Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Oktober 2010

Marktprognose: Sechs Millionen „Social Banker“ lügen nicht

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Der Trend in Richtung Social Banking scheint ungebrochen. Das Potenzial taxieren die Experten auf rund sechs Millionen Verbraucher. Was diese Zahl „wert“ ist, darüber am Ende des Beitrags mehr.

Die Fakten: Sowohl der Erfolg der sozial-ökologischen Banken als auch die Positionierungschancen neuer Marktteilnehmer bleiben nach Einschätzung der Marktforschung- und Unternehmensberatung zeb/ unberührt von der im Sommer 2010 erfolgten Insolvenz der Noa Bank.

Die andere Seite ist die, dass Social Banking nur dann kontinuierlich und dynamisch wächst, wenn grundlegende Spielregeln beachtet sind. Nachzulesen ist dies in einer aktuellen Presseinformation auf der Homepage der Unternehmensberatung.

Es gibt eine zentrale Zusatzbotschaft an alle erfahrenen und neuen Spieler im unübersichtlichen Markt von Social Banking – diesen „neuen Kosmos“ hatte ich bereits in meinem Buch „Die Bank sind wir“ in die grundlegenden Varianten 1.0 bzw. 2.0 einsortiert, einschließlich der recht unterschiedlich und teils heterogen gestalteten Marktsegemente.

Aus beiden Blickrichtungen der Social Banking Initiativen 1.0 und 2.0 deshalb noch einmal eine verdichtende Aussage von zeb/, zunächst mit Blick auf klassische Nachhaltigkeitsinstitute: 

Kreditinstitute, die einen solchen Ansatz gehen wollen, müssen dabei jedoch wichtige Grundregeln beachten. Gehört beispielsweise eine nachhaltige Kreditvergabe zu den geplanten neuen Aktivitäten einer Bank, muss diese hinsichtlich der erforderlichen Branchenexpertise, dem Zugang zu sozial-ökologischer Finanzierungsnachfrage und mit Blick auf eine auch starkem Einlagenzuwachs genügende Eigenkapitalbasis gründlich vorbereitet werden.

„Im späteren Bankbetrieb steht die strikte Einhaltung gemachter Leistungsversprechen im Mittelpunkt. Dies betrifft zu allererst eine transparente, nachvollziehbare Einhaltung der selbstgesetzten Mittelverwendungsstandards, um Kunden tatsächlich die versprochene ‚soziale Rendite‘ zu erfüllen“ sagt Katrin Lumma, Partnerin im zeb/.

Quelle: zeb/

Fazit: Für die neuen Spieler gelten in der Tat höhere Ansprüche als für die üblichen Branchenspieler, denen auch nach der Finanzkrise keiner so richtig in die Karten zu blicken vermag. 

Was aber kommt auf die neuen „Social Banks“ zu? Sie müssen sich nicht nur selbst harte Auflagen setzen, wie sie ideelle Ansprüche und das jeweilige Geschäftsmodell kongruent halten. Hinzu kommt auch, dass die Kunden ihren aktiven Part an der Gestaltung der Wertschöpfungskette einfordern, auch dies bedeutet eine große konzeptionelle und personelle Herausforderung.

Und damit gelten andere Monitoring- und Netzwerkkomponenenten, insbesondere bei den neuen Spielern im Social Banking 2.0, bei denen Partizipation im Vordergrund steht. Sprich, es gilt die kollektive Anlegerschaft produktiv zu organisieren und zu lenken, einschließlich der offenen Forenfunktionen und diversen Kommunikationskanäle.

Der Boden scheint dafür trotz gewisser Unwägbarkeiten aber bereitet zu sein. Ob allerdings eine Art „Social Banking Finanzaufsichtsbehörde“ Sinn macht, darauf sollte sich jeder seinen Reim machen. Mir scheinen parallele dezentral aufgestellte Monitoring-Netzwerke zu einzelnen Plattformen und Banken insgesamt die weit effektivere Variante zu sein.

Außerdem wäre es empfehlenswert, wenn generell in der Branche mehr produktive Selbststeuerung Einzug hielte, und natürlich parallel dazu auch die in- und externen Kontrollgremien ihren Job gründlich(er) erledigen.    

Was die allgemeine Marktentwicklung  von Social Banking insgesamt hemmen oder beschleunigen dürfte, ist noch ein weiteres Element:  Ein diffuser Mix zwischen Sozial- und Gewinnorientierung ist für die Anleger nur schwerlich nachvollziehbar, weshalb sich jeder Spieler klare Regeln einschließlich der Auditierungsprozesse selbst auferlegen sollte, um hier keine nebulöse Gemengelage und latente Interessenkonflikte zu generieren.

Oder anders ausgedrückt: Da, wo primär Sozial- und Umweltorientierung beim Social Banking drin steht, sollte diese Vorgabe auch konsistent eingehalten und nachprüfbar sein. Und dort, wo Partizipation via Social Media (Banking) das Zielgebiet darstellt, unter Einschluß der Gewinnorientierung, sollte die Transparenz der Rendite und die Kosten-Nutzen-Bilanz ganz oben stehen, also mit welchen Mitteln diese Marken jeweils erzielt worden sind.          

Dazu greife ich gerne einen Kommentar von Thomas Petruschke vom Institut for Social Banking (ISB) auf: „Die einzige Möglichkeit diesen iterativen Prozess in Vergabepraktiken von Banken zu internalisieren ist der verstärkte Diskurs mit den Anlegern, auch in neuen Formaten.“ Mehr dazu einschließlich der Kommentare im lesenswerten Interview mit Katharina Beck vom ISB bei Finance 2.0

Betriebswirtschaftlich rechnen müssen sich letztlich allein schon aus dem Selbsterhaltungs- bzw. Gestaltungstrieb heraus alle Modelle, ob diesseits oder jenseits der Grenzlinie zwischen Sozial-, Umwelt und Gewinnorientierung angesiedelt.

Aber: Den grundsätzlichen Aufwärtstrend von Social Banks jenseits der meist zu grobschlächtig vorgetragenen weltanschaulichen Sichtweisen sehen die Marktforscher von zeb/. als ausgesprochen intakt an.

Wie kommt man auf sechs Millionen „Social Banker“?

Also – wirklich empirisch fundiert ist die Aussage von zeb/ natürlich nicht. Es ist eher ein genialer rhetorischer Kunstgriff. Denn die international renommierten Marktforscher von Gartner haben das Marktpotenzial von Social Banking (genauer Social Lending, oder Peer-to-Peer Lending) schon vor Jahren auf „zehn Prozent“ taxiert.

Das wären übertragen auf rund 60 bis 65 Millionen erwachsene Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter eben jene rund sechs Millionen Verbraucher, deren innere Stimme nicht lügt, und die offen für neue Dienstleistungen sind, die sich mit dem Etikett Social Banking verbinden.

Aus meiner Sicht wäre natürlich eine differenzierte Sichtweise erforderlich, neben sozio-ökonomischen Faktoren treten klassische Kennzahlen hinzu. Es stellt sich zudem die Frage, wieweit Social Banking zu einer Hauptachse im Anlageverhalten der sechs Millionen potentiellen Kunden wird, oder ob es bei einer ergänzenden Geldstrategie bleibt, bei dem das Geld weiter gestreut und diversifiziert wird.

Amerikanische Vordenker wie Umair Haque stimmen uns auf das neue Zeitalter schon mal im Betterness Manifesto ein. Seine Kernaussage: „It’s a mystery why so many keep their money parked in big banks that bleed them dry through bailouts. Move your money to a better bank, a local bank, a community bank, a bank that hasn’t needed a bailout, or a totally new kind of bank, like BankSimple. Switching costs are low and the benefits are clear. “

Das Beispiel Banksimple könnte auch bei uns Schule machen. Immerhin verfügen die Bundesbürger über ein liquides Vermögen von rund 4,7 Billionen Euro. Noch einmal die selbe Größenordnung kommt an Sachwerten dazu. Was für eine Marktmacht? Aber Vorsicht, Social Banking wird dieses Potential nicht leicht heben können.

Meine Berechnungen sind also etwas weiter aufgefächert, aber die von zeb/in der Marktprognose recht grob ziseliert in den Raum gestellte „Kopfzahl“ von sechs  Millionen „Social Bankern“ weist zumindest in die richtige Richtung. Was treibt den Markt voran?

Die Auguren nicht nur von zeb/ gehen angesichts des Trends zur Social-Media-Nutzung des Weitreen von deutlich besser aufgeklärten Verbrauchern aus, denen die Banken durch eine proaktiv und authentisch geführte Web-2.0.-Kommunikation als wichtiges Werkzeug zu begegnen hätten, um vertrauensbildend auf die kritische Kundschaft zuzugehen.

Dieser „Herzdiagnose“ an unserer gelegentlich widersprüchlichen Gesellschaft gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht einem durchaus sehenswerten kleinen Video über die „virtuelle Herzdiagnostik“ in der Diagnoseklinik München, die zeigt, dass alle Spieler sehr professionell vorgehen sollten:

Written by lochmaier

Oktober 15, 2010 at 6:44 am

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Apps in der Finanzbranche: Zwischen Hype und betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit

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Brauchen wir Apps, um mit unseren Banken in Verbindung zu treten? Diese Frage thematisiert dasinvestment.com. Eine Graphik hat dem Nutzer genauer auf den Zahn der Akzeptanzkurve gefühlt.

Haupthürde für die weitere Verbreitung von Finanz-Apps, und insbesondere von Banking-Apps, seien derzeit noch Sicherheits- und Datenschutzbedenken vieler Verbraucher.

Die Spitzenreiter in der Kundenbewertung der getesteten Banking-Apps seien die Mobile Banking-App der ING-Diba, die „Meine Bank“-App der Deutschen Bank und die Cortal Consors App. 

Damit Kunden vom Hype um die Appologie profitieren bilanziert der Beitrag folgendes: Gefragt seien vor allem alltagstaugliche Funktionen und kreative Ideen, die zur eigenen Marke und zu den eigenen Kunden passten und das mobile Leben unmittelbar unterstützten.

Wenig hilfreich dagegen seien einfache ´Spielereien´ oder das blinde Verfallen in einen App-Hype. Zusatzfunktionen wie etwa ein Bußgeldrechner, ein Quiz zur Überprüfung der Erste-Hilfe-Kenntnisse oder Wetterinformationen waren dementsprechend weniger gefragt. Für die Macher also ein erstes Indiz, wo die Reise (nicht) hingeht.

Im Rahmen einer Studie wurden folgende 23 Finanz-Apps getestet:

Versicherungs-Apps: AXA-App, DKV Arztsuche, Zurich Unfallhelfer, ERGO Direkt Bußgeld Mobil, Provinzial Rheinland Erste Hilfe, DEURAG-App, DirectLine Autounfall, HUK Hilfe und KKH Impfpass.

Banken-Apps: Deutsche Bank Meine Bank, VR-Bank Online-Filiale, Sparkasse S-Finanzstatus, Commerzbank-App, Deutsche Postbank iPostbank, Sparda-Bank Mobile Banking, ING-DiBa Mobile Banking und Cortal Consors App.

Multibank und sonstige Apps: iOutBank, iOutBank Pro, Sparkasse S-Banking, iSNIVER Versicherung, biallo.de Geldanlage und Fraunhofer WIND mobile (Angebot der öffentlichen Versicherer).

Quelle: fmm-magazin.de

Die ganze Studie mit 250 Seiten kann bei der Heute und Morgen GmbH bezogen werden. Eine Kurzfassung mit 11 Seiten gibt es hier. Die aus meiner Sicht wichtigste Graphik hat mir die „Heute und Morgen GmbH“ freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Denn die Umfrage deutet an, dass rund 40 Prozent der Kunden sich gerne an der App-Entwicklung beteiligen würden (zum Vergrößern klicken):

Fazit: Der Erfolg einfacher aber gleichzeitig nutzbringender Apps ist in der Finanzbranche nicht leicht zu realisieren. Man kann sich allzu leicht damit blamieren. Wenn es nur ein netter Gimmick sein soll, so wie früher der Kugelschreiber beim Besuch in der Bankfiliale, dann reicht das nicht aus, um in der virtuellen Welt der anspruchsvollen Kundenbindung zu bestehen.

Ein recht differenzierter Fachartikel in der Zeitschrift „die bank“ stellt die Herausforderungen im Status Quo und der Umsetzung in der finanzbezogenen „Appologie“ ausführlicher dar: Smartphones – Verpassen die Banken eine Chance?  Denn immerhin bieten weniger als die Hälfte der Top-50-Banken überhaupt die kleinen Zusatzanwendungen zum Download an. 

Die nüchterne Bilanz der Autoren: Es gibt bislang kaum originelle Ansätze. Oder anders ausgedrückt: Die Funktionalitäten orientierten sich noch viel zu sehr an den klassischen Aktivitäten im Filial- bzw. Internet Banking. Das verwundert nicht, solange noch darüber diskutiert wird, ob wir Social Media überhaupt brauchen, statt zu überlegen, wie wir es sinnvoll  einsetzen.  

Gefragt sind folglich kreative Lösungen, die  weit über gängige vermeintliche Supporttools hinaus reichen. Sicherlich kann die Bank 2.0 der Zukunft damit aber zweifellos punkten, wenn hier der Kunde mit am Regiepult bei Design und Entwicklung sitzt.  Und so sieht die weltweite Verteilung der „App-Aktienanteile“ aus: 

Quelle: www.die-bank.de

Wie stelle ich mir nun ein zeitgemäßes App in der Finanzbranche vor. So wie auf dem Bild unten der Rettungskapsel „Phoenix“, die die chilenischen Bergleute nach oben transportiert hat. Ein auch den amerikanischen Präsidenten Barack Obama inspirierendes Bild sagt mehr als tausend Worte.

Apps sollten nach meiner Definition dazu beitragen, die „Black Box Bank“ – wie die geretteten chilenischen Bergkumpel – wieder ans Tageslicht zu überführen. Um im Bild zu bleiben: Zuerst blendet das Sonnenlicht, dann sehen alle mit mehr Klarheit, wie im Bergwerk gearbeitet wird, und wer wieviel Geld damit verdient. Das wäre sicherlich eine gute Idee für ein wirklich symbolträchtiges „Banken und Versicherungs-App“ … oder gibt es bessere Vorschläge?

Written by lochmaier

Oktober 14, 2010 at 7:30 am

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Kiva: Happy Birthday zum fünften Jahrestag

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Kiva www.kiva.org feiert heute seinen fünften Geburtstag, worüber viele Medien in den USA berichten, so zum Beispiel der San Francisco Chronicle. Die Facebook-Community ist inzwischen auf über 100.000 Mitglieder angewachsen.

Mikrokredite von deutlich mehr als 100 Mio. US-Dollar hat die Plattform weltweit schon ausgegeben. Es ist also die Zeit des Feierns und des Zurückschauens. Informieren über die Funktionsweise der Plattform kann man sich auch über das deutsche Portal: http://www.kiva-deutschland.org/de/

Die Zahl der kritischen Stimmen ist mittlerweile etwas abgeebbt. Das Portal schwimmt auf einer relativ breiten Sympathiewelle. Die konkreten Erfahrungen, die sich etwa hier nachlesen lassen, fallen überwiegend positiv aus.

Die sogenannten Field Partner sind Mikrofinanzinstitute und dabei entscheidend für den Erfolg von Kiva, berichtet gartentechnik.de. Sie überprüfen nämlich die Kreditanwärter vor Ort und sorgen dafür, dass sie auf der Website von Kiva erscheinen können.

Die Field Partner zahlen auch die Kredite an den Kreditnehmer aus und nehmen die Rückzahlungen entgegen. Sie stellen faktisch die Verbindung zwischen Kreditgeber, Kiva und dem Kreditnehmer her. Doch es gibt viele verschiedene Field Partner, häufig sogar mehrere in einem Land, die unterschiedliche Zielsetzungen haben.

Mittlerweile gehören auch College-Studiendarlehen zur Zielgruppe von kiva.org, berichtet die Huffington Post. Zum Geschäftsmodell: Die Plattform gehört übrigens nicht zur Riege der kommerziellen „Social Lending“ Anbieter, da das in San Francisco ansässige Unternehmen als gemeinnützige Organisation agiert.

Deshalb mehr Informationen zum Entstehen, zur Positionierung und zum Hintergrund: Der Erfolg von Kiva basiert auf dem Status als Non-Profit-Organisation in der Bereitstellung von Darlehen (Mikrokrediten) für Menschen in Ländern der Dritten Welt. Von den Kreditvolumina aus betrachtet, konnte die Plattform mit einer Summe von rund 27 Millionen US-Dollar allein von Februar bis Juli 2009 mit den etablierten Marktführern unter den kommerziellen Kreditbörsen mithalten.

Mehr noch: Der Spendenmarkt übers Netz wächst kräftig, sodass Kiva im Herbst vergangenen Jahres erstmals die Marke von 100 Millionen US-Dollar seit der Gründung überschritt. Hilfreich war dabei ein werbewirksamer Auftritt der Gründer in der Fernsehshow von Oprah Winfrey.

Zur Idee inspiriert wurden die Gründer Matt Flannery und Jessica Jackley nach einer beruflichen Reise durch Ostafrika, bei der sie erkannten, dass bereits ganz kleine Geldbeträge Kleinunternehmen als Sprungbrett in die Selbstständigkeit dienen konnten, eine Erkenntnis, auf der auch das Mikrokreditmodell der Grameen Bank basiert.

Kiva hat das Konzept der Anschubfinanzierung von Kleinbetrieben von einer relativ statischen, an eine Filialstruktur gebundenen Organisationsstruktur vollständig ins Internet verlagert. In den ersten Jahren sah sich die Plattform der Kritik ausgesetzt, eine Konkurrenz zu staatlichen Mikrofinanzorganisationen darzustellen, sowie die Kreditwürdigkeit der Mikrodarlehen von oftmals nur 100 US-Dollar nicht ausreichend geprüft zu haben.

Mittlerweile haben sich die Organisationsstrukturen deutlich professionalisiert. Auch technisch gesehen gibt es kaum mehr Hürden, eine derartige Plattform mit einer bereits bestehenden Internetpräsenz von Dritten zu verbinden. So können Nutzer auf einfache Weise mithilfe von offenen Schnittstellen (API) eigene Zusatzelemente entwerfen und Bausteine von Kiva in ihre eigene Internetpräsenz einbetten, um auf interessante Projekte aufmerksam zu machen.

Inhaltlich gibt es für Einzelpersonen keinerlei Einschränkungen, als Darlehensgeber aufzutreten. Der Geldgeber kann selbst bestimmen, welche Personen oder Projekte er fördern möchte. Das Grundprinzip der Mikrokreditvergabe bei Kiva basiert darauf, das einmal eingezahlte Geld nicht an den sozialen Investor zurückfließen zu lassen, sondern es nach erfolgter Einzelförderung weiterhin im produktiven Kreislauf wirken zu lassen und so nachfolgende Vorhaben anzustoßen.

Davon machen vor allem „Powerlender“ wie Laurent D. aus Belgien oder der US-Amerikaner mit dem Kunstnamen „Good Dogg“ regen Gebrauch. Beide haben laut offizieller Statistik vom Januar 2010 binnen weniger Jahre die erstaunliche Zahl von rund 23.000 bzw. 17.000 Krediten an kleine Existenzgründer vergeben.

Zu den namhaften Unterstützern von Kiva gehören zahlreiche große Unternehmen aus der Internetbranche wie Google, eBay und Microsoft. In der praktischen Abwicklung der bei Kiva.org gelisteten Projekte übernehmen „Field Partners“ die Auswahl der Unternehmer bzw. Kreditempfänger. Dies sind in der Regel regionale Institutionen, die sich bereits im Rahmen anderer Projekte – vor allem Partnerprojekte der Grameen Bank – ein gewisses Renommee erworben haben.

Die regionalen Gruppen agieren direkt vor Ort, indem sie von Dorf zu Dorf reisen, um die Einheimischen über die Möglichkeiten, an Mikrokredite zu gelangen, aufzuklären. Dass das gemeinnützige Unternehmen Kiva gerade von staatlichen Stellen gelegentlich als Wettbewerber angesehen wird, erscheint plausibel, tangiert es doch die bisherige oftmals monopolartige Struktur von Mikrofinanzfonds.

Fazit: Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Welt der „stationären“ und „virtuellen“ Mikrofinanzanbieter künftig entwickelt. Zu schaffen machen dem Markt wohl auch künftig immer wieder unseriöse Trittbrettfahrer, die unter dem sozialen Deckmantel der Mikrokreditvergabe immer wieder Geld in die eigenen Taschen wirtschaften möchten.

Written by lochmaier

Oktober 13, 2010 at 6:36 am

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Manöver im Orbit: Reise zum Mond und die Teflonpfanne

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Hier kommt die Sendung mit der Maus. Heute nehmen wir uns das Thema Geld vor. Was ist das? Erklären wir es den Erwachsenen doch an einem praktischen Beispiel, was die „soziale“ Bank mit der Mondlandung und der Teflonpfanne verbindet.

Quelle: weltdererfinder.de

Jetzt das Erwachsenenprogramm: Social Banking ist also keine Frage der besseren Moral, sondern misst sich an der praktischen Umsetzung. Es gilt, nicht nur auf Sparflamme zu kochen, und das geschmackvolle Menu außerdem liebevoll zuzubereiten und zu würzen.

Es bedarf dazu guter Geschäftsmodelle, die sich rechnen, aber auch glaubhaft aufgesetzt sind. Warum Social Banking (noch) nicht funktioniert? Dazu gibt es einen interessanten Leserkommentar unten auf dem Weblog Snoopsmaus:

Die Frage, die der Leser stellt, ist die hier: Lässt sich Social Banking monetarisieren? Oder müssen wir zuerst um andere Werte bei Banken werben?

Der Bankingclub hat nun eine kurze Buchrezension von „Die Bank sind wir“ vorgenommen. Etwas schmunzeln musste ich allerdings bei dem Begriff „der Autor hat sich eingearbeitet“, wo ich mich seit Jahren in Dutzenden von Fachaufsätzen mit der Banken- und Prozessinnovation befasst habe, unter anderem in der Zeitschrift „die bank“ (BdB), so auch über Peer-to-Peer-Kredite.

Das Fatale an Social Banking ist nur, dass man sich in die Zukunft nicht „einarbeiten“ kann. Mich beschleicht deshalb immer wieder das laue Gefühl, wir Deutschen bilden gerne das letzte Rad am Innovationswaggon. Und sind auch noch stolz drauf.

Wir sollten prinzipiell sehen, dass Social Banking keine Frage von theoretischen Begriffsdefinitionen darstellt, die sind übrigens in meinem Buch ausführlich in ihrer historischen Genese und Differenzierung beschrieben. Da sehe ich keinen weiteren Klärungsbedarf. Es sei denn, man gefällt sich selbst in der krittelnden Diskussionskultur. Geld ist genauso sozial wie asozial, es kommt darauf an, was man damit macht.

Es wird folglich immer, auch noch in 100 Jahren, eine konzeptionelle Widerstandslinie bei der Definitionsfrage geben. Als Vergleichsbeispiel nehme ich  den Begriff „Corporate Social Responsibility“, zunächst und immer noch ein Modebegriff. Plötzlich findet dieser Eingang ins betriebswirtschaftliche Kerngeschäft, obwohl er bislang eher in der Rubrik aufgehübschte Bilanzkosmetik verortet war. 

Was Social Banking mit Corporate Social Responsibility verbindet

Das Thema hat sich jetzt (endlich) von den Sonntagsreden zur Corporate Social Responsibility in den Alltag hinein verschoben. Und das bringt eine Menge von Herausforderungen. Angefangen vom Einkauf (Rohstoffeffizienz und Materialbeschaffung) über die Gestaltung der Wertschöpfungskette (Umweltauflagen, Energieeffizienz, green IT etc.) bis hin zum Kunden (Produktgestaltung, Vermarktung, Marktdifferenzierung) gibt es neue Themen, die das Unternehmen versucht konkret handhabbar zu machen (z.B. mit Hilfe von sinnvollen umweltbezogenen KPI’s).

Vielleicht fehlt vielen noch das Vertrauen in die Zukunft, dass sich auch bei den Banken der Schwenk in Richtung „Kundenorientierung“ jenseits von Sonntagsreden einstellt. Das kann man verstehen. Denn wie sich die Zukunft entwickelt, weiß nur derjenige, der bereit ist, sie aktiv mitzugestalten.

Die ‚to do’s“ und „don’t do’s“ sind indes klar benannt, damit aus dem Hype Social Banking, den unterschiedliche Milieus und Spieler  vorwärts treiben, allmählich am „Frontend“ des Bankgesichts eine transparentere und glaubwürdige Variante im Umgang mit dem Kunden wird.

Spannend ist für mich ohnehin jenseits von akademischen Diskussionen, bei denen ich regelmäßig einschlafe, die praktische reale Umsetzung in diesem Jahrzehnt, siehe meinen letzten Beitrag zur Deutschen Bank:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/10/08/deutsche-bank-usa-startet-social-media-revolution-sei-fahrer-und-kein-passagier/

Kurzum: Viele Branchenauguren nehmen das Thema immer noch nicht richtig ernst, weil sie den typisch deutschen Widerspruch zwischen Sozial- und Gewinorientierung als trojanisches Pferd aufbauen, um es dann als virtuelles Selbstverteidungsschild zu benutzen. That’s just boring.

Wie man aber jetzt sieht, hat selbst die Deutsche Bank das Motto meines Weblogs (Social Banking 2.0 – der Kunde übernimmt die Regie) umgesetzt, und immerhin im Bereich einer selektiven Klientel der Unternehmenskunden vorsichtig damit begonnen, den Kunden direkt in die Produktentwicklung einzubinden. Ein erster kleiner Schritt für die Menschheit … nicht mehr, nicht weniger.

Wir werden sehen, ob dieser erste Fußabdruck auf dem Mondplaneten namens Social Media einer jenseits der bloß formalen Kundenbeteiligung wird, die dann nur mit einem iPod oder iPad belohnt wird. Nichts gegen diese tollen Geräte – aber das allein wäre keine Bank auf Augenhöhe der Zeit mit dem Kunden, sondern nur die nächste virtuelle Bewusstseinsvernebelungsmaschine.

Genau darum geht es also nicht. Es gibt längst eine klare Definition von Social Banking 1.0, die sich an sozialen und ökologischen Kriterien orientiert. Ebenso von der neuen internetbasierten Variante 2.0. die ohne die große Moral- und Ethikdebatte auskommt. Beide Ansprüche sind natürlich nicht leicht einzulösen. Das Mittelmäßige ist oftmals der Feind des Guten.

Jeder Bankmitarbeiter, der mein Buch genau gelesen hat, sollte trotzdem die Segel zu neuen Ufern setzen können, ohne weiteren „Klärungsbedarf“, der letztendlich nichts anderes als eine elegant formulierte Ausflucht bedeutet, dass man sich der neuen Kundenrealität nicht zu stellen vermag.

Die Reise zum Mond wird eine spannende, aber gleichwohl für einige Beteiligte einen schmerzhaften Prozess in den kommenden Jahren darstellen, den einige Banken produktiv bewältigen. Andere wiederum werden versuchen, weiterhin durch „business as usual“ am Markt zu überleben. Gilt hier bald das Motto: Rien ne va plus?

Schafft sich da eine Branche gar ganz ab, weil sie wie ein Ertrinkender versucht, das Geschehen auf dem Rettungsboot zu kontrollieren, orakelt Finance 2.0. Fakt ist, am Ende urteilen die Kunden, sie sind gerade in ihrem internetbasierten Vernetzungsgrad die „Killerappplikation“, im produktiven wie auch im Sinne der schöpferischen Zerstörung.

Denn es wird niemals, auch nicht in zehn Jahren, eine „endgültige, verbindliche und trennscharfe Definition des Begriffes Social Banking“ geben. Dann wäre das Leben ja langweilig.

Wollen wir das wirklich, dieses soziale, technologische und betriebswirtschaftliche Phänomen „Social Banking“ aus der Mitte der Gesellschaft in einen gläsernen Kasten einsperren. Damit wir uns damit langweilen, die Vitrine immer wieder von außen glatt zu polieren?

Oder wie der Bankingclub-Redakteur Christoph Meyer es am Ende der Buchrezension zutreffend beschreibt:

 „Herausgekommen ist ein umfassendes Werk zur Zukunft von Banken mit der Kernthese, dass Selbstbestimmung und Transparenz die entscheidenden Kriterien für Kunden bei der Wahl der Bankverbindung sein werden.“

Das trifft es auf den Punkt. Um zu zeigen, dass der Trend „Social Banking“ als Konsensbegriff für eine Rückbesinnung aufs bodenständige Bankgeschäft und Investitionsverhalten sogar weiter oben bei den sogenannten Schönen und Mächtigen Gehör findet, abschließend ein Auszug aus einem Beitrag in €uro am Sonntag bzw. als Wiederabdruck auf  finanzen.net.

Der schillernde russische Milliardär Alexander Lebedew zelebriert darin ein bisschen stellvertretend für uns alle seine innere Wandlung vom Finanzsaulus zum nachhaltigen Investor:

„Ich glaube, dass Finanzmärkte Parasiten sind“, so das Urteil des Milliardärs. „Ich denke, dass der reale Sektor Produkte und Dienstleistungen kreieren kann, die das Leben der Menschen für immer verändern können.“ Er investiere in erschwinglichen Häuserbau, Grundstücke und Landwirtschaft. „Ich bin der größte Kartoffelproduzent Russlands, habe auch Vieh und Milch, ich investiere in Fluglinien, außerdem bin ich der größte Hotelbauer in der Ukraine“, betont Lebedew.

Es klingt wie der Wandel eines Finanzhais zu einem Menschen, dem Ideale wichtiger sind als Gewinne, zu einem, der etwas bewegen will. Dazu passt, dass er in letzter Zeit in defizitäre Medien investierte. Er kaufte die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“, eine der wenigen kriti­schen Zeitungen Russlands, die seit Jahren auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam macht und die Korruption im Staatsapparat anprangert.

Quelle: finanzen.net

Sicherlich wird es auch weiterhin ausschließlich an der Rendite jenseits der Wahl der richtigen Mittel orientierte Investoren geben. Die Reise zum Mond erfolgt in zwei Richtungen, wie der Spiegel-Artikel von Marc Pitzke zum kurzen Gedächtnis Amerikas eindrücklich illustriert. Nichts hat sich an der Wall Street geändert, die alten Personen ziehen erneut an den Strippen, wie die sehenswerte Filmdokumentation Inside Job beleuchtet. 

Das bedeutet, die Anreise zum Planeten namens Social Banking erfolgt von zwei Seiten, getrieben einerseits von dem kreativen Bewusstsein, wer macht was mit meinem Geld. Und im „sozialen Umkehrschluß“ gepusht vom gegenläufigen Trend des „business as usuals“ in der Finanzindustrie. 

Was also ist Social Banking? Es ist die logische Konsequenz einer historischen Weiterentwicklung aus den Lektionen der letzten Jahrzehnte, in Verbindung mit neuen Möglichkeiten der Interaktion, die vor allem der Galaxie namens Social Media entspringen. 

Social Banking ist also eine virtuelle Teflonpfanne, auf der sich so manches Spiegelei knusprig braten lässt. Man kann das zugrunde liegende Material natürlich auch dazu benutzen, es zur Aufbereitung von Atombomben zu benutzen.

Wir brauchen beides im Social (Media) Banking Universum, neue und solide Geschäftsmodelle als Alternative zur bisherigen Black Box Bank, und den gesellschaftlichen Paradigmenwandel. Aber der wird nicht wie in Deutschland üblich herbei geredet, sondern ensteht fließend.

Wir bevorzugen hier jedoch den produktiven Einsatz von Geld. Oder, wie die Deutsche Bank es jetzt in der neuen CRM-Philosophie formulieren würde: Be a driver, not just a passenger! Damit sind wir wieder bei der Sendung mit der Maus, wo Kinder den Erwachsenen die Welt erklären. Ein Bild sagt doch mehr als tausend Worte.

Denn vieles, was vor fünf Jahrzehnten zunächst nur der exklusiven „Mondforschung“ vorbehalten war, gehört heute, wie eben jene Teflon-Bratpfanne mit der genialen Beschichtung, längst zur Standardausstattung in unseren Haushalten.   



Written by lochmaier

Oktober 12, 2010 at 6:47 am

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USA: Neue Services für die geschröpften Banklosen gefragt

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Es ist eine Art von „Hundeleben“, ohne Bank in den USA. Ein Selbstversuch von Candice Choi, Personal Finance Writer bei der Nachrichtenagentur AP ergab ein erschreckendes Bild:

In all, I racked up $93 in fees in a monthlong experiment of living without a bank and making a go of it on the economic fringe. That works out to $1,100 a year just to spend my own money.

Hier naht laut financialbrand aber bereits die Rettung für die recht- und banklosen Kunden:

According to one study, the typical unbanked household in Austin pays between $230 and $918 to cash paychecks over the course of one year. Mango customers may pay as little as $10 for a one-time membership. For instance, Mango Members can “deposit” their checks into debit cards, and they can make international money transfers for $5.

Und so wird der auf Miniaturformat entrechtete Bankkunde allmählich wieder Mensch:

 

Mehr Infos auf der Webseite der Bank, oder tiefere Einsichten in das Geschäftsmodell via Netbanker.

Written by lochmaier

Oktober 11, 2010 at 12:33 pm

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Finovate Fall: Neue Eckpfeiler in der flüchtigen Bankenwelt gesucht

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Die Finovate Fall in New York letzte Woche war wieder so etwas wie das Vorzeigefenster zur Bankinnovation 2.0. Die neuesten heißen „Start ups“ werden im Eilschritt präsentiert, gehyped, und manche sterben ebenso rasch wieder, noch bevor sie das Licht der Welt so richtig erblickt haben.

Andere wiederum, wie mint.com, eine Plattform zur personalisierten Finanzbuchhaltung mit einer Facebook-Community von 63.000 Mitgliedern, setzten nachhaltige Trends für dieses Jahrzehnt, auch unter dem Blickwinkel, wie sich die Banken künftig im Netz mit dem Kunden auf Augenhöhe bewegen werden. Die Gewinner in diesem Jahr sind nun:

Betterment (www.betterment.com)

BillShrink (www.billshrink.com)

Bundle (www.bundle.com)

Dynamics Inc. (www.poweredcards.com)

oFlows (www.oflows.com)

PayNearMe (www.paynearme.com)

SecureKey Technologies (www.securekey.com)

Über die letzte Woche zuende gegangene Finovate Fall in New York empfehle ich ansonsten noch diesen Link, um sich einige Highlights anzuschauen – zu den „hot topics“ und den noch „hotteren online brands“:

http://www.mybanktracker.com/bank-news/2010/10/08/finovate-fall-2010-brings-consumerfriendly-innovations/

Im Februar 2011 wird die Finovate-Konferenz übrigens zum ersten Mal in good old europe – in London – ihre Tore aufschlagen. Social Banking 2.0 wird vor Ort sein, um zu berichten.

Written by lochmaier

Oktober 11, 2010 at 6:33 am

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Deutsche Bank USA startet Social Media Revolution: Sei Fahrer und kein Passagier!

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Are you ready to drive Deutsche Bank? Nein, diese Aufforderung stammt nicht von mir, sondern von eben jener größten Deutschen Bank. Aber lesen Sie doch selbst, im Social Media Jargon ist englisch ja ohnehin die Leitkultur:  

In October 2010 Deutsche Bank’s Global Transaction Banking division launched „Drive DB!“, a social media campaign with the aim of strengthening client engagement and giving clients a direct say in the development of the bank’s product offering.

The social media tool is by invitation only to clients of Global Transaction Banking. More about Global Transaction Banking on http://db.com/gtb. More about Deutsche Bank and Social Media on http://db.com/socialmedia.

Wir sind gespannt, wie das Projekt umgesetzt wird, hier kann man sich das Leitvideo der Macher auf Youtube anschauen:

http://www.youtube.com/watch?v=yWMoDyP9g30

Interessant ist, dass die Initiative von den USA ausgeht, und nicht von der deutschen Konzernzentrale. Offensichtlich dürfen wir hierzulande auch weiterhin diskutieren, während die relevanten Social Media Trends in den USA oder in Großbritannien gesetzt werden, und wir irgendwann wie die reumütigen Schafe hinterherlaufen.

Als konkretes Indiz verweise ich nur darauf, dass die Deutsche Bank in Deutschland bislang keine öffentliche Stellungnahme zu Social Media abgibt, meine Anfrage dazu verlief jedenfalls noch am 26. März 2010 im Sande. Der Titel meines damaligen Beitrags:

Selbstfindungsphase: Deutsche Bank lehnt Stellungnahme zur Social Media Strategie ab

Alle meine im damaligen Beitrag gestellten Fragen wären auch noch heute aktuell: Wie also sehen die bisherigen Erfahrungen der Deutschen Bank mit Social Media aus? Ich würde mich freuen, wenn die deutsche Konzernzentrale sich dazu entschließen könnte, meine Fragen wenigstens teilweise zu beantworten. Denn schließlich soll der Leser ja nicht nur Passagier sondern auch Gestalter sein.  

Fazit: Der kritisch-mäkelnde deutsche Kunde gilt wohl bislang nicht als das richtige Testfeld für eine weiter gehende Social Media Initiative. Nun ist in den USA vieles hipp und hype. Und man wird sehen, ob es tatsächlich gewünscht ist, dass die Kunden vom Passagier zum Fahrer aufrücken.

Denn die Messlatte mit dieser „Operational Social Media Excellence“ liegt natürlich hoch, so hoch, dass Begriffe wie „mit dem Kunden auf Augenhöhe kommunizieren“ bereits heute schon wieder zum abgegriffenen sozialen Klischee zu mutieren drohen. 

Sollte sich hinter der Social Media Initiative also nur eine formal-vordergründige Marketingschiene verbergen, dann tritt rasch die Desillusionierung ein, wenn am Ende der Nutzer zum Investor werden will, er sich über sein Engagement via Social Media abstrampelt, und am Ende mit ein paar iPods und Pads, oder ähnlichen Gimmicks abgespeist wird, die ihm eine völlig transparente und kollaborative Bank nur „vorspielen“.  

Aber spannend ist es zweifellos, was sich da in der interaktiven Welt der Deutschen Bank gerade jenseits von window dressing abspielt. Es lohnt sich also, das Vorhaben nicht schon im Vorfeld zu zerreden, sondern genau zu beobachten, welche produktiven Ansätze dahinter stecken, und welche neuen Kommunikationskanäle zwischen „Black Box Bank“ und dem Kunden nun aufgebaut werden.

Written by lochmaier

Oktober 8, 2010 at 7:13 am

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