Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Lending à la Fairplace: Aussichtsreiche Emerging Markets?

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In Brasilien standen die Zeichen nach dem misslungenen Durchmarsch der neuen Präsidentschaftskandidatin auf „grün“. Dort ist auch der erste Marktplatz für Social Lending Fairplace im Frühjahr in die Betaphase gestartet.

Gerade für prosperierende Schwellenländer (so genannte Emerging Markets) wie Indien, Brasilien und China könnte diese Variante spannend sein. Wenn man natürlich davon absieht, dass es politisch-ökonomische Limitationen gibt, insbesondere im Fall des Reichs der Mitte.

Aber die aufstrebenden Nationen wie Brasilien und China prägen in zehn oder fünfzehn Jahren das Bild unserer multipolaren Weltökonomie. Schaut man sich den Markt für Mikrokredite in diesen beiden Ländern an, so wird das ungeheure Potential deutlich. Noch dazu wenn der wirtschaftliche Erfolg mit hohen Wachstumsraten anhält, spätestens dann dürften auch genug Kapitalgeber auf den Plattformen bereit stehen.

Das Problem: Es gibt andere lukrative Möglichkeiten, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Wer sich im Dschungel der Finanzen auskennt, wird hier bei Rohstoffen und anderem sicher fündig. Aber: Es fehlt im Mikrokosmos das verbindende „soziale“ Element, mit Geld einerseits etwas Sinnvolles direkt zu bewegen – und andererseits natürlich wenigstens eine marktübliche Rendite zu erzielen.

Genau diesen Spagat könnten und sollen Plattformen wie fairplace (Brasilien) oder dhanax (Indien) auflösen. Man darf gespannt sein, ob die spielerische Teilnahme von den seriösen Betreibern wie Zopa in Großbritannien oder Smava in Deutschland auf eben Brasilien oder Indien überspringt.

Kurzfristig sind hier sicherlich keine Milliardenumsätze zu erwarten, aber mittelfristig dürfte sich Social Lending etablieren. Deixa fluir, so ein brasilianisches Sprichwort, lass die Energie fließen. 

Hinter Fairplace stecken übrigens keine Amateure, sondern mit Eldes Mattiuzo ein Ex-Banker von Unibanco. Mehr über den Hintergrund der Plattform findet sich in einem Presseartikel in der Zeitschrift  Epoca. Wer nicht nur den Artikel gelesen hat, sondern auch die Leserkommentare ganz unten, wird feststellen, dass es in rechtlicher Hinsicht noch einige Unwägbarkeiten gibt.

Das größte Problem stellt sich aber global für alle Plattformbetreiber wie folgt dar: Es gilt irgendwann, sich von der Experimentierphase in die profitable Zone vorwärts zu bewegen. Denn bislang sind die Social Lending Anbieter von einer Wagniskapitalfinanzierung unterlegt, deren Initiatoren natürlich, zwar mit einiger Geduld ausgestattet, irgendwann jedoch nackte Zahlen auf der Habenseite sehen wollen.

Das wiederum könnte die Vermittlungsgebühren in die Höhe treiben, siehe dazu den Beitrag auf P2P-Banking – was die Gesamtrendite insbesondere aus Sicht der Anleger schmälert, vielleicht bei dem einen oder anderen mehr, als diesem lieb und teuer sein wird.

Fazit: So sexy das Social Lending Geschäftsmodell sich anfühlt, daraus ein über mehrere Jahre hinweg profitables und für alle Seiten faires Geschäftsmodell zu entwickeln, ist eine Sisyphos-Arbeit. Die Schließung des schwedischen Modells Loanland im September mangels kritischer Masse belegt die damit verbundenen Herausforderungen eindrücklich.

Wie dem auch sei – sinnvoll sind bei jeder Initialisierungsphase von Beginn an begleitende Nutzerforen, die ein transparentes und möglichst ungeschöntes Bild der inneren Wachstumsphase offerieren. Im Falle von Fairplace gibt es dazu bereits ein Weblog, wo man sich einige Positionen und Zahlen ansehen kann:

http://fairplace.blogspot.com/

Was bislang nicht funktionierte, das war die Internationalisierung nationaler Anbieter in andere Länder. Bestes Beispiel dafür ist Zopa, das allerdings in seinem Heimatland Großbritannien große Fortschritte macht. Denn dort gab es für Zopa kürzlich einen triftigen Grund zum Feiern. Es wurde nämlich die Marke von 100 Millionen Pfund an vergebenen Krediten überschritten. Mehr dazu „live“ und in Farbe in diesem Video von ITV London:

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Written by lochmaier

Oktober 6, 2010 um 7:10 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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