Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Manöver im Orbit: Reise zum Mond und die Teflonpfanne

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Hier kommt die Sendung mit der Maus. Heute nehmen wir uns das Thema Geld vor. Was ist das? Erklären wir es den Erwachsenen doch an einem praktischen Beispiel, was die „soziale“ Bank mit der Mondlandung und der Teflonpfanne verbindet.

Quelle: weltdererfinder.de

Jetzt das Erwachsenenprogramm: Social Banking ist also keine Frage der besseren Moral, sondern misst sich an der praktischen Umsetzung. Es gilt, nicht nur auf Sparflamme zu kochen, und das geschmackvolle Menu außerdem liebevoll zuzubereiten und zu würzen.

Es bedarf dazu guter Geschäftsmodelle, die sich rechnen, aber auch glaubhaft aufgesetzt sind. Warum Social Banking (noch) nicht funktioniert? Dazu gibt es einen interessanten Leserkommentar unten auf dem Weblog Snoopsmaus:

Die Frage, die der Leser stellt, ist die hier: Lässt sich Social Banking monetarisieren? Oder müssen wir zuerst um andere Werte bei Banken werben?

Der Bankingclub hat nun eine kurze Buchrezension von „Die Bank sind wir“ vorgenommen. Etwas schmunzeln musste ich allerdings bei dem Begriff „der Autor hat sich eingearbeitet“, wo ich mich seit Jahren in Dutzenden von Fachaufsätzen mit der Banken- und Prozessinnovation befasst habe, unter anderem in der Zeitschrift „die bank“ (BdB), so auch über Peer-to-Peer-Kredite.

Das Fatale an Social Banking ist nur, dass man sich in die Zukunft nicht „einarbeiten“ kann. Mich beschleicht deshalb immer wieder das laue Gefühl, wir Deutschen bilden gerne das letzte Rad am Innovationswaggon. Und sind auch noch stolz drauf.

Wir sollten prinzipiell sehen, dass Social Banking keine Frage von theoretischen Begriffsdefinitionen darstellt, die sind übrigens in meinem Buch ausführlich in ihrer historischen Genese und Differenzierung beschrieben. Da sehe ich keinen weiteren Klärungsbedarf. Es sei denn, man gefällt sich selbst in der krittelnden Diskussionskultur. Geld ist genauso sozial wie asozial, es kommt darauf an, was man damit macht.

Es wird folglich immer, auch noch in 100 Jahren, eine konzeptionelle Widerstandslinie bei der Definitionsfrage geben. Als Vergleichsbeispiel nehme ich  den Begriff „Corporate Social Responsibility“, zunächst und immer noch ein Modebegriff. Plötzlich findet dieser Eingang ins betriebswirtschaftliche Kerngeschäft, obwohl er bislang eher in der Rubrik aufgehübschte Bilanzkosmetik verortet war. 

Was Social Banking mit Corporate Social Responsibility verbindet

Das Thema hat sich jetzt (endlich) von den Sonntagsreden zur Corporate Social Responsibility in den Alltag hinein verschoben. Und das bringt eine Menge von Herausforderungen. Angefangen vom Einkauf (Rohstoffeffizienz und Materialbeschaffung) über die Gestaltung der Wertschöpfungskette (Umweltauflagen, Energieeffizienz, green IT etc.) bis hin zum Kunden (Produktgestaltung, Vermarktung, Marktdifferenzierung) gibt es neue Themen, die das Unternehmen versucht konkret handhabbar zu machen (z.B. mit Hilfe von sinnvollen umweltbezogenen KPI’s).

Vielleicht fehlt vielen noch das Vertrauen in die Zukunft, dass sich auch bei den Banken der Schwenk in Richtung „Kundenorientierung“ jenseits von Sonntagsreden einstellt. Das kann man verstehen. Denn wie sich die Zukunft entwickelt, weiß nur derjenige, der bereit ist, sie aktiv mitzugestalten.

Die ‚to do’s“ und „don’t do’s“ sind indes klar benannt, damit aus dem Hype Social Banking, den unterschiedliche Milieus und Spieler  vorwärts treiben, allmählich am „Frontend“ des Bankgesichts eine transparentere und glaubwürdige Variante im Umgang mit dem Kunden wird.

Spannend ist für mich ohnehin jenseits von akademischen Diskussionen, bei denen ich regelmäßig einschlafe, die praktische reale Umsetzung in diesem Jahrzehnt, siehe meinen letzten Beitrag zur Deutschen Bank:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/10/08/deutsche-bank-usa-startet-social-media-revolution-sei-fahrer-und-kein-passagier/

Kurzum: Viele Branchenauguren nehmen das Thema immer noch nicht richtig ernst, weil sie den typisch deutschen Widerspruch zwischen Sozial- und Gewinorientierung als trojanisches Pferd aufbauen, um es dann als virtuelles Selbstverteidungsschild zu benutzen. That’s just boring.

Wie man aber jetzt sieht, hat selbst die Deutsche Bank das Motto meines Weblogs (Social Banking 2.0 – der Kunde übernimmt die Regie) umgesetzt, und immerhin im Bereich einer selektiven Klientel der Unternehmenskunden vorsichtig damit begonnen, den Kunden direkt in die Produktentwicklung einzubinden. Ein erster kleiner Schritt für die Menschheit … nicht mehr, nicht weniger.

Wir werden sehen, ob dieser erste Fußabdruck auf dem Mondplaneten namens Social Media einer jenseits der bloß formalen Kundenbeteiligung wird, die dann nur mit einem iPod oder iPad belohnt wird. Nichts gegen diese tollen Geräte – aber das allein wäre keine Bank auf Augenhöhe der Zeit mit dem Kunden, sondern nur die nächste virtuelle Bewusstseinsvernebelungsmaschine.

Genau darum geht es also nicht. Es gibt längst eine klare Definition von Social Banking 1.0, die sich an sozialen und ökologischen Kriterien orientiert. Ebenso von der neuen internetbasierten Variante 2.0. die ohne die große Moral- und Ethikdebatte auskommt. Beide Ansprüche sind natürlich nicht leicht einzulösen. Das Mittelmäßige ist oftmals der Feind des Guten.

Jeder Bankmitarbeiter, der mein Buch genau gelesen hat, sollte trotzdem die Segel zu neuen Ufern setzen können, ohne weiteren „Klärungsbedarf“, der letztendlich nichts anderes als eine elegant formulierte Ausflucht bedeutet, dass man sich der neuen Kundenrealität nicht zu stellen vermag.

Die Reise zum Mond wird eine spannende, aber gleichwohl für einige Beteiligte einen schmerzhaften Prozess in den kommenden Jahren darstellen, den einige Banken produktiv bewältigen. Andere wiederum werden versuchen, weiterhin durch „business as usual“ am Markt zu überleben. Gilt hier bald das Motto: Rien ne va plus?

Schafft sich da eine Branche gar ganz ab, weil sie wie ein Ertrinkender versucht, das Geschehen auf dem Rettungsboot zu kontrollieren, orakelt Finance 2.0. Fakt ist, am Ende urteilen die Kunden, sie sind gerade in ihrem internetbasierten Vernetzungsgrad die „Killerappplikation“, im produktiven wie auch im Sinne der schöpferischen Zerstörung.

Denn es wird niemals, auch nicht in zehn Jahren, eine „endgültige, verbindliche und trennscharfe Definition des Begriffes Social Banking“ geben. Dann wäre das Leben ja langweilig.

Wollen wir das wirklich, dieses soziale, technologische und betriebswirtschaftliche Phänomen „Social Banking“ aus der Mitte der Gesellschaft in einen gläsernen Kasten einsperren. Damit wir uns damit langweilen, die Vitrine immer wieder von außen glatt zu polieren?

Oder wie der Bankingclub-Redakteur Christoph Meyer es am Ende der Buchrezension zutreffend beschreibt:

 „Herausgekommen ist ein umfassendes Werk zur Zukunft von Banken mit der Kernthese, dass Selbstbestimmung und Transparenz die entscheidenden Kriterien für Kunden bei der Wahl der Bankverbindung sein werden.“

Das trifft es auf den Punkt. Um zu zeigen, dass der Trend „Social Banking“ als Konsensbegriff für eine Rückbesinnung aufs bodenständige Bankgeschäft und Investitionsverhalten sogar weiter oben bei den sogenannten Schönen und Mächtigen Gehör findet, abschließend ein Auszug aus einem Beitrag in €uro am Sonntag bzw. als Wiederabdruck auf  finanzen.net.

Der schillernde russische Milliardär Alexander Lebedew zelebriert darin ein bisschen stellvertretend für uns alle seine innere Wandlung vom Finanzsaulus zum nachhaltigen Investor:

„Ich glaube, dass Finanzmärkte Parasiten sind“, so das Urteil des Milliardärs. „Ich denke, dass der reale Sektor Produkte und Dienstleistungen kreieren kann, die das Leben der Menschen für immer verändern können.“ Er investiere in erschwinglichen Häuserbau, Grundstücke und Landwirtschaft. „Ich bin der größte Kartoffelproduzent Russlands, habe auch Vieh und Milch, ich investiere in Fluglinien, außerdem bin ich der größte Hotelbauer in der Ukraine“, betont Lebedew.

Es klingt wie der Wandel eines Finanzhais zu einem Menschen, dem Ideale wichtiger sind als Gewinne, zu einem, der etwas bewegen will. Dazu passt, dass er in letzter Zeit in defizitäre Medien investierte. Er kaufte die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“, eine der wenigen kriti­schen Zeitungen Russlands, die seit Jahren auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam macht und die Korruption im Staatsapparat anprangert.

Quelle: finanzen.net

Sicherlich wird es auch weiterhin ausschließlich an der Rendite jenseits der Wahl der richtigen Mittel orientierte Investoren geben. Die Reise zum Mond erfolgt in zwei Richtungen, wie der Spiegel-Artikel von Marc Pitzke zum kurzen Gedächtnis Amerikas eindrücklich illustriert. Nichts hat sich an der Wall Street geändert, die alten Personen ziehen erneut an den Strippen, wie die sehenswerte Filmdokumentation Inside Job beleuchtet. 

Das bedeutet, die Anreise zum Planeten namens Social Banking erfolgt von zwei Seiten, getrieben einerseits von dem kreativen Bewusstsein, wer macht was mit meinem Geld. Und im „sozialen Umkehrschluß“ gepusht vom gegenläufigen Trend des „business as usuals“ in der Finanzindustrie. 

Was also ist Social Banking? Es ist die logische Konsequenz einer historischen Weiterentwicklung aus den Lektionen der letzten Jahrzehnte, in Verbindung mit neuen Möglichkeiten der Interaktion, die vor allem der Galaxie namens Social Media entspringen. 

Social Banking ist also eine virtuelle Teflonpfanne, auf der sich so manches Spiegelei knusprig braten lässt. Man kann das zugrunde liegende Material natürlich auch dazu benutzen, es zur Aufbereitung von Atombomben zu benutzen.

Wir brauchen beides im Social (Media) Banking Universum, neue und solide Geschäftsmodelle als Alternative zur bisherigen Black Box Bank, und den gesellschaftlichen Paradigmenwandel. Aber der wird nicht wie in Deutschland üblich herbei geredet, sondern ensteht fließend.

Wir bevorzugen hier jedoch den produktiven Einsatz von Geld. Oder, wie die Deutsche Bank es jetzt in der neuen CRM-Philosophie formulieren würde: Be a driver, not just a passenger! Damit sind wir wieder bei der Sendung mit der Maus, wo Kinder den Erwachsenen die Welt erklären. Ein Bild sagt doch mehr als tausend Worte.

Denn vieles, was vor fünf Jahrzehnten zunächst nur der exklusiven „Mondforschung“ vorbehalten war, gehört heute, wie eben jene Teflon-Bratpfanne mit der genialen Beschichtung, längst zur Standardausstattung in unseren Haushalten.   



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Written by lochmaier

Oktober 12, 2010 um 6:47 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. …und dann findet kress.de einen Spot einer norwegischen Bank zur Altersvorsorge und man denkt einfach nur, das ist noch lange nicht in Deutschland machbar.
    http://kress.de/spotschau/spot/6357-der-koerper-ist-ein-schlechtes-kapital.html?ref=nf

    Romy Mlinzk

    Oktober 12, 2010 at 9:57 am

  2. […] widmen. Etablierte Häuser unterliegen aus verschiedensten Gründen vielen Beschränkungen. Warum Banking 2.0 noch nicht zündet in der klassischen Bankwelt, wird Thema eines Beitrags sein, der noch vorbereitet […]

  3. […] Lochmaier fragte sich im Oktober in seinem Blog: “Warum Social Banking (noch) nicht funktioniert?”. Wir telefonieren häufiger zu der Frage, […]


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