Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Ayondo: „Demokratisch“ organisierte Web 2.0-Trading-Plattform wächst

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Die Web 2.0-basierte Online-Trading-Plattform ayondo präsentiert sich in einem frischen Design und bietet darüber hinaus zahlreiche neue Features. Dazu gehören etwa der „Ranglisten-Konfigurator“ und eine verbesserte Darstellung der Trader-Profile in Form von professionellen Hedge-Fonds-Reports.

Zunächst etwas zum Hintergrund des 2009 gegründeten Unternehmens: Ayondo verbindet erstmalig zertifizierte Top-Trader mit aktiven Privatanlegern auf einer Online-Plattform. Über zehntausend Privatanleger nutzen die kostenlose Plattform bereits, um unmittelbar am Können von erfolgreichen Top-Tradern profitieren zu können.

Dabei hat ein registriertes ayondo-Mitglied die Möglichkeit, sein Broker-Konto mit ayondo zu verbinden und alle Trades der Top-Händler automatisiert auf dieses zu übertragen. Die ayondo-Trader handeln liquide Märkte wie Devisen, Edelmetalle, Rohstoffe und Indizes. Die Positionen werden meist intraday gehalten. Ein einmaliges Risikomanagement steuert auf Wunsch das Ordervolumen und schützt den Kunden vor größerem Kapitalverlust.

Was gibt es jetzt Neues? Eine elementare Weiterentwicklung betrifft nach Ausssage von ayondo das Geschäftsmodell. Registrierte Nutzer können nunmehr die Trades (Kauf- und Verkaufssignale in Märkten wie Devisen, Rohstoffe und Aktienindizes) der Trader kostenlos und vollständig automatisiert auf das eigene Brokerkonto durchleiten. Hierfür reiche eine unkomplizierte und schnelle Kontoeröffnung bei dem Ayondo-Partnerbroker aus.

Innerhalb weniger Klicks kann somit der passende Trader ausgewählt und die automatische Ausführung aktiviert werden. Innovative Risikofunktionen wie der „Verlust-Schutz“ und das automatische „Money Management“ schützten die „Follower“ nach Angaben von Ayondo vor größeren Kapitalverlusten.

Und so beschreiben die Macher ihre Plattform: Das neue Modell demokratisiere den Markt für Privatanleger. Bislang hätten nur sehr vermögende Privatpersonen und Institutionen Zugriff auf das Know-how von Hedge-Fonds-Managern. Mit ayondo könne sich nun jeder Anleger am Computer zu Hause das Können der besten Trader kostenlos auf das eigene Brokerkonto ab einer Kontogröße von 2.000 Euro holen.

Funktioniert das wirklich so einfach? Social Banking 2.0 hat nachgefragt: Haben die Mensschen Vertrauen in die Trader? Wie oft wechseln sie? Wieviel Geld legen die Kunden durchschnittlich an. Alles wollen die Ayondo-Macher zwar nicht verraten, bestätigen aber auf Nachfrage. Erstens: Die Signalgeber werden nicht oft gewechselt. Und zweitens: Bei den Anlagebeträgen gibt es alles zwischen 2.000 und 100.000 Euro.

Soweit eine erste positive Einschätzung. Zumindest findet das Modell auch auf dem Frankfurter Parkett einen Widerhall. So beleuchtet die ARD-Börse  Ayondo, das Web 2.0-basierte Börsenportal: Nur wenige Anleger seien bei spekulativen Investments längerfristig erfolgreich. „Von den wenigen Erfolgreichen im Trading mit Devisen und Rohstoffen könnte man gewinnen lernen. Auf der Internet-Plattform Ayondo werden Amateure und Profis zusammengebracht.“

Mit ihrem Angebot wollen die Ayondo-Gründer laut Börse online die „Hidden Champions“, also erfahrene Daytrader, die bereits von ihrer Tätigkeit leben können, mit ganz normalen Privatanlegern in Kontakt bringen. Die wiederum suchen angesichts der von Crashs geplagten Aktienmärkte vermehrt eine alternative Anlagemöglichkeit mit konstant hohen Renditen.

Fazit des Beitrags: Vom Frontrunning (Insidergeschäfte), wie es die Autoren zahlreicher Börsenbriefe vermeintlich praktizieren, distanzieren sich die Ayondo-Macher, bilanziert Börse online. Ohnehin verdient das Portal laut eigener Aussage vor allem an der Anzahl der Trades, die über die Partnerbank abgewickelt werden. Motto: Je mehr und je erfolgreicher, umso besser.

Was Frontrunning konkret bedeutet, hat die Süddeutsche Zeitung ausführlich beleuchtet, indem sie einen der größten Insider-Aktienbetrugsskandale skizziert. Der Verdacht: Eine Clique von Finanzjournalisten, Vermögensverwaltern und Herausgebern von Börsenbriefen gab untereinander lukrative Insiderinformationen weiter. Im Visier steht insbesondere das im Fachjargon als Scalping bezeichnete Vorgehen.

Haben solche Web 2.0-basierten Trader-Portale trotz der Schwierigkeiten, verlässliche Bewertungen zu finden, eine Zukunft, setzen sie gar einen neuen Trend? Ohne entsprechend große Kundenzahl und Einlagenvolumina bleibt es beim Hobbycharakter von Empfehlungsportalen, denen die Reichweite für ein schlüssiges und gleichsam profitables Geschäftsmodell fehlt.

Bilanziert man die Aussagen der Trader-Community, die sich auf Ayondo ausführlich selbst inklusive ihrer Motivationen beschreibt, so lässt sich aber auch feststellen, dass die Motive der Akteure von einem großen Drang nach Selbstbestimmung gekennzeichnet sind.

Die Anlegertypologie entspricht weitgehend den beiden vom Marktforschungsinstitut YouGovPsychonomics ermittelten Bankkundenprofilen „Der Unabhängige“ und „Der Fordernde“, die ihre Geschicke lieber in die eigene Hand nehmen, statt ihre Geldgeschäfte anderen „Beratern“ zu überlassen.

Ein selbstbestimmtes und weitgehend eigenverantwortliches Leben zu führen, dieser Lebensstil drückt sich für die Zielgruppe der gegenüber den Banken autonom agierenden Menschen gerade im selbst definierten Engagement an den Börsen aus.

So gesehen ist die Demokratisierung von exklusiven Marktritualen, an denen bislang nur die professionellen Akteure teilhaben konnten, die logische Folge einer technisch-sozialen Evolution, die sich gerade mit der Aktienanlage übers Internet (nicht nur) für junge und gut ausgebildete Zielgruppen jenseits von moralischen oder sozial-ökologischen Beweggründen erschlossen hat.

Allerdings könnten die großen Spieler mit und ohne Hilfe von „Algotrading“ oder dem Hochfrequenzhandel diesen „sozialen“ Trend aus der Mitte der Gesellschaft jederzeit manipulieren und ausbeuten, denn letztlich sind die kleinen Privattrader nur ein letztes Glied in der Kette, und sie haben kaum Einfluss auf grundlegende Entwicklungen, sondern hängen sich letztlich möglichst produktiv an die Trends an, ohne die Spielregeln zu beeinflussen.  

Da an der Börse ein erfolgreiches Agieren zudem wesentlich aufwändiger herzustellen ist, gegenüber einer vergleichsweise deutlich weniger komplexen Kreditvergabe über finanzielle Netzwerke wie bei Smava, sind die Einstiegshürden als ambitionierter privater Händler dementsprechend hoch. Letztlich aber stellt sich dieses Problem bei Ayondo direkt nicht, denn der Privatanleger operiert dort nicht selbst, sondern lässt die vermeintlich besten Trader den Job erledigen.

Die nach ausführlichem Screening ausgewählten Händler stehen jedoch unter einem hohen permanenten Erfolgsdruck. Wer den Track Record mal ein paar Tage ein gutes Stück weit verfehlt, düfte ziemlich rasch in Ungnade fallen, sowohl bei den Kunden als auch bei den Machern. Denn letztere möchten schließlich ihr Geschäftsmodell mit Hilfe der Provisionsbeteiligungen irgendwann profitabel refinanzieren.

Die Macher jedenfalls scheinen vom Erfolg ihres Geschäftsmodelles auf Basis der bisherigen Erfahrungen überzeugt: „Dass das Modell funktioniert, zeigt das rasante Wachstum. Bereits über 10.000 aktive Anleger nutzen ayondo zur Entscheidungsfindung und beobachten die Trades der Top-Trader“, lassen die Plattformbetreiber verlauten.  

Und noch eine Aussage scheint den Trend in Richtung Web 2.0-basiertes Trading zu bestätigen: „Viele haben bereits die automatische Ausführung aktiviert und profitieren so ganz einfach und mit steigendem Kontostand von der Marktüberrendite (Fachbegriff: Alpha), welche die besten ayondo-Händler seit über einem Jahr erzielen. Die aktuellen Top Five der zertifizierten ayondo-Trader haben jeder für sich den Deutschen Aktienindex (DAX) seit Start der Plattform deutlich geschlagen.“

Sicherlich werden die Kunden diesem Trend immer wieder genau auf den Puls fühlen. Und wie bei den meisten Plattformen sollten sich eigene Monitoring-Netzwerkstrukturen wie etwa beim Social Lending-Pendant Smava herausbilden, über die sich die Klienten jenseits von Marketingversprechen fortlaufend ein eigens Bild über die statistische Performance verschaffen könnten. Davon kann auch der Plattformbetreiber nur lernen, um sein Innovationsmodell fortlaufend weiter zu entwickeln. Schließlich ist die direkte Demokratie die beste aller Varianten.

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Written by lochmaier

September 29, 2010 um 7:23 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. Ayondo ist meiner Meinung nach eine tolle Alternative für alle, die sich selbst aus welchen Gründen auch immer nicht mit dem Daytrading beschäftigen wollen/können. Gerade Anfänger verbrennen oftmals viel Geld und täten gut daran, zunächst einem Profi-Trader über die Schultern zu schauen und eine eigene Strategie zu entwickeln.

    Frank

    November 16, 2010 at 4:39 pm

  2. […] zum Geschäftsmodell der deutschen Plattform Ayondo, über die Social Banking 2.0 schon ausführlich berichtet hat. Auch mein Buch Die Bank sind wir enthält einen ausführlicheren Analyseteil zu […]


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