Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Banking 1.0 meets 2.0: Kreative Diskussion rund um zwei expansive Planeten

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Social Banking ist „in“. Institute, die soziale, ökologische oder ethische Ziele verfolgen oder stark auf das Web 2.0 setzen, erfreuen sich eines großen Zulaufs. Hier firmieren zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle unter einem gemeinsamen Namen.

Und: Beide Modelle profitieren gegenwärtig auch von der Wertediskussion nach der Finanzkrise. Mit diesen Worten kündigt sich eine Diskussionsveranstaltung an … Wie aber geht es weiter mit der Branche, die jüngst den Zusammenbruch eines Social Banking-Instituts zu verkraften hatte?

Oder anders gefragt: Welche Chancen und Risiken sind mit diesen Geschäftsmodellen verbunden? Was können konventionelle Banken von Nischenplayern lernen? Und gibt es überhaupt ein gemeinsames Verständnis über den Begriff Social Banking?

Weitere Fragen: Was erwarten die Menschen von der Branche, die bislang eher in der Nische zu Hause war? Ist die breite Masse überhaupt bereit, zugunsten des Sozialen auf Rendite zu verzichten?

Diese und noch viel mehr Fragen können Interessierte gemeinsam mit folgenden Vertretern auf dem Podium in Frankfurt am 24.11. diskutieren. Mit von der Partie sind:

  • Matthias Kröner (Vorstand FIDOR Bank AG)
  • Alexander Artopé (Geschäftsführer smava GmbH)
  • Thomas Jorberg (Vorstandssprecher GLS Gemeinschaftsbank eG)
  • Georg Schürmann (Geschäftsleiter Triodos Bank N. V. Deutschland)
  • Lothar Lochmaier (Social Banking-Experte)
  • Katharina Beck (Managing Director Institute for Social Banking e.V.)

Mehr Infos hier beim Veranstalter, bzw. auf der Webseite von Ergo Kommunikation

Und hier kommt mein kleiner Beitrag zur Diskussion, damit sie nicht zu harmonisch verläuft, sondern eine produktive Reibung unter den Beteiligten und darüber hinaus entsteht – denn nur so entsteht Fortschritt:

Die provokante These:

Öko- und Genossenschaftsbanken, aber auch die Sparkassen, sie schreiben den finanziellen sozialen Netzwerken wie Smava oder Fidor keine große Glaubwürdigkeit zu. Weil sie denken, dass dort nur Schuldner oder fehl geleitete Internetapostel vertreten sind. Die betriebwirtschaftliche Rechnung solcher vermeintlich „basisdemokratischer Finanzmodelle“ kann also ohne ideelle Werte und einen klar definierten Verwendungszweck der Mittel gar nicht aufgehen.

Die Gegenthese:

Die neuen vom Nutzer innerhalb finanzieller Gemeinschaften mitgestalteten Banken im Netz wiederum halten die Ökobanken für zu eingeschränkt im Blickwinkel: Weil sie nur den puren sozial-ökologischen Verwendungszweck im Auge haben, also letztlich zu moralisch agieren.

Sie sagen: Das ist ein hoher Anspruch, der sich in der realen Welt  kaum einlösen lässt. Geld und Moral, das passt so gut wie nie zusammen. Aber wenn man gemeinsam im Netz stärker ist als der von oben verordnete Anlegerschutz, dann besitzt dies auch einen großen „nachhaltigen“ Eigenwert, so das Credo der Social Banks 2.0.

> Sie sehen, es gibt viele Blickwinkel aufs Social Banking – deshalb hier ein kreativer Vorschlag zur Synthese der über ihre jeweiligen Heimatplaneten gleichermaßen expansiven Planetarier:

Social Banker 1.0 und 2.0 sitzen doch irgendwie (nicht immer, aber immer öfter) im gemeinsamen Boot. Denn beide Basisvarianten arbeiten daran, ein Bankmodell am Puls der Zeit und den Bedürfnissen der Gesellschaft auf die Beine zu stellen, das sozialen, ökologischen und partizipativen Interessen gleichermaßen Rechnung trägt.

Und klar ist auch, die unterschiedlichen Marktsegmente werden weiter wachsen, jedoch zunächst auf langsamen und niedrigem Niveau. Eben wie eine Schildkröte, würden jetzt manche Spötter über die „Peanuts-Ökonomie“ der Außenhorchposten in unserer kleinen Galaxie beim Social Banking 1.0 und 2.0 sagen.

So ähnlich wie es dieser Werbespot der Finanzagentur mit den vor jeder Staatsverschuldung doch so geschützten Bundesschatzbriefen und so beschreibt: 

Gesellschaftliche Umbrüche und wirtschaftlich/politische Verwerfungen werden den Wandel aber deutlich dynamisieren. Das war jetzt (m)ein fast wie vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochenes salomonisches Fazit.

Es gibt natürlich unzählige Facetten dazwischen – was bedeutet, die Diskussion um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Social Banking 1.0 versus 2.0 ist hiermit eröffnet. Kommentare und Fragen zum Einstreuen in die Runde sind ausdrücklich erwünscht.

Denn auch in der realen Welt gibt es viele Häuser mit unzähligen bunten Farben, die unterschiedliche Architekten bauen können, ohne dabei zu hoffen, das Haus des anderen möge rasch einstürzen. Die Farben des Geldes im neu entstandenen Kosmos von Social Banking, so sehe ich sie durch meine real-virtuelle Fotolinse:

Social Banking 1.0 trifft 2.0: Je mehr Farben im Mehrgenerationenhaus existieren, desto besser.

Nun zur Prognose:

Es gibt wie immer bei den orakelhaften Trendforschern mit viel Hokus Pokus drum herum zwei extreme Szenarien – und ein quasi mittleres Szenario für unsere Bürgergesellschaft. Das eine Extrem wäre das, dass Social Banking ein kleiner Nischenmarkt bleibt, der letztlich in der Finanzindustrie ohne wirkliche Bedeutung bleibt.

Die mittlere Variante wäre die, dass sich Social Banking als gleichgewichtiger Gegenpol zur konventionellen Bankenlandschaft und Finanzindustrie etabliert. Parallel dazu hält der Vertrauensverlust etablierter Institutionen (Banken, Kirche, Politik, Energiewirtschaft, Pharmaindustrie) an.

Und das letzte Szenario würde beinhalten, dass Social Banking sich im Jahre 2020 als eine neue Form des nachhaltigen und partizipativen Wirtschaftens von der Massennische in den Massenmarkt hinein transferiert. Eine erste Keimzelle der Finanzdemokratie wäre dann in Sichtweite. Dazu müssten aber unsere primär auf Konsum (und Schulden) basierenden modernen Gesellschaften den Wandel mitgehen. 

Sprich, die Gesellschaft setzt andere Wertmaßstäbe als die bislang rein auf Konsum basierenden, und die neuen Banken (Öko- und Genossenschaftsbanken, sowie Web 2.0 basierte Spieler) bilden den sozialen und wirtschaftlichen Wandel mit solide funktionierenden Geschäftsmodellen ab.

Aber auch die Mainstream-Banken bewegen sich. Das Internet bildet dabei die kreative Schnittstelle, um dem Paradigmenwandel Rechnung zu tragen.

Es gäbe natürlich noch ein weiteres Szenario, die „Chaos-Option“, in dem soziale Gegensätze zunehmen, und die Gesellschaft ziemlich aus dem Ruder läuft und sich in polarisierende Lager aufspaltet. Ihnen gefällt keine der vorgeschlagenen Varianten?   

Unrealistisches Zeug, finden Sie? Dann stimmen Sie doch jetzt ab, und drücken Sie, wie bei der Castingshow im Reality TV, nun die Nummer 1, 2, 3 (oder 4)! Oder erfinden Sie einfach selbst eine fünfte Variante …

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Written by lochmaier

November 22, 2010 um 7:58 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Hallo Herr Lochmaier,

    danke für diesen Auftakt. Wir sind gespannt auf die Details am Mittwoch.

    Eben lief auch die Pressemeldung dazu über die Ticker:

    Studie: Banken sollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen

    78 Prozent der Menschen in Deutschland erwarten, dass ihre Bank oder Sparkasse gesellschaftliche Verantwortung übernimmt – etwa durch die Förderung von ökologischen und sozialen Projekten oder durch das Angebot von nachhaltigen Anlageprodukten. 70 Prozent wünschen sich zudem ein Höchstmaß an Transparenz von ihrer Bank: Sie möchten wissen, wie und wo die Spareinlagen der Kunden angelegt oder für welche Zwecke damit Kredite vergeben werden. Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, herausgegeben von ergo Kommunikation, EVERS & JUNG und YouGovPsychonomics.

    Ein weiteres Ergebnis: Trotz hoher moralischer Ansprüche an ihr Kreditinstitut fordern 81 Prozent der Bundesbürger, ihre Bank oder Sparkasse solle möglichst das Beste für sie herausholen, etwa in Form hoher Zinsen und Renditen.

    Die komplette Studie wird am Mittwoch, 24. November, im Rahmen der Veranstaltung „Quo vadis, Social Banking?“ vorgestellt. Beginn ist um 17 Uhr (Westin Grand-Hotel, Konrad-Adenauer-Straße 7 in Frankfurt/Main). Zudem findet eine Diskussionsrunde mit führenden Branchenvertretern statt:

    – Matthias Kröner (Vorstand FIDOR Bank AG)
    – Alexander Artopé (Geschäftsführer smava GmbH)
    – Thomas Goldfuß (Bereichsleiter Vermögensberatung GLS Gemeinschaftsbank eG)
    – Georg Schürmann (Geschäftsleiter Triodos Bank N. V. Deutschland)
    – Lothar Lochmaier (Social Banking-Experte)
    – Katharina Beck (Managing Director Institute for Social Banking e.V.)

    Marco Habschick

    November 22, 2010 at 11:24 am

  2. Hi – ich bin auf jeden Fall auch dabei – dann sieht man sich ja…

    Gruß

    Daniel

    Tagesgeld News

    November 22, 2010 at 12:44 pm

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