Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

GE Capital Direct: Hohes Zinsversprechen und niedriges Kommunikationslevel

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Wer auf die Homepage von GE Capital Direct schaut, liest dort folgendes: „GE Capital ist der weltweit führende Spezialist für Finanzierungslösungen im Firmenkundengeschäft. Rund 50.000 Kunden vertrauen allein in Deutschland auf unsere maßgeschneiderten Lösungen. Und auch Sie als Privatkunde profitieren mit dem GE Capital Direkt Tagesgeldkonto von der Leistungsstärke unseres Unternehmens.“

Das klingt natürlich gut. Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille: Bereits Mitte September folgte den hohen Zinsversprechen auf bis zu 2,2 Prozent fürs Tagesgeld eine „kleine Schweigeminute“. Darüber berichtete Finanznachrichten.info wie folgt:

Viele Kunden und auch Medienvertreter wunderten sich darüber, dass von der GE Capital Direkt nach erst sehr lautem Getöse von einem Tag auf den anderen irgendwie gar nichts mehr zu hören war. Viele Finanzportale nahmen daraufhin das GE Capital Direkt aus ihren Vergleichsrechnern, wenngleich diese den Spitzenreiter in aktuellen Vergleichen wie auf http://www.tagesgeld-vergleich.net/ stellen würde.

Ein Finanznewsportal fragte dann gesondert bei der GE Capital Direkt nach, was denn nun mit dem Tagesgeld werden würde, und ob sich die Konditionen ändern würden. Nach dreimaliger Anfrage erhielt das Portal tatsächlich eine Antwort. Am 18. September gab die GE Capital Direkt dann die Antwort, dass die Strategie der Bank es nicht vorsähe, „die Konditionen unseres Produktes in naher Zukunft zu verändern“.

Heute, nicht einmal einen Monat später, sieht die Lage ganz anders aus. Plötzlich senkt die GE Capital Direkt den Zinssatz für ihr Tagesgeld und senkt zugleich die Anlagensumme von unbegrenzt auf nur noch 250.000 Euro.

Quelle: finanznachrichten.info

Das Kommunikationsgebaren auf reduziertem Niveau klingt ein bisschen wie bei der Noa Bank, die zunächst sehr intensiv und am Ende gar nicht mehr mit ihren Kunden kommunizierte. Das Ende ist bekannt: Die Insolvenz, und das Entschädigungsverfahren über den EDB laufen bereits.  Vieles bei GE Capital Direct ähnelt auf den ersten Blick betrachtet dem Geschäftsmodell: Die Einlagen dienen zur Refinanzierung des Factoring- und Leasing-Geschäftes, immerhin gibt es wohl um die 55.000 Firmenkunden, die „maß geschneiderte Lösungen“ benötigen.

Dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden, aber die Sache sollte solide gemanaged werden. Auch hier scheint eine gewisse operative Hektik und eine vage (Un)Entschlossenheit zu dominieren. Kurzfristig hohe Einlagenvolumina einzuwerben ist die eine Sache, sie seriös aber auch gewinnbringend in Kredite oder andere Instrumente umzuwandeln, alles andere als ein Selbstläufer.

Insofern setzen derzeit viele Anleger die folgende Pressemitteilung von GE Capital Direct gerne auf ihre persönliche Watchlist:

„GE Capital Direkt hat bekannt gegeben, dass die angestrebten Ziele in Bezug auf Kundengewinnung und Zahl der eröffneten Konten schon nach acht Wochen übertroffen wurden. Der Tagesgeld-Anbieter, der im Juli mit einem Top-Zinssatz von 2,25 Prozent an den Start ging, profitierte von einem unerwartet hohen Zuspruch deutscher Anleger, die ihr Geld gezielt anlegen möchten.“

Ganz besonders dieser Satz hier gehört mittelfristig immer wieder auf den Prüfstand:

„Der hohe Zinssatz war aber nicht der einzige Erfolgsfaktor. Wie wir aus vielen Kundenreaktionen wissen, ist noch ein anderer Aspekt wichtig – nämlich, dass der Kontoinhaber mit der Geldanlage den deutschen Mittelstand aktiv unterstützt“, sagt Georg Strich, Head of Deposits von GE Capital Direkt.

Und auch diese Aussage hier gilt es weiter im Auge zu behalten: 

„Aber: für uns ist Wachstum kein Selbstzweck. Deshalb überprüfen wir aktuell verschiedene Optionen.“ Dazu zähle eine leichte Zinssenkung ebenso wie die Einführung eines Maximalanlagebetrages für Neukunden. „Die genauen Änderungen werden wir zeitnah kommunizieren“, sagt Georg Strich.

Das ist jetzt auch schon wieder eine Weile her. Die Anleger und Firmenkunden werden diese letzten Ausführungen und Zitate sicherlich sensibler als zu früheren Zeiten beim Wort nehmen. Finanznews-123.de wirft folglich in einem Interview mit Matthias Kröner von der Fidor Bank die provokante Frage auf, ob es auch eine Bank gibt, die die hohen Versprechen nach einer transparenten und konsistenten Informationspolitik überhaupt annähernd einzulösen vermag.

Siehe hierzu auch meinen Beitrag auf heise.de: 

Wie die Finanzindustrie im sozialen Netzwerkzeitalter auf Kundenfang geht

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Written by lochmaier

September 27, 2010 um 7:37 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Heute wurde zusätzlich die Maximalanlage bei der GE Capital Direkt auf 250.000€ herabgesetzt – und wie bei der letzteren Zinssenkung wurde dies bis heute keinem Kunden mitgeteilt.

    Wie stellt sich das die GE denn vor – im schlimmsten Fall sehe ich am Ende des Jahres bei der Zinsgutschrift dass ich anstatt 2,25% auf unbegrenztes Guthaben nur 1% bis 5.000€ bekommen habe (wenn diese Politik so weiter geht).

    Auch wir als Newsportal erhalten komischerweise keinerlei Informationen über Konditionsänderungen – bei der GE muss man die Konditionen leider (fast) jeden Tag nachsehen – kein gutes Zeichen.

    Hier unser News Artikel zu Zinssenkungspolitik der GE http://www.tagesgeld-news.de/zinssenkung/ge-capital-direkt-senkt-tagesgeld-zinsen-73272/

    Tagesgeld News

    September 27, 2010 at 8:06 am


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