Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Apps in der Finanzbranche: Zwischen Hype und betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit

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Brauchen wir Apps, um mit unseren Banken in Verbindung zu treten? Diese Frage thematisiert dasinvestment.com. Eine Graphik hat dem Nutzer genauer auf den Zahn der Akzeptanzkurve gefühlt.

Haupthürde für die weitere Verbreitung von Finanz-Apps, und insbesondere von Banking-Apps, seien derzeit noch Sicherheits- und Datenschutzbedenken vieler Verbraucher.

Die Spitzenreiter in der Kundenbewertung der getesteten Banking-Apps seien die Mobile Banking-App der ING-Diba, die „Meine Bank“-App der Deutschen Bank und die Cortal Consors App. 

Damit Kunden vom Hype um die Appologie profitieren bilanziert der Beitrag folgendes: Gefragt seien vor allem alltagstaugliche Funktionen und kreative Ideen, die zur eigenen Marke und zu den eigenen Kunden passten und das mobile Leben unmittelbar unterstützten.

Wenig hilfreich dagegen seien einfache ´Spielereien´ oder das blinde Verfallen in einen App-Hype. Zusatzfunktionen wie etwa ein Bußgeldrechner, ein Quiz zur Überprüfung der Erste-Hilfe-Kenntnisse oder Wetterinformationen waren dementsprechend weniger gefragt. Für die Macher also ein erstes Indiz, wo die Reise (nicht) hingeht.

Im Rahmen einer Studie wurden folgende 23 Finanz-Apps getestet:

Versicherungs-Apps: AXA-App, DKV Arztsuche, Zurich Unfallhelfer, ERGO Direkt Bußgeld Mobil, Provinzial Rheinland Erste Hilfe, DEURAG-App, DirectLine Autounfall, HUK Hilfe und KKH Impfpass.

Banken-Apps: Deutsche Bank Meine Bank, VR-Bank Online-Filiale, Sparkasse S-Finanzstatus, Commerzbank-App, Deutsche Postbank iPostbank, Sparda-Bank Mobile Banking, ING-DiBa Mobile Banking und Cortal Consors App.

Multibank und sonstige Apps: iOutBank, iOutBank Pro, Sparkasse S-Banking, iSNIVER Versicherung, biallo.de Geldanlage und Fraunhofer WIND mobile (Angebot der öffentlichen Versicherer).

Quelle: fmm-magazin.de

Die ganze Studie mit 250 Seiten kann bei der Heute und Morgen GmbH bezogen werden. Eine Kurzfassung mit 11 Seiten gibt es hier. Die aus meiner Sicht wichtigste Graphik hat mir die „Heute und Morgen GmbH“ freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Denn die Umfrage deutet an, dass rund 40 Prozent der Kunden sich gerne an der App-Entwicklung beteiligen würden (zum Vergrößern klicken):

Fazit: Der Erfolg einfacher aber gleichzeitig nutzbringender Apps ist in der Finanzbranche nicht leicht zu realisieren. Man kann sich allzu leicht damit blamieren. Wenn es nur ein netter Gimmick sein soll, so wie früher der Kugelschreiber beim Besuch in der Bankfiliale, dann reicht das nicht aus, um in der virtuellen Welt der anspruchsvollen Kundenbindung zu bestehen.

Ein recht differenzierter Fachartikel in der Zeitschrift „die bank“ stellt die Herausforderungen im Status Quo und der Umsetzung in der finanzbezogenen „Appologie“ ausführlicher dar: Smartphones – Verpassen die Banken eine Chance?  Denn immerhin bieten weniger als die Hälfte der Top-50-Banken überhaupt die kleinen Zusatzanwendungen zum Download an. 

Die nüchterne Bilanz der Autoren: Es gibt bislang kaum originelle Ansätze. Oder anders ausgedrückt: Die Funktionalitäten orientierten sich noch viel zu sehr an den klassischen Aktivitäten im Filial- bzw. Internet Banking. Das verwundert nicht, solange noch darüber diskutiert wird, ob wir Social Media überhaupt brauchen, statt zu überlegen, wie wir es sinnvoll  einsetzen.  

Gefragt sind folglich kreative Lösungen, die  weit über gängige vermeintliche Supporttools hinaus reichen. Sicherlich kann die Bank 2.0 der Zukunft damit aber zweifellos punkten, wenn hier der Kunde mit am Regiepult bei Design und Entwicklung sitzt.  Und so sieht die weltweite Verteilung der „App-Aktienanteile“ aus: 

Quelle: www.die-bank.de

Wie stelle ich mir nun ein zeitgemäßes App in der Finanzbranche vor. So wie auf dem Bild unten der Rettungskapsel „Phoenix“, die die chilenischen Bergleute nach oben transportiert hat. Ein auch den amerikanischen Präsidenten Barack Obama inspirierendes Bild sagt mehr als tausend Worte.

Apps sollten nach meiner Definition dazu beitragen, die „Black Box Bank“ – wie die geretteten chilenischen Bergkumpel – wieder ans Tageslicht zu überführen. Um im Bild zu bleiben: Zuerst blendet das Sonnenlicht, dann sehen alle mit mehr Klarheit, wie im Bergwerk gearbeitet wird, und wer wieviel Geld damit verdient. Das wäre sicherlich eine gute Idee für ein wirklich symbolträchtiges „Banken und Versicherungs-App“ … oder gibt es bessere Vorschläge?

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Written by lochmaier

Oktober 14, 2010 um 7:30 am

Veröffentlicht in Uncategorized

4 Antworten

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  1. […] Social Banking 2.0: Apps in der Finanzbranche: Zwischen Hype und betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit […]

  2. Ich persönlich kann mir gar nicht vorstellen, eine App fürs Banking zu nutzen. Denn zumindest bei mir persönlich gibt es keinen Bedarf. Zumal man auch keinen Vorteil davon hat, wenn man eine Überweisung bspw. um 12 Uhr Mittags tätigt, statt sie abends zu tätigen. Das Geld ist ja trotzdem nicht sofort auf dem Konto des Empfängers. Ich denke, da gibt es nur einen ganz kleinen Kundenkreis, der so eine App wirklich brauchen und nutzen würde. Oder irre ich?

    Nils

    Oktober 17, 2010 at 8:15 am

  3. Lieber Herr Lochmaier,
    Sie schaffen es immer wieder, Themen aufzugreifen, die mich auch gerade beschäftigen. Mich würde auch das Nutzungsverhalten interessieren – man kriegt ja immer nur Download-Zahlen, aber wie häufig nutzen die User dann die App? Bei Mobile Banking ist es klar, aber zum Beispiel die Biallo-App? Einmal, wiel gerade Infobedarf für aktuelle Zinsen da ist? Oder regelmäßig?
    Und eine App, die ich pesönlich für sehr sinnvoll halte, die leider nicht erwähnt wurde (wahrscheinlich weil sie noch recht frisch am Markt ist): die Sortenbestellung der Reisebank, genannt (muss ja alles toll und englisch klingen ….) Travel Cash. Mir geht es immer so, dass ich für Fernreisen vergesse, rechtzeitig Geld umzutauschen – so kann ich es direkt, wenn es mir einfällt, und muss mir nicht Erinnerungszettel schreiben, um zuhause am PC zu bestellen …
    Gruß Anette Rehm

    Anette Rehm

    Oktober 17, 2010 at 2:14 pm

  4. Guten Tag Herr Lochmaier,
    da das Thema Apps und Banking in der letzten Zeit immer interessanter wurde, hab ich gespannt Ihren Beitrag gelesen. Auch für mich ist diesen Thema sehr interessant, da ich selbst Banking-Apps nutze und dies auch möchte.
    Zwei Jahre später ist es mit den Banking und Finanz-Apps noch ähnlich, sie sind noch nicht wirklich weiterentwickelt und auch noch nicht groß an den Kunden angepasst. Trotz allem sind sie sehr praktisch.

    Vielen Danke für den aufschlussreichen Beitrag!
    Grüße, Theodor

    Theodor

    Februar 20, 2013 at 10:32 am


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