Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Das Öko-Anlegerinnen-Gen 2.0: Initiative „Geld mit Sinn“ gestartet

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Das folgende Posting soll keine Werbung sein, sondern wie immer, zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit neuen Trends rund ums Social Banking 2.0 anregen, einschließlich aller damit verbundenen Höhenflüge und Tiefschläge, die der eine oder andere Newcommer immer wieder einstecken muss. 

So kann man und frau sich hier zum Beispiel über das kürzlich gestartete Vorhaben „Geld mit Sinn“ informieren. Die beiden Macherinnen Birte Pampel und Heidi Geisler beschreiben die Zielrichtung der Initiative laut Infoportal nachhaltigwirtschaften.net wie folgt:

Die Finanzkrise geht ins dritte Jahr, viele Banken sind ins Alltagsgeschäft
zurückgekehrt. Doch wie steht es um die Anleger und Anlegerinnen? Viele von ihnen durchleben eine Sinnkrise und wünschen sich mehr Nachhaltigkeit in der Geldanlage und Beratung – das bestätigen die Gründerinnen von GELD mit Sinn, eine unabhängige Finanzinitiative, die heute in Bayern an den Start geht.

Die Initiatorinnen bezeichnen sich selbst als „nachhaltige Anlegerinnen“ und haben es sich zum Ziel gesetzt, über Chancen und Potentiale nachhaltiger Geldanlagen aufzuklären. Vor allem aber wollen sie Anlegerinnen und Anleger dazu anregen, sich über Sinn und Wirkungsweise ihres Geldes Gedanken zu machen: „Heute gibt es unzählige Formen der Geldanlage, mit welchen Anleger positiv auf Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft Einfluss nehmen können. Die Mehrheit der Anlegerinnen und Anleger weiß aber noch nichts von der Hebelkraft ihres Geldes,“ erklärt Heidi Geisler die Motivation der Gründerinnen.

Anleger aller Vermögensklassen könnten heute sinnvolle Investitionen fördern und dabei marktkonforme Renditen erzielen – von nachwachsenden Rohstoffen, Bio-Landwirtschaft und fair gehandelten Produkten bis hin zu Klimaschutz, Umwelttechnologien oder Investitionen in die regionale Wirtschaft.

Quelle: nachhaltigwirtschaften.net

Wir stellen natürlich zunächst die zugegenbenermaßen recht provokant-männliche Frage: Gibt es ein weibliches Anlegergen der Marke Ökogeneration 2.0? Nun gut, ich selbst brauche dazu gar keine Antwort, denn wer sieht, wie es in den männlich dominierten Chefetagen zugeht, dem fällt schon mal – ganz unwissenschaftlich – die folgende Antwort ein: Schlimmer kann es mit vielen Frauen an der Spitze auch in der Finanzindustrie nicht werden. Im Gegenteil, vielleicht würden neue Blickwinkel sogar, jetzt die leicht klischeehaft angestaubte Thematik etwas ernster betrachtend, uns allen mehr als gut tun.

Richten wir den Blick aber auf die Fakten: Als Ausgangspunkt für seine Aktivitäten hat „GELD mit Sinn“ eine Webseite entwickelt, die das Thema auf vielseitige und verständliche Weise aufbereitet: Neben Fakten und Zahlen über den nachhaltigen Finanzmarkt finden Besucher dort „weiche“ Inhalte wie Erfahrungsberichte von Anlegerinnen und Anlegern, Interviews mit nachhaltigen Finanzfachleuten und Nachdenkliches rund ums Thema Finanzen, Umwelt und Ethik, so die Initiatorinnen weiter. 

Der Spagat zwischen unabhängiger Berichterstattung und notwendiger Refinanzierung wird allerdings nicht ganz einfach. Denn die Plattform möchte ja definitiv keine nachhaltige Finanzberatung sein, sondern laut eigenem Bekunden „im dynamisch wachsenden grünen Finanzmarkt Orientierung aus unabhängiger Hand bieten“. Das wird nicht ganz einfach. 

Zu den Hauptsponsoren zählen immerhin die in Nürnberg ansässige UDI UmweltDirektInvest-Beratungsgesellschaft mbH, die Ökorenta AG aus Aurich und die HypoVereinsbank (ein Mitglied der UniCredit Group). Als Medienpartner sind das Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments und die Online-Plattform Geld-Magazin.de mit im Boot.

Generell besteht gerade in der Ökobranche noch ein erheblicher Nachholbedarf in Sachen unabhängiger Aufklärung.  Darin liegt also eine Aufgabe. Aus Sicht der Anleger derzeit die Rundumsicht erschwerend hinzu kommt, dass bei nicht wenigen Ökoanbietern in Sachen Transparenz (mit Blick auf vor- und nachgelagerte Kosten und Gewinne) ein großer Nachholbedarf besteht. 

Auf der Homepage  der Initiative kann  man sich übrigens bereits einige Interviews mit nachhaltigen Vermögensmanagerinnen anschauen. Das wäre ausbaufähig. 

Wieweit sich hieraus ein „Fingerabdruck 2.0 der neuen Ökoanlegerinnen“ ableiten lässt, lasse ich mal dahin gestellt. Solche Beweisführungen, bis hin zur Frage, ob Frauen bei Geldanlagen (manchmal oder oft) wie beim Autofahren den besseren Riecher haben, sind immer schwierig und polarisierend. Die einen stimmen zu, die anderen wenden sich ab. Aber darauf kommt es gar nicht an.

Die Initiative zeigt, die Zeit ist reif für alternative neue Geschäftsmodelle in der Ökobank 2.0, bei der sich Macher und Kunden auf Augenhöhe treffen. Und diese Zukunft wird definitiv und ohne Frage deutlich mehr von Frauen mitbestimmt. Schließlich gehört das Großreinemachen seit jeher – insbesondere nach jeder von Männern verursachten großen Krise – zu den weiblichen Hauptaufgaben. Das klingt etwas zynisch, entspricht aber (leider) dem klischeehaften Rollenbild vieler Macher. Das tat weiland vor gut einer Dekade aber auch die Männerriege um Helmut Kohl, nämlich das clevere weibliche Machtgen, pardon Machtstreben nach Verantwortung und Einflussnahme, zu unterschätzen.

Heute ist nach der Spendenaffäre aus der damaligen Oberkrankenschwester Angela Merkel eine bereits seit fünf Jahren trotz aller Unkenrufe recht fest im Sattel sitzende Chefärztin und Klinikleiterin, pardon, Bundeskanzlerin geworden – während ein Alphamännchen nach dem anderen um sie herum nun den Platz räumt, um sich ins zweifellos lukrative Dasein als Privatrentier oder Berater zurück zu ziehen.

Und damit wird das Feld auch etwas übersichtlicher für eine neue Generation von mit der Umwelt und dem Kunden unmittelbar vernetzten Geldmanager(inne)n. Unabhängig davon, ob dieses „Gen“ im Umkehrschluss an die unselige Debatte um Thilo Sarrazin, nun männlich oder weiblich beschaffen sein wird, handelt es sich dabei um einen wachsenden Massennischenmarkt für Menschen, die sich überlegen, wofür sie ihr Geld und ihre Zeit sinnvoll einsetzen.

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Written by lochmaier

September 5, 2010 um 8:34 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Lieber Herr Lochmaier,

    vielen Dank für Ihren ausführlichen und sehr konstruktiven Kommentar über GELD mit Sinn. Ich würde gerne auf einen Punkt Hinweisen, der uns Gründerinnen für das Selbstverständnis der Initiative sehr wichtig ist: GELD mit Sinn will nicht nur die Öko-AnlegerInnen erreichen, sondern auch Anlegerinnen und Anleger, die mit ihrer Geldanlage soziale Themen, die innere Verbundenheit mit ihrer Region und ähnliche Aspekte berücksichtigen möchten — der „Sinn“-Begriff lässt ja bewusst viel Spielraum für persönliche Interpretation.

    Birte Pampel

    September 14, 2010 at 7:35 am


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