Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Trendforschung: Was Social Banker und Investment Punks verbindet

leave a comment »

Dumm gelaufen. Bin ich nie. Denn manche der besten Dinge im Leben sind, wie die einfache Natur nämlich vollkommen gratis – und besser als jeder Wellness-Urlaub. Zum Beispiel unternahm ich neulich auf einer kleinen Insel nahe von Venedig einen längeren Herbstspaziergang und dachte nach, unter anderem auch über das Buch Investmentpunk von Gerald Hörhan – Warum Ihr schuftet und wir reich werden.

Ich wollte den Autor dazu interviewen und überlegte mir einige Fragen. Zum Beispiel, was einen Social Banker der zweiten Generation und einen Investment Punk verbinden könnte – oder sogar trennt. Starten wir diese Diskussion mit einer eher banalen Pressenotiz: Das Vertrauen der Deutschen in die soziale Marktwirtschaft ist nach einem Bericht der „Berliner Zeitung“ auf ein Rekordtief gefallen, rezitiert die FTD

Die Unzufriedenheit mit der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zeige sich danach auch am weitverbreiteten Gefühl, vom wachsenden Wohlstand ausgeschlossen zu sein, orakelt das Medium am geühlten Puls des Geldvolkes. Aha, das ist jetzt überraschend – was folgt aus solchen Meldungen?

Klar, eingeklemmt in der (un)bequemen Mittelschicht – wird man entweder zum „Investment Punk“ oder mutiert zum „Social Banker“. Oder beides. Oder man macht einfach weiter wie bisher, und schaut weg, und versucht, sein kleines Glück zu idealisieren oder festzuhalten, oder man hofft sogar immer noch darauf, es weiter ausbauen zu können.

Die Welt ist weder weiß noch schwarz, man benötigt allerdings eine hohe innere Unabhängigkeit, Selbstvertrauen, Selbstdisziplin, eine klare Strategie für die eine oder andere Variante. Und damit sind wir bei Gerald Hörhan. Er ist Investmentbanker und Investmentpunk, beide Achsen seiner Persönlichkeit lebt er voll aus.

Was unterscheidet etwa einen Francois Jozic von einem Gerald Hörhan? Diese Frage habe ich mir dabei gestellt. Beide sind etwa gleich alt. Der eine wie der andere stellt das große Spiel und das Establishment in Frage. Klingt plakativ, doch wie viel Substanz steckt bei den Mitdreißigern dahinter?

Geht der Schuss bei einem von beiden geschäftlich nach hinten los, und klappt es nicht mit der einen oder anderen Variante, dann entpuppen sich sowohl Social Banker und Investmentpunk als ein negatives Zerrbild, das die Hände aufhält, damit andere sie mit ihrem Geld befüllen.

Social Punking als negatives Klischee

Nehmen wir für dieses negative Abziehbild mal den von mir ausgewählten Hilfsbegriff „Social Punking“. Der eine – Francois Jozic – gründete im November 2009 mutig die Noa Bank, scheiterte aber trotz 300 Millionen Euro an Kundeneinlagen, die er binnen sechs Monaten generiert hatte, und zwar vor allem an sich selbst.

Ein konsistent durchdachter Plan für die Geschäftsentwicklung fehlte ihm. Sicherlich, das kann passieren, dann muss man aber rechtzeitig die Reißleine ziehen. In diesem Weblog habe ich das Scheitern der Noa Bank ausführlich und wiederholt thematisiert, ebenso wie den fulminanten Aufstieg.

Oder wie Jozic es am 18. August d.J. ausdrückte, als er sich vom Finanzsystem als Josef K. gebrandmarkt sah, und wie er sich selbst auf dem Weblog der Noa Bank nach der Insolvenz im August in Anlehnung an Franz Kafka definierte. Ein klarer Nachweis, dass der Newcomer das Opfer eines unbeweglichen Finanzsystems geworden war, steht bis heute allerdings aus.  

Ich hatte mich zuvor mehrere Male mit dem Stürmer am neuen Bankenhimmel Francois Jozic getroffen. Wir tauschten uns intensiv über sein anvisiertes Geschäftsmodell aus. Mein Feed-back war offen, konstruktiv, aber auch recht kritisch. Mir fiel einerseits zwar das enorme Potenzial und die frische Energie auf. Aber Jozic war (zu) sehr von seiner eigenen Idee überzeugt, und nahm die Umwelt drum herum nur sehr wenig wahr.

Das passiert häufig, wenn man zu selbst verliebt in die eigenen Ideen ist. Gute Ideen sind nur dann gut, wenn sie konsequent und langfristig umgesetzt werden. Gerade wer die Regeln bricht, muss die Slalomstangen genau kennen, die er zu umschiffen gedenkt, um ans andere Ufer zu gelangen. Man muss ganz akribisch arbeiten, wenn man etwas Neues schaffen will.

Diese mühselige Glücksformel gilt für Social Banker ebenso wie für Investmentpunks. Im Januar dieses Jahres sagte ich Francois Jozic, er agiere flüchtig und oberflächlich, und laufe dadurch in Gefahr, den an sich guten Social Banking-Ansatz wieder leichtfertig zu verspielen.

Den Rest erledigten wenige Monate später die Medien, die bei ihrer Berichterstattung zur Noa Bank plötzlich wie von Geisterhand gesteuert von medialen „longs“  auf die Put-Funktion und damit die Verliereroption umstöpselten. Aber handwerkliche Fehler und ein nicht konsistent aufgestelltes Managementteam verzeiht einem gerade bei einer mit ethischem Anspruch angetretenen Neugründung niemand.

Und genau deshalb halten sich konventionelle Banker gerne aus jeder moralischen Diskussion heraus. Denn das Geld hat seine eigene Sprache, und die lügt nicht. Es schlägt alles und spricht immer für denjenigen, der am längeren Hebel sitzt.

Sicherlich, ein selbst ernannter „Investment Punk“ kommt ohne die große Moraldebatte aus – und hat es insofern deutlich leichter. Aber nur, sofern er sich geschickt hinter den Kulissen hält, und von dort aus elegant seine Bahnen in der Finanzwelt dreht. Der Rest ist Privatleben. 

Und was passiert in der Mitte unserer Gesellschaft? Während Großbanken wie die Hypo Real Estate (HRE) die Euros im Milliardenrhythmus nur so durch den Schornstein jagen, und wir uns längst daran gewöhnt haben, wird der erste Fehler bei einer Social Bank auch zum Grabstein. Wehe dem Social Banker, der übersehen hat, dass irgendein Zulieferer mal irgendwann einem Atomenergielieferanten ein Stück Verpackungsplastik geliefert hat.

Nicht wenige von uns gefallen sich in einer bequemen „Scheinmoral“. Zurück bleibt ein mit vielen Hoffnungen angetretener Gründer der Noa Bank, der in den Ruch des dunklen Geschäftsgebarens geriet, auch weil er nicht disziplinziert und konsequent genug den eigenen Weg vorstrukturiert hat.

Der geistig-emotionale Mix aus einem kreativ-konstruktiven Investment Punk und einem Social Banker der zweiten Generation wäre idealtypisch betrachtet zweifellos eine wünschenswerte Option. Man benötigt  einerseits den Willen gewisse Gesetze und Regeln zu brechen, die sich gerade innerhalb der unbeweglichen Mittelschicht nur selten verorten lassen.

Aber man braucht auch das bodenständige Talent, mit ganz langweiligen Primärtugenden wie Fleiß, Disziplin und taktischem Geschick über eine längere Wegstrecke zu gehen, statt den kurzfristigen Erfolg zu suchen.  Oder wie es Investment Punk Gerald Hörhan noch deutlicher ausdrückt:

Erstens: Geld lässt sich nur durch Beharrlichkeit verdienen, fast nie über Nacht, auch wenn es manchmal so aussieht. Vermögen entstehen immer als Folge eines Prozesses, bei dem jemand, der etwas gut kann, das immer wieder tut, ausbaut, verbessert und wiederholt.

 Zweitens: Wer Geld verdienen will, muss bereit sein, gegen den Strom zu schwimmen, kreativ zu sein und sich gegen alle ökonomischen Konventionen der Mittelschicht zu stellen. Wer reich werden will, muss bereit sein, ein Investment-Punk zu sein.

Solange ihr das nicht hören wollt, wird es wenige geben, die viel haben, und viele, die nichts haben. Solange schuftet ihr, und wir werden immer reicher.

Hier geht es zum ausführlichen Interview einschließlich der Buchvorstellung, die ich auf Heise.de veröffentlicht habe. Thema: Investmentpunks suchen nach Alternativen aus dem Hamsterrad. Auch kritische Fragen, wieweit der Punk-Anstrich nur ein modisches Accessoire darstellt, sind natürlich angezeigt. Denn natürlich polarisiert der „Investment Punk“, aber man sollte das Buch gelesen haben, um sich ein fundiertes Urteil und nicht Vorurteil zu bilden.

Denn Hörhan, Jozic und andere Mittdreißiger gehören zu jener neuen Managergeneration, die ich in meinem Weblog unter folgendem Titel beschrieben habe: Money School: Wie Kinder ihren Eltern den richtigen Umgang mit Geld beibringen. 

Der Grat zwischen kometenhaftem Aufstieg zwischen Social Banker, Investment Punk und „Social Punking“ ist schmal. Dennoch rückt eine Generation mit neuer Investmentphilosophie nach. Der Österreicher Hörhan gibt sein Wissen etwa auch an der Universität an die junge Generation 2.0 weiter.

Und hier man kann sich einen persönlichen Eindruck von Gerhard Hörhan per Videointerview verschaffen (er wird übrigens gerne unterschätzt, weil er etwas nachlässig in seiner Körperhaltung daher kommt):  

Fazit: Es geht hier übrigens nicht darum, einen neuen Stern am vermeintlich alternativen Bankenhimmel das Wort zu reden. Mit dieser elitären Rolle wäre jeder einzelne Mensch überfordert. Aber der Trend ist doch interessant. In einer Fernseh-Talkrunde kann man zum Abschluß nachverfolgen, wie die mediale Speerspitze des bieder-braven Bildungsbürgertalks,  Giovanni di Lorenzo, versucht, den Investmentpunk aufs Glatteis zu locken.

Gerade die Siegertypen unter den bürgerlich Arrivierten haben übrigens nicht das geringste Interesse daran, dass die breite Masse sich ein eigenes autonomes Bewusstsein aneignet. Eine der Schlussfolgerungen könnte schließlich sein, derartigen Business-Gedöns-Runden in den ersten Reihen die Nahrungsgrundlage zu entziehen.

Ob man den Thesen von Gerhard Hörhan insgesamt folgen mag, ist neben der sozialen Stellung, die jeder selbst anhand seiner Wegweiser interpretieren sollte, auch eine persönliche Geschmacksfrage. Den Reichen ist all dies Gerede mit der Mittelschicht schon wieder „egal“. Sie ziehen ihre Konzepte ohnehin durch. Aber schauen Sie doch selbst, wie ein Investment Punk sich im Medien-Mainstream behauptet:

Advertisements

Written by lochmaier

November 18, 2010 um 8:04 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: