Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Kiva: Happy Birthday zum fünften Jahrestag

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Kiva www.kiva.org feiert heute seinen fünften Geburtstag, worüber viele Medien in den USA berichten, so zum Beispiel der San Francisco Chronicle. Die Facebook-Community ist inzwischen auf über 100.000 Mitglieder angewachsen.

Mikrokredite von deutlich mehr als 100 Mio. US-Dollar hat die Plattform weltweit schon ausgegeben. Es ist also die Zeit des Feierns und des Zurückschauens. Informieren über die Funktionsweise der Plattform kann man sich auch über das deutsche Portal: http://www.kiva-deutschland.org/de/

Die Zahl der kritischen Stimmen ist mittlerweile etwas abgeebbt. Das Portal schwimmt auf einer relativ breiten Sympathiewelle. Die konkreten Erfahrungen, die sich etwa hier nachlesen lassen, fallen überwiegend positiv aus.

Die sogenannten Field Partner sind Mikrofinanzinstitute und dabei entscheidend für den Erfolg von Kiva, berichtet gartentechnik.de. Sie überprüfen nämlich die Kreditanwärter vor Ort und sorgen dafür, dass sie auf der Website von Kiva erscheinen können.

Die Field Partner zahlen auch die Kredite an den Kreditnehmer aus und nehmen die Rückzahlungen entgegen. Sie stellen faktisch die Verbindung zwischen Kreditgeber, Kiva und dem Kreditnehmer her. Doch es gibt viele verschiedene Field Partner, häufig sogar mehrere in einem Land, die unterschiedliche Zielsetzungen haben.

Mittlerweile gehören auch College-Studiendarlehen zur Zielgruppe von kiva.org, berichtet die Huffington Post. Zum Geschäftsmodell: Die Plattform gehört übrigens nicht zur Riege der kommerziellen „Social Lending“ Anbieter, da das in San Francisco ansässige Unternehmen als gemeinnützige Organisation agiert.

Deshalb mehr Informationen zum Entstehen, zur Positionierung und zum Hintergrund: Der Erfolg von Kiva basiert auf dem Status als Non-Profit-Organisation in der Bereitstellung von Darlehen (Mikrokrediten) für Menschen in Ländern der Dritten Welt. Von den Kreditvolumina aus betrachtet, konnte die Plattform mit einer Summe von rund 27 Millionen US-Dollar allein von Februar bis Juli 2009 mit den etablierten Marktführern unter den kommerziellen Kreditbörsen mithalten.

Mehr noch: Der Spendenmarkt übers Netz wächst kräftig, sodass Kiva im Herbst vergangenen Jahres erstmals die Marke von 100 Millionen US-Dollar seit der Gründung überschritt. Hilfreich war dabei ein werbewirksamer Auftritt der Gründer in der Fernsehshow von Oprah Winfrey.

Zur Idee inspiriert wurden die Gründer Matt Flannery und Jessica Jackley nach einer beruflichen Reise durch Ostafrika, bei der sie erkannten, dass bereits ganz kleine Geldbeträge Kleinunternehmen als Sprungbrett in die Selbstständigkeit dienen konnten, eine Erkenntnis, auf der auch das Mikrokreditmodell der Grameen Bank basiert.

Kiva hat das Konzept der Anschubfinanzierung von Kleinbetrieben von einer relativ statischen, an eine Filialstruktur gebundenen Organisationsstruktur vollständig ins Internet verlagert. In den ersten Jahren sah sich die Plattform der Kritik ausgesetzt, eine Konkurrenz zu staatlichen Mikrofinanzorganisationen darzustellen, sowie die Kreditwürdigkeit der Mikrodarlehen von oftmals nur 100 US-Dollar nicht ausreichend geprüft zu haben.

Mittlerweile haben sich die Organisationsstrukturen deutlich professionalisiert. Auch technisch gesehen gibt es kaum mehr Hürden, eine derartige Plattform mit einer bereits bestehenden Internetpräsenz von Dritten zu verbinden. So können Nutzer auf einfache Weise mithilfe von offenen Schnittstellen (API) eigene Zusatzelemente entwerfen und Bausteine von Kiva in ihre eigene Internetpräsenz einbetten, um auf interessante Projekte aufmerksam zu machen.

Inhaltlich gibt es für Einzelpersonen keinerlei Einschränkungen, als Darlehensgeber aufzutreten. Der Geldgeber kann selbst bestimmen, welche Personen oder Projekte er fördern möchte. Das Grundprinzip der Mikrokreditvergabe bei Kiva basiert darauf, das einmal eingezahlte Geld nicht an den sozialen Investor zurückfließen zu lassen, sondern es nach erfolgter Einzelförderung weiterhin im produktiven Kreislauf wirken zu lassen und so nachfolgende Vorhaben anzustoßen.

Davon machen vor allem „Powerlender“ wie Laurent D. aus Belgien oder der US-Amerikaner mit dem Kunstnamen „Good Dogg“ regen Gebrauch. Beide haben laut offizieller Statistik vom Januar 2010 binnen weniger Jahre die erstaunliche Zahl von rund 23.000 bzw. 17.000 Krediten an kleine Existenzgründer vergeben.

Zu den namhaften Unterstützern von Kiva gehören zahlreiche große Unternehmen aus der Internetbranche wie Google, eBay und Microsoft. In der praktischen Abwicklung der bei Kiva.org gelisteten Projekte übernehmen „Field Partners“ die Auswahl der Unternehmer bzw. Kreditempfänger. Dies sind in der Regel regionale Institutionen, die sich bereits im Rahmen anderer Projekte – vor allem Partnerprojekte der Grameen Bank – ein gewisses Renommee erworben haben.

Die regionalen Gruppen agieren direkt vor Ort, indem sie von Dorf zu Dorf reisen, um die Einheimischen über die Möglichkeiten, an Mikrokredite zu gelangen, aufzuklären. Dass das gemeinnützige Unternehmen Kiva gerade von staatlichen Stellen gelegentlich als Wettbewerber angesehen wird, erscheint plausibel, tangiert es doch die bisherige oftmals monopolartige Struktur von Mikrofinanzfonds.

Fazit: Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Welt der „stationären“ und „virtuellen“ Mikrofinanzanbieter künftig entwickelt. Zu schaffen machen dem Markt wohl auch künftig immer wieder unseriöse Trittbrettfahrer, die unter dem sozialen Deckmantel der Mikrokreditvergabe immer wieder Geld in die eigenen Taschen wirtschaften möchten.

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Written by lochmaier

Oktober 13, 2010 um 6:36 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Ich kann den Lender Laurent D bei Kiva nicht mehr finden, der scheint seinen Account gelöscht zu haben. Da würden mich mal die Gründe interessieren. Zu viel Publicity?

    Christian

    Oktober 27, 2010 at 5:57 am


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