Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Oktober 2010

Manöver im Orbit: Reise zum Mond und die Teflonpfanne

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Hier kommt die Sendung mit der Maus. Heute nehmen wir uns das Thema Geld vor. Was ist das? Erklären wir es den Erwachsenen doch an einem praktischen Beispiel, was die „soziale“ Bank mit der Mondlandung und der Teflonpfanne verbindet.

Quelle: weltdererfinder.de

Jetzt das Erwachsenenprogramm: Social Banking ist also keine Frage der besseren Moral, sondern misst sich an der praktischen Umsetzung. Es gilt, nicht nur auf Sparflamme zu kochen, und das geschmackvolle Menu außerdem liebevoll zuzubereiten und zu würzen.

Es bedarf dazu guter Geschäftsmodelle, die sich rechnen, aber auch glaubhaft aufgesetzt sind. Warum Social Banking (noch) nicht funktioniert? Dazu gibt es einen interessanten Leserkommentar unten auf dem Weblog Snoopsmaus:

Die Frage, die der Leser stellt, ist die hier: Lässt sich Social Banking monetarisieren? Oder müssen wir zuerst um andere Werte bei Banken werben?

Der Bankingclub hat nun eine kurze Buchrezension von „Die Bank sind wir“ vorgenommen. Etwas schmunzeln musste ich allerdings bei dem Begriff „der Autor hat sich eingearbeitet“, wo ich mich seit Jahren in Dutzenden von Fachaufsätzen mit der Banken- und Prozessinnovation befasst habe, unter anderem in der Zeitschrift „die bank“ (BdB), so auch über Peer-to-Peer-Kredite.

Das Fatale an Social Banking ist nur, dass man sich in die Zukunft nicht „einarbeiten“ kann. Mich beschleicht deshalb immer wieder das laue Gefühl, wir Deutschen bilden gerne das letzte Rad am Innovationswaggon. Und sind auch noch stolz drauf.

Wir sollten prinzipiell sehen, dass Social Banking keine Frage von theoretischen Begriffsdefinitionen darstellt, die sind übrigens in meinem Buch ausführlich in ihrer historischen Genese und Differenzierung beschrieben. Da sehe ich keinen weiteren Klärungsbedarf. Es sei denn, man gefällt sich selbst in der krittelnden Diskussionskultur. Geld ist genauso sozial wie asozial, es kommt darauf an, was man damit macht.

Es wird folglich immer, auch noch in 100 Jahren, eine konzeptionelle Widerstandslinie bei der Definitionsfrage geben. Als Vergleichsbeispiel nehme ich  den Begriff „Corporate Social Responsibility“, zunächst und immer noch ein Modebegriff. Plötzlich findet dieser Eingang ins betriebswirtschaftliche Kerngeschäft, obwohl er bislang eher in der Rubrik aufgehübschte Bilanzkosmetik verortet war. 

Was Social Banking mit Corporate Social Responsibility verbindet

Das Thema hat sich jetzt (endlich) von den Sonntagsreden zur Corporate Social Responsibility in den Alltag hinein verschoben. Und das bringt eine Menge von Herausforderungen. Angefangen vom Einkauf (Rohstoffeffizienz und Materialbeschaffung) über die Gestaltung der Wertschöpfungskette (Umweltauflagen, Energieeffizienz, green IT etc.) bis hin zum Kunden (Produktgestaltung, Vermarktung, Marktdifferenzierung) gibt es neue Themen, die das Unternehmen versucht konkret handhabbar zu machen (z.B. mit Hilfe von sinnvollen umweltbezogenen KPI’s).

Vielleicht fehlt vielen noch das Vertrauen in die Zukunft, dass sich auch bei den Banken der Schwenk in Richtung „Kundenorientierung“ jenseits von Sonntagsreden einstellt. Das kann man verstehen. Denn wie sich die Zukunft entwickelt, weiß nur derjenige, der bereit ist, sie aktiv mitzugestalten.

Die ‚to do’s“ und „don’t do’s“ sind indes klar benannt, damit aus dem Hype Social Banking, den unterschiedliche Milieus und Spieler  vorwärts treiben, allmählich am „Frontend“ des Bankgesichts eine transparentere und glaubwürdige Variante im Umgang mit dem Kunden wird.

Spannend ist für mich ohnehin jenseits von akademischen Diskussionen, bei denen ich regelmäßig einschlafe, die praktische reale Umsetzung in diesem Jahrzehnt, siehe meinen letzten Beitrag zur Deutschen Bank:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/10/08/deutsche-bank-usa-startet-social-media-revolution-sei-fahrer-und-kein-passagier/

Kurzum: Viele Branchenauguren nehmen das Thema immer noch nicht richtig ernst, weil sie den typisch deutschen Widerspruch zwischen Sozial- und Gewinorientierung als trojanisches Pferd aufbauen, um es dann als virtuelles Selbstverteidungsschild zu benutzen. That’s just boring.

Wie man aber jetzt sieht, hat selbst die Deutsche Bank das Motto meines Weblogs (Social Banking 2.0 – der Kunde übernimmt die Regie) umgesetzt, und immerhin im Bereich einer selektiven Klientel der Unternehmenskunden vorsichtig damit begonnen, den Kunden direkt in die Produktentwicklung einzubinden. Ein erster kleiner Schritt für die Menschheit … nicht mehr, nicht weniger.

Wir werden sehen, ob dieser erste Fußabdruck auf dem Mondplaneten namens Social Media einer jenseits der bloß formalen Kundenbeteiligung wird, die dann nur mit einem iPod oder iPad belohnt wird. Nichts gegen diese tollen Geräte – aber das allein wäre keine Bank auf Augenhöhe der Zeit mit dem Kunden, sondern nur die nächste virtuelle Bewusstseinsvernebelungsmaschine.

Genau darum geht es also nicht. Es gibt längst eine klare Definition von Social Banking 1.0, die sich an sozialen und ökologischen Kriterien orientiert. Ebenso von der neuen internetbasierten Variante 2.0. die ohne die große Moral- und Ethikdebatte auskommt. Beide Ansprüche sind natürlich nicht leicht einzulösen. Das Mittelmäßige ist oftmals der Feind des Guten.

Jeder Bankmitarbeiter, der mein Buch genau gelesen hat, sollte trotzdem die Segel zu neuen Ufern setzen können, ohne weiteren „Klärungsbedarf“, der letztendlich nichts anderes als eine elegant formulierte Ausflucht bedeutet, dass man sich der neuen Kundenrealität nicht zu stellen vermag.

Die Reise zum Mond wird eine spannende, aber gleichwohl für einige Beteiligte einen schmerzhaften Prozess in den kommenden Jahren darstellen, den einige Banken produktiv bewältigen. Andere wiederum werden versuchen, weiterhin durch „business as usual“ am Markt zu überleben. Gilt hier bald das Motto: Rien ne va plus?

Schafft sich da eine Branche gar ganz ab, weil sie wie ein Ertrinkender versucht, das Geschehen auf dem Rettungsboot zu kontrollieren, orakelt Finance 2.0. Fakt ist, am Ende urteilen die Kunden, sie sind gerade in ihrem internetbasierten Vernetzungsgrad die „Killerappplikation“, im produktiven wie auch im Sinne der schöpferischen Zerstörung.

Denn es wird niemals, auch nicht in zehn Jahren, eine „endgültige, verbindliche und trennscharfe Definition des Begriffes Social Banking“ geben. Dann wäre das Leben ja langweilig.

Wollen wir das wirklich, dieses soziale, technologische und betriebswirtschaftliche Phänomen „Social Banking“ aus der Mitte der Gesellschaft in einen gläsernen Kasten einsperren. Damit wir uns damit langweilen, die Vitrine immer wieder von außen glatt zu polieren?

Oder wie der Bankingclub-Redakteur Christoph Meyer es am Ende der Buchrezension zutreffend beschreibt:

 „Herausgekommen ist ein umfassendes Werk zur Zukunft von Banken mit der Kernthese, dass Selbstbestimmung und Transparenz die entscheidenden Kriterien für Kunden bei der Wahl der Bankverbindung sein werden.“

Das trifft es auf den Punkt. Um zu zeigen, dass der Trend „Social Banking“ als Konsensbegriff für eine Rückbesinnung aufs bodenständige Bankgeschäft und Investitionsverhalten sogar weiter oben bei den sogenannten Schönen und Mächtigen Gehör findet, abschließend ein Auszug aus einem Beitrag in €uro am Sonntag bzw. als Wiederabdruck auf  finanzen.net.

Der schillernde russische Milliardär Alexander Lebedew zelebriert darin ein bisschen stellvertretend für uns alle seine innere Wandlung vom Finanzsaulus zum nachhaltigen Investor:

„Ich glaube, dass Finanzmärkte Parasiten sind“, so das Urteil des Milliardärs. „Ich denke, dass der reale Sektor Produkte und Dienstleistungen kreieren kann, die das Leben der Menschen für immer verändern können.“ Er investiere in erschwinglichen Häuserbau, Grundstücke und Landwirtschaft. „Ich bin der größte Kartoffelproduzent Russlands, habe auch Vieh und Milch, ich investiere in Fluglinien, außerdem bin ich der größte Hotelbauer in der Ukraine“, betont Lebedew.

Es klingt wie der Wandel eines Finanzhais zu einem Menschen, dem Ideale wichtiger sind als Gewinne, zu einem, der etwas bewegen will. Dazu passt, dass er in letzter Zeit in defizitäre Medien investierte. Er kaufte die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“, eine der wenigen kriti­schen Zeitungen Russlands, die seit Jahren auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam macht und die Korruption im Staatsapparat anprangert.

Quelle: finanzen.net

Sicherlich wird es auch weiterhin ausschließlich an der Rendite jenseits der Wahl der richtigen Mittel orientierte Investoren geben. Die Reise zum Mond erfolgt in zwei Richtungen, wie der Spiegel-Artikel von Marc Pitzke zum kurzen Gedächtnis Amerikas eindrücklich illustriert. Nichts hat sich an der Wall Street geändert, die alten Personen ziehen erneut an den Strippen, wie die sehenswerte Filmdokumentation Inside Job beleuchtet. 

Das bedeutet, die Anreise zum Planeten namens Social Banking erfolgt von zwei Seiten, getrieben einerseits von dem kreativen Bewusstsein, wer macht was mit meinem Geld. Und im „sozialen Umkehrschluß“ gepusht vom gegenläufigen Trend des „business as usuals“ in der Finanzindustrie. 

Was also ist Social Banking? Es ist die logische Konsequenz einer historischen Weiterentwicklung aus den Lektionen der letzten Jahrzehnte, in Verbindung mit neuen Möglichkeiten der Interaktion, die vor allem der Galaxie namens Social Media entspringen. 

Social Banking ist also eine virtuelle Teflonpfanne, auf der sich so manches Spiegelei knusprig braten lässt. Man kann das zugrunde liegende Material natürlich auch dazu benutzen, es zur Aufbereitung von Atombomben zu benutzen.

Wir brauchen beides im Social (Media) Banking Universum, neue und solide Geschäftsmodelle als Alternative zur bisherigen Black Box Bank, und den gesellschaftlichen Paradigmenwandel. Aber der wird nicht wie in Deutschland üblich herbei geredet, sondern ensteht fließend.

Wir bevorzugen hier jedoch den produktiven Einsatz von Geld. Oder, wie die Deutsche Bank es jetzt in der neuen CRM-Philosophie formulieren würde: Be a driver, not just a passenger! Damit sind wir wieder bei der Sendung mit der Maus, wo Kinder den Erwachsenen die Welt erklären. Ein Bild sagt doch mehr als tausend Worte.

Denn vieles, was vor fünf Jahrzehnten zunächst nur der exklusiven „Mondforschung“ vorbehalten war, gehört heute, wie eben jene Teflon-Bratpfanne mit der genialen Beschichtung, längst zur Standardausstattung in unseren Haushalten.   



Written by lochmaier

Oktober 12, 2010 at 6:47 am

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USA: Neue Services für die geschröpften Banklosen gefragt

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Es ist eine Art von „Hundeleben“, ohne Bank in den USA. Ein Selbstversuch von Candice Choi, Personal Finance Writer bei der Nachrichtenagentur AP ergab ein erschreckendes Bild:

In all, I racked up $93 in fees in a monthlong experiment of living without a bank and making a go of it on the economic fringe. That works out to $1,100 a year just to spend my own money.

Hier naht laut financialbrand aber bereits die Rettung für die recht- und banklosen Kunden:

According to one study, the typical unbanked household in Austin pays between $230 and $918 to cash paychecks over the course of one year. Mango customers may pay as little as $10 for a one-time membership. For instance, Mango Members can “deposit” their checks into debit cards, and they can make international money transfers for $5.

Und so wird der auf Miniaturformat entrechtete Bankkunde allmählich wieder Mensch:

 

Mehr Infos auf der Webseite der Bank, oder tiefere Einsichten in das Geschäftsmodell via Netbanker.

Written by lochmaier

Oktober 11, 2010 at 12:33 pm

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Finovate Fall: Neue Eckpfeiler in der flüchtigen Bankenwelt gesucht

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Die Finovate Fall in New York letzte Woche war wieder so etwas wie das Vorzeigefenster zur Bankinnovation 2.0. Die neuesten heißen „Start ups“ werden im Eilschritt präsentiert, gehyped, und manche sterben ebenso rasch wieder, noch bevor sie das Licht der Welt so richtig erblickt haben.

Andere wiederum, wie mint.com, eine Plattform zur personalisierten Finanzbuchhaltung mit einer Facebook-Community von 63.000 Mitgliedern, setzten nachhaltige Trends für dieses Jahrzehnt, auch unter dem Blickwinkel, wie sich die Banken künftig im Netz mit dem Kunden auf Augenhöhe bewegen werden. Die Gewinner in diesem Jahr sind nun:

Betterment (www.betterment.com)

BillShrink (www.billshrink.com)

Bundle (www.bundle.com)

Dynamics Inc. (www.poweredcards.com)

oFlows (www.oflows.com)

PayNearMe (www.paynearme.com)

SecureKey Technologies (www.securekey.com)

Über die letzte Woche zuende gegangene Finovate Fall in New York empfehle ich ansonsten noch diesen Link, um sich einige Highlights anzuschauen – zu den „hot topics“ und den noch „hotteren online brands“:

http://www.mybanktracker.com/bank-news/2010/10/08/finovate-fall-2010-brings-consumerfriendly-innovations/

Im Februar 2011 wird die Finovate-Konferenz übrigens zum ersten Mal in good old europe – in London – ihre Tore aufschlagen. Social Banking 2.0 wird vor Ort sein, um zu berichten.

Written by lochmaier

Oktober 11, 2010 at 6:33 am

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Deutsche Bank USA startet Social Media Revolution: Sei Fahrer und kein Passagier!

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Are you ready to drive Deutsche Bank? Nein, diese Aufforderung stammt nicht von mir, sondern von eben jener größten Deutschen Bank. Aber lesen Sie doch selbst, im Social Media Jargon ist englisch ja ohnehin die Leitkultur:  

In October 2010 Deutsche Bank’s Global Transaction Banking division launched „Drive DB!“, a social media campaign with the aim of strengthening client engagement and giving clients a direct say in the development of the bank’s product offering.

The social media tool is by invitation only to clients of Global Transaction Banking. More about Global Transaction Banking on http://db.com/gtb. More about Deutsche Bank and Social Media on http://db.com/socialmedia.

Wir sind gespannt, wie das Projekt umgesetzt wird, hier kann man sich das Leitvideo der Macher auf Youtube anschauen:

http://www.youtube.com/watch?v=yWMoDyP9g30

Interessant ist, dass die Initiative von den USA ausgeht, und nicht von der deutschen Konzernzentrale. Offensichtlich dürfen wir hierzulande auch weiterhin diskutieren, während die relevanten Social Media Trends in den USA oder in Großbritannien gesetzt werden, und wir irgendwann wie die reumütigen Schafe hinterherlaufen.

Als konkretes Indiz verweise ich nur darauf, dass die Deutsche Bank in Deutschland bislang keine öffentliche Stellungnahme zu Social Media abgibt, meine Anfrage dazu verlief jedenfalls noch am 26. März 2010 im Sande. Der Titel meines damaligen Beitrags:

Selbstfindungsphase: Deutsche Bank lehnt Stellungnahme zur Social Media Strategie ab

Alle meine im damaligen Beitrag gestellten Fragen wären auch noch heute aktuell: Wie also sehen die bisherigen Erfahrungen der Deutschen Bank mit Social Media aus? Ich würde mich freuen, wenn die deutsche Konzernzentrale sich dazu entschließen könnte, meine Fragen wenigstens teilweise zu beantworten. Denn schließlich soll der Leser ja nicht nur Passagier sondern auch Gestalter sein.  

Fazit: Der kritisch-mäkelnde deutsche Kunde gilt wohl bislang nicht als das richtige Testfeld für eine weiter gehende Social Media Initiative. Nun ist in den USA vieles hipp und hype. Und man wird sehen, ob es tatsächlich gewünscht ist, dass die Kunden vom Passagier zum Fahrer aufrücken.

Denn die Messlatte mit dieser „Operational Social Media Excellence“ liegt natürlich hoch, so hoch, dass Begriffe wie „mit dem Kunden auf Augenhöhe kommunizieren“ bereits heute schon wieder zum abgegriffenen sozialen Klischee zu mutieren drohen. 

Sollte sich hinter der Social Media Initiative also nur eine formal-vordergründige Marketingschiene verbergen, dann tritt rasch die Desillusionierung ein, wenn am Ende der Nutzer zum Investor werden will, er sich über sein Engagement via Social Media abstrampelt, und am Ende mit ein paar iPods und Pads, oder ähnlichen Gimmicks abgespeist wird, die ihm eine völlig transparente und kollaborative Bank nur „vorspielen“.  

Aber spannend ist es zweifellos, was sich da in der interaktiven Welt der Deutschen Bank gerade jenseits von window dressing abspielt. Es lohnt sich also, das Vorhaben nicht schon im Vorfeld zu zerreden, sondern genau zu beobachten, welche produktiven Ansätze dahinter stecken, und welche neuen Kommunikationskanäle zwischen „Black Box Bank“ und dem Kunden nun aufgebaut werden.

Written by lochmaier

Oktober 8, 2010 at 7:13 am

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Das neue Markengefühl: Trau (k)einer Bank!

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Der YouGov BrandIndex ist ein Markenmonitor. Auf der Basis einer täglichen Befragung von 1000 Personen ermöglicht dieses forschungsbasierte Tool zur Markenführung tagesaktuelle Imageanalysen von über 500 Marken aus 20 Branchen. Es ist sowas wie die gefühlte gleichwohl nicht immer reale Stimmungslage in den jeweiligen Branchen.

Beispiel Banken, kaum einer liebt seine Bank. Trotz nicht weniger Enttäuschungen zögern viele Kunden die Scheidung hinaus. Denn die nächste aufgehübschte Variante einer vermeintlich krisenfesten Liebesbeziehung könnte ja noch schlechter sein. Never change a running system, even if it doesn’t work.  

Nein, so wird es nicht ewig weiterlaufen. Das Motto dieses Weblogs „Der Kunde übernimmt die Regie“ ist weit mehr als eine provokative Zukunftsvision. Es wird zur alltäglichen Realität, zumindest deutet die Boris Janek auf seinem Weblog Finance 2.0 an, indem er skizziert, wie die Deutsche Bank künftig die Kunden unmittelbar in die Produktentwicklung einbindet.

Wachen die Banken auf, lautet die von Finance 2.0 gestellte Frage. Hinter den Kulissen vielleicht schon, wie auch Finextra am Beispiel der Deutschen Bank beleuchtet: Deutsche Bank brings social media to global transaction banking with ‚Drive DB!‘ campaign. 

Verändert sich da allmählich was, weil gerade dieser nüchterne Befund kaum einen Insider wirklich freuen wird: Die Deutschen beäugen die Banken immer noch sehr genau und trauen ihnen immer weniger, zeigt die Imageanalyse auf Basis des Markenmonitors YouGov BrandIndex. Die zum Teil ohnehin bereits schwachen Imagewerte sind nochmals gesunken.

Auf Wirtschaftswoche online lässt sich genaueres dazu nachlesen. Wen trifft es am meisten? Mit aktuell -54 BrandIndex-Punkten gehört die mittlerweile zur Unicredit Group gehörende HypoVereinsbank zu den schwächsten Finanzmarken im Ranking. Das Image der Bank leide vermutlich, so die Wirtschaftswoche, noch immer unter den Vorgängen um die krisengeschüttelte Bank Hypo Real Estate (HRE).

Obwohl die HypoVereinsbank mit der verstaatlichten Immobilienbank nicht viel mehr als den Namensbestandteil „Hypo“ gemeinsam habe, reiche dies für einige Verbraucher bereits aus um eine enge Verbindung herzustellen. Fazit: Das dürfte nun wirklich kaum jemand verwundern, dass sich hier „gewisse Rückschlüsse“ ziehen lassen, die ein business-as-usual kaum realistisch erscheinen lassen.

Dirk Elsner hat auf dem Blicklog bereits skizziert, dass bei der HRE der eigentliche Skandal weniger in den hohen Bonizahlungen liegt, sondern in der einseitigen Bevorzugung von Gläubigerkreisen – und der generell nicht nachvollziehbaren Transparenz in der „Wertberichtigung“.

Zu den Verlierern im Markenindex gehören aber auch die Targobank und die Santander Consumer Bank, die beide von der Zeitschrift Finanztest als Negativbeispiele aufgeführt wurden.

Wen trifft es am wenigsten? Obwohl auch die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken aufgrund teilweise hoher Zinsen in der Kritik standen, blieben die Imagewerte der beiden Marken weitgehend von Verlusten verschont. Fazit hierzu: Nun ja, das ist eben der sichere Heimathafen, den die Deutschen sich so sehnlichst herbei wünschen.

Als einzige Privatbank spielt ansonsten nur die Direktbank Ing-Diba in der ersten Liga – sie ist laut YouGov BrandIndex derzeit sogar die beliebteste Bank der Deutschen. Traen die Deutschen also doch (k)einer Bank? Und hier noch ein Video der Erforscher des „neuen Markengefühls“:

Written by lochmaier

Oktober 8, 2010 at 6:43 am

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AachenMünchener Versicherung: Mit Geld spielt man nicht … oder doch?

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Lebensversicherungen befinden sich in der „Midlife-Crisis“ könnte man sagen, und das ist auch nachzulesen, etwa hier: Allein in den vergangenen fünf Jahren schrumpfte der Bestand an Hauptversicherungen laut Branchenverband GDV um rund 3,4 Millionen Verträge. Diese Entwicklung trifft nicht nur die Versicherungen selbst, sondern vor allem auch den Vertrieb.

Bei Agenturen, die lediglich die Produkte einer Versicherung im Angebot haben, stammen im Schnitt 30 bis 40 Prozent der Provisionseinnahmen aus der Vermittlung von Lebensversicherungen. Gelingt es den so genannten Ausschließlichkeitsagenturen nicht, alternative Zusatzeinnahmen zu erschließen, ist jede dritte in ihrer Existenz bedroht, so eine aktuelle Markteinschätzung von Steria Mummert Consulting. 

Dies lässt die Vermutung zu, dass das „Rürup-Maschmeyer-Paradigma“ ausgedient hat. Die Realität hält den Versprechungen nicht stand, beleuchtet auch das Manager Magazin. Die Rürup-Rente gibt es sowieso nicht, wenn der Begünstigte stirbt, dann erlischt der Versicherungsanspruch nämlich für den Ehepartner. Wie kann man überhaupt auf solch ein „Erfolgsmodell“ für Selbstständige kommen?

Nun auch das hier noch: Laut der aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank würden die Sorgen um die Altersversorgung zunehmen – 37 Prozent der Berufstätigen befürchten demnach eine Rentenkürzung aufgrund der Staatsverschuldung, 28 Prozent eine Entwertung ihrer Ersparnisse durch steigende Preise, lässt sich etwa hier nachlesen.

Anders ausgedrückt: Jeder fünfte Berufstätige soll im Zuge der Finanzkrise seine Vorsorge gar gekürzt oder sogar gekündigt haben. Die Verfasser der Studie sprechen von einer regelrechten „Schockstarre“. Im Osten Deutschlands sei die Entwicklung besorgniserregend, denn die dortigen Berufstätigen hätten ihre Ausgaben für die Altersvorsorge im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt um ein Viertel gekürzt, berichtet magazin-am-finanzplatz.de.
  

Szenenwechsel: Es ist der neue Stil der werblichen Darstellung in der Versicherung, die den Fernsehzuschauer anspricht, so etwa bei der AachenMünchener Versicherung  (Jahresgewinn 2009 lag bei 133,6 Mio. Euro) zur besten Sendezeit:

Letztendlich, das hat die obige Einführung gezeigt, misstrauen die Menschen mit einigem Grund den Versprechungen des Staates und der Finanzwirtschaft. Sind die „Kosten“ für die künftige Generation bereits eingepreist? Nein, wohl kaum, Geld ist nur ein bedrucktes Papier, dessen realer Tauschwert beliebig variiert. Der gesellschaftliche Paradigmenwandel lässt sich mit dem leeren Versprechen „Sorgen Sie heute für morgen vor“ nicht abbilden.

Das aber ist den Versicherungsvertretern in der Wohnstube bislang nicht zu Ohren gekommen. Und hier erklärt uns einer der „Urväter“ der neuen Versicherungsarchitektur, heute Vorstandsmitglied der MaschmeyerRürup AG, die eng mit der Politik verdrahtet ist, also der Ökonom Bert Rürup, wie es um das Preis-Leistungs-Verhältnis bestellt ist, wir müssen doch alle für das Alter vorsorgen, nicht wahr?

Vielleicht ist es doch besser, lebe heute und denke nicht an morgen, wenn die Versprechungen später nicht eintreten? Und hier tritt Maschmeyer auf, zum „Magnetismus des Geldes“:

Wer möchte, kann sich auch auf der Seite www.ihre-versicherer.de einloggen und sich dort um ein „Testimonial“ bewerben. Um sein beredtes Zeugnis abzulegen, wie gut wir es doch mit den Versicherungen meinen, oder besser sie mit uns. Das geht an der gesellschaftlichen Realität fast ebenso vorbei, wie das Projekt Stuttgart21, bei dem die Kosten aus dem Ruder laufen. Siehe dazu mein gestriger Artikel auf Heise Telepolis:

Stuttgart21: Was den Bürgerprotest mit der Finanzkrise verbindet – oder: Die seltsame Wiedergeburt der sparsamen schwäbischen Hausfrau

Seit dem 18.09.2010 sind nun einige lokal maß geschneiderte TV-Spots der Versicherungsindustrie im deutschen Fernsehen zu sehen. Zwei Tage später begann die Online-Kampagne. Auf der Website www.mitgeldspieltmannicht.de sollen sich Interessierte über die Hintergründe der Kampagne informieren und mit der AachenMünchener in den Dialog treten.

Zum Beispiel können Kunden dort die Frage beantworten, warum sie nicht mit Geld spielen. Gute Idee, beginnen wir damit, darüber nachzudenken, welche Versicherungen im Leben überhaupt wirklich Sinn machen?

Written by lochmaier

Oktober 7, 2010 at 6:52 am

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Social Lending à la Fairplace: Aussichtsreiche Emerging Markets?

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In Brasilien standen die Zeichen nach dem misslungenen Durchmarsch der neuen Präsidentschaftskandidatin auf „grün“. Dort ist auch der erste Marktplatz für Social Lending Fairplace im Frühjahr in die Betaphase gestartet.

Gerade für prosperierende Schwellenländer (so genannte Emerging Markets) wie Indien, Brasilien und China könnte diese Variante spannend sein. Wenn man natürlich davon absieht, dass es politisch-ökonomische Limitationen gibt, insbesondere im Fall des Reichs der Mitte.

Aber die aufstrebenden Nationen wie Brasilien und China prägen in zehn oder fünfzehn Jahren das Bild unserer multipolaren Weltökonomie. Schaut man sich den Markt für Mikrokredite in diesen beiden Ländern an, so wird das ungeheure Potential deutlich. Noch dazu wenn der wirtschaftliche Erfolg mit hohen Wachstumsraten anhält, spätestens dann dürften auch genug Kapitalgeber auf den Plattformen bereit stehen.

Das Problem: Es gibt andere lukrative Möglichkeiten, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Wer sich im Dschungel der Finanzen auskennt, wird hier bei Rohstoffen und anderem sicher fündig. Aber: Es fehlt im Mikrokosmos das verbindende „soziale“ Element, mit Geld einerseits etwas Sinnvolles direkt zu bewegen – und andererseits natürlich wenigstens eine marktübliche Rendite zu erzielen.

Genau diesen Spagat könnten und sollen Plattformen wie fairplace (Brasilien) oder dhanax (Indien) auflösen. Man darf gespannt sein, ob die spielerische Teilnahme von den seriösen Betreibern wie Zopa in Großbritannien oder Smava in Deutschland auf eben Brasilien oder Indien überspringt.

Kurzfristig sind hier sicherlich keine Milliardenumsätze zu erwarten, aber mittelfristig dürfte sich Social Lending etablieren. Deixa fluir, so ein brasilianisches Sprichwort, lass die Energie fließen. 

Hinter Fairplace stecken übrigens keine Amateure, sondern mit Eldes Mattiuzo ein Ex-Banker von Unibanco. Mehr über den Hintergrund der Plattform findet sich in einem Presseartikel in der Zeitschrift  Epoca. Wer nicht nur den Artikel gelesen hat, sondern auch die Leserkommentare ganz unten, wird feststellen, dass es in rechtlicher Hinsicht noch einige Unwägbarkeiten gibt.

Das größte Problem stellt sich aber global für alle Plattformbetreiber wie folgt dar: Es gilt irgendwann, sich von der Experimentierphase in die profitable Zone vorwärts zu bewegen. Denn bislang sind die Social Lending Anbieter von einer Wagniskapitalfinanzierung unterlegt, deren Initiatoren natürlich, zwar mit einiger Geduld ausgestattet, irgendwann jedoch nackte Zahlen auf der Habenseite sehen wollen.

Das wiederum könnte die Vermittlungsgebühren in die Höhe treiben, siehe dazu den Beitrag auf P2P-Banking – was die Gesamtrendite insbesondere aus Sicht der Anleger schmälert, vielleicht bei dem einen oder anderen mehr, als diesem lieb und teuer sein wird.

Fazit: So sexy das Social Lending Geschäftsmodell sich anfühlt, daraus ein über mehrere Jahre hinweg profitables und für alle Seiten faires Geschäftsmodell zu entwickeln, ist eine Sisyphos-Arbeit. Die Schließung des schwedischen Modells Loanland im September mangels kritischer Masse belegt die damit verbundenen Herausforderungen eindrücklich.

Wie dem auch sei – sinnvoll sind bei jeder Initialisierungsphase von Beginn an begleitende Nutzerforen, die ein transparentes und möglichst ungeschöntes Bild der inneren Wachstumsphase offerieren. Im Falle von Fairplace gibt es dazu bereits ein Weblog, wo man sich einige Positionen und Zahlen ansehen kann:

http://fairplace.blogspot.com/

Was bislang nicht funktionierte, das war die Internationalisierung nationaler Anbieter in andere Länder. Bestes Beispiel dafür ist Zopa, das allerdings in seinem Heimatland Großbritannien große Fortschritte macht. Denn dort gab es für Zopa kürzlich einen triftigen Grund zum Feiern. Es wurde nämlich die Marke von 100 Millionen Pfund an vergebenen Krediten überschritten. Mehr dazu „live“ und in Farbe in diesem Video von ITV London:

Written by lochmaier

Oktober 6, 2010 at 7:10 am

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Honorarberatung: Stiftung Warentest gibt positives Teilfazit ab – Kritik aus der Branche am Geschäftsmodell

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Einige Börsenanalysten sehen die Aktie der Quirin Bank nach längerer Durststrecke wieder als buy. Folgerichtig stellt sich der finanzwirtschafter die Frage, Hype oder neuer Trend? Die Stiftung Warentest bewertet in ihrem aktuellen Heft die Honorarberatung – die Quirin Bank und deren Modell schneidet demnach recht positiv ab

Die Quirin Bank freut sich auf ihrer Internetseite über den Zuspruch der Finanztester: Grundsätzlich biete die Bank nur einfache und verständliche Produkte an. Zertifikate und Optionsscheine werden kaum und wenn dann nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden ausgewählt. Ok. Quirin Bank- Gründer Karl Matthäus Schmidt betont außerdem, dass seine Mitarbeiter ergebnisoffen berieten nur und kostengünstige Produkte empfehlten.

Andere sehen dies nicht ganz so rosig. Ist das der Futterneid, oder gibt es substanzielle Kritik am Geschäftsmodell? In der Branche gibt es jedenfalls eine andere Bewertung und Gegenwind, wie sich etwa am Blogeintrag des freien Finanzberater Hannes Peterreins unschwer erkennen lässt:

Also: Wenn die Vermögensverwaltung der Quirin Bank für Herrn B. vor Kosten und Steuern eine Rendite von 7% erzielt, dann bleiben im Preismodell 1 der Quirin Bank nach Steuern und nach Kosten für Herrn B. nur noch etwa 3,13%.

Fazit: Die Quirin Bank macht die mutige Werbung, die “unbeliebteste Bank – bei den Banken zu sein”. Bei diesem Preismodell muss die Quirin Bank gut aufpassen, nicht bald auch unter Anlegern unbeleibt zu werden.

Quelle: geldanlage-finanzblog.de

Da der Beitrag einige Wellen schlug, sah sich die Quirin Bank immerhin heraus gefordert, auf dem Weblog des potentiellen „Mitbewerbers“ eine Gegenrechnung aufzumachen – die Infoplattform dasinvestment.com greift die Steilvorlage gerne auf, zur Frage: Quirin Bank zu teuer?  

Die Kernaussage: von Quirin-Banker Stefan Heine: „Last but not least möchte ich darauf hinweisen, dass Kunden, die der Quirin Bank hohe sechs- oder siebenstellige Beträge anvertrauen, auch mit prozentual niedrigeren Kosten rechnen dürfen.“

Am Ende stellt Heine noch einmal klar, dass sich seine Bank nicht darüber definiere, besonders billig zu sein. In erster Linie gehe es der Quirin Bank um Kostentransparenz, Beratungsqualität und der Vermeidung von Interessenkonflikten.  Sein Gegenüber Peterreins hat laut dasinvestment.com unterdessen angekündigt, bald auch das zweite Preismodell der Quirin Bank genauer unter die Lupe nehmen zu wollen.  

Aber verlassen wir mal diese teils ideologisch gefärbten Flügelkämpfe unter den Platzhirschen in der Branche. Warum die Honorarberatung sich bislang immer noch geringer Akzeptanz erfreut, beleuchtet der finanzwirtschafter einigermaßen nachvollziehbar: Deutsche Anleger pflegten bei ihren Anlageentscheidungen seit jeher bestimmte Eigenheiten. So wie eine mögliche Steuerersparnis traditionell das beste Verkaufsargument sei, „dürften direkte und vollständig sichtbare Kosten für Anlageberatung eher ein Totschläger sein“.

Das ganze Ausmaß der Widersprüchlichkeit in der honorar- bzw. Provisionsbasierten Kundenberatung einer Bank macht ein Beitrag im Handelsblatt deutlich:

Die Deutschen lieben die Sicherheit – und die Rendite. Zwei Dinge, die selten zueinander finden. Doch das hören Anleger nicht allzu gerne. Das Märchen des Beraters von der renditestarken und sicheren Anlage ist viel zu schön, um es anzuzweifeln.

Quelle: handelsblatt.com

Abschließend noch eine Bilanz zum Branchenkongress aus Sicht vom Verband der deutschen Honorarberater (VDH):

Wichtig ist: Die Vorteile der Beratung gegen Honorar gilt es Mandanten zunächst zu erläutern. Der Einsatz von Modellrechnungen und die Unterstützung durch eine geeignete Software ermöglichen das Veranschaulichen verschiedener Lösungsalternativen und Szenarien. Der Mandant soll so in die Lage versetzt werden, eigenständig eine faktenbasierte Entscheidung zu treffen. Zum Schluss kommen dann auch noch konkrete Lösungen zum Einsatz, die aber nicht den Mittelpunkt der Beratungsleistung ausmachen.

Quelle: VDH

Fazit: Das letzte Statement aus der Branche klingt wie vieles andere immer noch reichlich vage, weshalb nicht von einem kurzfristigen Durchbruch dieses Beratungsansatzes auszugehen ist. Oder anders ausgedrückt: Die Katze im Sacke ist niemand bereit zu kaufen, wenn man mehrere Tage benötigt um auszurechnen, welcher logistische Ansatz denn bei welchem Modell im Mix zwischen Honorarberatung und fixen Gebühren bzw. Provisionen den besten aus Kundensicht darstellt.

Written by lochmaier

Oktober 5, 2010 at 6:36 am

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Consumer Protection Agency: USA und der schleichende Bewusstseinswandel zum mündigen Bankkunden

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Wie es um den Konsumentenschutz im Land der unbegrenzten aber ziemlich rauen Möglichkeiten ist, lässt sich auch an der neu justierten Consumer Protection Agency ablesen.  Klar, es geht auch darum, den Banken genauer aus Verbrauchersicht auf die Finger und in die Karten zu schauen. Ob und wie das in den USA gelingen kann, beleuchtet US-News:

The bureau will serve as a watchdog over credit cards, mortgages, payday loans, and other products. One goal is to avoid another subprime mortgage meltdown, which economists partially blame on people signing up for mortgages that they couldn’t afford and didn’t understand.

Weiter unten wird eine spannende Frage thematisiert: 

Will the bureau place greater restrictions on lenders and, ultimately, reduce the amount of credit available to people?

Critics of the bill have argued that the bureau is more unnecessary government bureaucracy, and that consumers are capable of making smart decisions without hand-holding from the government. Prior to the bill’s passage, business groups lobbied Congress to delay approval for the new agency, arguing that it could be overly restrictive and costly. The bill’s supporters argue that the subprime mortgage meltdown demonstrates the need for such oversight and that it will help ensure a fair and competitive marketplace in which consumers make informed decisions.

Der Sache auf den tiefen, aber leider auch manchmal hohlen Backenzahn fühlt das Wallstreet Journal in einem Blogeintrag. Whatever happened to Elizabeth Warren and the Consumer Protection Agency?

To be sure, Obama used the opportunity to expound on the importance of the new agency, which will monitor credit-card fees and mortgage offerings to make sure consumers are protected from predatory lending. It all sounds like a fruitful mid-term election year accomplishment for the White House to tout. And yet, with those elections only two months away, the question that Obama didn’t answer this morning remains: What are they waiting for?

Auch Reuters Blogs beleuchten, ob es sich um einen Papier- oder Säbelzahntiger (der leider ebenso ausgestorben ist) handelt. Und die FTD proklamiert: „Der Sheriff für die Wall Street ist eine Frau“.

Fazit: Insgesamt macht das Ganze noch nicht den Eindruck, dass die USA ihrem Ruf zur Neuordnung einer allzu gefräßigen Finanzindustrie alle Ehre machen. Vieles scheint sich in den Irrungen und Wirrungen der bürokratischen Herrschaftsrituale zu verfangen und dort zu versanden.

Aber werfen Sie selbst einen Blick, wie Obama und Warren das Aufgabenprofil der neuen Oberbehörde verstehen:  

Wieweit sich aus dem USA-Modell ein Fingerabdruck für den europäischen Verbraucherschutz ergibt, bleibt abzuwarten. Psychologisch aus dem Volk unterstützt wird Elizabeth Warren jedenfalls auch aus der „Rapszene“, wie man sich musikalisch hier überzeugen kann:

Written by lochmaier

Oktober 4, 2010 at 6:53 am

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Kreativwerkstatt für intelligente Gestalter: Was ist Social Banking?

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In seiner aktuellen Ausgabe von Bankingnews hat der Bankingclub den Spielball aufgenommen und stellt die Frage: Was ist Social Banking? Gute Frage, würde jetzt ein junger Mann über und mit der Deutschen Bank sagen, während seine Frau mit dem Teddybär hin- und herschwenkt, der uns wohl unterschwellig die gesamt familiäre Verantwortung für das „Kinderzimmer“  suggerieren soll.

Was also ist nun Social Banking? Die Quadratur des Kreises, in der Gewinne und Sozialorientierung plötzlich harmonisch nebeneinander laufen? Der Bankingclub widmet sich der Preisfrage aus verschiedenen Blickwinkeln.  Neben Unschärfen im historisch unterschiedlichen Gebrauch von Social Banking 1.0 und 2.0 kommt nach Auffassung von Thorsten Hahn noch ein Missverständnis zum Tragen:

Die zweite Verwirrung im Markt ist aus meiner Sicht, dass bei den meisten Definitionsversuchen „Social“ und „Sozial“ nur ähnlich klingen, jedoch zwei Bedeutungen haben. Wenn Social Banking als der Austausch von Usern im Web bezeichnet wird, ja dann könnte man dieses von einer Bank geförderte Modell als Social Banking bezeichnen, ganz so, wie wir heute Xing, Facebook und Co auch als Social Communities bezeichnen. Mit sozial hat dies aber herzlich wenig zu tun.

Im aktuellen Heft von Bankingnews versuche ich nun gemeinsam mit Redakteur Christoph Meyer die schwierige Kopfnuss zu knacken. Aber lesen Sie selbst den ganzen Interviewtext hier, was Social Banking, Community Banking und Social Media Banking verbindet. Mein klares Fazit: „Der Rattenfänger von Hameln punktet nicht in sozialen Netzwerken.“

Und hier noch ein paar weitere kurze Ergänzungen zur Definitionsfrage: Gibt es bereits Vorreiter bzw. „Best-Practice-Modelle“? In der Tat, mittlerweile haben sich einige Vorreiter wie Smava, Fidor Bank, oder bei der ökologischen Geldanlage mit der am Markt bereits erprobten GLS Bank in Deutschland etabliert.

Aber es gibt und wird auch weiterhin Opfer und gescheiterte Experimente geben, wie die Noa Bank es eindringlich verdeutlicht. Dennoch: Über die nächsten Jahre dürften die unterschiedlichen Marktsegmente trotzdem weiter dynamisch wachsen.

Die große Revolution auf den Finanzmärkten wird allerdings ausbleiben, da das Bankgeschäft „im Backend“ ein konservatives Modell darstellt. Die Auf- und Neueinsteiger aus dem Web 2.0-Milieu müssen sich zudem über einen längeren Zeitraum als zuverlässige, profitable alternative Anlageklasse auf Basis der kollektiven Netzwerkintelligenz erweisen. Das ist nicht einfach zu realisieren, denn die Erwartungen sind von allen Seiten ziemlich hoch gesteckt.

Aber auch in der „Bank 2.0“ (nächstes Buzzword) wird sich in diesem Jahrzehnt am „User Frontend“ vieles verändern, nicht alles ist und muss nicht immer gleich mit dem Etikett Social Banking versehen sein …. ich habe die historische Abgrenzung zwischen Social Banking 1.0 und 2.0 in meinem Buch ja bewusst hergestellt.

Denn der Treiber bei der Variante 2.0 ist nicht die Sozialorientierung, sondern die Oberhoheit des Nutzers, das kann im Einzelfall auch mit „social“ gar nichts zu tun haben. Es geht eher um nützliche und pragmatische Interessenkoalitionen.

Oder anders gesagt: So würde ich die erste lose Schnittmenge zwischen Bank 2.0 und Social Banking 2.0 beschreiben: Die „Killerapplikation“ in diesem Jahrzehnt in die eine oder andere Richtung ist nicht das iPad, iPhone, die „Appologie“ – oder sonst ein sicherlich nützliches technisches Spielzeug beim Mobile Banking, sondern der Kunde selbst in seinem hohen internetbasierten Vernetzungsgrad.

Written by lochmaier

Oktober 1, 2010 at 6:48 am

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