Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for September 2010

Money School: Wie Kinder ihren Eltern den richtigen Umgang mit Geld beibringen

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Neulich hatte ich einen Traum. Ich war wieder ganz Kind. Der Regen prasselte bei Sonnenaufgang gegen die Fensterscheiben. Die Wolken hingen bedrohlich tief. Ich dachte über mein Leben nach, das auf mich wartete. Irgendwie war ich mit den Erwachsenen unzufrieden. Sie hatten mir die Welt noch nicht so richtig erklärt.

Jedenfalls verstand ich nicht viel davon. Sie redeten auf mich ein, was ich zu tun und zu lassen hätte. Das Spielzeug im Sandkasten und mein Zimmer sollte ich wieder mal besser aufräumen. Dabei sah es in der Welt der Erwachsenen doch nicht ordentlicher aus. Dabei könnten Paps und Mom doch so viel von mir lernen.

Jeden Monat kriege ich Taschengeld. Damit muss ich irgendwie klar kommen. Die aber jammern und quatschen am Abend ständig über unbezahlte Rechnungen, das Haus sei immer noch nicht abbezahlt, obwohl Papa wirklich viel arbeitet. Aber es reicht nie, das liegt aber nicht daran, dass wir zu gefräßig sind.

Mein neues Fahrrad hab ich mir sogar in den Ferien selbst zusammen gespart. Na ja, fast alles jedenfalls. Hecke schneiden und Rasen mähen beim Nachbar, Zeitungen austragen und was sonst alles so anfällt. Okay, die Eltern haben auch noch was dazu gegeben. Trotzdem muss ich immer mit allem klar kommen und die klagen nur, dass am Ende des Monats kein Geld mehr da ist.

Vor allem für uns Kids. Neulich im Fernsehen hab ich ganz große Augen gemacht, als ich gesehen hab, wieviele Schulden die Erwachsenen bereits angehäuft haben. Echt krass. Wie sollen wir das abbezahlen, wenn wir selbst groß sind und die Verantwortung tragen – das ist ziemlich uncool.

Komme mir vor wie eine kleine Sardine im Meer. Der Schwarm dreht und wendet sich ständig nach links und rechts, kommt aber nicht so recht vom Fleck. Daraus werde ich nicht mehr schlau. Ich finde, die Erwachsenen könnten was von uns lernen.

Zum Beispiel, warum ich keine Aktien kaufen würde. Ich versteh zwar nicht viel davon, aber das sind doch tickende Zeitbomben, die spätestens dann in die Luft gehen, wenn ich das Geld irgendwann mal brauche, um zu studieren, oder um eine eigene Familie zu gründen. Ihr habt Probleme, die ich später lösen darf.

Ich lege mein Geld lieber in das Sparschwein und achte darauf, dass es keiner klaut. Warum macht Ihr das nicht genauso? Die Schuldenuhr tickt für Euch und gegen mich, warum habt Ihr das noch nicht begriffen?

Wie wär es, wenn Ihr statt immer mehr Miese auf dem Konto anzuhäufen, Euch einen Vorratskeller anschafft, zu dem Ihr mir später den Schlüssel gebt, wenn ich groß genug bin – um es vielleicht besser zu machen als die Erwachsenen. Denn die sind ganz schön doof, weil sie schlechter rechnen können als ich in der Schule.

Stopft also nicht nur die Bohrlöcher auf irgendwelchen Ölplattformen, mit deren Gewinnen Ihr Euch die Taschen füllt, während für uns nur noch die Krümel übrig bleiben. Warum baut Ihr Luftschlösser und Wolkenkratzer, die keiner braucht? Ich möchte mich doch möglichst geräuschlos und leicht wie eine Feder bewegen.

Wenn Ihr so weiter macht, dann baut Ihr heute die Straßen, auf denen wir morgen nicht mehr fahren wollen. Was für eine Geldverschwendung.

Hier gehts zu den Ergebnissen der neuen Shell-Jugendstudie, die zeigt, dass gerade dass Vertrauen in Banken und Finanzprodukte nur sehr gering ausgeprägt ist. Mehr Infos bietet die Überblicksseite mit Graphiken.

Written by lochmaier

September 17, 2010 at 6:38 am

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Tagesgeld: Ab wann sind Kleinsparer „geldgierig“?

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„Die Gier der Kunden ist zurück“ titelt  das Handelsblatt. Und meint damit ausgerechnet die Kleinsparer, die sich erdreisten, eine Rendite jenseits der Inflationsrate erwirtschaften und beanspruchen zu wollen. Wer ist nun dreist, und wer hat recht?

Zinsvorteile lassen etwaige Sicherheitsbedenken vergessen. Daran hat weder die Pleite der isländischen Kaupthing Bank im Oktober etwas geändert noch die jüngste Insolvenz der Noa Bank…. Dann versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel, alle Einlagen seien sicher…. Seitdem werden viele Anleger wieder sorglos, beobachtet Martin Faust, Bankprofessor an der Frankfurt School of Finance. „Selbst sicherheitsorientierte Anleger suchen wieder Alternativen zu den allgemein sehr niedrigen Zinsen. Außerdem vertrauen viele darauf, dass der Staat ihre Einlagen schon schützen wird“, sagt er. Diese Vollkaskomentalität sei auch bei den großen Finanzmarktakteuren wie Banken, Fonds oder Versicherungen verbreitet. „Es ist schwer, den Anlegern zu erklären, dass wer Risiken eingeht, tatsächlich auch etwas verlieren kann“, so Faust. „Das Gedächtnis der Anleger ist kurz. Viele haben aus der Finanzkrise nicht nachhaltig gelernt“, lautet sein Resümee.  

Quelle: handelsblatt.com

Interessant sind die kontroversen Leserkommentare, z.B.:

„Wenn ein Aktienanleger eine Rendite von 2. 5 % per annum erwartet, schreit ja auch keiner, dass das gierig sei. Wenn der Festgeldsparer sich daher auf ein solches Angebot einlässt, natürlich trägt er dann ein Risiko. Es geht aber zu weit, dieses Verhalten als gierig zu bezeichnen. Risikobereitschaft und Gier sind nicht dasselbe, und diese Unterstellung läuft darauf hinaus, dem Anleger die moralische Veranwortung, die eigentlich bei der Bank, welches ein solches Angebot unterbreitet, liegt, zuzuschieben.“

Die Gegenthese listet in einem weiteren Kommentar die Zinsen, die Banken untereinander aushandeln, auf. Als da wären:

Interbankenzinssatz für Passivanlagen:
Tagesgeld 0,35 %
1 Monat fest: 0,49 %
2 Monate fest: 0,58 %
3 Monate fest: 0,75 %
6 Monate fest: 1,00 %
1 Jahr fest: 1,00 %
2 Jahre fest: 1,16 %
3 Jahre fest: 1,39 % 
9 Jahre fest: 2,51 %
10 Jahre fest: 2,62 %

Fazit dieses Kommentars: „Sie sehen also auch ein Zinssatz von 2,50 % auf ein Jahr kann gierig sein, denn wir zahlt, ohne seine Kosten zu berücksichtigen 150 % mehr für eine Leistung, die er woanders billiger einkaufen kann?“ 
 

Wer hat nun recht? Hier ein Einblick in die Zinsentwicklung anhand des 3-Monats-Euribor in den letzten 3 Jahren. Nun ja, wir leben im Moment in einer komplett anderen Zinswelt als noch während des durch die beginnende Krise ausgelösten Zinshochs 2007. Übrigens: Banken verdienen sehr gutes Geld mit zu hohen Dispozinsen und Bankautomatengebühren. Auch Kredite sind kein schlechtes Geschäft, wenn man sie richtig managed.

Von den eleganten Weiterverbriefungsmechanismen mal ganz abgesehen. Jetzt aber auf den renditegierigen Anleger herunter zu blicken, das tun meistens nur Menschen, die ihr Schäflein schon im Trockenen haben. Mehr noch: Ein gewisser Teil neigt dazu, seine eigenen sozialen Privilegien zu kaschieren, wie etwa Professoren, nicht selten sogar welche aus der Finanzwirtschaft. 

Denn bei dieser privilegierten Gruppe mit weit höheren Pensions- statt Rentensansprüchen als die Allgemeinheit ist die Rendite unmittelbar ins System verlagert und dort „eingepreist“. Der pauschale Vorwurf an die Kleinsparer, die ihr Erspartes wohl kaum „spekulativ“ aufs Spiel setzen, fällt auf den Urheber zurück. Denn während die einen von der täglichen Arbeit leben, sind andere längst in der Kapitalrendite angekommen. 

Was aber, wenn angeblich „geldgierige Kleinanleger“ keine Lust mehr haben, diese systemimmanten Renditen durch Steuern und Abgaben zu bedienen?

Dass es natürlich eine höhere ökonomische Sichtweise auf die Problematik gibt, dass irgendwo auf der Welt Ärmere als Schuldner die Renditeansprüche von uns hoch entwickelten Gesellschaften bedienen müssen, das betrifft uns alle. Aber nicht und vor allem schon gar nicht an vorderster Front die „Kleinsparer“.  

Ein weiteres systemimmanentes Problem liegt außerdem darin, dass „traditionelle “ Banken Zinsvorteile nicht weiterreichen. Darüber wurde bereits viel geschrieben, aber leider bislang wenig aufgeklärt. Nach der Finanzkrise, aufgefangen von staatlichen Rettungspaketen und einem niedrigen EZB-Leitzins,  kamen die Renditen wie der Strom aus der Steckdose. Systemimmanent eben.

Natürlich sind einige Kleinsparer nervös, und denken nicht immer genau nach, was sie tun. Aber letztlich lenkt die vom Handelsblatt recht niveaulos wiedergekäute Argumentation (die Kleinanleger sind selbst schuld) nur vom Kern der finanzbezogenen Wertschöpfungskette ab.   

Tagesgeld-news.de nimmt auch nochmal dazu Stellung: „Bei wenigen Prozentpunkten mehr von Gier zu sprechen, ist doch schon sehr weit hergeholt.“ Trotzdem gilt es natürlich kühlen Kopf zu bewahren.

Immerhin – Bankexperte Wolfgang Gerke gibt in der Märkischen Allgemeinen Zeitung wenigstens zu, dass wir alle gierig sind, fragt sich nur auf was, und mit welchen Mitteln wir die jeweiligen Ziele erreichen. Da liegt wohl der graduelle Unterschied:  

Werden Bankkunden mal so weit sein, dass bei besonders hohen Renditen ihre Alarmglocken schrillen und sie auf das Geschäft verzichten?

Gerke: Nein. Das ist einfach menschlich. Wir sind alle gierig. Und man wird die Gier nur sehr schwer bekämpfen können. Insofern ist es wichtig, dass der Verbraucherschutz gut organisiert ist und dass Risiken transparenter gemacht werden.

Quelle: maerkischeallgemeine.de

Übrigens: In einem aktuellen Artikel auf Spiegel online lässt sich aus Sicht von Verbraucherschützern mit Blick auf „Dispozinsen“ auch ein ganz anderes Fazit ziehen. Ein Auszug::

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn kritisierte: „Mit den Dispozinsen wird seit Jahren das große Geld gemacht.“ Während die Institute die Sparzinsen sehr schnell an das niedrige Leitzinsniveau angepasst hätten, würden Sätze für Dispo- und Überziehungszinsen hoch gehalten. Die Grünen forderten eine kartellrechtliche Prüfung der Praktiken.

Quelle: spiegel.de

Transparenz gehört übrigens nicht zu den Tugenden der Branche, wie sich am Fall von GE Capital Direkt wieder sehen lassen kann, die, wie so manch andere Bank auch, ein regelrechtes Verwirrspiel um Zinssenkungen veranstaltet, berichtet finanznews-123.de. Mit der Frage, wie sich der Begriff „Gier“ aufarbeiten lässt, beschäftigt sich heute, das heißt zwei Jahre nach der Lehman-Pleite, auch das Blicklog.

Noch Fragen? Hier kann man sich allerdings einen nicht ganz genauen Überblick über die Einlagensicherung einzelner Banken verschaffen. Auch die Stiftung Warentest informiert dazu. Am besten, Sie bilden sich selbst eine Meinung, wer hier nun sensations- oder geldgierig ist? Dazu noch ein passendes Video zur oberflächlichen Mediengesellschaft:

Written by lochmaier

September 16, 2010 at 7:22 am

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Cortal Consors und das Szenario: Live-Stream soll Weg ins Social Web ebnen

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Gestern fiel der Startschuss für das ungewöhnliche Live-Experiment www.Das-Szenario.de der Direkt-Bank Cortal Consors. Mit der Aktion will die Tochter der französischen Großbank BNP Paribas an ihrem Image „als Finanzdienstleister für souveräne Selbstentscheider“ feilen – sowie für ihre Beratermodelle werben, berichtet Branchenblatt horizont.net
 
Das Experiment funktioniert folgendermaßen: Das eineiige Zwillingspaar Felix und Martin wird eine Woche lang von Kameras begleitet und muss dabei verschiedene Aufgaben erfüllen. Da sind wir aber gespannt.

Beide Zwillinge bekommen ein Startgeld von 2.000 Euro sowie eine Hütte, in der sie wohnen können. Die beiden Zwillingsbrüder wetteifern in zwei Bereichen miteinander. Jeden Tag wird der aktuelle Kontostand anhand ihrer Einnahmen und Ausgaben errechnet sowie ein Fragebogen zum Lebensgefühl ausgefüllt.
Der Sieger des Konkurrenzkampfes wird am Sonntag gekürt. Der Zwilling Martin C wird die Woche lang selbst entscheiden, wie er sich verhält und gedenkt seinen Kontostand zu erhöhen. Der Zwilling Felix C. wird von aussen kontrolliert, nämlich fremdbestimmt von den Zuschauern, die auf der Online-Plattform registriert sind.

 

Das erinnert zunächst doch sehr an die Daily-Soap „Big Brother“. Gerade für Akademiker, die sich diesem Anspruch (nicht) stellen, könnte hier die Reichweite begrenzter sein, als die Macher und Kampagnenplaner sich dies vorstellen. Die FTD spekuliert bereits, dass der kreative Schuss sich als kontraproduktiv erweisen könnte:

„Cortal Consors laufen in Deutschland die Kunden davon. Nun will die Direktbank ihr Image aufpolieren – mit einem Big-Brother-Experiment, das auch nach hinten losgehen könnte.“

Wie dem auch sei – Nutzer können den beiden Zwillingen und Protagonisten per Live-Stream über das Internet nicht nur auf Schritt und Tritt folgen, sondern auch selbst in deren Alltag eingreifen. Vernetzt sich so  an der virtuellen Börse künftig die auf Autonomie bedachte Financial Community in Eigenregie?

Das nun ist eine wirklich interessante Nachricht. Denn die Social Finance Community darf und soll eingreifen. Ist das eine neue Werbeform? Ist es Kundenkommunikation? Ist es nur virales Marketing im Social Web? Oder ist es nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Fakt ist, es soll ein Online-Voting (wie bei Big Brother?) geben, wen schmeißen wir denn nun raus, wen nicht?  Auch auf Facebook und Twitter werden Informationen gestreut.

Gestern um die Mittagszeit konnte die Aktion dann schon die ersten Früchte einfahren, war aber darauf wohl nicht vorbereitet. Durch den Ansturm von über 20.000 Usern pro Stunde war der Server zeitweilig überlastet. Dann die Message: „Der technische Support arbeitet an der Bereitstellung neuer Kapazitäten.“

Und so stellt sich Cortal Consors den idealtypischen Kunden vor, der zwar träumt, aber letztlich doch nur vom Geld – hier die männliche Version:

Und hier das weibliche Cortal Consors-Gen:

Und hier kommt jetzt die Selbstbeschreibung von „das Szenario“:

Aus der offiziellen Pressekonferenz von Cortal Consors in der vergangenen Woche an der Freien Universität Berlin kann man mehr Einblick in die „Social Media“ Initiative gewinnen:

Und hier gibts ein Portrait der Zwillinge Martin und Felix C. :

Was löst das Szenario aus, diese Frage haben sich einige Artikel gestellt, wie hier auf noows.de nachzulesen. Welchen Einfluss haben Selbst- und Fremdbestimmung auf das Lebensgefühl? Wie fühlt sich jemand, der dauerhaft fremdbestimmt wird? Welche psychische Schwierigkeiten treten auf?

Zu welchen psychischen Gemeinheiten und Rücksichtslosigkeiten sind die Zuschauer fähig, vor allem, wenn jeden Tag jemand Felix C. sieben Minuten am Stück komplett steuern darf? Welchen Einfluss hat die Macht, die den Zuschauern gegeben wird?

Welchen Einfluss haben selbst bestimmte und fremdbestimmte Entscheidungen auf den Erfolg der eigenen Handlungen, der hier beziffert wird durch den Kontostand? Treffen die Zuschauer als Gemeinschaft, sozusagen in demokratischer Abstimmung, oder eine Person alleine lukrativere Entscheidungen?

Quelle: noows.de

Am Ende löst sich das Rätsel auf, oder doch nicht? Cortal Consors will mit dem Experiment „Das Szenario“ zeigen, dass Selbstbestimmung besser wirkt als Fremdbestimmung. Was meinen die Leser, funktioniert das so mit diesen Stilmitteln oder ist es „Big Brother“ reloaded? Nächsten Sonntag nach Ablauf des einwöchigen Experiments sind wir schlauer…

Written by lochmaier

September 14, 2010 at 7:18 am

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Ing-Diba: Mit Plattform finanzversteher.de ein erster Schritt ins Social Media Universum

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Wie von mir in meinem letzten Eintrag zu Deutschlands derzeit erfolgreichster Direktbank Ing-Diba bereits angedeutet, ist aus meiner damaligen Vermutung recht schnell Wahrheit geworden.

Denn heute kommt folgende Nachricht herein, die ich (nicht zu Werbe- sondern zu Studienzwecken) direkt an die Leser von Social Banking 2.0 weiter reiche – schließlich übernimmt auf diesem Weblog der Kunde die Regie. Hier also der Wortlaut der Presseinformation der „Direktbank plus 2.0“:

Online-Portal finanzversteher.de will Verbrauchern Finanzen verstehbar machen

In Zeiten, in denen die Beratung von Banken, Versicherungen und angeblich unabhängigen Vermögensberatern immer stärker in die Kritik gerät und oft als reiner Provisionsvertrieb entlarvt wird, kommt es für die Verbraucher mehr denn je darauf an, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Und das ist gar nicht so schwer, wie viele Kunden denken. Denn kompliziert werden die Entscheidungen oft nur dadurch, dass unklar ist, ob man einem Berater vertrauen kann. Und durch Produkte, die kein normaler Mensch mehr versteht, weil sie viel zu kompliziert sind.

Die ING-DiBa will deshalb im Bankenmarkt jetzt ein klares Gegengewicht schaffen: Die Direktbank startet im Internet zum zweiten Jahrestag der Lehman-Pleite das neue Finanzportal „finanzversteher.de„. Dessen Ziel ist es, Verbrauchern das nötige „Handwerkszeug“ bereitzustellen, damit diese in Zukunft viele Entscheidungen rund ums Geld selbst treffen können.
„Als Direktbank profitieren wir davon, dass Kunden in Finanzfragen gut informiert sind und selbst entscheiden können. Damit das zukünftig bei immer mehr Verbrauchern der Fall ist, haben wir in den letzen Monaten das Internetportal ‚finanzversteher.de‘ entwickelt“, sagt ING-DiBa Vorstandsvorsitzender Ben Tellings.

Die Nutzer finden dort knappe, verständliche Informationen zu wichtigen Fragen rund um die Themen Geldanlage und Altersvorsorge. Außerdem helfen Checklisten sowie verschiedene Auswahl- und Analyseprogramme bei der Entscheidungsfindung.

Bisher einzigartig im Bankenmarkt ist dabei, dass das Portal völlig werbefrei ist und sich alle Empfehlungen allein am Interesse des Kunden orientieren. Nach der Einführung des Beipackzettels für Finanzprodukte im vergangenen Jahr will die ING-DiBa mit dem Portal ‚finanzversteher.de‚ ein weiteres deutliches Zeichen für mehr Transparenz und Fairness im Privatkunden-Geschäft setzen.

Quelle: Unternehmensinformation

Fazit: Aus einer ersten Durchsicht der Plattform lässt sich jedoch nicht erkennen, dass der Verbraucher selbst tatsächlich mehr Autonomie erhält, direkt ins Geschehen der Ing-Diba einzugreifen. Gut sind aber die Videos, die Grundprinzipien der Geldanlage  oder die damit verbundene Risikoaffiniät ausführlich erklären. Immerhin ein erster Schritt in mehr Transparenz, denn Beratungsprotokolle sind ja nun wirklich nur ein „nice not to have“. 

Aber es gibt auch gewisse Grenzen: Letztlich scheint es sich um eine Art wissensbasierte Suchmaschine zu handeln, die den Nutzer zwar einige Zusatzinformationen bietet, ihn letztlich aber nur besser und effizienter durch das Produktuniversum von Deutschlands größter Direktbank mit ca. 6 Mio. Kunden hindurch führen soll. Oder kommt da noch was nach und war das nur der erste Schritt in die Direktbank 2.0? 

Kurzum: Die Plattform löst erst einmal nur einen Teil des von der Ing-Diba oben avisierten Kundenversprechens ein: „Es kommt für die Verbraucher mehr denn je darauf an, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.“ Das stimmt, aber was, wenn der Kunde direkt in die Produktgestaltung eingreift. Ich weiß, das ginge vielen zu weit, wird sich aber irgendwann nicht mehr vermeiden lassen, auch wenn es für alle Beteiligten ein recht mühevoller Prozess werden wird.

Written by lochmaier

September 13, 2010 at 12:45 pm

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Venture Philanthropy: George Soros spendet 100 Mio. Dollar an Human Rights Watch

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Unverhoffter Geldregen für Human Rights Watch. Der US-Investor George Soros spendet der Menschenrechtsorganisation 100 Millionen Dollar. Der Mann kann es sich leisten – sein Vermögen wird auf 14 Milliarden Dollar geschätzt, berichtet Spiegel online. Seine Begründung:

„Das ist altersbedingt“, sagte Soros der Zeitung „New York Times“. „Eigentlich wollte ich all mein Geld während meines Lebens unter die Leute bringen, aber den Plan habe ich aufgegeben.“ Jetzt will der rund 15 Milliarden Dollar schwere Soros weitere Spenden in die Pipeline bringen.

Prinzipiell ist das positiv, wer was tut, sollte sich nicht gleich folgende Vorwürfe anhören müssen: Das ist alles Lug und Trug, Manipulation, Vermögens- und Steuerkaschierung, Korruption, Machtmissbrauch, usw. – suchen Sie sich ein passendes Motiv aus.

Hier eine denkbare Klischeevariante, es handele sich bei Soros nämlich um einen britischen Geheimagenten. James Bond 007 lässt grüßen:

Wer hat schon das ganze Leben hindurch eine weiße Weste. Natürlich nur der wa(h)re James Bond. Obwohl gerade der jetzt kein richtiger männlicher Held mehr ist, in der Erscheinung von Daniel Craig.

Zurück zu den ernsten Bezügen dieses neuen Trends, der wissenschaftlich betrachtet sich als Venture Philanthropy bezeichnen lässt. Er bezeichnet einen Ansatz, der sich stark an unternehmerischen Prinzipien orientiert. Erstmals verwendet wurde der Begriff 1969 von dem Amerikaner John D. Rockefeller III. Die Venture Philanthropie setzt Private Equity bzw. Risikokapital ein, um soziale, ökologische oder gesellschaftliche Vorhaben zu unterstützen.

Anders als Stiftungen oder Spender kann die Venture Philanthropie verschiedenste Finanzierungsformen nutzen, etwa Darlehen und Eigenkapital. Empfänger der bereitgestellten Gelder sind zum Beispiel Non-Profit-Organisationen und Sozialunternehmen. Gibt es da einen graduellen Bewusstseinswandel bei reichen Milliardären, sich doch nicht ausschließlich das Leben in einer Parallelgesellschaft einzurichten? 

Daneben gibt es noch weitere Aktivitäten: Neben dem finanziellen Engagement unterstützen Vertreter der Venture Philanthropie die geförderten Vorhaben in der Regel auch mit Mentoring, Beratung und Netzwerkkontakten (Drei-Säulen-Modell). Sie nutzen Methoden des Venture Capitals und aus der Wirtschaft, um die jeweilige Organisation über längere Zeit hinweg professionalisieren zu helfen und so deren Arbeit möglichst effektiv zu machen.

In der aktuellen Printausgabe von enorm lässt sich mehr dazu nachlesen, wie der Spendensektor in Bewegung gerät – und eine neue Generation von reichen, engagierten Gebern die Methoden der Risikokapitalbranche auf die Baustellen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels überträgt. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen eingeschlossen. 

Also: Gut-Böse-Klischees sind zunächst nicht angebracht, wenn Unternehmer sich den Fragen des sozialen und ökologischen Wandels auch mit ihrem Geld stellen. Und ein bisschen mehr Innovation und Effizienz könnte schließlich auch den oft bürokratischen Organisationen im Wohlfahrtssektor nicht schaden.

Andererseits sind Unternehmen, Banken und die „Finanzindustrie“ aufgefordert, sich stärker mit realwirtschaftlichen Prinzipien auseinanderzusetzen.

In einer „ungehaltenen“ Rede von Finanzminister Wolfgang Schäuble auf der Handelsblatt-Tagung Banken im Umbruch wird ganz nebenbei auch das integrative Element von „Venture Philanthropy“ deutlich, das übers Spenden weit hinausreicht. Es geht um eine Grundeinstellung – und ein neues Verständnis der Geldflüsse und des Wirtschaftens, das Banken und Finanzdienstleister ebenso mitgestalten.

Written by lochmaier

September 13, 2010 at 7:35 am

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Insider zelebrieren Generelabrechnung: Parasitäre Finanzindustrie soll dank IT-Tsunami verschwinden

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Nach dem Wirbel um seine umstrittenen Thesen zur Einwanderungspolitik verlässt Thilo Sarrazin nun freiwillig und ganz handzahm die Bundesbank. Was das gekostet hat. Wir dürfen das Buch kaufen, Abgaben zahlen. Doppelbesteuerungsabkommen de luxe.

Überhaupt: Vermeintliche Generalabrechnungen von Insidern sind ganz in Mode, obwohl sie sich letztlich nur als geschickt getarnte Geldwäsche entpuppen. Manche sahen auf der Handelsblatt-Tagung Banken im Umbruch schon das dreigliedrige deutsche Bankensystem darnieder sinken.

Nun auch das noch zum x-ten Male reloaded: (Ex)Insider brandmarken ihre Chefs, nach guter Abfindung verlassen, und pinnen den ehemaligen Arbeitgeber an die Wand, danach machen sie sich selbstständig, um jetzt so richtig, oder eben schon wieder das große Geld zu verdienen.

Oder wie pointierte der Zementblog mit Blick auf die Diskussion um Thilo Sarrazin: Weil das Gras grün ist, ist alles, was grün ist, Gras!  

Kaum etwas bleibt uns derzeit erspart. Denn schon wagt sich der nächste reuige Sünder, der jetzt zum „Social Banker“ wird, aus der Deckung: Andy Xie, Ex-Manager bei Morgan Stanley, rechnet mit den Finanzdienstleistern ab. Jeder Einzelinvestor verfüge über die gleichen Informationen wie Fonds-Manager, und das beinahe kostenlos. Wow – was für eine Erkenntnis. Hätten wir das mal nur früher gewusst …

„Ich gehe leider davon aus, dass die Finanzservice-Industrie strukturell abstirbt“, lässt Xie vollmundig verkünden. Stimmt das wirklich? Der Morgan-Stanley-Mann setzt noch einen drauf: Solange die Politiker im Irrglauben seien, dass der Finanzsektor zur Wirtschaft etwas beitrage, werde die Branche ein „gigantischer Parasit“ an der Spitze der realen Wirtschaft bleiben.

Parasiten wird man schwer wieder los. Diese Aussage stimmt uns schon wieder etwas milder, es wird also auch weiterhin ein „business as usual“ geben, auch oder gerade bei Andy Xie. Interessant ist aber an diesen geistigen Verirrungen, Kehrtwendungen, Geständnissen und Generalabrechnungen etwas anderes. Aber bilden Sie sich selbst eine Meinung: Den ganzen Aufsatz gibt es hier, unter der Überschrift: Developing world catches a fresh IT Wave.

Gelesen und nicht nur überflogen? Wir haben es nämlich mit einem Paradigmenwandel von der ausschließlich hierarchisch gesteuerten Finanzkommunikation zu dezentralen Finanznetzwerken zu tun. What do you think about the „fresh IT Wave“, bei der unser jenseits von IT-Silolandschaften vernetzter Finanzmensch die nächste Killerapplikation 2.0 dieser Dekade sein wird?

Written by lochmaier

September 10, 2010 at 10:46 am

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Mieterprotest 2.0: Generation Y erprobt neue Spielvarianten

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Die Verabredung erfolgt virtuell spontan. Eine kleine Vorhut checkt die Lage, dann kommt der Rest mit Masken und Perücken: Protestierer mobilisieren gegen Mietwucher und verwandeln Wohnungsbesichtigungen in Partys mit Musik und Polonaisen: Spiegel online schreibt daraus eine kleine Enthüllungsstory – und war bei einer Fette-Mieten-Fete in Hamburgs Schanzenviertel dabei:

Die Zeiten, in denen sich Deutschlands Wohnungssuchende brav in die Schlange stellen, sind vorbei. Heute müssen Deutschlands Immobilienmakler mit ungebetenem Besuch rechnen. In Berlin rufen Aktivisten zu „hedonistischen Wohnungsbesichtigungs-Rallys“ auf, und die Hamburger „Fette-Mieten-Party“ ist schon die vierte in diesem Jahr. Erfunden hat die neue Protestform das Kollektiv „Jeudi Noir“ aus Paris vor gut fünf Jahren. Um auf die untragbare Mietensituation in der französischen Hauptstadt aufmerksam zu machen, stürmten sie mit Sekt, Konfetti und „musique funk“ Wohnungen und Maklerbüros. 

Quelle: Spiegel online

Es stellt sich natürlich die Frage, ob das Ganze mehr als eine hippe Modeerscheinung darstellt, von finanziell nicht ganz so ressourcenschwachen Young Urban Professonials mit dem leicht trendig angehauchten Y-Gen? Das greift wohl etwas zu kurz, denn viele normale und sogar gut situierte Bürger wollen wissen, was der Staat mit dem Geld anfängt, siehe meinen Eintrag zu Stuttgart21: Wenn Bürgerbeteiligung den Geldstaat neu erfindet

Also, sind das die Vorboten der Generation XYZ, die Generationengerechtigkeit neu definiert? Motto: Warum sich für andere abplagen, die schon genug saturiert sind und was abgeben könnten und müssten. Nun ja, so richtig klar durch die virtuelle Glaskugel werden wir erst in der Zukunft sehen. Machen Sie sich zwischenzeitlich am besten selbst das leicht geschwärzte Lagebild einer „hedonistischen Wohnungsbesichtigungs-Rallye“ in Berlin-Friedrichshain: 

Written by lochmaier

September 10, 2010 at 8:39 am

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Meine „rote“ Bank: Wenn mein Twitter (fast) automatisch Werbung für die versendet

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Gerade eben landete ich eher zufällig auf der Internetseite von „meiner roten Bank“ – laut Focus Money ist die Sparkasse die beste Bank im Raum Köln-Bonn. Das klingt doch super. Die schenken mir auch Eintrittskarten für tolle Veranstaltungen, wenn ich schnell genug bin.

Auf Facebook gibts die verlosten Event-Tickets der Sparkasse auch schon. 51 Fans gibts da – und die haben auch einen Twitter-Account. Und da habe ich ganz naiv mal draufgeklickt, unten auf der Homepage. Und schwupps – whats’s happening? Das hier:

Automatisch sollte ich (nein, eigentlich war es schon netterweise von der roten Bank vorgeschrieben) folgendes hier schreiben – ich hätte es nur noch abschicken müssen:

Mit der roten Bank in der ersten Reihe sitzen. http://bit.ly/cAwu4G

Wie schön, wenn die IT-Systeme alles für einen erledigen. Nicht nur das Denken, sondern auch das Handeln. Bank customizes sein Klientel by Service oriented Architecture. Ist das jetzt Web 1.0 oder Web 2.0?

Okay, werben darf jeder im Netz. Kein Problem. Social Media Management ist es jedenfalls nicht. Aber probieren Sie doch selbst, wie einfach die Bank 2.0 heute schon funktionieren kann. Ohne dass Sie es merken, wird Geld verdient, leider verdienen Sie daran nicht mit. Wie schade, sonst hätte ich es glatt weiter gepostet …

Written by lochmaier

September 9, 2010 at 2:31 pm

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Honorarberatung: Die neue Cash Cow für veränderungsbereite Neubanker?

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Die Branche wirbt vor ihrer Herbsttagung mit diesem Slogan: „Wer heute die Honorarberatung verschläft, wird sich später nur noch schwer in diesem Markt positionieren können.“ Der Honorarberaterkongress in Frankfurt soll dem Zögern und Zaudern ein Ende bereiten.  Schließlich soll keiner die neue „Cash Cow“ für veränderungsbereite Neubanker verpassen.

Denn bislang wurde die Honorarberatung in Deutschland angenommen wie ein zäher Kaugummi: Viel gekaut, aber nicht wirklich geschluckt, und am Ende wieder ausgeworfen. Es tut sich aber allmählich was – nicht nur durch die aufwändigen Werbekampagnen des deutschen Vorreiters Quirin Bank, die sich regen Interesses erfreut.

Ins aufstrebende Lagebild passt diese Nachricht hier: Die EBS Business School startet im November mit einem neuen berufsbegleitenden Studienkurs zur Honorarberatung auf Universitätsniveau, berichtet dasinvestment.com.

Die Themen mit den nicht ganz zufällig an dieser Nahtstelle postierten Praxisreferenten von Quirin Bank und Institut für Transparenz in der Altersvorsorge GmbH (ITA) reichen von den üblichen rechtlichen und steuerlichen Grundlagen der Honorarberatung, das aktuelle regulatorische Umfeld, der Beratungsprozess und ethische Grundlagen, bis hin zum Ausleuchten neuer Geschäftsmodelle aus der Praxis.

Dazu gehören auch verschiedene Honorar- und Vergütungsmodelle aus der Produktpipeline. Kommen wir damit nun zu des Pudels Kern. Denn im Grunde sind zunächst die Anreizysteme vorher zu klären, auf deren Basis der „Bankberater“, gleich ob es sich um Honorar- oder Provisionsberatung handelt, tätig wird. Meine These: Eine Revolution in der Qualität der Bankberatung wird nur dann kommen, wenn sie alle drei Säulen von Produktgestaltung, Vertriebsstrukturen und Anreizsystemen bis hin zur Kundenpartizipation erfasst.

Ansonsten werden sich kleine bis mittlere Nischen bilden. Die theoretischen Fundamente zum „Kunden orientierten Beratungsprozess“ (welch viel sagender Begriff, what else?) sind umstritten, wie ein Artikel aus die ZEIT Anerkennung motiviert stärker als ein Bonus belegt. Ein Auszug aus dem Interview mit dem Wirtschaftspsychologen Rüdiger Hossiep:

ZEIT ONLINE: Als Wirtschaftspsychologe befragen Sie Mitarbeiter von Finanzdienstleistern und anderen Unternehmen in standardisierten Tests danach, wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitsplatz sind. Ihre These, dass Anerkennung der beste Lohn ist, könnte von den Ergebnissen untermauert werden, die eine schwäbische Raiffeisenbank im Test erzielte. Was ist das Besondere dieser Bank? 

Hossiep: Das war die Raiffeisenbank in Ichenhausen, die tatsächlich völlig außergewöhnlich abgeschnitten hat. Unter den mehr als 100 Unternehmen, die wir bislang untersucht haben, habe ich nie ein auch nur annähernd so gutes Ergebnis gefunden. Die Bank wird von ihren Mitarbeitern in allen Bereichen als überdurchschnittlich gut bewertet: Das Verhalten der Vorgesetzten wird gelobt, die Motivation der Belegschaft ist hoch, die Kommunikations- und Entscheidungswege gelten als vorbildlich. Es herrscht ein Geist der Freundlichkeit und Zugewandtheit im Umgang mit sich und anderen, das kann man auch spüren, wenn man die Bank besucht. Die Mitarbeiter fühlen sich ernst genommen und anerkannt – deshalb sind sie auch besonders zufrieden mit den Dingen, um die es in ihrem Institut objektiv betrachtet schlechter bestellt ist als anderswo, zum Beispiel mit ihren Aufstiegschancen. So gut wie niemand will diese Bank verlassen.

Quelle: zeit.de

Nun wollen wir hier nicht behaupten, die Volksbanken wären in ihrer Beratungsqualität alle so gut, wie es bei der Raiffeisenbank in Ichenhausen der Fall zu sein scheint. Bilanzieren wir also: Für den Kunden ist es zunächst irrelevant, ob es sich um eine Beratung auf Basis von Provisionen oder auf Basis einer erfolgsabhängigen Vermittlung handelt.

Es zählt das Ergebnis unter dem Strich. Der Kölner Stadtanzeiger titelt in einem Interview mit Quirin-Bank Chef Karl Matthäus Schmidt infolgedessen ganz richtig: Beratung kostet immer Geld. Das führende deutsche Honorarberaterhaus gibt dort auch Einblicke in sein (durchaus üppiges) nachgelagertes Provisionsmodell. Aber gut, wer erfolgreich ist, soll auch ganz neidlos partizipieren, das erkennen auch Kunden an. 

Ein Streitgespräch im süddeutschen Lokalblatt „Schwäbische Zeitung“ bringt die inhaltlichen Kontroversen um die Qualität der Bankberatung anhand der nieder schmetternden Ergebnisse der Stiftung Warentest noch einmal auf den Punkt. Empfehlenswert und nachzulesen unter der Überschrift: Was ist dran an den Vorwürfen gegen die Bankberatung?

Insofern ist alles, also das „Vertrauensbarometer“ des Kunden zwischen Sturm und eitlem Sonnenschein, am Ende eine Frage der nachgewiesenen Transparenz. Und die bleibt schwierig zu eruieren. Kein Berater, kein Unternehmen, wird seine Bilanz auf Sicht von Jahren (nicht Monaten) öffentlich machen. Und hierin liegt der unauflösbare konzeptionelle Widerspruch der Honorarberatung.

Am Ende übernimmt der Kunde die Regie, er beauftragt, er kauft, er zieht Bilanz. Und so dürfte das Netz mit seinen zahlreichen Plattformen wie whofinance.de oder sharewise.com, die sich um den Austausch von Finanzinformationen zwischen den Anlegern kümmern, weiterhin Aufwind erhalten.

Mir zum Beispiel ist es rätselhaft, warum die Deutsche Bank holzschnittartig hier ganz vorne im Vergleich abschneidet. Aber das ist ja vielleicht auch eine Zeitungsente made by Bildzeitung. Im Kern liegt es nämlich nicht am Beratungsprozess, jedenfalls nicht nach meiner Erfahrung, sondern einfach am Zuschnitt der Produkte. Aber die Deutsche Bank und viele andere arbeitet ja an Neuem.

Interessant sind die bei BILD dort abgegebenen Kommentare zu den Vergleichskriterien, die immer noch einer Art von Geheimwissenschaft entsprechen. Gleichwohl: Eine unabhängige und transparente Einordnung der festen und freien Finanzberater ermöglichen auch diese Plattformen nicht. Aber sie können ein Lagebild verdichten, das dazu beiträgt, dass Anleger ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen können. Nicht mehr, nicht weniger.

Perspektivisch dürfte sich das Wissen der Anleger im Netz dadurch erhöhen, aber es treten auch neue Blendwerke auf den Plan, die es dem Nutzer erschweren, seine Entscheidungen auf einer sachlich fundierten Grundlage zu treffen.

Und das bringt den emanzipierten Teil der Geldanleger dazu, seine Entscheidungen künftig auf Basis von einer Eigenbewertung (vor allem übers Netz sondiert) zu treffen, bei dem sie ganz auf das vermeintliche Exklusivwissen von Beratern verzichten. Informationen im Netz sind ja genug vorhanden, man muss sie nur richtig sichten und auswerten.  Auch das kann nicht jeder.

Ein anderer Teil der emanzipierten Anlegerschaft wiederum wird sich ganz von den Ratschlägen anderer abwenden, und den Zahlungsverkehr nur möglichst geräuschlos und stressfrei über eine „Direktbank 2.0“ abwickeln. Die Frage ist nur, wie dieses neue Konstrukt beschaffen sein wird? 

Und ein weiterer Teil wird, sofern die Vertrauensbasis über einen längeren Zeitraum stimmt,  sich für die Alternative Honorarberatung entscheiden. Ist das nun eine Art Social Banking? Diese Frage habe ich mit dem Quirin-Bank-Vorstandsvorsitzenden Karl Matthäus Schmidt in einem längeren Interview ausgelotet. Er sagt dazu:

Wenn mit Social Banking gemeint ist, dass Bankberater im Sinne des Kunden handeln, also die Bank wieder für die Menschen da ist; kann man die Honorarberatung sicher als „Social Banking“ definieren. Unser Bankberater beraten ihre Kunden nach dem „Customer Advocate Prinzip“, also wie ein Anwalt, fair, unabhängig und transparent. Das Verhältnis zwischen Kunde und Berater ist partnerschaftlich und gleichberechtigt.

Quelle: Social Banking 2.0

Das ganze Interview gibt es hier. 

Und hier noch ein paar Impressionen vom Honorarberater-Kongress 2009:   

Written by lochmaier

September 9, 2010 at 7:20 am

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Blogger erobern Medien-Mainstream: Nachrichtendienst AFP will gute Quellen aus der „augmented humanity“ zitieren

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Während die ganze Medienwelt bis hin zur Wirtschaftspresse gestern gebannt auf die IFA Berlin blickte, und live im Netz den Ausführungen von Google-Chef Eric Schmidt zur „augmented humanity“ folgte, arbeitete ich gerade an meiner eigenen Definition zu diesem Begriff. de-bug hat die Debatte so aufgegriffen: Niemals verloren, niemals einsam, niemals gelangweilt.    

Greifen wir dieses Buzzword der „augmented humanity“ jenseits der Schirrmachers und Co. mal auf. Früher mussten junge kreative Schreiberlinge bei einer Lokalzeitung nachfragen, ob der Chef ihnen erlaubte, mal einen Artikel zu schreiben. Heute kann man Inhalte einfach ins Netz stellen, es muss sich nur wer dafür interessieren. 

Die Nachrichtenagentur AFP, die auch schon durch eher harsche Maßnahmen gegen die Meinungsfreiheit und Netzvielfalt auffiel, kündigt jetzt aber folgendes an: Wir zitieren künftig die Blogosphäre als Nachrichtenquelle, berichtet thenextweb. Das klingt revolutionär, ging aber im allgemeinen Medientaumel unter.

Ob es der Durchbruch für kreative und fleißige Blogger unterschiedlicher Genres sein wird, ist schwer zu beurteilen. Es ist aber ein logischer Schritt in die richtige Richtung.  Das klingt interessant. Ist es das auch?

Die Leserkommentare zeigen noch eine vorsichtige Erwartungshaltung. Zu oft  wurden kreative Himmelsstürmer enttäuscht,  von sich oder von dem Rest der Welt. Im Netz bleibt nicht viel übrig, außer ein paar Sekunden geteilte Aufmerksamkeit nebenbei. Blicklogger Dirk Elsner hat in seinem Beitrag die mentalen Aufs und Abs eines Tagebuchschreibers bereits beleuchtet, und kommt zu dem Ergebnis, es soll den integrativen Pluralismus befördern.

Wie schwierig es ist, einen alternativen professionellen Rahmen und Infrastruktur mit neuen Sender-Empfänger-Modellen auf die Beine zu stellen, zeigt sich etwa an Buzzriders, einem ambitionierten Lokalzeitungsprojekt 2.0, das aus der Sondierungsphase bislang nicht hinaus gekommen ist. Aber was nicht ist, das kann noch werden, berichtet förderland.de über den neuen Bürgerjournalismus und seine Protagonisten.

Was bedeutet diese Nachricht nun für die Wirtschaftsblogger, die ja nicht ohne weiteres rund um die Uhr einen hochwertigen oder bunt unterhaltsamen Nachrichtenstrauß produzieren können, weil sie nicht in der ersten Riege der asymetrischen Informationspyramide sitzen. Zweifellos: Wer das Ganze nur ziellos, hobbymäßig und mit mäßigem Aufwand betreibt, der wird kaum mit einem professionellen Nachrichtenstab konkurrieren können. 

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ganze Heerscharen von Wissenschaftlern, Unternehmen, Medien und Auguren ziehen nämlich umsonst-und-kostenlos ihr professionelles „Datamining“ aus dem Web, und verkaufen es dann. Mir ist das klar, dass ich und andere all diesen stillen Wortverköstern kostenlose Steilvorlagen liefere. Aber die Freude an der Arbeit trübt es mir trotzdem nicht. Ich sehe die Herausforderung sportlich.

Beispiel Noa Bank, leider ein Fazit aus traurigem Anlass : Ich war der erste deutsche Berichterstatter, der bereits vor der Gründung differenziert über das Geschäftsmodell berichtet hatte. Und ich war vor Spiegel online und allen anderen auch der erste Berichterstatter, der seine Leser auf Social Banking 2.0 über das eingeleitet Insolvenzverfahren informiert hat.

Auch sonst gab es hier immer wieder was zu lesen, was anderswo vielleicht so nicht zu erfahren war. Das gilt auch für viele andere Blogs aus Wirtschaft und Finanzen, mit denen man zwar nicht unbedingt reich, aber erkenntnisreich wird. Als professioneller Journalist bin ich es natürlich gewohnt, rasch zu recherchieren, verdichten und zu schreiben. Dennoch könnte die Außenwahrnehmung für die Blogosphäre im Land der Bedenkenträger besser sein.

Es sind ja nicht nur Journalisten und PR-Leute aktiv. Da reifen unglaubliche Talente aus dem Nichts heran. Habe gestern zufällig mal auf dem Zementblog gestöbert, wo ein Hamburger Schüler aus der gymnasialen Oberstufe durchaus interessante Inhalte wie ein Praktikum in einem Beerdigungsinstitut postet. Vieles dort ist kurzweiliger, als den immer wieder gleichen Experten in den hierarchisch vordefinierten Lesezirkeln zu lauschen. 

Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Nicht alles ist Gold, was glänzt, manchmal sind Postings auf den Blogs vorschnell und hibbelig, einmal mehr Nachdenken wäre oftmals gut. Aber die sozialen Klischees gegen die Blogosphäre sind längst verbraucht. Neues bricht sich seine Bahn.

Gerade in Deutschland denken viele immer noch: Hat der Blogger mit seiner kostbaren Zeit nichts besseres zu tun, also keinen ordentlichen Beruf erlernt oder eine Familie, um die er sich kümmern muss – oder ein Haus, dessen Dach heute noch in Ordnung gebracht werden müsste. Oder den Hund Gassi führen und dann vor der Glotze einschlafen. 

Doch, das haben viele, aber sie bloggen trotzdem mit hohem sozialen Kapitaleinsatz aus Leidenschaft, Offenheit und Neugier.  Natürlich verdienen die meisten ihr Geld anderswo. Der Traum vom schnellen Geld mit digitalen Inhalten erfüllt sich gerade jenseits des medialen Mainstreams für die meisten Blogger kaum. 

Aber es gibt ein wachsendes Publikum für andere Sichtweisen. Die Blogger wiederum können sich nur etablieren, wenn sie die Mentalität eines Leistungssportlers mit dem Herz eines Langstreckenläufers kombinieren, der sich seine Rennen immer wieder gut einteilen muss.

Ich selbst finde es neben dem Brot-und-Butter-Geschäft spannend, neue professionelle Wege jenseits der Einbahnstraßenkommunikation zu erkunden. Und das geht nun mal nur, indem man vom Empfänger zum Sender wird. Man oder frau (auch da gibt es viel Neues) muss nur seinem eigenen inneren Kompass vertrauen.

Was könnte sich für die hiesigen Wirtschafts- und Finanzblogger ändern, wenn sie sukzessive in die Nachrichtenkanäle der arrivierten Medienindustrie eingebunden würden?

Zum einen wird der Trend, dass Blogger  mit dem Medienmainstream kooperieren, kein Selbstläufer, denn man muss spannende Inhalte präsentieren, aber auch spezifische Themen posten, um von den relevanten Distributoren überhaupt wahr genommen zu werden.

Und wenn man oder frau einmal etabliert ist, besteht das Risiko, selbst als medialer Mainstream von der schnellebigen Community rasch wieder ins Nirwana ausgespuckt zu werden. 

Es gibt viele Gräben in oftmals ideologisch fundamentierten Weltbildern, die sich dem Schwarz-Weiß-Fernsehen verschrieben haben. Ich selbst habe gute Erfahrungen gemacht, die meisten Blogger im Bereich Wirtschaft und Finanzen sind sehr offen und undogmatisch. Das bereichert den Dialog, schafft kreative Reibung für neue Erkenntnisse.

Das Bloggerforum Wirtschaft, auf dem ich ja auch selbst aktiv bin, ist ein derartiges Netzwerk, das versucht, die unterschiedlichen Blickwinkel auf die jeweilige Nachrichtenlage in der Finanzwelt oder Wirtschaft auf hintergründige Art und Weise über eine zentrale Einstiegsseite zu präsentieren.

Das Sammelsurium der dort vertretenen Spezialisierungen ist groß. Aber, immerhin, es ist ein Anfang, der zeigt, dass die Schlagkraft der Blogosphäre wächst. Trotzdem braucht es keine Grüppchenbildung, von welcher Seite auch immer, um als Einzelner einen kreativen Sprengsatz zu zünden.

Es werden noch viele Menschen in der nachwachsenden digitalen Rohstoffgeneration derartige Konzepte entwickeln, die sich nach und nach in ihre Zielgruppen hinein tasten – und versuchen, diese mit spannenden Themen an sich zu binden.

Im Blogoscop sieht man mindestens so gut, wie in jener ersten Reihe, wo alle Plätze vorne schon besetzt sind, und klar ist, wer diese einnimmt.

Klar: Jeder kämpft im Social Network um ein Häppchen Aufmerksamkeit, wodurch nur die schnellsten, fundiertesten und besten überhaupt eine Chance auf öffentliche Wahrnehmung haben. Es herrscht ein knallharter Verdrängungswettbewerb, horizontal wie vertikal.

Aber dass einzelne Personen oder lose Social Media Formationen aus der bunten weiten Welt der Blogosphäre jetzt von Nachrichtenagenturen als kleine „Ich-AG-Ergänzungsverlage“ zu den klassischen Nachrichtenströmen wahr genommen werden und sich entfalten können, das ist die logische Folge eines viralen Evolutionsprogramms.

Die Ankündigung von AFP ist also zweifellos eine gute Nachricht, die in der Welt der großen Newsdesk sicherlich untergeht, aber doch ein Nährboden für das künftige Wachstum von alternativen Sichtweisen auf die volatile Welt darstellt.

Vielleicht landen ja irgendwann sogar Videos auf dem Youtube-Kanal von AFP, worüber sich Google-Chef Eric Schmidt freuen würde. Und dann hätte er aus Nutzersicht deutlich mehr zu erzählen auf der nächsten IFA, als sich die immer neuen Vorwürfe anzuhören, es handle sich bei dem Suchmaschinenkonzern am Ende doch nur um eine Datenkrake.

Written by lochmaier

September 8, 2010 at 6:19 am

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