Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

The Future of Money: Social Bank Recoding – Provokatives Kunstvideo gegen saturierte Bankmanager

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Gestern habe ich in meinem Praxistex(s) einen Einblick in eine künftig stärker von dezentralen Mechanismen und Nutzerbedürfnissen gesteuerte Finanzwelt gegeben. Es ist, wenn die Leser so wollen, eine kleine Bedienungsanleitung für das Social Bank Coding. Das Werk besteht aus ziemlich vielen ineinander verwobenen Programmierzellen, an denen viele virtuelle Schreiber fortlaufend weiter tüfteln.

Nun kommt quasi der zweite Teil, das Social Bank Recoding. Den Begriff gibt es so noch nicht, aber hiermit ist er gerade als Inspirationsquelle neu erfunden. Früher waren IT-Giganten wie Microsoft  mit Millionen von Programmierzeilen in seinen Bürosoftware-Programmen das Maß aller Dinge? Gibt es ein neues Paradigma aus der objektorientierten Programmiersprache hinein in einen neue Verständniswelt, oder ist diese Parabel zu hoch gegriffen?

Versuchen wir zunächst einen größeren Rahmen um die Welt des finanziellen Crowdsourcings und Crowdfundings herum zu ziehen, um aufzuzeigen, dass es sich um kein Randphänomen handelt. 

Auf der Fachkonferenz Sibos in Amsterdam hielt Venessa Miemis vor einigen Wochen nämlich einen ziemlich spannenden Vortrag, was junge Menschen der Generation um die 30 Jahre von den Banken erwarten. Zumindest jener aufgeklärte Teil der Menschheit, der den Umgang mit dem Geld neu definieren möchte.

In einem Blogpost von ihr lässt sich das ganze Für und Wider über den geringen Veränderungswillen der Banken erspüren, sich künftig mit dem Kunden auf Augenhöhe zu treffen. Es geht hier übrigens nicht darum, ob ich persönlich mit allem übereinstimme, was the „Future of Money“ inhaltlich impliziert.

Mein Credo lautet ganz einfach so: Je mehr Menschen sich bewusst mit dem Geld ini seinen Grundfunktionen in Wirtschaft und Gesellschaft auseinandersetzen, desto besser. Die Wege zu einer „Finanzdemokratie 2.0“ mögen recht unterschiedlich sein, aber es kann ein gemeinsames, ein verbindendes Ziel geben, mit unterschiedlichen Ausprägungen in der Praxis.  

Genug der grauen Theorie. Lesenswert sind vor allem die unzähligen Leserkommentare unter dem ausführlichen Blogpost von VEnessa einschließlich den Videointerviews, indem sich das leicht akademisch angehauchte „Gen Y“ ansatzweise ziemlich konkret erspüren lässt. 

Das Echo in der Blogosphäre aber auch darüber hinaus fiel breit aus, es gab viele wohl meinende Ratschläge von Experten, die der jungen Generation immer wieder gerne den Weg in (ihre) Richtung weisen. Sicherlich wachsen die Bäume für junge Senkrechtstarter am Erfinderhimmel neuer Bankenmodelle a la Peer to Peer Banking nicht gleich in den Himmel.

Mein Kommentar dazu: Die breite Masse soll nicht autonom werden, sie soll weiter, und nicht nur von den Banken so bedient werden wie immer, nämlich mit gehaltloser Massenkonfektionsware, bei der nicht klar werden darf, dass sie eher den Banken und nicht dem Kunden nützt.

Nun aber kommt das große Aber: Bei allem Frust über die Banken sollten wir nicht vergessen, dass sich an den Rändern starke Gegenbewegungen und Alternativen ausbreiten. Diese werden zwar unsere Welt nicht über Nacht auf den Kopf stellen. Aber sie werden dazu führen, dass Banken allmählich einen Schritt auf den Kunden zu machen müssen. Aber der Druck von unten muss erst noch groß genug sein.

Dann aber gilt die Losung: Das „Finanzgen Y“ sucht sich trotz hohem Schmerzensgeld künftig einen Arbeitgeber, der das Web 2.0 nicht verbietet oder manipuliert.

Dies gilt zumindest für jene Finanzinstitute, die sich öffnen werden, um in zehn Jahren noch bei der jüngeren Generation zu punkten. Für den Rest empfehle ich, sich aufs Ruhepolster der eigenen Yachten zu legen, und das eigene Geld abseits der „sozialen“ Innovationsströme zu genießen.

Nein, was ich damit meine ist, dass nur jüngere Bankmanager von innen heraus neue kreative Ansätze bewirken werden, das wird einige Zeit dauern. Die Arrivierten spielen zweifellos weiterhin business as usual – und sie stärken damit das Potenzial von Massennischenmärkten. Jüngere Bankmanager werden trotz hohem Gehalt bald zu einem Unternehmen wechseln, welches das Web 2.0 nicht verbietet.

Es gibt auch ein ganz reales Kalkül dahinter: Denn die Margen im Private Banking schwinden trotzdem, auch jenseits von Bankenbashing. Und wer nicht nur von der Segelyacht aus nur ins Heckwasser blicken will, sondern künftig über die Frontscheibe nach vorne aufs offene Meer, der wäre gut beraten, die Kunden ernst zu nehmen, ein echtes Marktdifferenzierungspotenzial.

Clear up your mind – Und Social Media ist die zentrale Schaltstelle, um diesen Wandlungsprozess zu bewerkstelligen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mittelfristig könnte daraus sogar eine neue und wache „sozial-kommunikative“ Bewegung erwachsen, die den eingeschlagenen Pfad der „Generationengerechtigkeit“ mehr als in Frage stellt. Sie wird neue Wege suchen und beschreiten, und das ist auch gut so.

Die Demonstrationen der Studierenden in London vor kurzem waren ein erstes wenngleich noch wenig konsistentes Indiz dafür. Man kann der „Generation 50-plus-Premium“ nur empfehlen, nicht nur an die Bankkunden im gleichen Alter zu denken. Aber wie heißt es so schön, erst wenn der Mensch mit dem Kopf gegen die eigene geistige Wand gelaufen ist, fängt er an zu lernen.

Ich werde noch deutlicher:  Die gut gebildete Generation der unter 35-Jährigen wird nicht umhin kommen, die Spielregeln der Platzhirsche – egal aus welcher Ecke – nicht nur in Frage zu stellen, sondern energisch neue Wege zu beschreiten, will sie die legitimen Interessen ihrer Generation gewahrt wissen. Denn die gut ausgebildeten Akademiker sind bereits heute in vielen Ländern die Verlierer der Finanzkrise, durch Entzug von Bildungschancen, den „teuren“ sozialen Aufstieg, und den Wegfall von beruflichen Karrierechancen.

Junge Griechen, Portugiesen, Ungarn, Iren, Briten oder Amerikaner, sie bezahlen heute schon die Zeche der Finanzkrise. Warum sollten Spielregeln für ewig gelten, die Jahrhunderte alt sind? Das Internet ist ein gewaltiges Werkzeug, das Wirtschaft und Gesellschaft neu prägen kann. 

So könnte man sagen: Go Venessa go – don’t let you get down on your knees – es werden noch viel mehr Protagonisten auf den Plan treten, die als kreativer Unruheherd den arrivierten, aber inspirationslos eingeschlafenen Branchenspielern ordentlich einheizen. 

(Un- oder irgendwie auch doch gewollten) Rückenwind gibt es ja immerhin von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann: „Wir (Banken) können in einer parallelen Welt nicht existieren“. No more comments anymore. Es geht hier nicht um globales Bankenbashing, sondern dass Banken ihr Risikomanagement solide beherrschen müssen, um sich in der Mitte der Gesellschaft verortet zu wissen.

Ein aktuelles Update und Interview zur Entstehung und Zielrichtung des Kunstvideos „the fture of money“ gibt es via Dossierjournal.com.  Und hier noch ein paar weitere gesammelte Videoeindrücke über die interaktive Gedankenwelt der New Yorkerin Venessa Miemis: 

Und via Twitter kann man sich hier in den kleinen, pardon doch nicht ganz so kleinen Kommunikationsstrom von Venessa einklinken:

http://twitter.com/venessamiemis

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Written by lochmaier

November 29, 2010 um 7:53 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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