Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Venture Philanthropy: George Soros spendet 100 Mio. Dollar an Human Rights Watch

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Unverhoffter Geldregen für Human Rights Watch. Der US-Investor George Soros spendet der Menschenrechtsorganisation 100 Millionen Dollar. Der Mann kann es sich leisten – sein Vermögen wird auf 14 Milliarden Dollar geschätzt, berichtet Spiegel online. Seine Begründung:

„Das ist altersbedingt“, sagte Soros der Zeitung „New York Times“. „Eigentlich wollte ich all mein Geld während meines Lebens unter die Leute bringen, aber den Plan habe ich aufgegeben.“ Jetzt will der rund 15 Milliarden Dollar schwere Soros weitere Spenden in die Pipeline bringen.

Prinzipiell ist das positiv, wer was tut, sollte sich nicht gleich folgende Vorwürfe anhören müssen: Das ist alles Lug und Trug, Manipulation, Vermögens- und Steuerkaschierung, Korruption, Machtmissbrauch, usw. – suchen Sie sich ein passendes Motiv aus.

Hier eine denkbare Klischeevariante, es handele sich bei Soros nämlich um einen britischen Geheimagenten. James Bond 007 lässt grüßen:

Wer hat schon das ganze Leben hindurch eine weiße Weste. Natürlich nur der wa(h)re James Bond. Obwohl gerade der jetzt kein richtiger männlicher Held mehr ist, in der Erscheinung von Daniel Craig.

Zurück zu den ernsten Bezügen dieses neuen Trends, der wissenschaftlich betrachtet sich als Venture Philanthropy bezeichnen lässt. Er bezeichnet einen Ansatz, der sich stark an unternehmerischen Prinzipien orientiert. Erstmals verwendet wurde der Begriff 1969 von dem Amerikaner John D. Rockefeller III. Die Venture Philanthropie setzt Private Equity bzw. Risikokapital ein, um soziale, ökologische oder gesellschaftliche Vorhaben zu unterstützen.

Anders als Stiftungen oder Spender kann die Venture Philanthropie verschiedenste Finanzierungsformen nutzen, etwa Darlehen und Eigenkapital. Empfänger der bereitgestellten Gelder sind zum Beispiel Non-Profit-Organisationen und Sozialunternehmen. Gibt es da einen graduellen Bewusstseinswandel bei reichen Milliardären, sich doch nicht ausschließlich das Leben in einer Parallelgesellschaft einzurichten? 

Daneben gibt es noch weitere Aktivitäten: Neben dem finanziellen Engagement unterstützen Vertreter der Venture Philanthropie die geförderten Vorhaben in der Regel auch mit Mentoring, Beratung und Netzwerkkontakten (Drei-Säulen-Modell). Sie nutzen Methoden des Venture Capitals und aus der Wirtschaft, um die jeweilige Organisation über längere Zeit hinweg professionalisieren zu helfen und so deren Arbeit möglichst effektiv zu machen.

In der aktuellen Printausgabe von enorm lässt sich mehr dazu nachlesen, wie der Spendensektor in Bewegung gerät – und eine neue Generation von reichen, engagierten Gebern die Methoden der Risikokapitalbranche auf die Baustellen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels überträgt. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen eingeschlossen. 

Also: Gut-Böse-Klischees sind zunächst nicht angebracht, wenn Unternehmer sich den Fragen des sozialen und ökologischen Wandels auch mit ihrem Geld stellen. Und ein bisschen mehr Innovation und Effizienz könnte schließlich auch den oft bürokratischen Organisationen im Wohlfahrtssektor nicht schaden.

Andererseits sind Unternehmen, Banken und die „Finanzindustrie“ aufgefordert, sich stärker mit realwirtschaftlichen Prinzipien auseinanderzusetzen.

In einer „ungehaltenen“ Rede von Finanzminister Wolfgang Schäuble auf der Handelsblatt-Tagung Banken im Umbruch wird ganz nebenbei auch das integrative Element von „Venture Philanthropy“ deutlich, das übers Spenden weit hinausreicht. Es geht um eine Grundeinstellung – und ein neues Verständnis der Geldflüsse und des Wirtschaftens, das Banken und Finanzdienstleister ebenso mitgestalten.

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Written by lochmaier

September 13, 2010 um 7:35 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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