtschaftet mit dem Geld.

Und der Gesetzgeber dieses seltsame Gebaren auch noch rechtlich mit deckt, dass die komplexen Vertragswerke so gestaltet sind, dass nach alter Gutsherrenart der Kunde von einer Vertragsänderung nichts versteht – denn nach wenigen Jahren sind längst neue Produkte am Markt, die eine Clerical Medical durchs Dorf treibt, die alten sind aus Machersicht inzwischen völlig uninteressant.

Wenn der Kunde dann am Ende den Vertrag auflösen möchte, dann geht die Gängelei oftmals weiter. Dann muss man oder frau beispielsweise zum Notar, eine beglaubigte notarielle Beurkundung beibringen, um nachzuweisen, dass er oder sie tatsächlich der Eigentümer der Police ist. Das ist Nervenkrieg pur. Von den Rechtsanwaltkosten, die bei einem formell richtigen Kündigungsschreiben unter Umständen anfallen, mal ganz abgesehen.

Also – es gibt auch viele ausländische Anbieter, die hierzulande ausschließlich zum eigenen Wohle agieren. Aber auch die einheimischen Lebensversicherer und „Frührentner“ sind ihr Angebot kaum wert. Garantieprodukte jeder Art, davon rieten schon Experten wie Kostolonay und Co. ab. Der Kunde schaut in die Röhre. Wer glaubt, dass er gleichzeitig Rendite und Sicherheit einfahren kann, der träumt.

Immer sitzt der Kunde am kurzen Ende der Hundeleine. Er sitzt einem Gegner mit einem ausgeprägten und perfide organisierten Rechtsapparat gegenüber, den er nie auf Augenhöhe durchblicken kann. Oder wissen Sie als Kunde von Clerical Medical und Co., in welche Bereiche ihr Geld weiter hinein fließt, was also die Gesellschaft damit treibt?

Hier noch einige Links (die Liste wäre fast endlos) mit Blick auf Clerical Medical – kurz CMI, denen eine Klagewelle in Milliardenhöhe droht:

http://www.markt-intern.de/presse/newsdetails/datum/2010/08/12/olg-muenchen-clerical-medical-gibt-bei-hebelmodellen-einfluss-auf-vertriebe-zu/

http://www.diebewertung.de/?p=8949

http://www.gutefrage.net/frage/hat-jemand-probleme-mit-policen-von-clerical-medical-im-zusammenhang-mit-hebelgeschaeften

http://www.presseanzeiger.de/meldungen/finanzen-versicherungen/297400.php  

http://www.openpr.de/news/225590/Europlan-Weitere-Klage-gegen-Clerical-Medical-und-Roebke-Partner-erhoben.html

http://www.anlegerschutzanwalt.de/?action=showfirma&fid=30&firmenname=CLERICAL%20MEDICAL    

Da wäre es doch viel besser, die Geschicke in die eigene Hand zu nehmen, dann weiß man wenigstens, wenn etwas schief geht, dass man sich selbst dafür entschieden hat. Noch besser: Sich fortlaufend zu schulen, in Eigenregie die Geldanlage zu managen – oder wenigstens einen Berater auszuwählen, der diese Bezeichnung verdient. Das aber ist reichlich schwierig.  

Fazit: Bei diesem „Clerical Medical Perish Walk“ kommen Sie nie an Ihr Ziel!

Written by lochmaier

November 12, 2010 at 10:39 am

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Social Media + Banking: Sieben Thesen, warum es so nicht klappt

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Rob Garcia von Lending Club bringt auf dem Weblog des in den USA führenden Peer-to-Peer-Kreditportals die grundlegenden Fehler der Banken im Social Media Universum ganz einfach auf den Punkt.

Also, hier kommen sie nun, die wie die sieben kleine Zwerge verpackten Schlüsselbotschaften. Und zwar ganz langsam zum Mitschreiben, für die vom sozialen Kommunikationslabyrinth im Managementcockpit – kurz durchatmen –  für die ach so verwirrte, mittlere bis gehobene Chefetage aus der Old Economy School, die sich auch weiterhin der stationären Kundenbeziehung verpflichtet sieht.

Denn das hier bringt doch sicher keinen ROI bei den Bankkunden, oder?

1. Banks Try to Build Community but Their Content is BO-RING!
2. Banks Try to Market Themselves but Their Site is Ugly
3. Banks Try to Serve Their Customers, Who Don’t Even Know the Bank is Online
4. Banks Try to be Transparent but Have No Strategy or Permission 
5. Banks Try to Find Out What Their Customers Want but Are Slow to Respond
6. Banks Do Not Understand Community Engagement
7. Innovation Is Just Not Coming From Existing Banks

… Und noch ein kleiner Bonustrack:

Banks Don’t Understand How Social Media Works

Fazit: Derartige Videos, mit einer vom Nutzer kurzerhand selbst gestalteten Kundenbeziehung, wie das folgende, könnten künftig ebenso häufig von bislang über 523.000 Zusehern angeklickt werden: 

Written by lochmaier

November 11, 2010 at 8:21 am

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Bloggende Finanzchefs: Schwappt die Welle aus den USA herüber?

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Sie glauben, das gibt es nicht – einen bloggenden Finanzchef, neudeutsch als Chief Financial Officer (CFO) bezeichnet? Doch, denn in den USA ist es bereits Usus, wie corporate.amerikanexpress.com am Beispiel von Spencer Clarke beleuchtet, einem Unternehmen, das nach eigenen Angaben mit dazu beitrug, Amerika aus dem Nichts heraus aufzubauen. 

Die wichtigsten Motive und Ziele des bloggenden CFO’s: Erstens das eigene Unternehmen promoten. Zweitens: Beziehungen knüpfen. Drittens: Netzwerken und zu „lernen“, und Viertens: an einen neuen Job gelangen.

Das klingt noch etwas vage und vorsichtig um den heißen Brei herum lavierend. Schließlich handelt der CFO nicht mit Zitronen, sondern mit (Investor- und Börsen) relevanten Informationen und Fakten.  Unter anderem auch deshalb arbeiten die Finanzchefs lieber im Verborgenen.

Trotzdem rückt gerade beim Berufsbild CFO eine nutzwertige Betrachtung in den Vordergrund: Für die Menschheit wäre es nur ein kleiner Schritt, für die CFO’s hingegen ein großer. Oder anders ausgedrückt: In Deutschland wird es noch einige Zeit benötigen, bis wir in die Phase der Dehierarchsierung der Finanzwelt – auch mit Hilfe von transparentem Blogging aus den Unternehmen – eintauchen werden.

Aber letztlich schwappt so gut wie alles vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten irgendwann über den Teich. Glücklicherweise marketingtechnisch in etwas moderaterer Form. Nicht jeder der bloggt, verrät etwas.

Wenn aber die dazu heute vorhandenen Instrumente einschließlich einem fundierten Web Reputation Management sorgfältig genutzt und fortlaufend gepflegt werden, kann das CFO-Blogging durchaus ein produktiver Ansatz sein. Ein bisschen Kreativität mit weichen Faktoren würde den Finanzchefs gut tun. Sie würden aus dem Schattendasein heraus treten. Manche hätten sicherlich die Ideen und das Potenzial.

Dies setzt aber eine konsistente Strategie zwischen Management und den Fachabteilungen voraus, in dessen nicht immer bequeme Mitte dazwischen sich der CFO letztlich befindet. Dann aber könnte der bloggende Finanzchef oder die -chefin loslegen: Die nackte Welt der Zahlen lockt auch den Normalverbraucher.

Tatsächlich besteht gerade in Deutschland in punkto nach außen veranschaulichter “Controller-Philosophie” ein großer Nachholbedarf, auch was ein Controller eigentlich so den lieben langen Tag treibt. Die Welt der nackten Zahlen mal so oder anders herum betrachtet… 

Ich selbst würde derartige Aktivitäten hierzulande im Sinne einer vorsichtigen Öffnung bislang nach außen relativ hermetisch verschlossener Wissenswelten begrüßen. Daraus kann durchaus  ganz sendungsbewusst amerikanisch ausgedrückt,  eine “win-win-win-Situation” im Beziehungsdreieck Unternehmen/Partner/Kunden entstehen.

Vielleicht hätten CFOs auch einfach Lust zum Bloggen – und intellektuelles Interesse an dem Austausch mit engagierten Kollegen, um eine Art „soziale Rendite“ zu generieren. Das jedenfalls findet auch Blicklogger Dirk Elsner, der die Banken und Finanzchefs ganz gut kennt. Für mich gibt es folgende Grundelemente eines nachhaltig bloggenden CFO:

– Finanzielle Themen für die Welt mit verständlichen Worten darstellen

– Sich zu bestimmten Fachthemen als Finanzexperte profilieren

– Witzige Randthemen und Inneneinsichten jenseits des Mainstreams formulieren

– Sich mit anderen CFO-Bloggern zu vernetzen, um Leitthemen innerhalb eines dezidierten Branchenfokus voran zu treiben (zum Beispiel „nachhaltige“ Kennzahlen oder das CO2-Footprinting)

– Also: Der Controller blickt nicht nur auf dem Boot rückwärts treibend ins Heckwasser, sondern fährt eine Art mobiles Elektroauto, mit dessen Hilfe er weiter nach vorne in die Zukunft blickt.  

Nur mal ein kleines Beispiel: Das von einem Finanzdienstleister etablierte Weblog www.risiken-weltweit.de analysiert Länderrisiken, die die Geschicke von Unternehmen beeinflussen. Warum sollte nicht ein CFO sich eines ähnlich speziellen Themas mit Herzblut annehmen, und sich so seine eigene Diskussionsplattform zu einem ganz spezifischen Zukunftsthema schaffen?

Das muss also kein Geheimnisverrat börsen- oder bewertungsrelevanter Informationen sein. Die Klippe lässt sich umschiffen. Gebt also dem Kaiser, was des Kaiser’s ist. Wie wir wissen, dauert ein Fußballspiel 90 Minuten. Manchmal auch ein paar Minuten länger. Letzte Woche habe ich im Kaisersaal am Potsdamer Platz in Berlin ein kleines Foto gemacht:

Und damit wären wir bei der großen und weiten Finanzwelt – das „CFO-Blogging“ klingt doch eigentlich wie ein recht geschmackvolles Menu. Wie kann man die nackten Zahlenmenschen in den Unternehmen von diesem Argument überzeugen? Denn schließlich wäre das Bloggen ja auch was für den „Banken CFO“ – oder doch nicht?

Hier einige virtuell gemischte Anregungen dazu, ob sich hier wer zum „Affen macht“, oder ob es sich um ein produktives Arbeitsinstrument zwischen Berufs- und Privatsphäre handeln könnte:  

Written by lochmaier

November 10, 2010 at 8:02 am

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Stiftung Warentest: Wie funktioniert eigentlich das Geschäftsmodell?

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Interessiert hat mich die Frage, wie die Stiftung Warentest eigentlich ihr Geld verdient, schon immer. Überall kleben die schönen Testetiketten drauf, im Supermarkt schauen viele Verbraucher hin, und wenn ein „gut“ durch die oberste Verbraucherinstanz vergeben drauf steht, ist man oder frau eher geneigt, das Produkt in den bunten Warenkorb zu legen. 

Das gilt erst recht für Finanzprodukte, wo ohnehin keiner mehr durchblickt und hände rigend nach Orientierung sucht. Angeblich „neutrale Vergleiche“ hinken gerade bei komplexen Varianten oftmals auf einem Bein, zudem lassen sich Äpfel und Birnen kaum vergleichen. Gelegentlich mutet das zelebrierte Testergebnis wie eine Volkserziehungsmaßnahme zum biederen Durchschnittskonsumenten an.

Sprich, wenn ein Finanzprodukt bewertet werden soll, kann man zwar die Richtung als Entscheidungshilfe vorgeben, aber letztlich muss der Kunde selbst entscheiden – und auch die Konsequenzen tragen. Das tut beim Thema Geld besonders weh. 

Für jene, die bei ihren Käufen nicht aus dem Rahmen fallen, bietet das Flaggschiff der Verbraucherorientierung also einen gewissen Pulsmesser. Wie also funktioniert das Geschäftsmodell der Stiftung Warentest? Das wollte ich in Erfahrung bringen.

Zunächst: Die umsatzträchtigste Sparte ist tatsächlich Finanztest. Sie ist verantwortlich für einen recht großen Teil der Einnahmen, die kostenpflichtigen Abrufe spielen (noch) keine so große Rolle.  

Im Klarttext sieht das wie folgt aus: Die Stiftung Warentest hatte im vergangenen Jahr einen Etat von rund 48 Mio. Euro. 84 Prozent davon wurden selbst erwirtschaftet, 16 Prozent kamen als Zuwendungen von Bundesministerien.

Von den 84 Prozent, die selbst erwirtschaftet worden sind, entfallen 23,5 Prozent auf Finanztest, 54,7 Prozent auf test – und rund 4 Prozent auf kostenpflichtige Onlineabrufe.

Der Rest sind die Zuwendungen und der Verkauf von Büchern und Non-Print-Produkten, z.B. Trinkwasser-Analysen u.ä.).  Die Zuwendungen kommen übrigens überwiegend vom Bundesverbraucherschutzministerium, quasi als Ausgleich dafür, dass Finanztest anzeigenfrei arbeitet.

Das Forschungs- und das Umweltministerium finanzieren außerdem zwei kleine Gruppen im Hause, die einmal berufliche Weiterbildungsangebote testen und zum anderen Tipps zum Klimaschutz erarbeiten. Die Werbung mit Testergebnissen ist laut Stiftung Finanztest offenbar bewusst keine Einnahmequelle.

Hersteller, die mit dem Logo werben möchten, zahlen eine einmalige Gebühr von 500 Euro und können dann für sämtliche Produkte, die getestet worden sind, so lange oder immer wieder neu werben, wie sie möchten, bzw. wie das Testergebnis noch aktuell ist  – es wird dann unaktuell, wenn ein neuer Test der gleichen Produktgruppe veröffentlicht wurde oder der Anbieter sein Produkt verändert hat.

Das heißt aber zum Beispiel, dass Henkel oder Procter und Gamble einmal zahlen, dann aber mit den Ergebnissen für sämtliche getesteten Produkte werben kann. Das Geld, was hierdurch eingenommen wird, geht zum größten Teil an eine externe Anwaltskanzlei, die für die Stiftung Warentest die Werbung mit Testergebnissen dahingehend überprüft, dass nicht mit falschen, ausgedachten oder überholten Ergebnissen geworben wird.

Andere Vermarktungs- und Werbeformen spielen demnach keine Rolle, weil es sie hier nicht gibt. Da die gesamten Publikationen anzeigenfrei sind, gibt es also keine Einnahmen durch Werbung, das sei bei der Gründung der Stiftung so festgelegt worden, um völlig unabhängig von Anbietern testen und veröffentlichen zu können.

 Noch Fragen oder kritische Kommentare?

Written by lochmaier

November 9, 2010 at 8:41 am

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Social Lending: Erfolgreiche Geschäftsmodelle aus der zweiten Reihe?

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Menschen leihen sich gegenseitig Geld über darauf spezialisierte Internetplattformen (als Peer-to-Peer-Lending oder Social Lending bezeichnet). Der Betreiber fungiert quasi als „virtuelle Bankgarantie“ – Was passiert, wenn Nutzer ihre „soziale“ Kreditwürdigkeit gegenseitig bewerten?

Auf P2P-Kredite findet sich eine Beschreibung der neuen britischen Plattform Quakle. Und so lässt sich die neue Variante im Social Lending-Geschäftsmodell charakterisieren:

The trustworthiness of the borrowers is assessed by the lenders only. Quakle believes that social bonds strengthen confidence and make borrowers more likely to repay. In addition we are convinced that getting dozens of people to trust you is, at least, as much difficult as building yourself a high credit score. It is then the responsibility of a lender to choose whether to lend money to borrowers who are active members of user groups and have a good social rating.”

Was folgt daraus, wo doch andere P2P-Lender eher dem entgegen gesetzten Trend folgen, und die Bonität möglichst genau anhand von automatischen Prozessroutinen eruieren. Nun ja, die Welt ist weder schwarz noch weiß, sondern liegt genau dazwischen. Natürlich wird es auch weiterhin ein klassisches Bonitätsrating geben, quasi der digitale Schufa-Score-Fingerprint, erweitert um eine „soziale Note“.

Das klingt ein bisschen nach Datenkrake und moderner lässig verpackter Nachbarsspionage im nicht immer so „sozialen“ Netz. Und auch deshalb liegt ein konzeptionelles Wagnis darin, ähnlich wie bei den Rankings der Finanzberater, die selten ganz unabhängig und unbeeinflusst erfolgen, ebenso wie Äpfel und Birnen häufig durcheinander geworfen sind.

Da darf man also gespannt sein, wie Quakle die konzeptionelle Herausforderung bewältigen wird.

Weitere „Copycats“ in Großbritannien wie YES-secure versuchen indes am Markt zu landen.

Fakt ist deshalb: Das Social Lending wird weiter global wachsen und sich ausbreiten. Es sind keine finanziellen Peanuts mehr, wie sich am Beispiel von Zopa in Großbritannien eindrucksvoll ersehen lässt. Denn immerhin 1,5 Prozent Marktanteil in der Kreditvergabe (über 100 Millionen Pfund) hat sich die Plattform am gesamten Kuchen bereits gesichert.

Wer also glaubt, wie die jüngste Studie von Steria Mummert Consulting und F.A.Z. dies suggeriert, dass der Trend bei einem marginalisierten Nischenmarkt Halt macht, sollte seinen Cappucino besser woanders genießen, weil man finanziell schon ausgesorgt hat, und gar nicht mehr bereit sein muss, neuen Trends nachzuspüren:

Neue Geschäftsmodelle brechen sich irgendwann ihren Lauf. Aber: Die Herausforderung von weiteren Spielern in der zweiten Reihe à la Quakle oder yes-secure besteht darin, dass es pro Land in der Regel nur ein führendes Unternehmen geben kann, zu dem die große Masse der Social lender sich dann hinwendet.

Gibt es also eine Nische in der Nische? In der „traditionellen“ neuen Ecke wohl kaum. Für den Zweitplatzierten bleiben dann in der Regel nur noch die Ehrenplätze bzw. die von der Hochzeitsgesellschaft übrig gelassenen Geldkrümel zum Auflesen.

In Deutschland auffällig ist die dominante Marktpräsenz von Smava gegenüber dem Nachfolger Auxmoney, dem es nicht gelingt, aus dessen Schatten zu treten. Aber auch der soziale Branchenprimus hat seine anvisierten Zielmarken, um das Geschäftsmodell in die gewünschte Größenordnung hoch zu schrauben, noch nicht erreicht (Die Zahlen: Variante eins in drei Jahren rund 40 Millionen Euro an vermittelten Krediten, Auxmonex rund 10 Millionen Euro). 

Aus meiner Sicht müssten sich Neueinsteiger auf spezielle Marktsegmente bzw. Verwendungszwecke spezialisieren, um evtl. damit am Markt zu bestehen. Wie dem auch sei, der Knoten wird allmählich platzen.

Ein Artikel im Dailytelegraph beleuchtet die Herausforderungen für die neuen Social Lending Klons. Oder hat Ex-Fußballtitan Oliver Kahn am Ende gar unrecht, wenn er für die Fondsgesellschaft DWS wirbt, und sagt, das zweitbeste sei ihm nie gut genug?

Written by lochmaier

November 8, 2010 at 9:39 am

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Commerzbank: Alter Markenwein in neuen Medienschläuchen?

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Noch 235 Tage bis zum Anpfiff. Und die moderne eigenständige Frauenwelt soll zumindest aus modernistischen Imagegründen nach vorne gerückt werden. Denn die Commerzbank unterstützt als eine Art Hauptsponsor für das Freiwilligen-Programm die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen im kommenden Jahr in Deutschland.

Das besondere Engagement der Freiwilligen passe zu den Werten der Commerzbank – Partnerschaftlichkeit und Leistung, sagte gestern Steffi Jones, Ex-Fußballspielerin und heute Präsidentin des Organisationskomitees.

Ja, ja, die ehrenamtlich-unbezahlte, aber hoch motivierte Arbeit der vielen Menschen im Dienste und zum indirekten Wohl. Auch zu dem für die Finanzindustie … stimmt die „gesellschaftliche“ (Gegen)leistung der Commerzbank in diesem Spiel wirklich auf Punkt und Komma, auf Heller und Cent?

Zweifel dürfen bislang noch erlaubt sein, jenseits vom plumpen Bankenbashing. Deshalb der rasante Szenenwechsel: Höllenjob Finanzberater bei der Commerzbank? titelt das Weblog von Tilman Hausherr. Denn eben jene seit längerem in den Schlagzeilen fast magisch verwunschene Commerzbank bläst jetzt zum Sturm auf die Festung namens Private Banking.  Bald werden wir schon Zeugen einer neuen Werbekampagne in diesem herbstlichen Monat November.

Denn: 100.000 Neukunden will das Institut bis zum Jahresende immerhin dazu gewinnen. Der Köder: Ein Girokonto mit 2% Zinsen, so ging es über die Newsticker,  nachzulesen etwa hier.  Warum nicht 2,05%, 0,05% mehr als die Deutsche Bank für ein Jahr? 

Wer den Beitrag und die Aussagen von Privatkundenvorstand Achim Kassow im Interview etwa mit Welt am Sonntag durchliest, der merkt, dass sich die Commerzbank strukturell kaum vom Fleck bewegt, genauer: auf den Kunden zubewegt.  

Auch das ist business as usual: Es sollen von den 1.600 Filialen nochmal rund 400 weichen. Auch ist massiv in neue IT-Plattformen investiert worden. Was davon merkt der Kunde?  Beleuchtet man die Social Media Aktivitäten der Commerzbank in der risikoreichen Umbruchszeit bis zum absehbaren Ende der staatlichen Beteiligung, so sticht wenig Spannendes hervor.

Das Motto in Krisenzeiten: Je weiter weg vom Kerngeschäft, desto besser, je mehr Werbung und Imagepflege, und je weniger Aufklärung, desto besser. Bis zu einem gewissen Grad leuchtet das ein, das krisen gebeutelte Instistut braucht eine lange Phase aus der Pubertät heraus. Wir sind gespannt, ob da was Neues draus entsteht, oder alte Benutzermenus wieder in die Aufwärmterrine gefüllt werden. 

Konkret bedeutet dies im CIO-Social Media-Ranking der DAX-30-Konzerne: Die Commerzbank ist zwar auf Platz 19 vertreten, aber wie? „Commerzbank Career“ gefällt 1196 Personen. Es gibt 5 Gruppen in Xing. sieben in LinkedIn. Twitter hat 6 Kanäle mit 107 Followern. Und die Facebook-Seite „Commerzbank Triathlon Team“ gefällt 479 Personen.

Überhaupt, der Vergleich der Banken zum Spitzensport wird immer wieder gerne genommen – das suggeriert wohl, dass die  Banken sich um Höchstleistungen zum Wohle ihrer Kunden redlich bemühen.

Das leicht eingängige Kommunikationsschema wendet übrigens auch die Ergo Direkt Versicherung an, ein Mitarbeiter hat sich extra für den Iron Man auf Hawai geschärft, über dessen Vorbereitung und Ausgang wir ausführlich via Facebook auf dem Laufenden gehalten worden sind.

Zurück zur Commerzbank: Zwei Jahre nach der Ankündigung der Dresdner Bank-Übernahme hat sie nun ihren neuen gemeinsamen Marktauftritt erfolgreich umgesetzt, berichtet das Bankmagazin. 

Die Integration sei damit weniger als 18 Monate nach der Verschmelzung in weiten Teilen abgeschlossen. Alle Segmente arbeiteten seit Beginn des zweiten Halbjahres 2010 in der neuen integrierten Organisationsstruktur. Gehen wir der Sache mal etwas auf den Grund.

Gelungener integrierter Markenauftritt oder alter Wein in neuen Schläuchen? Schließlich will der Bund jetzt möglichst bald aus seinem  Engagement aussteigen, und die Bank wieder ihrem eigentlichen Schicksal überlassen.

Nämlich das zu tun, wofür Banker da sind. Einlagen solide verwalten, ein bisschen vermehren, und Kredite verlässlich geprüft und zu vernünftigen Konditionen an die Wirtschaft vergeben. So einfach könnte die Schnittstelle zwischen Private-, Investment- und „Social“ Banking aussehen.

Wenn die Umsetzung doch nicht so schwierig wäre. Alles Wissenswerte zum Markenschwenk der Commerzbank findet sich auf der eigens eingerichteten Newsseite „Reden Sie jetzt Klartext mit uns„. Tun wir das mal …

Leider kommt jetzt die erste herbe kleine Enttäuschung: Man und frau darf nämlich in diesem Falle wieder mal einen schönen Bogen zur Erhebung der Kundenzufriedenheit ausfüllen, so dass am Ende alle Beteiligten glücklich sind, weil sie sich geäußert haben, ohne wirklich etwas in Frage zu stellen. Direkte Feed back-Schleife – Fehlanzeige.

Ob das ungeschönte „Klartext-Feed back“ der Banknutzer also wirklich gewollt ist? Wir sind gespannt. Eine wie auch immer geartete Leserrückkoppelungsschleife ist zumindest auf Social Banking 2.0 gerne willkommen.

Als Einstiegsfenster dazu empfehle ich meinen früheren Beitrag Commerzbank reloaded: Wie eine neue Online-Marke (ohne Kundenbeteiligung) entsteht. Das ist nun wirklich schade. Mein damaliges Fazit, an dem sich kaum etwas geändert hat:

Ganz nebenbei erwähnt werden soll an dieser Stelle auch, dass die Commerzbank, was die Nutzung von sozialen Medien in der direkten Kundenkommunikation angeht, ein absolutes Schlusslicht darstellt, wenn man sich mal die vielen Internetseiten anschaut, die die Bank so alle betreibt. Wir wollen bloß kein direktes Feed back zu unseren Produkten generieren und einholen, lautet die versteckte Botschaft.

Ob ausgerechnet die neue „Kundencharta“ daran etwas ändern wird, auch diese Frage, habe ich schon einmal beleuchtet, unter der Überschrift Wieviel ist die neue Kundencharta wert?  Übrigens findet auch Commerzbank-Filialleiter Timo Marwitz aus Ingelheim: Daran wollen wir uns messen lassen, und zwar in einem Interview mit der Allgemeinen Zeitung.

Diesem gewichtigen Wort gibt es nun nichts mehr hinzuzufügen. Außer einem kleinen Video vielleicht:

Written by lochmaier

November 3, 2010 at 7:28 am

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Virtuelle Kennzahlen: Wie eine Bankmarke im sozialen Netz entsteht

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Die obige Fragestellung, wie man „virtuelle“ Kennzahlen zielführend definiert, ohne selbst virtuelle böhmische Dörfer zu generieren, ist durchaus anspruchsvoll. Neben dem Willen sich als Bank mit dem Kunden auf Augenhöhe zu treffen, bedarf es einer ausgefeilten aber auch offen-kreativen Methodik, um die Qualität des Resonanzbeckens im Auf und Ab des Web 2.0-Universums fundiert einzuschätzen und zu bewerten.

Sieht eigentlich aus wie die volatile Kurve auf dem internationalen Börsenparkett, die ich ganz unten abgebildet habe. Die folgenden drei Graphiken hat mir Jan Manz, der mich für die Agentur wbpr im Auftrag der Fidor Bank AG auf die Studie „Social Media Analyse zum Bankensektor“ aufmerksam gemacht hat, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Gleich dazu mehr.

Die nun folgende erste Graphik zeigt am Beispiel der Fidor Bank die „Markeninfluencer“ auf, also jene informellen Parteien, die das Bild der ersten deutschen Web 2.0-Bank im Netz mitbestimmen. Mit dabei ist etwa neben Blicklog und Finance 2.0 auch dieses Weblog Social Banking 2.0 (lochmaier.wordpress.com).

Die Kernbotschaft lautet: Die interessanten Wirtschafts- und Finanzblogs sind kein virtuelles Nebengleis, sondern befinden sich auf der Hauptstrecke in der öffentlichen Wahrnehmung beim über viele Häppchen verteilten Aufmerksamkeitskuchen (zum Vergrößern bitte klicken, die Graphik bezieht sich aber nur auf die Fidor Bank AG):   

 

Mein Vorschlag für eine zusätzliche virtuelle Bildunterschrift: Und nun stellen Sie sich vor, bei der Fidor Bank handelt es sich um die Deutsche Bank … nein, ich habe keine Glücksdroge zu mir genommen. 

Ich will nur die Kreativität und Phantasie der Leserschaft anregen, was im kommenden Jahrzehnt der virtuellen Kennzahlenarithmetik mit unzähligen weichen statt nur harten Faktoren (die Bilanzzahlen) auf uns zukommt. Der passende Mix bei den Kennzahlen im Social Media Universum ist noch konzeptionelles Neuland.

Und genau dies soll sich jetzt ändern. Morgen werde ich am Beispiel der Commerzbank beleuchten, wie wenig sie in ihrer Markenstrategie die Netzmechanismen überhaupt auf dem Radarschirm hat. Wer zu spät kommt… aber vielleicht reicht die Marktmacht ja aus, um sich letztlich mit kosmetischen Korrekturen einer Kundencharta am Markt zu behaupten.  

Wer die künftige Marktmacht von „Anwendervereinigungen“ erahnt, in denen die Kunden und Partner über das Unternehmen diskutieren, kann sich gerne meinen Beitrag am Beispiel von Fujitsu Siemens auf silicon.de durchlesen. Das Thema auf der Chefagenda lautet nämlich: Seid umschlungen Millionen Anwender in der Wolke. Oder anders ausgedrückt:  Kunden und Anwender sind insbesondere im Netz eine Art „Zukunftsrat in der strategischen Produktentwicklung.  

Doch wie gestaltet man den Kennzahlenmix in der unüberschaubaren Welt von „Corporate Social Media Planning“? Zum ersten: Das ist alles keine Art von Geheimwissenschaft, wie eben die aktuelle Analyse der Zieltraffic AG, einer Tochtergesellschaft der Web 2.0-Bank Fidor beleuchtet. Die Hintergründe und Ergebnisse: 

Soziale Medien prägten nachhaltig die Online-Reputation des Bank- und Finanzsektors und wiesen quantitativ bereits mehr Einfluss als klassische Newssites auf – zu diesem Ergebnis kommt das von der Online-Marketing Agentur Zieltraffic AG in Kooperation mit dem Social Media Dienstleister interactivelabs erstellte „Social Review“ www.social-review.de – für den Bankensektor.

Die Diagnose: Bereits knapp 70 Prozent der online geführten Berichterstattungen und Diskussionen rund um die Begriffe „Bank“ bzw. „Banken“ sowie „Bankensektor“ hätten (zwischen Anfang August und Anfang November) im deutschsprachigen Internetraum im Revier „Social Media“ stattgefunden. Kurz: Social Media definiert Bankmarken neu und redet mit.

Im Untersuchungszeitraum sei die Deutsche Bank mit rund 7 Prozent aller identifizierten Beiträge die am häufigsten thematisierte Bank im Social Web. Die zentrale Rolle der Deutschen Bank in der Social-Media-Diskussion lasse den Schluss zu, dass die Menge medialer Berichterstattung sowie auch der PR-Druck von Unternehmen das Gesprächsvolumen in Social Media zentral beeinflusse, so die Autoren der Studie.

Indes gehört gerade die Deutsche Bank noch zu jenen Banken, wie auf diesem Weblog immer wieder ausgeführt, die Social Media bislang überwiegend noch immer zur hierarchischen Einbahnstraßenkommunikation einsetzt.

Direktes Feed back ist bislang kaum im Fokus der Strategie, ein Paradigma, das sich aber seit meinem letzten Eintrag Be a driver not just a passenger – allerdings ausgehend vom Testgebiet USA – allmählich in ein produktiveres Mit- statt Nebeneinander wandeln dürfte.

Zurück zur Studie: Die am häufigsten genutzten Diskussions-Plattformen seien Blogs und Online-Portale, denen eine Blog-Software mit Kommentarfunktion zugrunde liege. Gemessen an der Reputation bzw. der Anzahl der Inbound Links liegt im Untersuchungszeitraum das Forum von Spiegel online ganz vorne, gefolgt von dem weltweit größten Social Network Facebook.

Näher betrachtet wurde – hier kommt natürlich aufgrund der einzigartigen Markenpositionierung ein gewisser nachvollziehbarer werblicher Effekt in der Studie zum Ausdruck – die Münchner Fidor Bank. Deren Geschäftsmodell baut schließlich gezielt auf Social Media und dem Web 2.0 auf.

Es vermag somit zumindest Insider kaum zu überraschen, dass die einflussreichste Social Media Plattform, über ihr ureigenstes Revier – und hier vor allem via Micro-Blogging-Dienst Twitter – bei ihrer Community und darüber hinaus punkten kann.

Klassischen Werbekanälen schwört die Plattform www.fidor.de übrigens gezielt ab, sie will mit dem Ökotop Social (Community) Banking wachsen, in dessen Reihen sich künftig sicherlich noch weitere neue Geschäftsmodelle eingruppieren dürften.  

Eine quantitative Analyse der Begriffe „Banken“ bzw. „Bankensektor“ belegt laut der Studie die strategische Bedeutung von Twitter (als wichtigstes Nachrichtenscharnier). Interessant auch, dass „kleinere Blogs mit geringerer Reichweite“ von den Finanzdienstleistern doch genauer beäugt werden.

Fachlich relevante Blogs und spezielle Finanzforen hätten zwar eine geringere Reichweite, spielten jedoch gerade bei der Meinungsbildung von Insidern eine große Rolle. Fazit: Letzterer Befund läuft natürlich – siehe dazu die Mindmap von Dirk Elsner als Übersicht zur  deutschen Wirtschaftsblogosphäre –  runter wie Öl, pardon Solarenergie.

Die folgende Graphik zeigt, wie sich eine Bankmarke im Netz am Beispiel der Fidor Bank entwickeln kann,  und welche Plattformen das Image am meisten beeinflussen:

… Denn dies zeigt, dass die kleine und inhaltlich sehr vielfältige Finanzblogosphäre durchaus kein von vorne herein ausrangiertes Nebengeleis für die öffentliche Meinungsbildung auf dem Wandel zu einem kundenorientierten und etwas „nachhaltiger“ oder zumindest fairer aufgestellten Bankwesen  darstellt.

Oder anders ausgedrückt: Bislang stand nur in den Hochglanzprospekten der Bilanzberichte folgendes drin: Die Mitarbeiter und Kunden sind unser wichtigstes Kapital. So richtig ernst zu nehmen brauchte das Management diesen formalen Akt zur Corporate Social Responsibility nicht. Der Markt richtete es jenseits von weichen Kennzahlen im neuen Social Media Universum schon irgendwie.

Jetzt aber verschiebt sich die Machtachse durch Social Media und Web 2.0-Technologien schleichend vom Anbieter zum Nachfrager. Der Markt entscheidet über den Erfolg neuer Geschäftsmodelle, aber vielleicht anders, als sich dies manche Auguren derzeit vorzustellen und auszumalen vermögen. Siehe dazu auch die Beiträge von Dirk Elsner und Boris Janek.

Mein Kommentar zur letzten Abbildung: Ebenso volatil wie die Börsenkurse mit diversen Unterstützungslinien nach unten und oben verläuft die „Aufmerksamkeitskurve“ in sozialen Netzwerken – die Markenbildung und Bankreputation bieten viele Chancen, sie ist aber bei hohen Ausschlägen nach oben und unten einem latenten Risiko von „sozialen“ Fliehkräften ausgesetzt: 

Die zu lösende Preisfrage zur virtuellen Markenbindung lautet: Wie gewonnen, so zerronnen?

Written by lochmaier

November 2, 2010 at 8:06 am

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Stopbanque: Kontroverser Aufruf zum Bankencrash 2.0

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Französische Aktivisten rufen zu einer europaweiten und gemeinsamen Kontokündigung am 7. Dezember auf, berichtet die Süddeutsche Zeitung.  Jeder soll sein Geld vom Konto holen. Die Frage ist nur: Wo soll es hin? Was bringt dieser Protest, eine Frage, die sich durchaus mit einiger Berechtigung stellen lässt, sie ist aber gleichzeitig eine rein akademische.

Denn die Menschen wollen vor allem eines: In die Geschicke des übermächtigen Räderwerks namens Finanzindustrie stärker eingreifen, eine durchaus noble Absicht. Doch welches ist der richtige Weg? Die Umsetzung wirkt natürlich polarisierend bis sensibilisierend, aber wer das als (hoffentlich) produktiven Ausdruck von kreativem Protest sieht, der kann daraus auch konkrete Schlüsse ziehen.  

Einen ersten Eindruck mit Stimmungsbild und Kommentaren zur Kampagne mit Blick auf den deutschen Bankkunden in der Blogosphäre findet sich etwa auf alles-schallundrauch. In der österreichischen Zeitung diepresse finden sich unter dem Artikel auch einige Menschen, die sich mal pro, mal kontra zu Zielrichtung und Sinn einer derartigen Aktion äußern. 

Mein spontaner Kommentar: Geld ist weder gut noch böse, ebenso wie die Banken, es kommt ganz darauf an, was man damit macht und wie man damit umgeht. Nun aber zu den Fakten: Am 7. Dezember sollen alle Bürger des Landes Frankreich ihr Konto auflösen und sich ihr Geld bar auszahlen lassen.

Anschließend, so schlagen die Aktivisten vor, kann man das Geld erstmal in einen Koffer legen oder es bei einer sozialen Bank anlegen. Rund 8.160 Menschen hatten sich auf der mit dem Aufruf verknüpften Facebook-Seite bis zum 31.10. zum Mitmachen angemeldet.

Ich frage mich nur, wo das Ziel von virtuell angebahnten Protesten und die daraus resultierenden Forderungen bleiben, die sich mit der Aktion stopbanque verbinden. Dies ist noch etwas vage. Aber wer gedacht hatte, das sei nur eine Zeitgeistwelle, die wir wieder bald los werden, um zum business as usual überzugehen, wird enttäuscht werden.

Denn: Die Aktion ist auch nach Deutschland herüber geschwappt. Da gibt es Menschen mit „Stuttgart21-Prostestplakaten“, die den „Bankencrash 2.0“ fordern. Seit kurzem existiert auch eine deutsche Homepage, die unter dem Motto „Jetzt kommen die Bürger!“ zum Bankenstopp am 7. Dezember aufruft (Stopbanque).

Da formiert sich durchaus, wie ich es in vielfältiger Form bereits in meinem Buch Die Bank sind wir skizziert habe, eine neue Generation Bürgerbeteiligung, die sich mit der ohnmächtig-passiven Rolle nicht mehr zufrieden gibt. Jedoch stellt sich die Frage der Strategie. O-Ton Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann auf der Hauptversammlung im Frühjahr: „Wir können in einer parallelen Welt nicht existieren.“

Was folgt aus solchen Sätzen? Was sich fürs Investmentbanking mit einem besser justierten Risikomanagement noch ansatzweise realisieren lässt, käme im Private Banking einer Quadratur des Kreises gleich. Eine Deutsche Bank müsste den organisierten Kontrollverlust zulassen, bis hin zu geringeren Margen, und den Kunden produktiv in die eigene Produktentwicklung einbinden. Warten auf Godot?

Business beyond usual: Investmentpunks der ersten und zweiten Generation

Mit Blick auf „Stopbanque“ sehe ich einen unterschiedlich kolorierten Hintergrund: Für mich war Börsenexperte Andre Kostolany so etwas wie eine Art von Investmentpunk der ersten Generation. Wer sein Buch Die Kunst über Geld nachzudenken gelesen hat, weiß, wie der von Massentrends gehörnte Bankkunde die Geschicke in die eigene Hand nehmen könnte. Das freilich wird nur wenigen erfolgreich gelingen. Wo bleibt der ganze Rest?

Nun gibt es mit Gerald Hörhan einen Investment-Punk der zweiten Generation. Mitte Dreißig, exzellent ausgebildet, der Österreicher blickt an den Finanzmärkten durch, und sieht den (bekannten) Tatsachen direkt ins Auge: „Das System hat kein soziales Gewissen. Es holt sich nicht so viel, wie ihr verschmerzen könnt. Es holt sich so viel wie möglich“, sagt Hörhan in seinem Buch Investmentpunk eingangs von Kapitel Zwei, über die Abzocke der Kleinanleger.

Der Autor Gerad Hörhan soll hier nicht glorifiziert werden, er hat auch menschliche Schwächen, geht aber im Gegensatz zu vielen selbst ernannten Trendforschern und Investmentbankern offen und offensiv damit um, wie etwa mit seinem Chauvinismus und seiner leichten sozialen Egomanie gegenüber Frauen. 

Und Hörhan breitet interessante Erkenntnisse und Blickwinkel aus, die die Publikation Investmentpunk etwas aus der Masse der üblichen Finanzratgeber hervorstechen lassen. Es ist aber eher etwas für unkonforme Menschen, die jenseits von „Mein Haus, meine Frau, deren Küche, mein toller Arbeitgeber“ nach kreativen neuen Wegen Ausschau halten, gedacht.

Es lohnt sich also für die Leser dieses Weblogs Social Banking 2.0, das letztere Buch – hier gehts zum Weblog des Autors – genau und intensiv zu lesen, und sich nicht nur mit dem Abklatsch der vordergründigen Presserezensionen, -berichte und kritischen Lesermeinungen abspeisen zu lassen. Denn dann wird der teils widersprüchliche Hintergrund derartiger Initiativen wie Stopbanque auf historisch gewachsenem Grund deutlicher sichtbar. Nicht mehr, nicht weniger.

Es stellt sich aber die Preisfrage, ob die gängige Punk-Haltung die richtige ist, Geld abzulehnen, und es dann von anderen einzufordern – oder ob es nicht viel besser wäre, wenn der Kunde in Gelddingen sein eigenes Selbstbewußtsein entwickelte und die Regie in Finanzfragen übernähme, was die Kernbotschaft von Gerald Hörhan darstellt. Auch das ist nichts wirklich Neues, der Autor hat es nur werbewirksam geschickt neu verpackt.

Das wäre dann eine erweiterte Definition von Social Banking 2.0, aber ohne übertriebenes und unrealistisches Gutmenschentum, ohne Geld in seiner notwendigen Schmierfunktion in der Wirtschaft abzulehnen, ohne Schwarz-Weiß-Malerei – aber auch ohne es in die falschen gefräßigen Kanäle der Finanzindustrie einzufüttern, wo es zum Wohle einiger weniger meist unproduktiv versandet.    

„Bankenhacking“ über finanzielle Netzwerke etabliert sich

Den sozialen Netzwerken fällt auch im Wandlungsprozess in eben jener Finanzindustrie eine Schlüsselrolle zu. Dass der Aufruf zum gewaltfreien „Bankenhacking“ über das Kulturwerkzeug Internet nämlich ein bereits angewandtes Stilmittel bei Privatanlegern darstellt, zeigt ein Beispiel aus Mittelamerika. Jean Anleu aus Guatemala beschwerte sich im vergangenen Jahr über das seiner Meinung nach korrupte Geldinstitut Banrural.

Mehr noch: Der gehörnte Bankkunde rief über den Kurznachrichtendienst Twitter andere offen dazu auf, Geld von der Bank abzuheben, um das Geldinstitut für die landwirtschaftliche Entwicklung „bankrott zu machen“. Die Folgen: Er wurde kurzerhand wegen subversiver Tätigkeit verhaftet.

Per Gesetz drohte dem nur mit Worten aufrührerischen Bankkunden Anleu eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft begründete das in Aussicht gestellte hohe Strafmaß damit, der Angeklagte habe das öffentliche Vertrauen in das Bankensystem Guatemalas untergraben. Ende Dezember 2009 kam der Twitter-Nutzer mangels einer schlüssigen Beweisführung allerdings wieder auf freien Fuß, so jedenfalls meine Recherchen.

Das Beispiel verdeutlicht stellvertretend für so manch anderes, dass für Staat und Wirtschaft bzw. die Eliten nicht nur in politisch sensiblen Regionen vieles auf dem Spiel steht, wenn die Bürger verstärkt nach Alternativen zur etablierten Finanzwirtschaft Ausschau halten…

Zurück zur Kampagne vom 07. Dezember. So sieht das bisherige virale Szenarioresonanzbecken von Stopbanque in Europa aus:

 

Französischer Aufruf stopbanque.blogspot.com
Französische StopBanque Facebook Seite
Deutsche StopBanque Facebook Seite
Italienische StopBanque Facebook Seite
Griechische StopBanque Facebook Seite
Englische StopBanque Facebook Seite
Holländische StopBanque Facebook Seite
Dänische StopBanque Facebook Seite

Die Aktion Stopbanque hat in Frankreich bisher 13.100 Teilnehmer. Erste Schätzungen gehen von  erheblich mehr aus, bis zum Stichtag des 07. Dezembers. Über den Blog des deutschen Ablegers Stopbanque kann man sich auf dem Laufenden halten.

Wie gesagt, ich persönlich glaube durchaus, dass die Kampagne nicht nur von einem realsozialistisch angehauchten Protestfieber angehaucht ist. Vordergründig mögen es gängige Parolen wie „Weg mit dem Großkapital“ sein.

Gerade in derart zugespitzten Parolen liegt aber sicher eine verpasste kleine Chance, denn die Mitte der Gesellschaft weiß bereits, dass weder der blütenreine Kapitalismus noch der ideologisch lupenreine Sozialismus das Maß aller Dinge sind, für jene, die ihr Geld noch mit Arbeit und Leistung verdienen (müssen).  Kreative neue Wege wären gefragt, statt reinen „No Go Banking Areas“.

Aber: Stuttgart21 ist überall, in der großen Finanzwelt ebenso wie in der kleinen Mikroökonomie. Es kommt nur darauf an, die darin liegenden Chancen jenseits einer reinen Protesthaltung kreativ zu nutzen. Was meinen die Leser zu der geschmacklich die Gemüter polarisierenden Kampagne?

Written by lochmaier

November 1, 2010 at 7:42 am

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