Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Bildungsfinanzierung 2.0: Studenten kreieren Croudsourcing-Tools

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Dass sich die Weisheit der Massen auch in Sachen kollektiver Finanzintelligenz nutzen lässt, dürfte prinzipiell kaum  umstritten sein. Die Frage ist nur, wie kann dies erfolgreich umgesetzt werden. Über einen neuen Ansatz berichten die VDI nachrichten unter dem Titel: „Die Weisheit der Massen nutzen“. Ein Auszug:

In Boston, in einem kleinen Gründerzentrum, einem Inkubator, wie es so schön heißt, haben Christopher Chard, 26, und Ken Knoll, 25, diesen Gedanken kennengelernt. Die beiden Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU Darmstadt haben dort ein Praktikum bei einer Unternehmensberatung absolviert. „In den USA ist Crowdsourcing ein ganz heißes Thema“, sagt Ken Knoll. Zurück in Deutschland machten die beiden Studenten Crowdsourcing zum Thema einer Studienarbeit. Ihr Professor spielte mit. Sie sollten in einem Crowdsourcingprozess ein Finanzprodukt entwickeln, bei dem Eltern für ihre Kinder Geld für das Studium zurücklegen könnten. Als Partner fand sich die Sparkasse Darmstadt.

Chard und Knoll suchten eine kleine Gruppe von 20 Freunden und Verwandten zusammen. In einem eintägigen Seminar sollten die Teilnehmer sich damit auseinandersetzen, wie Einzahlung und Auszahlung funktionieren könnten, welche Nebenleistungen die Bank anbieten könnte und wie das Produkt vertrieben werden könnte. Chard und Knoll waren überrascht, wie detailliert sich die Gruppe, von der niemand einen Bezug zur Finanzbranche hatte, mit den einzelnen Fragen befasste. Vor allem durch Nebenleistungen könne die Bank punkten, befanden die Teilnehmer. Günstigere Studienbücher oder Nachhilfe in bestimmten Fächern könne die Bank vermitteln und damit die Attraktivität des Produktes steigern. „Es ist wichtig, komplexe Fragestellungen in Einzelfragen zu untergliedern und die Diskussion in der Gruppe zu moderieren“, sagt Christopher Chard. Erst dann kann eine Gruppe, die Crowd, wirklich konstruktiv arbeiten und ist nicht durch die Komplexität gehemmt.

Die beiden Studenten werteten die Vorschläge aus, rechneten sie noch einmal durch und präsentierten der Sparkasse das Ergebnis. Ob es tatsächlich umgesetzt wird, wird derzeit noch geprüft. Allerdings stehen Chard und Knoll in Gesprächen mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) zu einem weiteren, weit größeren Projekt. „Wir denken, dass sich der Prozess auch im Internet mit viel größeren Gruppen umsetzen lässt. Bei denen bis zu 500 Leute gleichzeitig an einem Thema arbeiten“, sagt Ken Knoll.

Quelle: VDI nachrichten

Ein weiterer Hintergrundartikel zu dieser Idee findet sich auf echo-online.de.

Die genaue Gliederung eines Aufsatzes der beiden oben genannten Autoren zum Themenbereich IT-basiertes Innovationsmanagement (in der Finanzindustrie) kann man sich hier anschauen, oder gleich den  ganzen Aufsatz der beiden Autoren im HMD-Heft Praxis der Wirtschaftsinformatik ordern.

Man darf gespannt sein, ob sich Banken heran trauen, neue Ansätze in der Bildungskonzeption – bis hin zur -finanzierung umzusetzen, oder ob dies andere Spieler aus der IT-Szene mit kreativen Modellen übernehmen. Man könnte ja tatsächlich schon im eigenen Haus damit anfangen.

Denn neue Marktteilnehmer in einer breit gefächerten „Social-Lending-Industrie“ fokussieren sich bereits heute auf spezielle jüngere und gut gebildete Zielgruppen, wie das nicht gemeinnützige Unternehmen People Capital auf Studenten, die Geld für den Besuch ihres jeweiligen College benötigen.

Problematisch für alle Beteiligten bei dieser Variante ist der vorausgerichtete Blick auf die zukünftigen Berufschancen und die damit verbundenen Rückzahlungsoptionen. Dieses Kreditrisiko praktisch handhabbar zu machen, versucht der Internetbetreiber People Capital über ein statistisches Verfahren „humancapitalscoring“. Anhand einer Profilanalyse werden die zukünftigen beruflichen Aussichten des Bewerbers in ein Lagebild übernommen.

Es stellt sich allerdings die Frage, inwieweit externe Faktoren wie Wirtschaftskrisen oder sonstige gesellschaftliche Umbrüche in die Bewertungsmatrix eines erweiterten Risikomodells einbezogen sind, wie also die Akteure adäquat auf außerfahrplanmäßige Entwicklungen reagieren.

Erfolgreich ausweiten lässt sich das Modell der Vergabe von Bildungskrediten auch auf die Schulen. In den USA existiert mit Donors.choose.org beispielsweise eine gemeinnützige Plattform, in der Menschen bestimmte Lehrer und Schüler aktiv mit der Spende von Unterrichtsmaterialien unterstützen können. Gegründet wurde die Plattform von Charles Best, der fünf Jahre in einem sozialen New Yorker Brennpunkt in der Bronx als Lehrer arbeitete.

In den sieben Jahren seit Bestehen der 2002 gegründeten Plattform warben die Gründer mit einem professionell organisierten Managementteam bis September 2009 immerhin rund 37 Millionen US-Dollar ein. Zu den Unterstützern des landesweit agierenden Portals gehörten vor dem Ausbruch der Finanzkrise auch renommierte amerikanische Geldhäuser wie die Bank of America und Wachovia, die seit 2008 zur US-Großbank Wells Fargo gehört. Bis zum Konkurs im September 2008 als führender Partner von donors.choose in Nordkalifornien engagierten sich auch die Lehmann Brothers Holdings.

Den im deutschsprachigen Raum zurzeit populärsten Vertreter im Segment von sozialen Bildungskrediten stellt die Schweizer Plattform studienaktie.org dar. Dort können sich Studierende im Internet als „Wertanlage“ anbieten. Dafür bieten sie Investoren ein „partiarisches“ Darlehen an. Das ist eine Schuld, die mit Rückzahlungsdatum und dem Versprechen auf eine künftige Mitbeteiligung an einem Gewinn verbunden ist. Dies wäre der Fall, wenn der Student ins Berufsleben eintritt, etwa in Form eines prozentualen Anteils am späteren Jahresgehalt.

Eine Garantie für den Kreditgeber gibt es freilich nicht. Er trägt das volle Risiko eines Fehlschlags, wenn der Studierende später nicht in der Lage sein sollte, das Darlehen zurückzuzahlen, etwa wegen eines plötzlich eintretenden privaten Konkurses oder eines Unfalls. Bevor der Vertrag zustande kommt, findet ein persönliches Gespräch zwischen Bildungsinvestor und dem Aspiranten statt.

Es ist kaum zu übersehen, dass ein derartiges Geschäft dem Aspiranten eine hohe finanzielle Last für sein künftiges Leben aufbürden kann, was durch den Umstand, dass er eine persönliche Beziehung zu seinem Bildungsinvestor unterhält, sogar noch verstärkt werden kann. Trotz des hohen Risikos für den Kreditgeber und Darlehensnehmer macht der Trend, soziale Kredite auf den Bildungsbereich auszudehnen, weiter Schule.

Für die Studierenden ist das Modell auch deshalb attraktiv, weil es einen Gegenentwurf zu den teils exorbitant steigenden Kreditzinsen darstellt, die selbst seriöse Organisationen wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mittlerweile verlangen. Sogar in einer staatlicherseits so reglementierten Volkwirtschaft wie China hat sich mit Qi-fang eine ähnliche Plattform wie studienaktie.org etabliert. Bis zum Juni 2009 sind dort bereits 2500 Darlehen mit einer Summe von durchschnittlich je 400 US-Dollar ausgereicht worden.

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Written by lochmaier

September 22, 2010 um 6:56 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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