Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Targobank: So geht Bank heute (nicht)

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Nachrichtensender n-tv berichtet, wie Banken mit falschen Werbeversprechen bei Ratenkrediten die Kunden gewinnen. Der Effektivzins ist nicht alles, ganz vorne bei den „Blendern“ mit dabei ist auch die Targo Bank.

Der Clou: Zum realen Effektivzins sollte man den Nominalzinssatz plus die Bearbeitungsgebühren addieren. So verlangt beispielsweise die Santander Bank 3,5 Prozent des Kreditbetrages als Bearbeitungsgebühr, Deutsche Bank, Postbank und Targo-Bank sind mit drei Prozent dabei.

Siet kurzem läuft die Werbemaschinerie bei der Targo Bank wieder auf Hochtouren.  Mehr zur Werbe- und Fernsehkampagne auch auf dem Weblog diebewertung.de. Also:  Top-Kredit zu günstigen Konditionen gefällig? Dann nehmen wir doch die mehrfach und immer wieder preisgekrönte Targobank (die hieß früher mal Citibank, do you remember?)

Wir sind ganz berauscht vom neuen Markenauftritt in den Filialen, berichtet das Bankmagazin. Wow – und noch einen Schritt weiter in der Filialvision 2.0 der Zukunft geht die Unternehmensberatung Accenture, auch das kann man im Bankmagazin nachzulesen.

Ach so – was ist jetzt eigentlich mit meinem Kredit geworden? Das Leben hält viele Überraschungen bereit, so schreibt die Targo Bank potenzielle Neukunden an. Dem stimme ich gerne zu, vor allem, wenn man sich ungeprüft auf die Beraterkompetenz der Bank verlässt. Aber weg mit dem Bauchgrummeln, es gibt ein Darlehen von 10.000 Euro für 194 Euro monatliche Rate.

Klingt super. Focus Money bestätigt in Ausgabe 12/2010: Sicherster Kredit.

Das klingt sogar bombensicher, es wären bei 60 Monaten Laufzeit bloß 6,16 Prozent effektiver Zins pro Jahr. Obendrein gibt’s zertifizierte Beratung, Flexibilitätszusage, Bestpreis-Garantie und Sicherheitspaket bei Krankheit, Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit. I am deeply impressed. 

Wollen die mir tatsächlich weissmachen, dass ich jederzeit aus dem Kredit raus kann, wenn sich mein Leben gravierend auf den Kopf stellt? Das passiert ja immer häufiger in unserer flüchtigen Gesellschaft, die sich wie ein Zitteraal durchs mit unübersehbaren Risiken gepflasterte Leben windet.

Jetzt werde ich unsicher, soll ich nicht doch nochmal nachfragen, ob irgendwer eine neutrale Bewertung dieses tollen Lockangebots zum sicheren Kredit mit „Vierfachschutz“ hat? Doch wo soll ich nachhaken, das ist hier die Preisfrage.

Was mich schon mal nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass die Targo Bank zu jenen gehört, die bei den Dispozinsen ordentlich zulangen   Da würde ich also schon mal kein Girokonto eröffnen.

Weiter geht’s mit der Recherche im Blindflug durchs Netz. Oh je – die Seite anwalt.de berichtet über einen Verbraucherkredit mit Restschuldversicherung, ein besonders perfides Instrument der Verbraucherirreführung.  Aber kein Problem – das betraf ja noch die alte Citibank, die ja hoffentlich aus der Finanzkrise und den Lehman-Zertifikaten gelernt hat, die sie ihren Kunden früher angedreht hat.

Haben die wirklich dazu gelernt? Warum drucken eigentlich die meisten „Verbraucherportale“ nur die (besten) Konditionen der Banken ab, hoffen auf möglichst viele Klicks, recherchieren kaum. Da blickt doch keiner mehr durch …

Den alten wie neuen Trend zur Undurchsichtigkeit der Angebote bestätigt auch die Infoplattform tagesgeld-news.de – und zwar am Beispiel  der AXA Bank: Nach nicht einmal 17 Tagen habe die Bank das Angebot wieder vom Markt genommen – still und heimlich. So würden (keine )guten nachhaltigen Produkte geschaffen, lässt sich nüchtern bilanzieren.

Auch bei der Citibank, die ihren Wein fortan in die Schläuche der Targobank einfüllt, sind wir gespannt auf die weitere Entwicklung, Rückverwandlung – oder kommt doch jenseits von plakativen Werbeslogans, wie die Bank heute (nicht) vorwärts geht, eine produktive Verwandlung der hierarchischen Kundenbeziehung zustande?

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Written by lochmaier

Oktober 25, 2010 um 7:05 am

Veröffentlicht in Uncategorized

5 Antworten

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  1. Lieber Autor,
    hatte Ihren Artikel mit Interesse gelesen, war eine Weiterleitung als Retweet von Fidora. Mir erschließt sich allerdings nicht, was genau Sie denn jetzt der Targobank vorwerfen. Das sie wieder Werbung macht? Das sie früher Citybank hieß?

    Wo sind die Fakten? Außer einem Seitenhieb en passant auf die Axa Bank, nichts zu lesen.

    Ich bin übrigens mitnichten ein Freund der Targobank, aber will man Mißstände anprangern, dann am besten mit einem „Minimum“ an Fakten.

    conny

    Oktober 25, 2010 at 8:52 am

  2. Liebe Leserin,

    danke für die Ausführungen. Es geht hier nicht um den Vorwurf von „Werbung“, aber das mindeste, was ich von einer Bank unabhängig von Sympathie oder Antipathie erwarte, ist dass sie den Kunden ernst nimmt und mit ihm auf Augenhöhe kommuniziert.
    Im Klartext: Das beginnt wie beim Einmal eins bei der Transparenz, genauer Kostentransparenz. Das heißt, nicht am Ende des Verkaufsgesprächs bei der Kreditvergabe geschickt die Bearbeitungsgebühren mal so nebenbei zu erwähnen. Klartext ist von Beginn des Gesprächs an gefragt, was leistet das Produkt, welche Risiken birgt es, welche Kosten zieht es nach sich, wie genau profitiert die Bank und wie der Kunde?

    Ich selbst hätte allerdings darüber hinaus noch erheblich höhere Erwartungen an die „Bank der Zukunft“, die mit dem Kunde auf Augenhöhe kooperiert. Dazu gibt es unzählige Beiträge auf diesem Weblog.

    Es geht hier also nicht um „sensationelle Enthüllungen eines Bankenskandals“, created by Targo Bank, sondern um das grundsätzliche alltägliche Vorgehen, das m.E. immer noch keine eindeutigen Signale setzt, dass hier ein scharfes Umdenken in Produktdesign und Produktvermarktung statt gefunden hat. Warum wohl?

    lochmaier

    Oktober 25, 2010 at 9:26 am

  3. Was bedeutet das nun – bekomme ich wie in der Werbung versprochen die guten und garantierten Kreditzinsen von 5,99% oder eher nicht – darauf soll es doch hinauslaufen, oder? Es wird versprochen aber evtl. nicht gehalten – also den Targobank Kredit haben ich noch in keinem Vergleich oben gesehen…

    Tagesgeld News

    Oktober 25, 2010 at 11:05 am

  4. Was war denn der Grund für den Flashmob vor der TARGOBANK Filiale?

    Tagesgeld News

    Oktober 25, 2010 at 12:25 pm

  5. Geschädigte Anleger von denen es (immer noch) jede Menge gibt, machen auf sich aufmerksam, siehe dazu auch den zweiten aktuellen Leserkommentar von oben zu den Geschehnissen im Dortmunder Stadtbezirk Hombruch:

    http://www.diebewertung.de/?p=5604

    Zitat unter dem Kommentar: 50.000 Geschädigte sind wahrlich keine Peanuts. Genau das ist das Problem, die alltägliche Praxis nimmt man kaum wahr, aber da addieren sich die kleinen Summen zum strukturellen Missstand.

    lochmaier

    Oktober 25, 2010 at 12:42 pm


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