Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Who (does) finance: Wie genau lassen sich Finanzberater bewerten?

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Die Süddeutsche Zeitung vergibt Noten für Bankberater.  Oder genauer gesagt, tut dies das Portal Whofinance. Und noch genauer bewerten dort die Kunden. Denn auf Internetplattformen wie www.whofinance.de können oder sollen sich kritische Verbraucher bundesweit ein umfassendes Bild über die von anderen – real existenten – Kunden bewertete Qualität einzelner Finanzberater machen.

Es ist ein erster gradueller Schritt zu mehr Transparenz in der Finanzindustrie. Dies geschieht dadurch, dass Kunden ihren jeweiligen Berater anhand eines neutralen Fragebogens bewerten, was die Transparenz bei finanziellen Anlageentscheidungen erhöhen soll. Wirklich nachprüfbar sind diese Bewertungen allerdings nicht. Beispielhaft wird die Problematik anhand der Diskussionen, die es zu meinem letzten Beitrag über die Honorarberatung auf diesem Weblog gegeben hat.

Es empfiehlt sich, insbesondere die kontroversen Einträge zwischen Quirin Bank und dem freien Finanzberater Dr. Peterreins genauer durchzulesen, denn genau daran lässt sich die Crux mit der Bewertungsermittlung und den damit verbundenen Vergleichsmaßstäben deutlich machen:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/10/05/honorarberatung-stiftung-warentest-gibt-positives-teilfazit-ab-kritik-aus-der-branche-am-geschaftsmodell/#comments   

Und:

http://www.geldanlage-finanz-blog.de/2264/quirin-bank-im-vergleich-zu-herkommlichen-finanzberatern-apfel-und-birnen/

Deshalb sollte der Gang zu einem derartigen Portal wie who (does) finance nicht als „Freibrief“ missdeutet werden, durch die Wahl des „richtigen“ Finanzberaters eine schlüssige Renditeprojektion in die Zukunft abzuleiten. Oder wie eine Leserin dieses Weblogs den schwelenden Interessenkonflikt auf den Punkt bringt:

Ich winke immer schon ab, wenn mir ein Banker oder ein Finanzberater versucht, irgendwelche Produkte zu erklären. Ich glaube es hat Methode, dass die es so kompliziert machen. Wenn man das alles schnell verstehen würde, bräuchte man ja keinen mehr, der einem die Finanzprodukte erklärt – und die wären ihren Job los.

Fazit: Ob und in welcher Form finanzielle Monitoringnetzwerke also mit Blick auf die Riege der Anlageberater einen Qualitätssprung bei der Analyse, Information und Ausführung von Anlageentscheidungen ermöglichen, wird erst die Zukunft zeigen, wenn die Angebote über einen längeren Zeitraum an Konturen und verlässlichen Erfahrungswerten gewinnen.

Ein Schritt in die richtige Richtung stellt zweifellos die nach außen dokumentierte transparente Verwendung der Mittel dar. Einen fortlaufenden Überblick über die gesammelten Einlagen und vergebenen Kredite gibt es direkt auf der Homepage einiger Banken einzusehen.

Dies dürfte aber bald schon eine Standardfunktion in der Bankenindustrie sein, die somit künftig für alle Spieler etwas an Strahlkraft verliert. Letzten Endes rücken die kreativ-soliden Verwendungsmöglichkeiten des Geldes in den Vordergrund. Und dort stehen wir vor einem Jahrzehnt, in dem es noch viel Neues zu bestaunen geben wird.

Denn wen wundert es, dass den Kunden als Bittsteller wie bei der Geliebten der persönlich-emotionale Bezug zur Herrschaft oder zur Bank irgendwann abhanden kommt, wie es ein Artikel im Bankmagazin Kunden fehlt der persönliche Bezug zu ihrer Bank nachdrücklich bestätigt und ausführt.

Deshalb  gilt es, die Produkte der Banken und Versicherungen nicht nur vordergründig bunter und illustrer zu machen, sondern tatsächlich „grüner“ und „sozialer“ auszugestalten, so dass am Ende ein „faires“ Geschäft zustande kommt. Zum fairen Deal einschlagen wäre der kleinste gemeinsame Nenner.

Das politisch vollkommen korrekte Investment für beide Seiten dürfte indes eine schwierige Gratwanderung sein: Nehmen wir also lieber die einfachere Variante: Der Berater sollte vor dem Abschluß den „Deal“ genau beschreiben, welche Vor- und Nachteile er für die eine oder andere Seite bringt. 

Noch bedenkenswerter ist der von Chris Chard via digitalavantgarde.de vorgeschlagene Ansatz, Kernelemente aus der Crowdsourcing-Philosophie via „Social Media“ auch bei den Banken Einzug halten zu lassen. Das Abstract enthält eine wichtige Botschaften.

Mit Blick auf die Finanzberater sähe dieser Kulturwandel dann so aus: „Schließlich beim einzelnen Berater, der im Kundengespräch sagt: Das Produkt, das wir uns hier anschauen, wurde direkt von unseren Kunden gewünscht und (mit)entwickelt!“   Die Realität sieht jedoch noch eher wie weiter unten beschrieben aus.

Für die Frage, wie genau lässt sich die Zunft bewerten, bedeutet dies: Erst wenn Äpfeln und Birnen nicht im selben Korb landen, lässt sich die Qualität von Finanzberatern unabhängig von werbeträchtigen Etiketten zur allgemeinen Fassadenpolitur aus Verbrauchersicht einigermaßen schlüssig und gar glaubwürdig “ amtlich deutsch testieren“.

Bis der Sankt-Nimmerleinstag näher rückt, bis dahin empfehle ich folgende Roadmap: Nämlich dass der König Kunde selbst derjenige sein soll, der das Denken ausnahmsweise mal nicht anderen überlässt, sondern dies in Eigenregie bewerkstellt. Social Banking 2.0 in seiner ursprünglichsten Variante eben.

Da werden wir in diesem kleinen Mikrokosmos in diesem Jahrzehnt noch viele neue vor allem internetbasierte Ideen und Konzepte aus den unterschiedlichsten Marktrevieren heran reifen sehen, von denen die eine oder andere irgendwann auch im betriebswirtschaftlichen Makrokosmos ankommen wird. Ob der Finanzberater der Zukunft den Namen iPad trägt, wie es finextra provokativ formuliert, überlasse ich den Lesern.

Mein salomonischer Vorschlag zum Leitmotiv, das jetzt nur die Leser unabhängig bewerten können: Who does finance – we do finance – denn die Bank sind wir! Kehren wir also die im folgenden Video von der diesjährigen Cebit via Computerwoche TV eingangs so visuell und virtuell beschriebene „Struktur- und Machtpyramide“ einfach um – created by Finanz Informatik und Sparkassenwelt:

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Written by lochmaier

Oktober 27, 2010 um 7:23 am

Veröffentlicht in Uncategorized

7 Antworten

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  1. Da sind ja Betrügern Tür und Tor geöffnet – da muss ein sehr sehr guter Mechanismus gefunden werden, wie man Betrüger bei Bewertungen erkennen und eliminieren kann – bisher scheint mir das dort noch nicht richtig zu funktionieren.

    Tagesgeld News

    Oktober 27, 2010 at 8:08 am

    • Deswegen eröffnen wir die Möglichkeit der Diskussion mit den Beratern, weil dies mehr an Eindruck liefert in Sachen Kompetenz etc. als eine anonyme Bewertung von wem auch immer…

      kroener

      Oktober 28, 2010 at 7:39 am

  2. Die Abhängigkeiten von Bewertungsplattformen
    Die hier dargestellte Plattform WhoFinance http://www.whofinance.de möchte auf der einen Seite Kunden und Berater zusammenführen, indem der Kunde die Berater im Vorfeld an Hand bereits durchgeführter Bewertungen anderer Kunden auswählt. Das Zusammenführen von Kunde und Berater lässt sich die Plattform durch den ausgewählten Berater bezahlen (rund 90,- Euro pro Kontakt). Die Frage, die ich mir hier stelle, ob die Plattform hier nicht in einer Abhängigkeit von diesen Beratern steht, denn diese zahlen ja für den Service und müssen somit immer auf dieser Plattform vertreten sein. Da sind auch allzu schlechte Bewertungen wenig hilfreich. Hier verweise ich gerne auf den Blog-Beitrag von Thomas Knüwer http://www.indiskretionehrensache.de/2010/10/qype-mydays/ der hier die Abhängigkeit von anderen Bewertungsplattformen und Ihren zahlenden Werbekunden kritisch beleuchtet. Wenn jedoch kritische Beiträge fehl am Platze sind, welchen Wert hat dann eine derartige Plattform? Was passiert mit Beratern, die die Kontaktanbahnungen nicht mehr zahlen wollen oder können? Werde diese wieder von der Plattform genommen und damit der Berater-Markt für den Kunden künstlich eingeschränkt? Hat also die Bewertungsplattform hier ihre eigene Existenzsicherung vor Augen, anstelle einer verbraucherfreundlichen Hilfestellung für den ratsuchenden Kunden?
    Eine andere Form der Beraterbewertung am Beispiel der FIDOR Bank AG
    Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der FIDOR Bank AG http://www.fidor.de . Hier können Kunden Berater selbstständig anlegen und bewerten. Für diese Tätigkeit erhalten die Kunden von der FIDOR Bank Geld. Hierbei ist erst einmal unerheblich ob der Kunde tatsächlich Kunde der Bank ist, also ob er jemals ein Bankprodukt über die Bank bezogen hat, oder ob er sich noch in dem Stadium eines „Interessenten“ auf dieser Bankplattform bewegt. Ein Finanzexperte kann selbstverständlich proaktiv sich ein Berater-Profil anlegen und somit seine Dienstleistung aus seiner Sicht darstellen. Das Einstellen eines Berater-Profils ist für den Berater kostenlos. Auf diese Weise entsteht keine Abhängigkeit zwischen den Beratern auf der einen Seite und der Bankplattform auf der anderen Seite.Nach dem Start zu Beginn des Jahres 2010 sind nun bereits über 1.500 Berater auf dieser Plattform aufgeführt, die ein Kunde bzw. Interessent bewerten kann. Übrigens ist für einen Kunden nicht ersichtlich wie viele Berater aktuell auf der WhoFinance-Plattform aufgeführt sind. In meinen Augen wird durch die Unabhängigkeit der FIDOR Bank von den aufgeführten Beratern sich diese Form der Berater-Bewertung in nächster Zeit noch deutlicher durchsetzen.
    Die Kernidee einer Bank: die Bank als Trust-Center
    Das ursprüngliche Kerngeschäft einer Bank, nämlich das Zusammenbringen von Geldanlegern auf der einen Seite und der Kreditkunden auf der anderen Seite, wird hier von der FIDOR Bank auch auf diesen Gebiet als Grundlage genommen. Die Bank bietet als Vertrauensfunktion eine Infrastruktur und eine Beobachtung (teilweise auch Regulierung) der Aktivitäten auf Ihrer Plattform. Das Zusammenbringen von Kunden und Finanzexperten bzw. die Bewertungen von Finanzexperte bietet einen Kundenmehrwert von hoher Attraktivität. Aber auch der Finanzexperte bekommt hier eine Plattform angeboten, die ihm schneller zu einer erhofften Reputation führen kann – eine Reputation, die er sonst nur mit hohem technischen bzw. finanziellen Mitteln umsetzten könnte. Somit wird die Bank ein „Trust-Center“ (selbstverständlich durch die Banklizenz auch unter staatlicher Kontrolle) auf die sich die Kunden, wie auch Finanzexperten verlassen können. Aufbauend auf dieser Vertrauensfunktion darf man gespannt sein, welche weiteren vertrauenswürdige Funktionen die FIDOR Bank Ihren Kunden bzw. Gästen auf Ihrer Plattform zukünftig anbietet.

    Dr. Lange

    Oktober 27, 2010 at 1:01 pm

  3. Ich (einer der Gründer von WhoFinance) möchte auf beide obigen Kommentare kurz reagieren.
    Die Prüfung der Bewertung ist extrem wichtig. Dies verantworten bei WhoFinance Menschen, die JEDE Bewertung vor der Veröffentlichung lesen. Es gibt ein System wie Schummeleien erkannt werden können. Dieses System wurde in der Presse auch mehrfach und ausführlich beschrieben.
    Die Unabhängigkeit als Bewertungsplattform ist ebenso wichtig wie schwierig. WhoFinance vertreibt KEINE Finanzprodukte und lässt auch KEINE Werbung von Finanzdienstleistern auf der Seite zu. Die – für den Berater kostenpflichtige – Zusammenführung von ernsthaften Kunden und ernsthaften Beratern ist in unseren Augen das fairste und sinnvollste Modell.

    Gerade durch dieses Modell gibt es keine Abhängigkeiten von Beratern. Der Verbraucher allein entscheidet, welchen Berater er kontaktieren möchte.

    WhoFinance kann es völlig egal sein, welchen Berater der Nutzer kontaktiert. (So wie es Ebay egal sein kann, bei welchem Anbieter Sie ein Produkt kaufen.)

    WhoFinance ist es wichtig, dass über Berater ein möglichst vollständiges Bild entsteht, das dem Verbraucher weiterhilft.

    Bei WhoFinance sind viele Berater zu finden, die nicht registriert sind. Die Bewertungen sind dennoch abgebildet. Kunden können diese Berater zwar nicht über die Plattform kontaktieren, die Meinungsbildung anhand von Bewertungen ist dennoch möglich.

    Eine Plattform, die eigene Produkte anbietet und selbst eine Bank ist, macht in meinen Augen als Community eine Menge Sinn, als Plattform ist dies hingegen unglaubwürdig, oder?

    Für Rückfragen erreichen Sie mich gern.

    Mustafa Behan

    Mustafa Behan

    Oktober 27, 2010 at 4:15 pm

  4. Lieber Herr Behan,

    vielen Dank für Ihre Einschätzung der Aktivitäten der FIDOR Bank.

    Bzgl. der Glaubwürdigkeit und Unglaubwürdigkeit unserer Aktivitäten lassen auch wir gerne unsere Nutzer entscheiden. Die Aktivitätszahlen zeigen uns, dass wir hier von einer hohen Akzeptanz ausgehen können.

    Um Ihnen ein wenig unsere Aktivitäten zu erklären möchte ich darauf hinweisen, dass wir selbst keinen eigenen Vertrieb haben. Das erscheint mir schon einmal sehr wichtig.

    Auch ist es in unseren Augen wichtig, eine Bank zu sein, weil wir so gewährleisten können, dass Produktideen, die die Nutzer mit uns gemeinsam diskutieren auch umsetzen können. Bedeutet: Die Community macht ihre Bankprodukte selbst. Wir sind sozusagen eine Community mit Banklizenz und das ist auch unsere Entstehungsgeschichte.

    Darüber hinaus bewerten unsere Nutzer nicht nur Berater. Dies erschien uns von Anfang an zu kurz gesprungen, denn was hilft mir eine beraterbewertung, wenn ich letztlich keine Transparenz zum Produkt habe.

    Und wir ermöglichen noch viele viele features mehr, die der Nutzer auf unserer Plattform zur Optimierung bzw. zur Hilfestellung nutzen kann. Man hat hier also den Vorteil, dass man auf einer Plattform einen rund-um-community Service bekommt und auch noch die Möglichkeit hat, eigene Produkte mit der Bank zu gestalten.

    Dabei ist eine Sache noch recht wichtig: Die wenigen Produkte, die die FIDOR bank selbst betreibt, unter anderen entstanden durch Nutzer-Hinweise, sind dem gleichen Bewertungsmechanismus unterworfen, wie alle anderen auch. Sie können sich davon gerne überzeugen.

    Ebenfalls wichtig: Neben der reinen Bewertung von beratern kann ich im Rahmen der diskussionen auch sehen, was ein berater denn fachlich so drauf hat und wie auch seine Kundenorientierung ist. Das ist also ein Erlebnis am Berater aus dem wirklichen Leben – abseits von der Vergabe von Sternchen etc. Ich denke, dass dies deutlich mehr an Eindruck hinterkläßt.

    Der Vollständgikeit sei angemerkt, dass wir auch keinen Cost per Lead vom Berater nehmen, wenn er mal einen Kontakt über unsere Plattform hat. Was ich von den ein oder anderen Beratern erfahre, ist dies durchaus der Fall. Die FIDOR bank nimmt hierfür original 0,00 Euro… – Wobei ich 90 Euro CpL echt respektabel (siehe Beitrag Dr. Lange) finde und mir überlege, ob wir das Modell nicht auch mal ändern sollten 😉

    Sehr geehrter Herr Behan, Sie sehen, wir arbeiten mit unterschiedlichen Philosophien und Ansätzen. Insofern sehe ich nur eine bedingte Vergleichbarkeit.

    Beste Grüße
    mk

    kroener

    Oktober 28, 2010 at 7:38 am

  5. Vielen Dank den beiden vorherigen Kommentatoren für die ausführlichen Erläuterungen – mir scheint, es herrscht ein großer Diskussionsbedarf, um die Bewertungsmaßstäbe zu den Finanzberatern gerade für Außenstehende nachvollziehbar, in etwa vergleichbar und transparent gleichzeitig zu machen. Insofern freue ich mich auf den weiteren konstruktiven Dialog…

    lochmaier

    Oktober 28, 2010 at 10:23 am

  6. Ein neues Portal zur Bewertung der Bankberatung durch die Kunden ist seit Mitte Sept. 2011 online:

    http://www.mybankrating.de

    Timo Schmid

    September 27, 2011 at 10:08 pm


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