Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Banking Club und die Preisfrage: Was ist Social Banking?

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Wenn es Geld dafür gäbe, diese Frage zu beantworten, wer würde dann den Preis einstreichen? Nun ja, gar nicht so einfach, denn die eine Definition von Social Banking gibt es nicht. Nun hat sich der Banking Club vorsichtig dem komplexen Thema angenähert, der nach eigenen Angaben „führende Branchenclub für Mitarbeiter von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern“.

Aufgerüttelt sind die Insider weniger durch den Bedarf nach mehr Transparenz in der Branche, dem man vordergründig immer wieder Rechnung trägt.  So richtig auf den Magen geschlagen hat vielen jetzt die heftige öffentliche Diskussion, die das Ende der Noa Bank aufgeworfen hat, von vielen Medienleuten wurden die Noa Banker ja als einer der Vorreiter in diesem sensiblen Metier angesehen, und jetzt feiern die Medien den Abgesang von „Social Banking“. 

Totgesagte haben schon oft lange gelebt. Und einige aus der Branche, denen man dies bislang kaum zugetraut hätte, stilisieren sich nun als die neue Original. Motto, bei dem jeder mitmachen darf: Die einzig wa(h)ren Social Banker, das sind doch wir. Viele versuchen nun sich materiell und ideell am Untergang der Noa Bank zu bereichern, und dieses Schicksal zu ihren eigenen Gunsten auszunutzen.

Also: Das zwischen Social Banking 1.0 und 2.0 angesiedelte Vorzeigeinstitut Noa Bank geschlossen, Idee tot?  Nein, aber natürlich will jetzt keiner, der im Umfeld dieses Marktsegments arbeitet, in den Abwärtssog hinein gezogen werden. Die Argumente werden jedoch teilweise ziemlich unsortiert vorgetragen, von der Presse, allen voran die Wirtschaftsblätter, teilweise auch von anderen selbst ernannten Experten.

Horchen wir mal, was das Stimmungsorgan der Branche Banking Club mit Thorsten Hahn an der Spitze zu sagen hat, denn er stellt aufgrund der medialen Kakophonie zurecht die folgende leicht Nobelpreis verdächtige Frage – Was ist eigentlich Social Banking?  

Aufgegriffen wurde das Thema vom Banking Club zumindest rasch – gute Reaktion. Hier erklärt zunächst Matthias Kröner von Fidor im Interview mit dem Bankingclub die Unterschiede zwischen Social Banking 1.0 und 2.0. Und dann kommt die Ursprungsvariante 1.0 anhand eines Interviews mit dem Geschäftsführer der Triodos Bank Deutschland Georg Schürmann zu Wort.

Die Konfliktlinien sind somit gesetzt. Aber, Ihr werdet die Antworten nicht finden, wenn Ihr Euch die Widersprüche und Unterschiede der einzelnen alten und neuen Ansätze nicht bewusst macht…   

Also, liebe Banker, Wirtschaftsjournalisten und Social Media Evangelisten: Was mir auffällt ist, dass bislang kaum jemand – so auch der Bankingclub – im Zuge der aktuellen Diskussion rund um die Noa Bank sich mein Buch Die Bank sind wir  genauer angeschaut hat  – da geht es jetzt mal um eine klare Werbeeinblendung in eigener Sache.

Bin zwar leider oder glücklicherweise, das mag jeder nach seinem Gusto entscheiden, kein zweiter Thilo Sarrazin. Was nicht ist, das kann ja noch werden. Aber mal ganz im Ernst: „Die Bank sind wir“ ist die in Deutschland bisher einzig existente fundierte Bestandsaufnahme zu diesem Thema, und sie dürfte zumindest den aufmerksamen Lesern dieses Weblogs hinreichend bekannt sein.

In dem Werk kann man sich die Zielgruppensegmentierung zum Social Banking 1.0 und 2.0 – mit von mir heraus gearbeiteten Untergruppen inkl. der Kundenansprache bzw. -motivationen – genauer anschauen, die weit über allgemeine Definitionsfragen hinaus reichen.

Jetzt aber wird gerade mit dem Begriff „Social Banking“ derart im Nebel herumgestöchert, dass man sich nur wundern und zurücklehnen kann. Kurzum: Das Buch zu den Chancen und Perspektiven von Social Banking ist ein „must read“ für jeden Bankmanager, der finanziell noch nicht ausgesorgt hat.

Und das treibt mich jetzt mal ganz massiv zur persönlichen Unbescheidenheit. Denn mich verwundert es, dass hier zentrale Quellen und Referenzen von vielen einfach ignoriert werden. Ich weiß, Ignoranz ist die höchste Daseinsform der Souveränität 

Oder hat etwa der von Insidern so kuschelig umgarnte Bankingclub das Recht auf eine exklusive Definition jenseits der Detailgenauigkeit und ein bisschen forschender Neugier nur für sich reserviert?

Oder, um im Bild zu bleiben, Social Banking ist ebenso widersprüchlich wie das Etikett Honorarberatung. Es ist die Quadratur des Geldkreislaufes. Aber man sollte die Potenziale andererseits differenziert beleuchten und wahr nehmen.

Nirgendwo sonst hat eine derart intensive Auseinanderung statt gefunden, über die aktuellen Trends im Social Banking sowie speziell zur Noa Bank, wie auf meinem Weblog Social Banking 2.0 der Fall. Ich weiß, liebe Leser, nachdenken ist anstrengender als etwas zu posten. Die relevanten Diskussionsstränge jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei zum Social Banking 1.0 und 2.0, die sollte man schon mal über das reine „Bunti-Klicki-Verhalten“ im Netz hinaus zur Kenntnis nehmen, und sich selbst nicht immer für den Nabel der Welt halten.

Also, liebe Banker, Wirtschaftsjournalisten und Social Media Evangelisten, beschäftigt Euch erstmal intensiv mit dem Gedankengut und Basismaterial, das bereits vorliegt, bevor ihr anfangt, wild drauflos zu spekulieren, was der „Kunde“ will und was nicht, oder was Social Banking ist und nicht sein sollte. 

Sonst gibt es wieder wie vor der letzten Finanzkrise den nächsten Megaoutput an Optionsscheinen, bei denen mental wild nach „call“ und „put“ hantiert wird, und bei denen am Ende keiner mehr weiß, welches Basisprodukt der mentalen Spekulation im Social Banking überhaupt zugrunde gelegen hat.

Die nächste Finanzkrise, sie wird kommen, weil sie schon da ist. Dazu braucht man kein Banken-Basher zu sein. Also, für eine fundierte Auseinandersetzung zu diesem Thema braucht man mehr Zeit, als ein „Bunti-Klicki-Erlebnis“ auf Xing und sonstigen Business-Gedönsmaschinen, wo man in einer Minute mal ganz sorgenfrei seine Gedanken in die Tastatur hinein postet.

Liebe Banker und Finanzberater, Reden ist Silber, Schweigen übers Social Banking wäre manchmal einen ganzen Goldbarren wert, vor allem dann, wenn man selbst keinen substanziellen Beitrag dazu leisten möchte. 

Liebe Wirtschaftsjournalisten, trotz Stellenstreichungen und News Desks, setzt Euch fundierter mit Schlagworten wie Social Banking auseinander, verwechselt nicht Äpfel mit Birnen, und schreibt nicht nur billig voneinander ab.

Liebe Social Media Evangelisten, glaubt Ihr selbst wirklich das, was Ihr Euren Kunden erzählt? Wenn Ihr vom Kerngeschäft der Banken nichts versteht, nützen auch Bunti-Klicki-Präsentationen wenig.

Abschließend das Wort zum Montag: Hättet Ihr mein Buch und dieses Weblog regelmäßig gelesen, wäre dieser Artikel überflüssig. Dann könnte ich mich Wichtigerem zuwenden, nämlich der fundierten Trendanalyse von Social Banking jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei.

In der Fachzeitschrift „die bank“ werde ich demnächst aus Sicht der Personalabteilung (Human Ressources) die notwendigen Qualifikationsprofile in diesem Themenfeld genauer beleuchten. Für alle anderen empfehle ich zur Einführung meinen Artikel Was ist Social Banking? in der Märzausgabe von Humane Wirtschaft.

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Written by lochmaier

September 6, 2010 um 6:40 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. NOA Bank – das war doch klar.

    Tagesgeld News

    September 6, 2010 at 7:37 am

  2. In der kommenden Ausgabe von Das Investment erscheint eine Buchempfehlung in der Rubrik „Das lese ich gerade…“: Titel: Die Bank sind wir.

    Vielleicht hilft dies ein Wenig. Zu wünschen wäre es!

    INVESTTOR

    September 13, 2010 at 1:15 pm


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