Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Selfmade-Millionär Karl Rabeder: Geld macht doch (nicht) glücklich?

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Jetzt hat er es getan und seine Villa für 99 Euro versteigert:

Der 48-jährige Österreicher war Millionär seit seinem 32. Lebensjahr. Erwirtschaftet hat er sein Vermögen mit der ehemaligen Gärtnerei seiner Großeltern, die er mit Mitte 20 in eine Firma für Wohnaccessoires verwandelt hat. Des vielen Geldes ist er jetzt überdrüssig – und möchte damit lieber andere glücklich machen. So versucht der reiche Unternehmer aus Linz an der Donau seit März 2009 seine Villa zu verlosen – jetzt ist eine Deutsche die neue glückliche Besitzerin.

Der Erlös der Lotteriescheine geht dabei nicht an Rabeder, sondern soll vollständig seiner eigens gegründeten Organisation My MicroCredit zugutekommen, mit der er Markthändlern und Bauern in Lateinamerika zu Kleinkrediten verhelfen will – ganz uneigennützig. Er selbst hat mit dem Thema Geld offenbar abgeschlossen. „Ich war mal reich und werde jetzt, wo ich immer weniger reich bin, glücklich und vermögend. Vermögend ist jemand, der mit seinem Besitz was Positives zu bewirken vermag“, erklärt Karl Rabeder in einem Interview mit dem christlichen Magazin „Chrismon“.

Quelle: news.immobilo.de

Ein etwas ausführlicheres Portrait des nicht unumstrittenen Self-Made-Millionärs findet sich in der Tageszeitung die Welt. Statt hier in eine weiter gehendere Analyse über die Motivationen von Karl Rabeder einzusteigen, ist es aus Sicht von Social Banking 2.0 interessanter, die Plattform für Mikrokredite zu beleuchten, die er selbst ins Leben gerufen hat. Eine kurze Selbstdarstellung:

MyMicroCredit ist eine non-profit Organisation mit Sitz in Deutschland und Österreich. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Armut in weniger entwickelten Regionen der Erde zu verringern.

Auf unserer Website haben die Menschen in Europa die Möglichkeit, schnell, direkt und transparent Mittel für bedürftige Menschen in Lateinamerika, Asien und Afrika bereit zu stellen, sowohl in Form von MikroKrediten, als auch durch die Finanzierung von Schulungen und Ausbildungen.

Die grundlegenden Unterschiede zwischen dieser Variante und der weltweit bekannten Alternativa kiva beleuchtet das best-practice Businessblog hier. Ein Auszug:

  • Die Kreditgeber erhalten am Ende der Laufzeit keine Zinsen, sondern maximal das eingezahlte Kapital zurück. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Kreditnehmer in den Entwicklungsländern möglichst geringe Zinsen an die Mikrofinanzinstitute zahlen müssen.
  • Zur Abdeckung der mit der Mikrokreditvermittlung verbundenen Kosten für Währungswechsel, Absicherung des Währungsrisikos, Überweisungsspesen, Softwarenutzung, etc. werden die Kreditgeber darum gebeten, eine zusätzliche Spende in der Höhe von 10% zusätzlich zu Ihrem Mikrokredit zu geben, die in Deutschland steuerlich abzugsfähig sein kann. Dafür gibt es keine Querfinanzierung durch die Zinsmarge.
  • MyMicroCredit finanziert sich nicht durch eine Zinsmarge, sondern nur durch freiwillige Spenden der sozialen Investoren und wird in der Anfangsphase auch von Spenden der Gründer, Organisationen und Sponsoren gestützt.
  • Derzeit arbeitet MyMicroCredit mit dem MFI Apoyo Integral in El Salvador, Nicaragua, zusammen und konzentriert sich auf Ausbildungen zum Agrarlehrer. Diese Ausbilder sollen später weitere Projekte von MyMicroCredit betreuen und damit ein Garant für den Erfolg und die hohe Rückzahlungsquote der Kredite sein.
  • Die Kreditvergabe ist ohne Registrierung bei Überweisung oder Lastschrift möglich. Claus Lehmann kommentiert das wie folgt: “Das ist zwar einerseits schnell in der Bedienung/Abwicklung, andererseits bedingt das fehlende Login, das Kreditgeber keinen Überblick haben, wem sie wann Geld geliehen haben.”
  • Quelle: best-practice-business.de (Stand März 2010)

    Fazit: Obgleich Social Media kein Allheilmittel in der Kommunikation darstellt, könnten die Internetkanäle, die etwa beim amerikanischen Pendant kiva bereits eine zentrale Rolle spielen, auch bei der österreichisch-deutschen Variante noch besser bestückt sein. Denn gerade jüngere Interessenten erwarten doch, dass moderne Mikrokreditanbieter sich ihnen auf den bereits vertrauten Kommunikationskanälen annähern – und auch dort mit transparenten Informationen aufwarten und punkten.

    Über die einzelnen Projekte, die Karl Rabeder und seine Mitstreiter fördern oder bereits finanziert haben, kann man sich jedoch auch heute schon übers Netz informieren, auf der Homepage von mymicrocredit.org. Ein Interview mit Karl Rabeder bieten einen persönlichen Eindruck, zum Thema „Wirtschaft für den Menschen“ – geführt vom enorm-Magazin , das sich auch via Youtube anschauen lässt:

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    Written by lochmaier

    August 29, 2010 um 7:43 am

    Veröffentlicht in Uncategorized

    2 Antworten

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    1. Lieber Herr Karl,
      Ich finde ihre Idee sehr gut, aber so ganz ohne Geld ist das Leben auch nicht so gut. Ich selber habe auch ein ganzes Leben gearbeitet, bin nun 66 Jahre alt, vor 10 Jahren ist mein Mann verstorben, habe Zeit meines Lebens in meinem Rahmen Arme
      Menschen unterstützt, bin auch glücklich aber 1000 Euro im Monat habe ich letztendlich nicht, komme mit 600 Euro im Leben aus.Ich denke immer, man kann
      auch im Stillen etwas gutes tun, aber dann hat man leider nicht Ihre Möglichkeiten.
      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und wäre Ihnen dankbar wenn Sie mir mal
      einen Prospekt ihrer Projekte in südamerika schicken würden, die Sie unterstützen,
      denn sicherlich waren Sie schon vor Ort. Da ich gerade von einem sehr langen Weg zurückkomme, (Jacobsweg zu Fuss Sevilla – Santiago) war dieser Artikel in der Hör zu
      ein wunderbares Geschenk für mich. Viele liebe Grüsse Dora Haberberger
      Do

      Dora Haberberger

      Juli 15, 2011 at 6:24 am

    2. Leider ist es mit seiner Gutmütigkeit doch nicht so weit her:

      Der Nicht-ganz-so-Gutmensch
      http://www.stern.de/panorama/karl-rabeder-der-nicht-ganz-so-gutmensch-1802715.html

      Die Mär vom guten Millionär

      R. Ackermann

      Mai 27, 2012 at 3:35 pm


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