Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Clerical Medical, Royal London und Co: Wie man Kunden mit Garantieprodukten abzockt

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Alle schimpfen immer nur über die bösen Banken. Dabei gibt es unzählige sogenannte Kapitalgesellschaften, die ihre Kunden teilweise sogar noch dreister über den Tisch ziehen, und das nach wie vor fast völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Dazu gehören bestimmte Versicherungsprodukte ebenso wie andere angeblich renditeträchtige Kapitalanlagen. Auch ausländische Firmen mischen kräftig mit, wie Clerical Medical oder Royal London/Scottish Life, Canada Life – und viele andere mehr.

Ich habe mich mal umgehört unter den Anlegern – und einige Rückmeldungen zeigen das ganze Ausmaß der Kundenabzocke. Man darf sich nur wundern, dass manche Produkte von nicht nur einheimischen sondern auch ausländischen Anbieter überhaupt in Deutschland zugelassen sind oder waren.

Aber der Gesetzgeber schaut gerne weg, er spielt der Finanzindustrie die Trümpfe nur allzu gerne in die Hand. Die nimmt jedes Gastgeschenk dankend an. Wie gesagt, es geht hier nicht um plumpes Bankenbashing, sondern um eine nüchterne Marktanalyse ausgesprochen gravierender Missstände.

Und die Ungleichgewichte in der Wahl der Waffen sind eben gewaltig. Fangen wir mal an, denn die Liste der geschädigten Anleger ist groß. Einige e-mails haben auch mich erreicht. Die Rechtsanwälte sind gut beschäftigt, allerdings kommen solche Fälle kaum ans Licht der Welt. Meist wird es hinter den Kulissen geregelt. Außerdem schämen sich die Betroffenen, über ihre geistigen „Fehlspekulationen“ offen zu sprechen.

Clerical Medical ist auch in Deutschland stark vertreten. Mit jedem neuen Produkt wird eine Horde von „Finanzberatern“ gefüttert bis zur eigenen Bewusstlosigkeit. Dann wird sie auf die Menschheit losgelassen. 

Ziel ist es, Lebensversicherungen und andere Rentenprodukte zu verkaufen, bei denen gleich 10 bis 15 Prozent „Gebühren“ = Provisionen abgezogen werden. Kickbacks noch nicht mal mitgerechnet. Die Provisionen sind gigantisch, einige habe ich in meiner Datenbank gelistet.

Dann geht das Spiel weiter: Meist sind die Konstrukte so angelegt, dass man entweder auf einmal was einzahlt, eher aber über einen längeren Zeitraum, hohe Gebühren werden sofort abgezogen.

The finance show must go on

Wenn der Kunde nach zwei bis drei Jahren merkt, dass die Rendite (noch) nicht stimmt, Geduld – Geduld – dann ziehen die vermeintlichen Berater  den nächsten Masterplan aus der Tasche. Die switchen den Kunden einfach, wenn er zu laut reklamiert, auf eine neue Variante um, sagen, das sei noch besser als die bisherige.

Ziel: Der Kunde soll vergessen, was er irgendwann einmal einbezahlt hat. Er kann dann seine eigene Rendite nicht mehr berechnen. Und damit geht das perfide Spiel weiter, bei dem der Staat die Finanzindustrie fürstlich subventioniert. Spätestens nach ein paar Jahren, wenn überhaupt vorher der Fall, hört die ehrenwerte Gesellschaft auf, mit dem Geld produktiv zu arbeiten. 

Wer dann erst nach zehn Jahren genau nachrechnet,  der wacht böse auf. Denn die Rendite ist in der Regel auf einen deutlich zweistelligen Minusbetrag angewachsen. Nehmen wir das Beispiel  Clerical Medical Performancemaster Leben, aber es gibt unzählige andere Beispiele. Das Produkt ist an den Euro-Stoxx gekoppelt, hat nach Auflegung des Fonds vor einigen Jahren zunächst – weil der Aktienmarkt stieg – etwas zugelegt. 

Das beruhigte so manchen. Dennoch hat kaum ein Kunde je die Gewinnzone gesehen. Denn die Kosten fressen zweistellige potenzielle Zielrenditen ja sofort auf. Außerdem kann man ja den Vertrag nicht auflösen, wann man will.

Kurzum: Das volle Risiko trägt der Kunde, ohne die Gewinne zu sehen, der meist aus derartigen Verträgen kaum heraus kommt. Das ultimative Spiel endet nicht nur damit, dass die „Fondsgesellschaft“ gar nicht mehr aktiv wirtschaftet mit dem Geld.

Und der Gesetzgeber dieses seltsame Gebaren auch noch rechtlich mit deckt, dass die komplexen Vertragswerke so gestaltet sind, dass nach alter Gutsherrenart der Kunde von einer Vertragsänderung nichts versteht – denn nach wenigen Jahren sind längst neue Produkte am Markt, die eine Clerical Medical durchs Dorf treibt, die alten sind aus Machersicht inzwischen völlig uninteressant.

Wenn der Kunde dann am Ende den Vertrag auflösen möchte, dann geht die Gängelei oftmals weiter. Dann muss man oder frau beispielsweise zum Notar, eine beglaubigte notarielle Beurkundung beibringen, um nachzuweisen, dass er oder sie tatsächlich der Eigentümer der Police ist. Das ist Nervenkrieg pur. Von den Rechtsanwaltkosten, die bei einem formell richtigen Kündigungsschreiben unter Umständen anfallen, mal ganz abgesehen.

Also – es gibt auch viele ausländische Anbieter, die hierzulande ausschließlich zum eigenen Wohle agieren. Aber auch die einheimischen Lebensversicherer und „Frührentner“ sind ihr Angebot kaum wert. Garantieprodukte jeder Art, davon rieten schon Experten wie Kostolonay und Co. ab. Der Kunde schaut in die Röhre. Wer glaubt, dass er gleichzeitig Rendite und Sicherheit einfahren kann, der träumt.

Immer sitzt der Kunde am kurzen Ende der Hundeleine. Er sitzt einem Gegner mit einem ausgeprägten und perfide organisierten Rechtsapparat gegenüber, den er nie auf Augenhöhe durchblicken kann. Oder wissen Sie als Kunde von Clerical Medical und Co., in welche Bereiche ihr Geld weiter hinein fließt, was also die Gesellschaft damit treibt?

Hier noch einige Links (die Liste wäre fast endlos) mit Blick auf Clerical Medical – kurz CMI, denen eine Klagewelle in Milliardenhöhe droht:

http://www.markt-intern.de/presse/newsdetails/datum/2010/08/12/olg-muenchen-clerical-medical-gibt-bei-hebelmodellen-einfluss-auf-vertriebe-zu/

http://www.diebewertung.de/?p=8949

http://www.gutefrage.net/frage/hat-jemand-probleme-mit-policen-von-clerical-medical-im-zusammenhang-mit-hebelgeschaeften

http://www.presseanzeiger.de/meldungen/finanzen-versicherungen/297400.php  

http://www.openpr.de/news/225590/Europlan-Weitere-Klage-gegen-Clerical-Medical-und-Roebke-Partner-erhoben.html

http://www.anlegerschutzanwalt.de/?action=showfirma&fid=30&firmenname=CLERICAL%20MEDICAL    

Da wäre es doch viel besser, die Geschicke in die eigene Hand zu nehmen, dann weiß man wenigstens, wenn etwas schief geht, dass man sich selbst dafür entschieden hat. Noch besser: Sich fortlaufend zu schulen, in Eigenregie die Geldanlage zu managen – oder wenigstens einen Berater auszuwählen, der diese Bezeichnung verdient. Das aber ist reichlich schwierig.  

Fazit: Bei diesem „Clerical Medical Perish Walk“ kommen Sie nie an Ihr Ziel!

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Written by lochmaier

November 12, 2010 um 10:39 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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