Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for August 2010

Milliardenspenden: Wie altruistisch sind Warren Buffett und Bill Gates?

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Tue Gutes und rede (ziemlich viel) darüber, das war schon immer aus Marketingsicht ein probates Motto. Wozu Reichtum verpflichtet, darüber gibt Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung einen Kommentar ab.

Nun läuft man – gerade in Deutschland – als „edler Spender“ leicht in Gefahr, in die Kategorie Scharlatan und Blender einsortiert zu werden. Sicherlich, auch das gibt es. Es existiert andernorts aber auch eine recht bequeme „Scheinmoral“. 

Dementsprechend bunt und kontrovers fiel das Medienecho auf das von Warren Buffett und Bill Gates angekündigte Vorhaben aus, gleich die Hälfte ihres Vermögens spenden zu wollen, oder bereits gespendet zu haben.  

Immerhin 100 Milliarden Dollar sollen so zusammen kommen, berichtet der Standard. Die Grenzlinie zwischen altruistisch und egoistisch ist in keinem Fall leicht zu ziehen. Mit vorschnell umgehängten moralischen Etiketten sollten kritische Zeitbeobachter jedoch vorsichtig umgehen, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.

In einem interessanten Kommentar stellt sogar die TAZ die oftmals wenig konsistente „deutsche Haltung“ in dieser Angelegenheit in Frage: Armer Bill Gates – Deutsche Reiche wollen nicht (spenden). Jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei (die bösen Reichen, die armen Armen) bleibt es in einer meist dogmatisch und ideologisch geführten Debatte gleichwohl schwierig, zwischen den medialen Fronten hindurch zu blicken.

Die FAZ zeigt immerhin auf, wie Stiftungen a la Gates anders und vielleicht sogar effizienter arbeiten, als andere gemeinnützige Hilfsorganisationen:

Was die PR-Aktion vor allem zeigt: Mit den Milliarden der Superreichen ist in den vergangenen Jahren eine ganz eigene Spendenindustrie entstanden. Die reichen Wohltäter können sich mit der staatlichen Entwicklungshilfe messen und stellen viele der alteingesessenen Organisationen in den Schatten. Allein die „Bill und Melinda Gates-Stiftung“ verteilt jährlich rund vier Milliarden Dollar – mehr als das Internationale Komitee des Roten Kreuzes oder die Weltgesundheitsorganisation.

… Doch am Ende stehen auch Erfolge. Die Immunschwäche Aids hat die Forschung mittlerweile einigermaßen im Griff. Ohne Gates hätte das nicht funktioniert, geben Gesundheitsorganisationen auf der ganzen Welt und Regierungen in den betroffenen Ländern zu.

Quelle: faz.net

Written by lochmaier

August 26, 2010 at 6:31 am

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Noa Bank: Kunden sollen via Insolvenzverfahren entschädigt werden

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Die Finanzaufsicht BaFin macht den Kunden der insolventen Noa Bank etwas Mut, berichtet soeben Nachrichtensender n-tv. Demnach sollen die rund 15.000 Anleger bis zu einer Summe von 50.000 Euro entschädigt werden, da die Bank der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) angehöre, die jetzt einspringe. Laut Rheinischer Post wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter der Rechtsanwalt Wolf-Rüdiger von der Fecht aus der Sozietät Metzeler – van Betteray beauftragt.

Auch das Handelsblatt bestätigt eine dementsprechende Meldung, wonach Noa-Bank Kunden ihr Geld zurück bekämen. Und die für Regulierungsfragen zuständige Behörde „Bafin“ bestätigt diesen Vorgang ebenso via Pressemitteilung auf ihren Internetseiten:

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am Mittwoch, dem 25. August 2010, den Entschädigungsfall für die noa bank GmbH & Co. KG festgestellt, da das Institut nicht mehr in der Lage war, sämtliche Einlagen seiner Kunden zurückzuzahlen. Zuvor hatte die BaFin am Dienstag, dem 24. August 2010, beim Amtsgericht Düsseldorf bereits einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die noa bank GmbH & Co. KG gestellt.

Quelle: bafin.de

Mehr Infos erteilt die Bafin auch über eine spezielle Infoseite für die Verbraucher. Mehr Details zu den jüngsten Entwicklungen gibt dieser längere Beitrag „Das große Aufräumen hat begonnen“ auf Social Banking 2.0.

Written by lochmaier

August 25, 2010 at 1:59 pm

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Nettobank: Neuer Ansatz in der internetbasierten Kundenorientierung?

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„Wir sind hochgradig lernfähig“, sagt die Nettobank, eine Schwestergesellschaft der Privatbank Wegelin, die seit April dieses Jahres onlinebasiertes Private Banking anbietet. Verwaltungsratspräsident Christian Hafner erklärt das Konzept auf der Plattform schweizerbank.ch – einige Auszüge aus Sicht von Social Banking 2.0: 

SB: Oft sagt man, der Mehrwert des Private Banking sei die persönliche Beratung. Warum schliessen Sie diese bei der Nettobank aus?

Hafner: Wir gehen davon aus, dass es Kunden gibt, die eben eine persönliche Beratung genau nicht wollen. Sei es, dass sie deren Mehrwert nicht sehen, dass sie es mühsam finden, persönlich bei einer Bank vorbeizugehen oder dass sie von ihrem Berater enttäuscht worden sind. Wer sein Risikoprofil daheim in Ruhe ausfüllt, hat überdies auch gleich alle nötigen Dokumente griffbereit.

SB: Welchen Mehrwert bietet die Nettobank?

Hafner: Mit uns zu investieren, ist zeitsparend und unkompliziert. Die Festlegung des Risikoprofils ist völlig transparent und zuhanden des Kunden dokumentiert. Der hohe Automatisierungsgrad äussert sich auch in tieferen Kosten.

SB: Wie spielt sich Ihre Kundenwerbung ab?

Hafner: Speziell an unserem Geschäftsmodell ist, dass wir auf der Kunden-Akquisitionsseite null Sicherheit haben, während sich unsere Kosten sehr genau bestimmen lassen, zumal wir die Technologie grösstenteils von Wegelin & Co. beziehen. Wir entschieden uns beim Thema der Kundenwerbung gegen Agenturen und Berater. Wir testen selber verschiedene Kommunikationskanäle mit einem relativ bescheidenen finanziellen Einsatz. Das birgt das Risiko eines langsamen Starts, aber verspricht dafür wirklich originelle Lösungen. Bereits sind wir auf Facebook mit einem eigenen Profil präsent. Wir haben ein Spiel entwickelt, das Nettoman heisst und an die alten Pacman-Spiele erinnert. So können sich potenzielle Kunden spielerisch der Bank nähern. Unser Team repräsentiert sehr gut die Alterskategorie und die Denkweise unserer Zielgruppe und ist hoch motiviert, Lösungen auszutüfteln. Soll sich der CEO per Web-TV an seine Kunden wenden? Wenn ja, mit welchem Inhalt? Was ist hip genug, um interessant zu sein, aber nicht so hip, dass es unseriös wirkt? Andere Banken können noch lange zuwarten bis sie sich mit solchen Themen beschäftigen, wir als Internet-Bank aber müssen zuvorderst mitmachen.

SB: Was stimmt Sie zuversichtlich, den richtigen Einstiegsmoment erwischt zu haben?

Hafner: Den richtigen Moment kann man immer erst im Nachhinein bestimmen. Notfalls haben wir einen langen Atem und sind lernfähig. Allerdings gibt es im Moment diverse Anzeichen, dass Banken im In- und Ausland in E-Banking-Lösungen der nächsten Generation investieren. Das gibt uns Zuversicht. Immer mehr Kunden gewöhnen sich überdies in anderen Branchen – etwa bei Versicherungen – an Online-Geschäftsabschlüsse. Und dazu ist Innovation einer der Geschäftspfeiler der Privatbank Wegelin.

Quelle: schweizerbank.ch

Die Schweizer Handelszeitung beleuchtet den neuen Markenauftritt des Abkömmlings der Schweizer Privatbank Wegelin in einem Interview ebenfalls genauer:

Handelszeitung: Wie geht die Entwicklung weiter?
 
Bürki: Viele Privatbanken sind an vergleichbaren Modellen interessiert. Es ist ganz klar, dass dort neue Konkurrenten für uns entstehen. Der Finanzplatz sucht nach der Krise nach neuen Lösungen. Die Technologien werden zudem immer leichter zugänglich und der elektronische Weg ist dabei unumgänglich.
 
Weshalb?
 
Bürki: Es gibt auch bei den Privatbankkunden einen Generationenwechsel. Jüngere Kunden sind komplett Internet-affin. Sie haben alle ein iPad und ein Blackberry, wollen jederzeit die Performance des Portefeuilles überprüfen und vielleicht sogar darüber mitbestimmen. Institute, die nicht an solchen Tools arbeiten, verpassen die Zukunft. In zwei bis drei Jahren werden alle Banken über mobile Geräte zugänglich sein. Das iPad und seine Konkurrenten treiben diese Entwicklung an.
 
Quelle: Handelszeitung

Dem letzten Abschnitt mit den von mir schwarz hervorgehobenen Passagen gibt es kaum etwas hinzuzufügen. Außer, dass die Praxis den hohen Ansprüchen hinter her hinkt. Aber es gibt offenbar bereits Banken, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Social Banking 2.0 wird die Umsetzung dieser neuen Philosophie weiter beobachten. Hier noch ein (von mir nicht als Werbung durch die Hintertüre gedachter) Werbespot der Nettobank zur Info:

Ein längeres Video-Interview beim Münchner Unternehmerkreis und ein ausführlicher Erfahrungsbericht mit den Machern der Nettobank findet sich hier. Hörens- und sehenswert in voller Länge von knapp einer halben Stunde für all jene, die sich näher mit der Zukunft der „kundenorientierten“ Bank in der gehobenen Vermögensverwaltung 2.0 befassen wollen. 

Und wer sich mit der Mutter Wegelin Bank genauer befassen will, der wird gerade mit Blick auf eine neue – gleichwohl nicht immer harmonisch verlaufende – Kommunikationskultur in einer Analyse von Rolando Baron auf dem Schweizer Weblog der Kommunikationswirtschaft fündig:

Die Bank Wegelin – besonders ihr CEO Dr. Hummler – tritt mit teils kontrovers diskutierten Statements in der Öffentlichkeit auf.  Mit diesen Aussagen schafft es die Bank, ein intangibles Finanzinstitut tangibel zu machen. Der Benefit: Ein klares Profil. Der Vorteil dieses klaren Profils: Es bietet Anknüpfungspunkte, aber auch Reibungspunkte. So ermöglicht die Bank es den Kunden, selbst eine Haltung einzunehmen. Sie schafft Orientierung und wer Orientierung schafft, erfüllt die zentrale Aufgabe einer jeden Marke: Die Bildung von Vertrauen.  

Quelle: blog.persönlich.com

Noch ist von dieser neuen Kommunikationswelt außer relativ viel Blendwerk wenig zu sehen. Man kann den neuen Ansatz in der internetbasierten Kundenorientierung, der dieses Etikett verdient, mit den Worten eines Netzökonom-Beitrags zum Thema Unternehmen fehlen die Strukturen für Social Media mit einfachen Worten auch so zusammen fassen:

Je länger die Unternehmen die sozialen Medien schon einsetzen, desto stärker wird der Nutzen erkannt und desto weniger werden die sozialen Medien als Modeerscheinung tituliert.

Vor einem allzu raschen Eintritt in dieses neue Kundenuniversum zwischen Käufer und Verkäufer auf Augenhöhe sollte allerdings gewarnt werden, denn, so bilanzieren die webguerillas, „Kommt endlich mal zum Punkt!” – der da vielleicht wäre:

Sind Fans einfach nur Menschen, die den Empfang einer Werbebotschaft mit ihrem “Like” quasi-schriftlich quittieren oder schaffen es Unternehmen über Social Media, echte Massenbewegungen zu initiieren? Betreiben wir Social Media Kommunikation bloß als selbstreferenzielle l’art pour l’art oder aber als eine substantielle Dienstleistung von echtem Wert – als einen wahrgenommenen und authentischen Bestandteil der Wertschöpfungskette? Gezwungener Dialog unter jeder Augenhöhe erschafft nur verstümmelte Egos ehemals leuchtender Marken. Wer aber die Massen begeistern kann, wird zu einem Rockstar und steht plötzlich auf einer Bühne vor einem Millionenpublikum.

Und so darf mit den Worten der webguerillas abschließend folgender Gleichklang in der internetbasierten Kundenbeziehung einer Bank wie folgt testiert werden:

Die wirklich erfolgreichen Social Media Strategien werden jene sein, die auf einen nachhaltigen Aufbau von Werten ausgerichtet sind. Strategien die es einem Unternehmen erlauben, auf der Crowd zur Bühne zu surfen. Nur dann wird aus dem Loss-on-Ignoring auch endlich ein Return-on-Investment.

Quelle: webguerillas.de

Und hier erklärt Peter Kruse der Deutschen Telekom (vorsichtig aber deutlich) die Vorzüge des Web 2.0 Unternehmens, bei dem das Internet als „Turbolader“ fungiert:

Written by lochmaier

August 25, 2010 at 10:52 am

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Noa Bank: Das große Aufräumen hat begonnen…

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Es sollte der große mediale öffentliche Auftritt des Firmengründers Francois Jozic werden. Er schien kaum ein Jahr nach seinem fulminanten Start seine Ziele erreicht zu haben, mit einer Medienkampagne, die den Nerv traf, in der Zeit der „Post-Finanzkrisen-Ära“. 

Es ist die Ära der durch andersartige Werbekampagnen „redesignten“ unter dem Label „back to the roots“ neu und doch gleichwohl wieder bodenständig verorteten Bankenmarken, die auch die auf Honorarberatung spezialisierte Quirin Bank in der kommenden Woche mit einer großen medialen Begleitorchestrierung zur besten Tageschau-Zeit starten wird, wie es hier auf diesem Weblog nachgelesen werden kann.  Doch wer nach den Sternen greift, kann auch scheitern. Das gilt zwar nicht für die Quirin Bank, traf jedoch auf die Noa Bank zu.

Mehr Transparenz, Mitbestimmung und bitte keine Spekulation, diese vom charismatisch-unkonventionell angehauchten „Banker zum Anfassen“ Francois Jozic lancierten Botschaften verfingen zunächst neben den attraktiven Zinsen für Tages- und Festgeldanlagen. Und der Newcomer schien plötzlich auch in der Top-Welt der Banken von den Mitspielern in den gläsernen Banktürmen als kreativer Außenseiter akzeptiert zu werden.

Die Rede ist von der Handelsblatt-Jahrestagung Banken im Umbruch, die Anfang September in Frankfurt stattfinden wird.

Spulen wir das Band aber etwas weiter zurück: Wer die Medienresonanz zur Noa Bank in der Vergangenheit genau unter die Lupe nahm, dem fiel auf, dass die Verlage durchaus variable und teils unterschiedliche Positionen zum Newcomer einnahmen. Das Handelsblatt und einige damit verbundene Publikationen etwa, sie legten die Zwischentöne bei der Noa Bank auf einen „kreativen Zerstörer“, der den etablierten Instituten mit frischen Ideen einheizte.

Die Auffassungen in der Öffentlichkeit gingen indes weit auseinander. Auch und gerade in den Medien zeigte sich im Frühjahr zusehends ein bipolares Stimmungsbild, das sich – etwas grob gestrickt – in glühende Anhänger und eifrige Gegner der Noa Bank auffächerte.  Nun findet die Handelsblatt-Konferenz ohne Francois Jozic statt.

Sein Platz in der Podiumsdiskussion am 09. September mit führenden Bankvertretern aus der Chefetage, wie Uwe Fröhlich (BVR), Stefan Jütte (Postbank), Ben Tellings (Ing-Diba) und Alexander Wüst (KSK Köln), bleibt verwaist.

Dabei wäre es gerade jetzt so spannend mit Francois Jozic über die folgenden Themen  zu diskutieren: Banken im Umbruch – sind wir aus dem Gröbsten raus? – Märkte im Umbruch – Landesbanken im Umbruch – Privatkundengeschäft im Umbruch – Unternehmens-Finanzierung im Umbruch.

Für die 15.000 Anleger und die Unternehmenskunden der Noa Bank bleibt indes nur ein schaler Beigeschmack. Social Banking 2.0 berichtete ausführlich über den Aufstieg und Fall eines Hoffnungsträgers.

Das Internet hat indes ein langes Gedächtnis. Im Google-Cache lässt sich die Teilnahme von Francois Jozic an der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ noch nachvollziehen. Es bleibt im Nachhinein betrachtet ein ungewollter Begleitakkord zum Scheitern in eigener Mission. Wohl gemerkt, es geht hier nicht darum, den Veranstalter oder das Handelsblatt dafür zu kritisieren, dass sie den Gründer der Noa Bank mit auf das exklusive Teilnehmerpodium gesetzt haben.

Relevant ist etwas anderes, nämlich der Umstand, dass Jozic sich es zutraute, sich auf Augenhöhe mit der etablierten Bankenszene zu messen. Es bleibt nun jedem Leser überlassen, dies zu deuten. Fakt ist, es wird nichts aus dem spannenden Kräftemessen vor der großen öffentlichen Kulisse. Francois Jozic und die Bafin haben den Stecker gezogen.

Der meines Wissens einzige längere öffentlich dokumentierte Auftritt bleibt somit jener von der Cebit im März dieses Jahres, eine Podiumsdiskussion, an der auch ich selbst teilgenommen habe. Der Business-Talk am Rande der großen Computermesse, bei der das Leitthema Bits und Bits allmählich durch (auch geschäftliche) soziale Netzwerke abgelöst wird, drehte sich um den Finanzsektor und das vielen gelegentlich rätselhafte Web 2.0.

Vertreten waren Kimmo Best, Pressesprecher / Leiter Externe Kommunikation, SEB AG; Boris Janek, Manager Online Marketing + Strategie, VR NetWorld GmbH; Francois Jozic, Gründer & Vorsitzender des Beirates, noa bank GmbH & Co KG; Matthias Kroener, Vorstand, FIDOR BANK AG und Lothar Lochmaier, Autor und Journalist, der Autor dieses Weblogs Social Banking 2.0.

Die damalige spannende und teils kontroverse Diskussion ist vom Veranstalter in voller Länge dokumentiert, man kann sich das Video (herunter scrollen weiter unten bis zur Veranstaltung „Finance 2.0“, dann öffnet sich das Bild- und Tondokument) hier ansehen: 

http://webciety.de/?page_id=2703

Ein Satz von Francois Jozic aus der aufschlussreichen Podiumsdiskussion blieb sinngemäß bei mir so haften: „Es ist nicht mein Geld, das ich bei der Noa Bank verwalte“. Wir werden im Zuge der laufenden Ermittlungen und Recherchen sehen, ob sich dieser hohe moralische Einspruch nach Beginn der großen Aufräumarbeiten noch ansatzweise einlösen und halten lässt.

Andererseits wird auch ersichtlich, dass zahlreiche Verlagshäuser, die jetzt die Noa Bank medial hart unter Beschuss nehmen, zuvor mit dafür verantwortlich waren, den Hype erst in die breite Masse zu befördern. Oder anders ausgedrückt: Der Medienbetrieb unterscheidet sich vom Optionsgeschäft an der Börse oftmals nur unwesentlich. 

Man konnte sich nie sicher sein, aufgrund der Vorgeschichte der Noa Bank, die Social Banking 2.0 bereits im Januar den Lesern kritisch zur Diskussion stellte, wie die Sache ausgehen würde. Ebensowenig schien, gegen den medialen Einheitsbrei gebürstet, als die Stimmung sich drehte, eine „Vorabverteilung“ des Newcomers auf Basis nicht wirklich gesicherter Fakten angebracht.

So bekam die mediale Geschichte rund um die Noas erst recht ihren Drive, als sich Fakten und Spekulationen auf diffuse Art und Weise vermischten. Es ist wie beim Optionsgeschäft: Zuerst werden die Kurse künstlich hoch gepusht, und dann machen die Akteure zweimal Kasse, zunächst mit einem medialen „Call“ – und hernach mit einem „Put„. Insofern gibt es immer mehrere Versionen um die aktuellen Geschehnisse, bei denen der Leser wahlweise „long“ oder „short“ gehen kann.

Unterdessen beginnt neben den Aufräumarbeiten auch die Geschäftemacherei, pardon, ein geschäftstüchtiges Verhalten setzt ein. Denn schließlich ist das Leid der einen das Glück der anderen. Im Klartext: Einige Rechtsanwaltskanzleien  bieten mit eigenen Homepages bereits rechtliche Hilfestellungen für geschädigte Kunden und Unternehmen (Factoring-Unternehmen und Kreditnehmer) an.

Dafür verlangen die Kanzleien teils nicht unerhebliche Gebühren, um in den Pool der Interessenten aufgenommen zu werden. Ohne Erfolgsgarantie versteht sich. Auf der Internet-Plattform aspect-online.de findet sich dazu mit Blick auf die betroffenen Privatanleger ein ganz aufschlussreicher Kommentar: Ben Fischer, BaFin-Pressesprecher ergänzt zu dem Ablauf der Entschädigung: “Dazu braucht man in der Regel keinen Rechtsanwalt.”

Für betroffene Privatanleger sieht es so aus, dass die Einlagen im Rahmen der gesetzlichen Sicherung bis 50.000 Euro geschützt sein dürften. Einige wenige Anleger dürften auch mehr angelegt haben. Allerdings ist der gesetzliche Schutz nicht unumstritten. Der Focus titelt heute: Wie Angela Merkel Sparer hinters Licht führt.

 Wie dem auch sei – mehr aktuelle Infos dazu gibt es auf dem kostenlosen Forum „Noa Bank Foren City„. [Dort kann man übrigens auf einer Unterseite ein Werbebanner der Commerzbank zur „Kundencharta“ anklicken, über die ich erst gestern auf diesem Weblog berichtet habe] Zu den Folgen für die Betroffenen klärt auch das Finanzportal biallo.de auf:

Anleger müssen dann binnen eines Jahres nach Unterrichtung über den Entschädigungsfall ihren Anspruch schriftlich anmelden. Nach Ablauf dieser Frist ist der Anspruch verfallen. Sobald ein Anleger seinen Anspruch anmeldet, muss die Entschädigungseinrichtung ihn unverzüglich prüfen. Ordnungsgemäße Ansprüche auf Einlagenrückgewähr sind laut Gesetz spätestens 20 Arbeitstage nach der Feststellung des Entschädigungsfalls zu erfüllen.

Quelle: biallo.de

Die Aussichten für die betroffenen Firmen sind natürlich wesentlich komplexer zu beurteilen, und hier ist anwaltliche Unterstützung vielleicht sogar ein Muss. Zum Abschluss deshalb der Versuch, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei zur Noa Bank (und jenseits von Parteinahme) etwas erhellendes zur Frage beitragen, was das Besondere an deren  – natürlich nicht ausschließlich Web 2.0-basiertem – Ansatz  ist oder war.

Auf meinem Weblog gibt es dazu folgenden Kommentar zum Scheitern der Noa Bank:

„Schade eigentlich, denn das Konzept der transparenten Geldvergabe hatte schon etwas für sich. Nach ethischen oder ökologischen Gesichtspunkten agierende Banken gibt es ja noch einige in Deutschland aber nur die noa bank gab ihren Anlegern die Möglichkeit, zu entscheiden, in welche Themen ihr Geld investiert werden soll. Mal schauen, wann eine neue oder andere Bank diese Idee wieder aufgreift.“

Quelle: www.tagesgeld.info

Wohl gemerkt, es geht in diesem Zusammenhang nicht darum, die Seriösität des Firmenkonstrukts Noa Bank/Factoring zu thematisieren oder diese gar zu verteidigen, da gab es (mindestens) gravierende Managementfehler, die noch ein großes Nachspiel haben werden – sondern es gilt, einige grundsätzliche Besonderheiten jenseits der (zu) hohen Zinsen für die Anleger heraus zu streichen, von denen sich offenbar einige Kunden angezogen fühlten.

Wer die Unterschiede in der Anlage der Business-Strategie (jenseits der fatalen Integration von Noa Factoring in das neue Firmenkonstrukt) zwischen unterschiedlichen neuen Spielern – unter anderem einer Noa Bank – genauer untersuchen möchte, der sollte sich das Buch „Die Bank sind wir“ anschauen. Ich weiß, das klingt nach Eigenlob, aber es steckt einige Arbeit darin, damit auch professionelle Akteure sich mit neuen Ansätzen in der Zielgruppensegmentierung auseinandersetzen. Die wichtigsten Details habe ich bereits in einem früheren Eintrag zusammen gefasst.

Und hier liegt sicherlich ein positiver Nachhall zum Ende der Noa Bank, denn einige Elemente werden möglicherweise in die Zukunft der „Banken im Umbruch“ einfließen, wie sie die eingangs erwähnte Handelsblatt-Jahrestagung aufzeigen soll.

Denn die Revolution und das disruptive Geschäftsmodell ist der Kunde selbst. Das aber wird eine Sisyphos-Arbeit sein, den Stein der kollektiven Anlegerintelligenz den Berg hinauf zu rollen – und diese neue Philosophie zwischen Bank und Kunde auf Augehöhe, das heißt auf seriöse Art und Weise in der Branche zu verankern.

Dazu schreibt der Privatanleger:

Die Wahlmöglichkeit ist in der Tat etwas, dem man als Bankkunde nachweinen darf. Der Beweis, dass sie auch Teil des Geschäftsmodells einer profitabel wirtschaftenden Bank sein kann, steht aber noch aus. Ich habe meine Zweifel, weil es dadurch halt deutlich schwerer wird, dass Geldangebot und Kreditnachfrage zusammenkommen. Aber vielleicht gibt es ja eine Lösung für dieses Problem.  

Quelle: der-privatanleger.de

Nachtrag (25.08., 15.52 h): Soeben teilt die zuständige Behörde Bafin folgendes mit:

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am Mittwoch, dem 25. August 2010, den Entschädigungsfall für die noa bank GmbH & Co. KG festgestellt, da das Institut nicht mehr in der Lage war, sämtliche Einlagen seiner Kunden zurückzuzahlen.

Mehr Infos dazu aus Anlegersicht gibt es auf den Internetseiten der Bafin

Written by lochmaier

August 25, 2010 at 7:38 am

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Commerzbank: Wieviel ist die Kundencharta wert?

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Noch bis zum 30. August läuft die neue groß angelegte Werbekampagne, berichtet das Branchenblatt horizont.net. Kurzum: Die Commerzbank möchte ihre Kundenprozesse tatsächlich verbessern, das zumindest suggeriert die neue „Kundencharta„.

Was ist eigentlich eine „Charta“? Ein erster Anhaltspunkt laut Wikipedia: 

Unter Charta bezeichnet man die für das Staats- und Völkerrecht grundlegenden Urkunden. In der Diplomatik wird die Charta als frühmittelalterliche Urkundenform von der Notitia abgegrenzt: Die Charta ist eine dispositive Urkunde, die in der ersten Person und im Präsens formuliert ist, während die Notitia als Beweisurkunde in der dritten Person und im Perfekt formuliert ist. Die Charta ist im frühen und hohen Mittelalter besonders im südlichen Europa (Italien, Spanien, Südfrankreich) in Gebrauch. Im übertragenen Sinn wird der Begriff auch für Satzungen oder Selbstverpflichtungen nichtstaatlicher Organisationen verwendet. So gibt es z. B. Chartas von Künstlergruppen, Wissenschaftlern oder Berufsgemeinschaften.

Quelle: wikipedia

Wir stellen nüchtern fest: Eine „Charta“ legt die Messlatte an die Urheber ziemlich hoch. Praktisch handelt es sich um verbriefte, d.h. gesetzlich wasserdichte Rechte, die A an die Partei B verteilt. Diese wären evtl. auch einklagbar. Es ist unschwer zu erkennen, eine Kundencharta ist deutlich mehr als ein Beratungsprotokoll oder ein Kundenanwalt, also eine vage Form der Selbstverpflichtung.  

Mit der neuen Kundencharta will die Commerzbank nun den Kunden nach eigenen Angaben „wieder verstärkt in den Mittelpunkt stellen“.

Der Ansatz ist durchaus positiv. Dazu will die Beraterbank Ihre Kompetenzen in der Beratung, der Produktauswahl, dem Service und Kundenrecht ausbauen und weiterentwickeln. Diese Weiterentwicklung erfolgt zum Beispiel mit Hilfe einer Kundenanwältin. Hierbei handelt es sich aber nicht um eine tatsächliche Anwältin, sondern um eine „vermittelnde Person“. 

Bevor jetzt einige Leser wegen rechtlich unverständlichem Deutsch aus dem Beitrag aussteigen, nimmt die Plattform Geld-magazin.org eine erste inhaltliche Bewertung vor:

Bei der Commerzbank Kundencharta handelt es sich ganz klar um eine neue PR Aktion der Bank zum Gewinn von Neukunden. Aber das Konzept, so wie es die Internetseite der Bank beschrieben wird, klingt wirklich gut und interessant. Im Allgemeinen haben auch schon unabhängige Tester wie zum Beispiel die Zeitschrift „Guter Rat“ die Commerzbank als gute Beraterbank ausgezeichnet. Meint es die Commerzbank mit Ihrer Kundencharta ernst und setzt diese so um – ist es perfekt für Kunden.

Quelle: geld-magazin.org

Das klingt eigentlich nicht schlecht – aber es gibt auch erheblich kritischere Stimmen über die  von der Commerzbank in der Kundencharta „verbrieften“ Rechte (wären Verstöße dagegen wirklich justiziabel?):

Kundenrecht 1:  Sie werden erstklassig beraten.

Kundenrecht 2: Sie bekommen hochwertige Produkte

Kundenrecht 3: Sie verdienen besten Service

Kundenrecht 4: Sie können sich auf uns verlassen.

Kundenrecht 5: Sie bestimmen mit.

Der Buchautor und Journalist Bernd Röthlingshöfer zieht indes ein zurückhaltend-kritisches Fazit, wenngleich die geschäftliche Zukunft der Charta noch offen bleibt:

So ganz wie der große Wurf klingt das ja nicht. Denn die Kundenrechte 1-4 will ich eigentlich bei jedem Unternehmen in Anspruch nehmen. Was soll das, wenn man Selbstverständlichkeiten formuliert? Einzig mit Kundenrecht Nummer 5 kann ich noch was anfangen. Denn „Mitbestimmung für Kunden“ ist noch eine ziemlich neue Idee. Dazu hat die Commerzbank ja bereits einen Kundenbeirat ins Leben gerufen, der offenbar bei der Erarbeitung dieser Rechte mitgewirkt hat. Trotz miserabler Formulierung könnte ja am Ganzen noch was dran sein. Nämlich dann, wenn es präzise ausgestaltet wird. Commerzbank-Kunden werden es wohl am ehesten wissen, ob die Charta gelebt wird oder nicht. Ich bin gespannt.

Wir bilanzieren: Schon im März kündigte die Commerzbank an, die Vergütung der Mitarbeiter künftig „auch von der Zufriedenheit der Kunden abhängig zu machen.“ Letztlich aber, das verdeutlicht schon der damalige Artikel auf business-wissen.de, geht es doch um Leistungserfüllung im Rahmen des von oben fest gesetzten betriebswirtschaftlichen Zielkorridors (also nicht um weiche Kriterien), oder haben wir da etwas falsch verstanden?

Rund die Hälfte des Jahresbonus soll laut Kassow davon abhängig gemacht werden, ob die Ziele erreicht wurden, zu der auch die Entwicklung der Kundenzahl und des betreuten Vermögens gehören. Hinzu komme die Befragung von monatlich 15 000 Kunden, deren Ergebnisse mit einem Fünftel die Gesamtprämie beeinflussen. 

Quelle: business-wissen.de

Wie also die Quadratur des Kreises zwischen neutraler Beratung und Provisions orientiertem Handeln gerade in einer „Kundencharta“ aufgelöst werden soll, bei der der Kunde selbst ja nicht wirklich unmittelbar am Glastisch sitzt und seinen Regiepart erhält  – außer dass dieser regelmäßig befragt wird (Kundenrecht Nr. 5), was aber letztlich die Einflussparameter kaum verschieben dürfte -, das bleibt weiterhin nebulös.

Ich verweise dazu im übrigen nochmals auf meinen Artikel zum „Beschwerde-Management“ vom April d.J., in dem ich dazu anrege, statt unrealistischer Erwartungen erst einmal das alltägliche Geschäft mit Blick auf die Kundenorientierung im Griff zu behalten. Denn dass eine Bank in erster Linie ihre eigenen Produkte verkauft, dies wird sich nicht ändern, was auch die Kunden im übrigen kaum verlangen, aber sie wollen wissen, was sich hinter der Black Box verbirgt. Mein damaliges Fazit ist auch heute noch bestandskräftig: 

Am erfolgreichsten im neu justierten Private Banking jenseits des reinen Abverkaufs von Standardprodukten wird die Bank sein, die den Kunden generell produktiv zur eigenen Qualitätssicherung integriert und dies auch honoriert. Dann können größere Misstöne erst gar nicht erst entstehen. Kleinere Probleme lassen sich meist sofort regeln. Und wir brauchen keine offiziellen Rahmenwerke, deren inhaltliche Aussagekraft umstritten ist.

Quelle: Social Banking 2.0

Interessant ist auch ein Leserkommentar unter dem eingangs erwähnten Artikel über die Werbekampagne von horizont.net:

Schade, dass Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander klaffen. Erst kürzlich wurde die Beratungsqualität der Banken erneut getestet und wer schnitt hier sehr schlecht ab? Das Geld für die Kampagne hätte lieber in die Fortbildung investiert werden sollen. Wie gut, dass Ende des Monats Schluss ist. Vielleicht startet ja dann das interne Seminar „Richtig beraten“?

Quelle: horizont.net

Demnächst will der Staat übrigens seine 18 Milliarden Euro „Finanzspritze“ an die Commerzbank zu Geld machen und seine Beteiligung an dem Institut bald schon abstoßen, so die mediale Gerüchteküche. Hoffen wir, dass dann nicht das folgende Lernszenario für unsere Kinder eintritt  – sonst müssten wir einen Artikel 6 der Kundencharta verfassen: Bürde den folgenden Generationen keine finanziellen Lasten auf, die sie nicht schultern können:

Written by lochmaier

August 24, 2010 at 7:28 am

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Quirin Bank: Mit neuer TV-Kampagne nach den Sternen greifen

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Bislang – so unken Branchenkenner, hält sich der Zuspruch für das Geschäftsmodell der Honorarberatung bei den Banken in der Größenordnung von „Peanuts“. Auch Social Banking 2.0 hatte das Thema immer wieder aufgegriffen.  So richtig beliebt war aber auch dieses Thema bei den als konservativ markierten deutschen Geldanlegern nicht. 

Auch schien die Suche nach der richtigen Markenpositionierung und der Zielgruppensegmentierung bislang für die Macher der Honorarberatung neben ersten kleinen Erfolgen eher ein strategisches Fragezeichen zu bedeuten, wie der Kunde wohl in diesen Zug hinein gesetzt werden soll.  

Der große Sturm auf die Bankenbastion blieb demzufolge bislang aus  – trotz der an sich nicht schlechten Wachstumszahlen einer Quirin Bank -, und auch die letzte Werbekampagne des Aufsteigers, die insbesondere auf das Thema Inflationsangst bzw. die Alternative Gold setzte, schien letztlich die Massen von der Andersartigkeit des Geschäftsmodell noch nicht so richtig zu überzeugen.

Jetzt legt die Quirin Bank aber mit einer vermutlich recht teuren Werbekampagne nach – und beansprucht damit endgültig, in die erste Riege der deutschen Top-Banken aufzurücken: Ab kommenden Montag, 30. August, wird nämlich der neue Werbespot der Quirin Bank auf dem prominentesten Werbeplatz im deutschsprachigen Fernsehen laufen, nämlich kurz vor der 20-Uhr-Tagesschau

Den Werbespot kann man sich hier vorab schon mal genauer anschauen:  

 http://www.deutschlands-unbeliebteste-bank.de

Der Spezialist in der Honorarberatung lässt dazu über seinen Pressedienst folgendes vorab verlauten: „Ab diesem Zeitpunkt wird der Name „quirin bank“ Millionen Deutschen ein Begriff sein – auch, weil eine kleine Bank zeigt, wie man mit fairer und transparenter Beratung erfolgreich das klassische Geschäftsmodell der Großbanken in Frage stellt.“

Fazit: Man darf gespannt sein, ob das Geld in die vermutlich nicht ganz billige Kampagne richtig investiert sein wird. Einerseits suchen die Kunden nach neuen und verlässlichen Alternativen, andererseits lassen sie sich nicht sofort von jedem neuen Erfolgsmodell überzeugen.

Und ein neuralgischer Pferdefuß existiert in jedem „Beratungsmodell“. Letztlich zählt für den Kunden das, was am Ende rauskommt, und nicht das, was unter welchem Label wie auch immer vermarktet wird.

Die Kosten bei der Honorarberatung staffeln sich bei der Qurin Bank übrigens in unterschiedliche Klassen, die man sich genauer anschauen sollte. Im Erfolgsfall ist der Newcomer nicht gerade im unteren Gebührensegment zu finden. Kurzum: Mit 150 Euro ist man oder frau nur selten dabei, wie der Spot es suggeriert. 

Anders ausgedrückt: Verlässliche Kriterien für eine erfolgreiche Anlageberatung sind schwer zu definieren und nachzuprüfen, hinterher ist der Kunde fast immer schlauer. Sehen wir den neuen Ansatz aber mal positiv, er bringt erneut Bewegung in die Szenerie der Bankenwelt. Und: Es kochen alle nur mit Wasser.

Wir sind also gespannt, ob die Kampagne greifen wird und die Akzeptanz der Honorarberatung, die ja etwa in Großbritannien oder den USA  bereits deutlich besser aussieht – wo die Kunden eher daran gewöhnt sind, für eine Dienstleistung zu bezahlen – auch hierzulande einen nachhaltigen Schub erhält.

Written by lochmaier

August 23, 2010 at 1:56 pm

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Ergo Direkt Versicherungen 2.0: Radikalkur mit jugendlich-lässigem Imagewechsel?

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Tatsächlich bemühen sich jetzt auch die konservativ angehauchten deutschen Versicherer um ein neues zeitgemäßes Image. Schließlich ist an einer Versicherung kaum etwas wirklich spannend und sexy. Das soll sich jetzt ändern. Schließlich tummeln sich die Kunden der Zukunft heute im Netz und bei diversen sozialen Communities. 

Aber: In Folge der Finanzkrise liefen vielen nicht nur die Kunden davon, auch die Margen nahmen die gleiche Richtung. Denn viele Produkte halten kaum das, was sie versprechen, was sich unschwer aus den Ergebnissen von Verbraucherschützern wie der Stiftung Warentest immer wieder erkennen lässt, wenngleich objektive Maßstäbe oft schwierig zu eruieren sind.

Wenn jedoch die Rendite etwa bei diversen Lebensversicherungen abzüglich der Kosten nicht mal jene von Tagesgeldern oder Festzinsanlagen erreichen, dann spätestens läuten bei den jungen und kritischen Konsumenten die Alarmglocken. Wie sagte schon der Dichter Mark Twain: Versicherungen sind Institutionen, die bei Sonnenschein Regenschirme ausgeben und diese wieder einsammeln, wenn es beginnt zu regnen.

Nun gilt es natürlich genauer zu differenzieren, denn Versicherung ist nicht gleich Versicherung. Um aber genau diesem negativen Image der gesamten Branche mediale Einhalt zu gebieten, haben sich jetzt die Ergo Direkt Versicherungen etwas ganz Besonderes einfallen lassen, nämlich einen Markenschwenk in Richtung Web 2.0. Es lohnt sich wirklich, falls nicht schon zwangsweise vor der ARD-Tagesschau geschehen, sich diese beiden Fernsehspots einmal in Text und Bild genauer anzusehen:

Also – eigentlich kann man über die feine und ganz hippe Wortwahl (fast) nur begeistert sein, angesichts des rhetorischen Feuerwerks, mit denen die Ergo Direkt Versicherungen  in der neuen Version 2.0 jedem Kritiker den Wind aus den Segeln zu nehmen vermag.

Aufgrund der medialen Sympathieträger dürfte das werbliche Kalkül sogar zum Teil aufgehen. Obwohl als Werbeträger das eher verrruchte Image einer (Ex-)Schauspielerin aus der ARD Daily Soap „Verbotene Liebe“ nicht unbedingt als seriös einzustufen wäre. Aber das ist schließlich Schnee von gestern.

Also: Wir werden jetzt plötzlich nicht mehr „verunsichert“, sondern „versichert“. Das wäre nun wirklich (k)ein bahn brechender Paradigmenwandel. Nun wollen wir der Branche das Geschäft nicht gleich ganz madig machen. Natürlich machen Versicherungen an der richtigen Stelle durchaus Sinn.

Aber es gibt doch zu bemerken, dass die Produkte oftmals ähnlich intransparent und Provisions orientiert ausgerichtet waren und sind als jene der Banken. In der Tat, wir stimmen Ergo zu, mehr Transparenz wäre auch hier gefragt, und genau dies suggerieren die beiden Fernsehspots oben, doch stimmt die neue Philosophie mit der Realität überein?

Bei Ergo Direkt gibt es Zahnzusatzversicherungen, Pflegetagegeldversicherungen, Risikolebensversicherungen, Kapitallebensversicherungen, Hausrat und Haftpflicht und so einges ander mehr, was man sich auf den Internetseiten gerne mal anschauen kann.

Es handelt sich hier also um die üblichen Standardprodukte, die in den Tests von Verbraucherschützern teilweise gar nicht einmal schlecht abgeschnitten haben, also keine komplexen Finanzprodukte wie Lebensversicherungen. Insofern also Entwarnung für die mehreren Millionen Kunden, die sich dort tummeln.

Über den Hintergrund der Werbekampagne, die aus Karstadt Quelle Versicherungen jetzt die neue Namensgebung hervorgebracht hat, informiert die Tageszeitung die WELT.

Den zweiten Werbespot, der den gewagten literarischen Drahtseilakt zu Michael Endes Momo (den Zeitdieben) wagt, analysiert das Branchenblatt horizont.net:

Dass die Figur „Momo“ aus dem gleichnamigen Jugendbuchklassiker von Michael Ende in dem von Aimaq & Stolle in Berlin entwickelten Film aufgegriffen wird, ist erwähnenswert. Nach Angaben der Agentur ist es das erste Mal, dass die Erbengemeinschaft von Michael Ende der Nutzung des Namens „Momo“ für Werbung zugestimmt hat. Das Konzept der Kampagne und die Umsetzung von Regisseur Simon Verhoeven hätten diese Premiere ermöglicht, heißt es in der Mitteilung von Aimaq & Stolle.

Quelle: horizont.net

Und weiter geht es jetzt ganz auf Augenhöhe mit dem Kunden „webzwonullig“ unter dem Motto „Versichern heißt verstehen“: Denn geplant sind immerhin neben klassischer Print- und Fernsehwerbung auch flankierende Social Media Aktivitäten, für die eigens die Plattform http://www.millionen-gruende.de/ eingerichtet wurde.

Dort können und sollen sich bislang passive Kunden und Verbraucher mündig äußern dürfen, etwa in Video- und Textbotschaften zur Frage, was sie sich von einer Versicherung wünschen (noch spannender wäre die Frage, was sie sich nicht wünschen).  Was passiert bei ganz konkreten Kommentaren, die nicht dem Firmenideal entsprechen?

Schaut man sich die Einstiegsseite genauer an, so wird deutlich, dass es in erster Linie um die werbliche Ansprache geht, die mit einem Gewinnspiel zum Mitmachen auch gleich flugs prominent an der virtuellen Eingangstüre postiert wurde. Wir bilanzieren: Social Media = ein Gewinnspiel, plus ein paar positive Testimonials – und der Link zur Internetseite von Ergo Direkt?

Das wäre schade, denn spätestens an dieser Stelle wird der kurz gesprungene strategische Ansatz deutlich, der das teure Geld doch bei den klassischen Werbekanälen belässt. Offensichtlich führt hier doch ein geiziges Social Media Budget die Regie. Auch auf der Homepage der Ergo sucht man nämlich bislang Social Media Kanäle vergeblich, es bleibt bei der weiterhin zentral gesteuerten Kundenkommunikation via Kontaktformular oder Hotline.  

Finance 2.0 wirft in einem Vergleich dazu passend die nicht ganz unwichtige Frage auf: „Wieso fragen mich Banken bei der Eröffnung eines Kontos nach der Telefonnummer und nicht nach einer Kontaktmöglichkeit, die in meinem täglichen Leben viel wichtiger ist, z.B. twitter?“

 Und Thorsten Hahn vom Bankingclub legt noch eine Schippe drauf und stellt nüchtern fest: „Social-Media-Marketing ist aber mehr als das Scannen des Web´s nach positiven und negativen Reaktionen der Kunden über den Kanal Internet. Social-Media-Marketing hat auch nichts mit entgeltlichen Produkt-Placement im Blog eines Scene-Bloggers zu tun.“

Den Machern von Ergo als Einstiegslektüre empfohlen werden könnte etwa das neue Buch von Klaus Eck: Transparent und glaubwürdig – Das optimale Online Reputation Management für Unternehmen, es enthält vor allem viele nützliche Checklisten. Mehr Infos dazu via PR-blogger.

Ein Zitat aus dem Vorwort: „Für Unternehmen reichten in der Vergangenheit Massenkanäle für die Marken- und Unternehmenskommunikation nach dem Push-Prinzip aus… Heute müssen Unternehmen aktiver und transparenter kommunizieren, um ihr Zielpublikum zu erreichen. Die Zielgruppen der Unternehmen konsumieren heute weniger tranditionelle Medien und bewegen sich stattdessen im Internet“, betont Klaus Eck. 

Zurück zur „Versicherung 2.0“ – Auch die Facebook-Seite von Ergo zeichnet sich bis dato nicht gerade durch eine große Meinungsvielfalt aus. Fast in jedem Satz taucht der Begriff „Gewinnspiel“ aud. (Hoffentlich offen moderierte) Diskussionen auf dem Infoboard finden bislang noch nicht statt.

Eine Präsenz der Ergo Direkt Versicherungen 2.0 in Twitter sucht man bislang vergeblich. Es geht den Machern folglich vor allem um „trendige“ Werbung, statt um eine neue Kommunikationskultur der Marke Versicherung 2.0. Wir lassen uns aber gerne im Laufe der Zeit mit „Millionen Gründen“ vom Gegenteil überzeugen. 

Bis dies der Fall sein wird, kehren wir aber lieber zu Michael Endes Original von Momo zurück, in dem die Arbeit der „Zeitdiebe“ – der so furcht erregenden Herren in grauen Anzügen – beschrieben wird.

Der nun folgende Trailer zeigt, dass man auch als gemächliche Schildkröte ganz gut im Leben vorwärts kommen kann, statt so aufgeregt-cool durchs Bild zu rennen, wie die beiden Protagonisten der obigen Werbespots der Ergo Direkt Versicherungen 2.0:

Written by lochmaier

August 23, 2010 at 7:07 am

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Noa Bank: Interpretationen und Schlussfolgerungen zum Scheitern

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Das Rätselraten um die Gründe und Ursachen zum spektakulären Ende der Noa Bank in den Medien hält an (siehe die letzten Berichte auf diesem Weblog Social Banking 2.0). Auch Nachrichtensender n-tv versucht sich in der Ursachenforschung – Ausführliches dazu lässt sich im Interview mit den Finanzexperten Martin Faust bzw. Silke Riedel nachlesen.

Interessant in der Analyse dieser Kommentare ist zum einen, dass die Experten das Ende der Noa Bank kaum als Ende von „Social Banking“ ansehen. Im Gegenteil, schaut man sich die jüngsten Presseberichte an, so wird sogar deutlich, dass insbesondere die Öko- und Ethikbanken weiterhin kräftig an Marktanteilen zulegen, So spricht etwa die Berliner Zeitung gar vom „Boom der grünen Banken„.

Es sollte jedoch bei der Analyse nicht außer Acht gelassen werden, dass die Noa Bank gar keine Bank war, die unmittelbar diesem Marktsegment zugerechnet werden kann oder konnte. Sie warb vor allem mit ihren Marketingslogans Transparenz, Spekulationsfreiheit und Krediten an die „Realwirtschaft“. 

Das Etikett „ethische Bank“ haben insbesondere die Medien der Noa Bank umgehängt, und der Newcomer wehrte sich gegen dieses positive Marketingetikett natürlich nicht, da es und natürlich auch die Medien davon profitierten, weil „green banking“ gerade nach der Finanzkrise ein attraktives Kriterium darstellt, was die Neugier der Leser und Geldanleger weckt. 

Dass die Medien jetzt aber in der Nachbetrachtung zur Noa Bank undifferenziert alle Kunden und Marktsegmente in einen Topf werfen, dieser Umstand wird ersichtlich, wer sich die Zielgruppenanalyse meiner Publikation „Die Bank sind wir“ genauer anschaut (zur Noa Bank siehe Seite 93ff). 

Sorry für die Eigenwerbung, aber da steckt auch viel Arbeit drin. Denn ich spreche ja nicht umsonst von klassischen Ansätzen beim Social Banking – und von neuen, sehr unterschiedlich ausgerichteten internetbasierten Konzepten der Ausrichtung „2.0“, die ein deutlich anderes Klientel ansprechen – und die sich in ganz unterschiedliche evolutionäre Ansätze auffächern.

Kurzum: Es lohnt sich, die von mir in der Publikation präsentierten sozio-ökonomischen und sozio-demographischen Daten (auch zur Noa Bank) noch einmal genauer anzuschauen… 

Das Klientel der Noa Bank bestand zum einen tatsächlich aus „Zinsjägern“, also Menschen, die einfach auf den besten Zinssatz beim Tages- oder Festgeld achten, und hier immer wieder von Anbieter zu Anbieter springen. Dieser Gruppe allerdings, wie Experte Martin Faust dies tut, zu unterstellen, dass sie jetzt selbst schuld sei, wenn sie ihr Geld bei der Noa Bank angelegt hätten, das klingt etwas herablassend und zynisch.

Letztlich handelt es sich bei den Anlegern der Noa Bank nämlich um ein gesamt gesellschaftliches Phänomen, denn es sucht zu viel Kapital nach möglichst Rendite trächtigen Anlageformen, und diese wachsenden Ansprüche können nur auf dem Rücken von „Schuldnern“ (auch aus ärmeren Ländern) befriedigt werden.

Insofern ist „Geld“, wie ich es in meinem Weblog immer wieder beschrieben habe, per se eine „asoziale“ Ressource, die ein Machtgefälle zwischen Geber und Nehmer erzeugt oder sogar vertieft. Aber mit diesem nüchternen Befund müssen wir uns jenseits von einer vorschnell proklamierten „höheren Moral“ allesamt auseinandersetzen.    

Wenn private Anleger nach dem besten Anbieter Ausschau halten, so sollte man ihnen also nicht gleich pauschal das (niedere) Motiv „Geldgier“ unterstellen. Das ist in diesem Marktsegment nun wirklich kaum der Fall, wenn es um Renditen geht, die knapp über der Inflationsrate liegen. Hier sollten die Experten etwas mehr Augenmaß walten lassen.

Zurück zur Interpretation: Einige Auszüge aus meinem Buchprojekt zeigen die Besonderheiten des Geschäftsmodells der Noa Bank auf, das meines Erachtens ein durchaus Erfolgversprechendes darstellt(e), wenn es seriös und konsequent realisiert wird oder worden wäre – ich bin mir sicher, es wird weitere Nachahmer finden, und auch konventionelle Banken werden davon lernen.  

Hier also einige exklusive Auszüge mit Stand vom Februar 2010 zur Zielgruppenanalyse der Noa Bank –  das ich auch deshalb publiziere, um mit fundierterem Material zur Aufhellung der aktuellen Geschehnisse beizutragen:

Weitere sozioökonomische und soziodemografische Merkmale deuten darauf hin, dass die Verteilung der Kundengruppen bei Noa Bank sich sowohl altersmäßig als auch vom sozialen Status aus betrachtet durch alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten hindurchzieht.

Die größte Kundengruppe stellen Angestellte dar (31 Prozent), gefolgt von Selbstständigen, Freiberuflern, Beamten und Arbeitern, wobei 38 Prozent der Kunden keine Angaben zu ihrem Beruf machten. Geografisch gesehen stammt die größte Kundengruppe aus Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Die östlichen Bundesländer weisen demgegenüber einen niedrigeren Anteil aus.

Die Anleger und Kreditnehmer der Noa Bank lassen sich durch unterschiedliche Interessenkoalitionen kennzeichnen. Einerseits spielen günstige Konditionen für Tagesgelder und Festzinsanlagen eine Rolle, wobei das Institut davon profitiert, sich unter die besten Anbieter einzureihen. Daneben gibt es eine Gruppe von vor allem jüngeren Kunden – überwiegend Studenten –, die das kostenlose Girokonto nutzen.

Von großer Bedeutung bei der Wahl dieser Alternative ist jedoch auch der Umstand, dass die Noa Bank solche Kunden anzieht, die keinerlei spekulative Elemente mit ihrem Geld beabsichtigen, indem sie einerseits ihre Anlage zu marktüblichen Spitzenkonditionen in Tages- oder Festgeldern tätigen. Andererseits spielt ein „gutes Bauchgefühl“ bei der Investition eine Rolle, und zwar in der Form, dass die Anlage als Kredit direkt in kleine und mittelständische Unternehmen fließt.

Dies soll einen produktiven Kapitalkreislauf erzeugen, der eine undogmatische Sichtweise des nachhaltigen Wirtschaftens darstellt. Hierfür stehen den Anlegern die vier Themenbereiche Planet, Nähe, Leben und Kultur zur Verfügung.

Das ergänzende Produkt „Citizen Genussschein“ soll für den Anleger eine jährliche Rendite von 5,5 Prozent erbringen, birgt allerdings als eine Form der direkten Unternehmensbeteiligung an der Noa Bank das Risiko eines Totalverlusts der Einlage mit sich. Die direkte Form der Anlage in einen Genusschein setzt somit einen deutlich höheren Identifikationseffekt mit den Zielen des Unternehmens voraus sowie eine genauere Prüfung des wirtschaftlichen Umfelds, in dem das Institut agiert.

Die von der Noa Bank für die Kreditvergabe vorgegebenen Bereiche Kultur und Leben scheinen dabei für die Anleger bzw. privaten Investoren nur von nachrangiger Bedeutung zu sein. Diese Schlussfolgerung lässt sich jedenfalls anhand der von den Nutzern angegebenen Präferenzen ziehen. Am wichtigsten erscheint für die Anleger, mit ihrer Einlage direkt in ihrer örtlichen Umgebung sinnvolle Projekte bzw. Unternehmen zu fördern.

Der Bereich Kultur als investiver Wirtschaftszweig fristet in Deutschland hingegen ein Nischendasein. Er wird zwar prinzipiell als nützlich angesehen, aber nicht unbedingt als gesellschaftlich notwendig betrachtet, was sich in den Präferenzen der Anleger widerzuspiegeln scheint. Ebenso scheint die Oberkategorie „Leben“ für viele Menschen eine zu abstrakte Kategorie zu sein, um sich mit eigenen Ideen und Vorschlägen gezielt einzubringen.

Die im Zielkorridor zwischen Wellness, Lifestyle und Gesundheit angesiedelten Kreditprojekte dürften gerade für die wenig dogmatische Kundenklientel der Noa-Bank-Anleger keine allzu große Anziehungskraft ausüben. Einschränkend bleibt festzuhalten, dass letztlich allein das Geldinstitut die Darlehen an die Betriebe vergibt, wodurch die Fragen offen bleiben, welche Kriterien die Noa Bank an die Kreditnehmer anlegt und aus welchen Kanälen sich die Darlehensvergabe speist.

Quelle und Copyrights: Social Banking 2.0/Die Bank sind wir

Auf Deutschlandradio Kultur findet sich übrigens noch eine interessante Rezension meines Buches, das sich durchaus lohnt anzuhören. Denn es beleuchtet ja auch die Chancen und Grenzen der „Finanzdemokratie 2.0“. Im sechsten Kapitel beleuchte ich dessen Perspektiven zwischen Mythos und Realität. Ein Zitat dazu:

Zumindest ist es Ausdruck einer „Graswurzel-Bewegung“ von unten, die aktiv Einfluss nehmen möchte auf die bislang von oben verordneten Spielregeln in der großen Finanzwelt. Das Beispiel von kreativen Bürgerfinanzierungen könnte – sofern sich Städte und Kommunen dieses Stilmittels nicht nur bedienen, um Haushaltsschulden zu verringern – durchaus Schule machen, nicht staatlich von oben als „Community Banking“ verordnet, sondern von einer politisch unverdächtigen Basis initiiert. Es zeigt, dass Social Banking sich jenseits von etablierten Bankstrukturen und staatlicher Einflussnahme auf produktive Weise weiter entfalten kann. Neues bahnt sich irgendwann seinen Lauf.

Quelle und Copyrights: Social Banking 2.0/Die Bank sind wir

Die Einlösung dieses hohen moralisch-ethischen Anspruchs sehe ich dennoch in meiner Publikation zurückhaltend bis kritisch. Es werden möglicherweise weitere Enttäuschungen, wie es auch das Scheitern der Noa Bank verdeutlicht, nachkommen.

Andererseits: Es wird trotzdem zahlreiche innovative Ansätze insbesondere mit neuen internetbasierten Formen von „Social Banking 2.0“ geben, die sich freilich noch bewähren müssen. Und das ist doch zum Ende dieses Beitrags eine positive Nachricht. Neues und vielleicht Besseres bricht sich irgendwann seinen Lauf.

Dass wir uns mit größeren Einschnitten in unserem Koordinatensystem konfrontiert sehen, das wird auch in einer weiteren Rezension vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF aktuell) deutlich, wenn die (aufgeklärten) Menschen die Geschicke der Finanzökonomie in finanziellen Fragen künftig stärker beeinflussen:

Die Finanzkrise hat nicht nur reiche Menschen erschüttert. Auch viele Menschen der Mittel- und Unterschicht haben das Vertrauen in die Banken verloren. Der Ausweg heißt „Social Banking“: Kreditplattformen im Internet bringen Kredit- und Kreditgeber direkt in Kontakt.

[,,,] Der Autor vermittelt in seinem Buch Grundlegendes zur Geschichte der Banken, der Kredite und finanzieller Netzwerke. Darüber hinaus informiert er hintergründig über das Social Banking und seine verschiedenen Erscheinungsformen, seine Entstehungsgeschichte und den Bedeutungswandel. Für Lochmaier sind Partizipation, Mitbestimmung und Transparenz die zentralen Argumente für das Social Banking im Web 2.0.

Quelle: zdf.de

Das „Cluetrain-Manifest“ aus dem Jahr 1999 stellt immerhin eine Art Verkehrsregelwerk dar, wie eine künftig von den Spielregeln des Internets geprägte Wachstumsökonomie aussehen könnte. Es beinhaltet 95 Thesen, die sich in abgewandelter Form auch auf eine reorganisierte Bankenlandschaft beziehen ließen.

 

Written by lochmaier

August 20, 2010 at 2:59 pm

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Noa Bank: Strafrechtliche Untersuchung gegen Factoring-Tochter eingeleitet

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Wie die Nachrichtenagentur AFP heute früh vermeldet, sei im Zusammenhang mit der Schließung der als Alternative zu herkömmlichen Banken gestarteten Noa Bank auch die Justiz aktiv geworden. Nach einer Strafanzeige gegen Bankgründer François Jozic und seinen Geschäftspartner Frederic Lodewyk werde nun geprüft, ob es zu Ermittlungen komme, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf – und bestätigte damit einen Bericht des Handelsblatts. Dort ist nachzulesen:

Der Vorwurf lautet, dass die Factoringfirma Forderungen eingezogen haben soll, dieses Geld aber nicht weitergereicht habe. 

Hier eine Übersicht über die neuesten Artikel und Kommentare:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2599553_0_9223_-noa-bank-130-000-kunden-vom-aus-betroffen.html

http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article9101304/Merkel-Garantie-greift-bei-Noa-Bank-nicht.html

http://www.ksta.de/html/artikel/1281431638184.shtml

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:agenda-theatralischer-abgang-der-noa-bank/50158978.html

http://www.handelsblatt.com/schliessung-der-noa-bank-wie-kunden-nun-an-ihr-geld-kommen;2639190

http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/noa-bank-hat-zu-viel-versprochen/

Auch in den zahlreichen Weblogs, die sich mit Gegenwart und Zukunft der Finanzindustrie und der Banken beschäftigen, halten die teils recht kontrovers geführten Diskussionen an, auch hierzu aus der Fülle des aktuellen Materials einige Links, um das eigene Meinungsbild zu vertiefen:

http://electrouncle.wordpress.com/2010/08/19/das-ende-der-noa-bank/

http://www.finanznews-123.de/bankenverband-ausert-sich-zur-schliesung-der-noa-bank/

http://www.blicklog.com/2010/08/19/ende-eines-newcomers-die-noa-bank-war-eine-gute-idee/

http://der-privatanleger.de/entry/349/noa-bank-der-tag-nach-dem-aus

http://finanzwertig.de/finanzaufsicht-schliesst-ethikbank-noa-453

Written by lochmaier

August 20, 2010 at 8:44 am

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Noa Bank: Was betroffene Kunden tun müssen – Anlegerforum eingerichtet – Bafin: Kein neuer Fall Kaupthing Bank

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Die Verunsicherung ist groß, ob und wie betroffene Kunden und Anleger nach der gestern eingeleiteten Insolvenz der Noa Factoring – und dem von den Gründern bzw. der Finanzaufsicht Bafin ebenso eingeleiteten Ende der Noa Bank  – jetzt an ihre derzeit eingefrorenen Guthaben heran kommen. Die Stiftung Warentest (Finanztest) teilt dazu folgendes mit:

Kunden der Noa Bank kommen kurzfristig nicht an ihr Geld. Sie müssen sich aber keine Sorgen um ihre Ersparnisse machen. Die gesetzliche Einlagensicherung kommt für Einlagen und Zinsen bis zu 50 000 Euro pro Sparer auf. Erfahrungen aus anderen Bankenpleiten zeigen, dass es mehrere Monate dauern kann, bis die BaFin den sogenannten Entschädigungsfall festgestellt hat und die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken dann die Einlagen zurückzahlt.

Quelle: test.de

Das weitere Prozedere kann sich laut Internetportal geld-magazin.de über mindestens sechs Wochen hinziehen, vielleicht aber auch einige Monate.  Das Internetportal tagesgeld-org. weist außerdem auf ein neu eingerichtes Forum im Netz für geschädigte Anleger der Noa Bank hin, über das neue Informationen fließen.

Gegenüber Social Banking 2.0 erklärt Bafin-Sprecher Ben Fischer, dass es sich bei der Noa Bank um keinen neuen „Fall Kaupthing Bank“ handle. Auch zahlreiche deutsche Anleger hatten bei der insländischen Bank Einlagen deponiert, um die sie später im Zuge der Finanzkrise nach der Pleite der Bank  hart kämpfen mussten.

Das weitere Prozedere beschreibt die Bafin wie folgt: Das an die Noa Bank gestellte Moratorium, das sich auf deren Internetseiten nachlesen lässt, ist auf sechs Wochen befristet. Ein Insolvenzverfahren der Noa Bank kann nur die Bafin selbst einleiten. Damit kämen die Anleger derzeit zwar nicht an ihre Guthaben, hätten aber andererseits die Sicherheit, dass keine Gelder abfließen, so der Bafin-Sprecher weiter.   

Während dieser Zeitspanne von sechs Wochen kann die Noa Bank entweder den Nachweis erbringen, dass ausreichend Liquidität vorhanden ist, um alle Ansprüche der Anleger in einem geordneten Verfahren zu bedienen – oder ob der Entschädigungsfall im Rahmen der gesetzlichen Einlagenhaftung eintritt.

Bafin-Sprecher Ben Fischer hält es jedoch analog zur Causa „Weserbank“ für wahrscheinlich, dass es gelingt, innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne Guthaben je Anleger bis maximal 50.000 Euro je Person (ohne Eigenanteil) an die betroffenen Kunden zu entschädigen.

Update am 20.08: Die Bafin präzisiert bei mir noch einmal schriftlich das weitere Prozedere bezüglich der Noa Bank:

Das Moratorium ist keineswegs auf eine bestimmte Laufzeit (etwas sechs Wochen) beschränkt. Die sechs Wochen sind vielmehr eine Frist aus dem EAEG (Einlagensicherungs und Anlegerentschädigungsgesetz). Sie besagt, dass das Entschädigungsverfahren im Falle eines Moratoriums nach sechs Wochen von Gesetzes wegen beginnt, wenn innerhalb dieser Zeit die BaFin nicht das Moratorium wieder aufhebt oder den Entschädigungsfall feststellt. Es kann also weder gesagt werden, dass das Moratorium nun sechs Wochen läuft, noch dass der Entschädigungsfall und damit das Verfahren erst in sechs Wochen beginnt.

Die BaFin prüft derzeit, wie in dieser Sache weiter zu verfahren ist. Wenn wir dabei feststellen, dass die Bank dauerhaft nicht in der Lage ist, ihre Kunden aus eigener Kraft vollständig auszuzahlen, dann stellen wir den Entschädigungsfall fest. Das kann jederzeit erfolgen. Spätestens nach sechs Wochen wird diese Feststellung aber vom Gesetz fingiert, sofern das Moratorium dann noch besteht.

Quelle: Bafin

Written by lochmaier

August 19, 2010 at 7:13 am

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