Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Dirk Müller: Mister „Social“ Dax gerät ins Kreuzfeuer

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Für mich war er fast schon eine (an)ständige Institution zur besten Fernsehzeit wie in meinen Kinderjahren das Sandmännchen vor der Tagesschau. Sein Buch: C(r)ashkurs – Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen“ hielt sich 2009 über sechs Monate in der „Spiegel“-Bestsellerliste.

Und er hat sich lange Zeit vor der Tagesschau in der ARD als das Vorzeigegesicht des guten Anlegergewissens und -interesses präsentiert. Eine Art „Social Börsenbanker“ zum Wohle der ganzen (Klein)Anlegerschaft sozusagen.

Nun hat die Financial Times Deutschland eine ganz andere Witterung aufgenommen: von Dirk the Mister Social Dax. Dies zeigt, ein „Social Banker“ für das Börsenparkett scheint doch einen größeren Widerspruch in sich darzustellen. 

Aber der Reihe nach: Der als Mann unter der Anzeigetafel der Frankfurter Börse bekannt gewordene Aktienhändler Dirk Müller hatte sich in der Finanzkrise zum guten Gewissen der bösen Finanzwelt aufgeschwungen: das badisch spricht, mit einer Friseurin verheiratet sei und sich als Anwalt der Verbraucher sehe, das jedenfalls bilanziert Handelsblatt Finance. 

Und die FTD erläutert die Hintergründe zum „Social Banking a la Dirk Müller“, der passend dazu eine Firma namens „Financeethos“ gegründet hat:
 
Nach der Krise veröffentlichte Müller ein Buch, „Crashkurs“. Es ist ein bisschen interessant, ein bisschen lustig, ein bisschen verschwörungstheoretisch. Es verkaufte sich fast hunderttausend Mal und stand monatelang in der „Spiegel“-Bestesellerliste. Der Erfolg ermutigte Müller, er gründete die Finanzethos GmbH und ging mit Cashkurs.com an den Start. Inzwischen besuchen monatlich fast 150.000 Menschen die Seite, gut 5500 haben den Premiumzugang abonniert, er kostet 9,90 Euro im Monat. Zudem vertreibt Müller nun auch einen Börsenbrief, Preis für das Jahresabo: 429 Euro. Die Ich-AG boomt.
Quelle: FTD

 

„Müller erreichte eine gewisse Fallhöhe“, hält die FTD fest. Doch Müller verliere an Höhe und breche mit alten Prinzipien, etwa auf seiner Seite Cashkurs. Auf ihr fänden sich neben harmlosen Artikeln zunehmend auch fragwürdige Empfehlungen: für Aktien, die der Analyst selbst hält, oder die zuvor gegeißelten gehebelten Produkte.

Auf seiner Webseite bezeichnet Müller den Artikel als unfair, bilanziert Handelsblatt Finance. Es habe nur eine Empfehlung einer kleineren Aktie gegeben, und die stamme von einem seiner Autoren, nicht von ihm selbst. Die Cashkurs-Gemeinde nimmt Müller in Schutz, wie zahlreiche Kommentare zeigen.

Auf der Seite Cashkurs kann man sich ein genaueres Lagebild machen. Irgendwann wird ein Social Daxbanker größer und größer, die Ansprüche wachsen, an sich selbst, durch andere, die Rendite muss stimmen. Erwartungshaltungen bauen sich auf, und lassen sich nicht immer bewusst steuern. Ist das die Erklärung – oder tut man dem guten Mann jetzt einfach nur unrecht?

Geld und Moral – das war bislang fast immer ein unauflösbarer „konzeptioneller“ Widerspruch. Geschäftstüchtig ist Dirk Müller auf alle Fälle. Aber das weckt in Deutschland nur allzu leicht die übliche Neiddebatte. Andererseits hört die Freundschaft spätestens beim Geld auf. Der von Mister Social Dax gewählte Firmenname „Finanzethos GmbH“ ist also schon so was wie die Quadratur der finanziellen Kreislaufwirtschaft.

Trotzdem fällt auf, dass nicht wenige Wirtschaftsjournalisten dazu neigen, ohne solide Recherche „long“ oder „short“ zu gehen.  Aber machen Sie sich lieber selbst ein verbales Bild von den digitalen Hebelzertifikaten rund um Dirk Müller. Passend dazu der kurze Livemitschnitt einer Sendung, in der Dirk Müller gemeinsam mit Sara Wagenknecht von der Linkspartei präsent war:

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Written by lochmaier

September 7, 2010 um 6:41 am

Veröffentlicht in Uncategorized

9 Antworten

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  1. Wie immer die übliche Neiddebatte – die, die sich was schaffen mit ihrer Arbeit – egal wie toll die Idee oder die Moral dabei ist – werden immer niedergemacht.

    Ich finde Herrn Müller weiterhin spitze – und finde es toll, dass er seine Idee mit einer Firma und Webseite weiterführt.

    Tagesgeld News

    September 7, 2010 at 8:15 am

    • es geht glaub ich nicht um neid, sondern vielmehr darum, dass der nichts drauf hat. wenn ihr euch mal eine debatte anschaut mit leuten die wirklich was drauf haben sieht man das eindeutig. z. b. gabs mal eine diskussion mit einer der wirtschaftsweisen, einer schweizerin die vwl studiert h

      at. dirk müller war ein kursmakler und hatte nichts mir dem eigentlichen handel also analyse und selbständigen handelsentscheidungen zu tun. kursmaklerei ist lediglich die sicherstellung dass ein es zur kursbildung kommt. eine tätigkeit die nichts darüber aussagt ob jemand ahnung von den finanzmärkten hat und dirk müller ist ein verschwörungstheoretiker kein finanzgenie

      Klaus Santa

      Dezember 15, 2011 at 11:20 am

      • Wie definiert man ob jemand etwas drauf hat? Welches Ziel soll erreicht werden und für wen? Verschwöhrungstheorien sind nur Theorien solange sie nicht bewiesen wurden. Hr. Müller aber liefert zumindest sehr stichhaltige Indizien für das was er sagt. Dabei habe ich mich eher vorsichtig ausgedrückt, manch einer würde von Beweisen sprechen. Welche Tätigkeit er im Speziellen am damaligen Parkett ausführt und führt ist nicht vorrangig von Interesse. Eher die dadurch erworbene Fachkenntnis die diese Klientel normalerweise eher, sagen wir mal Betriebsblind macht.
        Die sogenannten Wirtschaftsweisen erklären in der Regel einzelne Symptome und stellen dabei das große Ganze nicht in Frage.
        Man kann sie auch eher als betriebsblind (vielleicht abhängig vom derzeitigen Geld/Schuldensystem, aber das ist ja Verschwörungstheorie) bezeichnen.

        Sven

        Oktober 2, 2012 at 9:27 am

  2. Ich habe mir das Müller-Buch gekauft und bin neugierig geworden. Also hab ich den Mann weiter beobachtet und mir selbst eine Meinung über ihn gebildet. Und ich muss sagen, dies ist super positiv! Der Mann ist einer der wenigenit echter Ethik in der Börsenwelt, immer ehrlich, auch wenn es gegen die etablierten Medien (auch die FTD) und Banken geht. Ihm jetzt vorzuwerfen, dass er mit seiner Arbeit ( und nichts anderes ist es) Geld verdient ist pure Heuchelei!!! Oder glaubt jemand, dass der FTD. Schreiberling den schlecht recherchierten Artikel umsonst geschrieben hat???

    ToniU

    September 7, 2010 at 8:47 am

  3. Bezeichnend, dass die FTD von verschwörungstheoretischen Inhalten in Müllers Buch schreibt. Wenn nix mehr geht, kann man immer noch eine solche, im Grunde nichtssagende Keule schwingen, die für ordentlich Abschreckung sorgt.

    Schade, dass die FTD nicht über Ihren eigenen Schatten springt und sich mit den „Verschwörungstheorien“ auseinandersetzt. Die etablierten Theorien, denen auch die eigentlich unabhängigen Journalisten verpflichtet zu sein scheinen, haben zum Crash geführt. Ist es da nicht endlich an der Zeit, den redaktionellen und politischen Dauerruf nach Wachstum zu hinterfragen?

    In Österreich ist ein ehemaliger Finanzberater Attac-Geschäftsführer geworden. Für FTD-Journalist Heinz-Roger Dohms besteht also durchaus noch Hoffnung!

    FAIRCONOMY

    September 7, 2010 at 11:57 am

  4. Hat Herr Müller vllt. eine Interviewanfrage, oder eine Kolumne bei der ftd abgelehnt?
    Wenn sie ihm wenigstens einen handfesten Vorwurf machen würden (siehe Kachelfrosch). Lese aber nix, was ich meinen Kindern nicht erlauben würde.
    Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.

    Leo

    September 8, 2010 at 12:26 am

  5. Und? Was ist an der Schilderung von Herrn Müller falsch? Was soll diese Debatte? Wer will denn da mal wieder Blendgranaten werfen? Inhaltlich ist das was Herr Müller bisher von sich gegeben hat, absolut richtig gewesen.

    Fabi

    Dezember 14, 2011 at 2:29 pm

  6. Ich wüsste auch nicht, inwiefern der Artikel oben gegen Dirk Müller spricht? Wer sich selbst ein Bild von ihm macht (seine Bücher lesen oder bei cashkurs.com reinschauen) der merkt schnell, dass er ein vollkommen ehrlicher und kompetenter Typ ist.

    Für gute Recherche darf man meines Erachtens nach auch etwas verlangen. (er verlangt 9,90 pro Monat für Cashkurs). Lieber so, als dass irgendwelche Konzerne die Medien finanzieren und dann entsprchend manipulierende Artikel rauskommen.

    Ranjit Huber

    Februar 18, 2012 at 7:52 pm

    • und das Abo ist auf 2 Jahre festgeschrieben…. und wenn der Verbraucher es verpasst dieses 3 Monate vorher zu kündigen, dann…. ja dann verlängert es sich um weitere 2 Jahre.
      Warum 2 Jahre und nicht 3 Jahre? Weil ein Abo über 2 jahre rechtlich sehr problematisch wäre.
      Mit seinen Bärenprognosen, verunsichert er die Kleinanleger noch mehr und hat ihnen bis dato nur Verluste beschert.
      Finanzethos GmbH hält meines Erachtens nicht die Verbrauchermassstäbe ein. Finanztest / Stiftung Warentest kündigt man jederzeit mit einer Kündigungsfrist von einem Monat. Ohne Probleme. Für wesentlich mehr Aufwand und Recherche, zu einem Bruchteil der Kosten.
      Ich habe noch niemanden getroffen, der mit pessimistischen Annahmen und mit NegativEinstellung vermögend geworden ist, wohl aber diejenigen, die sich bemühen in jeder Situation Chancen zu erkennen und Rosarote Brille aufzusetzen.

      Darek Zegarek

      Oktober 7, 2013 at 4:10 pm


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