Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Fidor Bank AG setzt in sensiblem Marktumfeld auf Wachstum

leave a comment »

Die Infoplattform 4investors.de berichtet, dass die börsennotierte (Entry-Standard) Fidor Bank über den Ankauf eines Forderungsportfolios ihr Kreditgeschäft ausweiten möchte. Das Paket habe ein Volumen von 35 Millionen Euro und sei von der Vantargis Gruppe erworben worden, zitiert die Plattform das Unternehmen.

Die Summe teilt sich demnach auf Finanzierungsverträgen aus dem Leasing- und Mietkaufgeschäft mit etwa 180 Mittelstandskunden sowie ein Factoring-Portfolio auf. Die Beträge seien kreditversichert, so Fidor. Angaben zum Kaufpreis des Portfolios wollte der Newcomer nicht nennen. 

Auf dem hauseigenen Webkanal der ersten „Web 2.0-Bank“ in Deutschland kann man die Nachrichtenlage und die damit verbundene angeregte Diskussion der Nutzer verfolgen und erahnen. Matthias Kröner kommentiert diesen Schritt, einen neuen Großinvestor mit ins Boot zu holen, wie folgt:

In der Vergangenheit hatten wir immer wieder über die Entwicklung der Aktivseite gesprochen. Sie, die User und Kunden unserer Bank haben verständlicherweise immer wieder gefragt, was sich hier tun wird. Denn wie wir alle wissen, ist die Aktivseite für die Bank etwas sehr Wesentliches. Von unserer Seite haben wir darauf hingewiesen, dass wir sehr an der Entwicklung unseres eigenen Kreditangebots arbeiten. Dies gilt für den Retail-Bereich ebenso wie für den Geschäftskunden-Bereich. Hierzu wird es auch in 2010 noch Neuigkeiten geben – sollten nicht irgendwelche Stricke reißen. Neben dem Aufbau eines eigenen, operativen Angebots haben wir über den möglichen Erwerb eines Kreditportfolios gesprochen. Dabei – auch das sagten wir – muss die Art und das Risiko des Portfolios zu unserer „Community-Bank“ passen. Während also der Aufbau eines eigenen Kreditangebots noch ein wenig Zeit beanspruchen wird, können wir heute schon zum Thema Portfolio Erwerb Erfolge vermelden. Damit ist dann auch die „Aktiv-Passiv-Wippe“ deutlich ausgeglichener als zuvor 😉

Indes, derzeit ist – auch infolge der eingeleiteten Insolvenz der Noa Bank und Factoring, über die Social Banking 2.0 ausführlich berichtete – der Markt in Bewegung und reagiert nervös auf kleine Ausschläge.

Umso mehr stellt sich für die Macher von neuen internetbasierten Ansätzen im Social Banking die Aufgabe, für ein möglichst großes Maß an Transparenz und Konsistenz in der Geschäftsstrategie und Ausweitung der damit verbundenen Aktivitäten zu sorgen. Ein Leserkommentar auf den Fidor-Seiten beschreibt die Herausforderung so:

Finde die Info auch sehr gut und freue mich über die Transparenz, die hier herrscht. Mich stört nur der Satz: „sollten nicht irgendwelche Stricke reißen“. Hoffe das mit „unser“ Bank alles im Lot ist. Die Entscheidung über die noabank machen den Markt eben sensibel und nachdenklich.

Quelle: community.fidor.de

Umso heikler mit Blick auf das Stimmungsbarometer in der Finanzcommunity ist die „mission possible“ rund um die Fidor Bank AG, als dass nun ein neuer Großinvestor aus der Frankfurter Private Equity Szene nun die Geschäftspolitik mit bestimmt.

Die Frankfurter Private-Equity-Beteiligungsgesellschaft Corporate Finance Partners (CFP & Founders Investments) erhöht dadurch ihren Anteil von 9,9 Prozent auf 20,5 Prozent – und wird somit als strategischer Investor größter Einzelaktionär der auf das Community-Banking spezialisierten Fidor Bank, berichtet peopleanddeals.de. 

Auf der Plattform gruenderszene.de findet sich eine kurze Beschreibung von CFP. Das Unternehmen ist auch Mitglied im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Zum Portfolio gehören auch innovative Internet-Unternehmen wie humangrid, mehr dazu auf deutsche-startups.de . Insofern scheint die Beteiligung an Fidor durchaus ins Geschäftsmodell zu passen.

Was neue Möglichkeiten der phantasievollen Interaktion in der Web 2.0-Bank angeht, so setzt der Betreiber vor allem auf das neue „Smart Money-Center“. Darüber erhalten Kunden der Fidor Bank AG  die Möglichkeit, Geld auf einfache Weise zu versenden.

Dabei kann der Empfänger durch eine Fidor-ID, Mobil-Nummer, einen Community-Nicknamen, oder eine Email-Adresse bestimmt werden. Auch können Geldbeträge an Freunde einfach und nachvollziehbar verliehen werden. „Fidor oder Banking mal anders“, beleuchtet daran anknüpfend das Weblog written in basic.

Im kommenden Jahr will Fidor nach Anlaufverlusten bereits ein ausgeglichens Ergebnis vorweisen, berichtet das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), die auch ein längeres Interview mit dem Vorstand Steffen Seeger führte.

Mit dem Emissionserlös kann laut Unternehmensangaben, so bilanziert DAF, zum einen die Geschäftsstrategie schneller umgesetzt – und zum anderen das haftende Eigenkapital der Fidor Bank AG gestärkt werden. Dies erweitere den Spielraum für den Ausbau des Kundenkreditgeschäfts, so der Konzern.

In der Blogosphäre räumt man dem Newcomer jedenfalls weiterhin gute Chancen ein, am Markt für eine nun wirklich sensible Gelddienstleistung mit einer Web 2.0-basierten Philosophie Fuß zu fassen, findet jedenfalls der Postdramatiker:

Die Bank ist kein Unternehmen, sondern eine Netzwerkassoziation. Kein Netzwerk von ganz gleichen, es gibt Profis und Berater, und die Bank hat natürlich sowohl eigenes Interesse und eigene Agenden. Aber die Bank weiß auch, dass sie von ihrem offenen Netzwerk abhängig ist. Für mich ein Riesenschritt hin zum Banking in der Digitalöknomie.

Wir bilanzieren: Letztlich ist die Fidor Bank 2.0 doch ein Mix aus einem (ganz normalen) Wirtschaftsunternehmen, bei dem auch externe Interessengruppen mitbestimmen, die Welt kann eben nicht jeden Tag neu erfunden werden und einige Gesetze in der Wirtschaftswelt mit Erdanziehungskraft gelten auch für den Newcomer – gleichwohl handelt es sich dabei auch um eine „lose und gleichwohl kreative Netzwerkassoziation mit vielen flexiblen Knoten“.

Über die Weiterentwicklung des damit verbundenen Geschäftsmodells wird es in der Community sicherlich noch einige, manchesmal auch kontroverse Diskussionen geben, und die Macher werden Geduld brauchen, bis die kollektive Schwarmintelligenz den Stein der Weisen den Berg hinauf rollen wird. Das Potenzial dazu ist sicherlich vorhanden, es zu heben bedeutet allerdings keine ganz leichte Aufgabe.

Das aber haben die „Banker zum Anfassen“ von der Fidor Bank ja auch nie behauptet. Je verteilter und dezentraler die kollektive Schwarmintelligenz an den Kapitalmärkten operiert, je weniger sich neue Monopole der Informationsverteilung herausbilden, umso geringer fiele das Risiko von gravierenden Fehlentwicklungen aus.

Andererseits schenken viele Anleger einer Empfehlung erst wirklich Glauben, wenn die Zahl derjenigen groß genug ist, die einem konkreten Tipp ebenfalls Folge leisten, habe ich in meinem Kapitel zu den finanziellen Netzwerken in „Die Bank sind wir“ skizziert. 

Kurzum: Die Herausforderung besteht darin, den „Herdentrieb“ produktiv zu bewältigen und das Missbrauchsrisiko durch subjektiv falsch oder unzureichend interpretierte Informationen zu minimieren, die sich gerade über das Internet rasant um den Globus verbreiten. Denn Geld soll ja verbinden und nicht neue Barrieren aufbauen.

Dennoch zeigt sich trotz konzeptioneller Unwägbarkeiten, die in Kauf genommen werden müssen, am Beispiel von finanziellen Interessengemeinschaften, dass man auch gemeinsam erfolgreich sein kann. Deutschlands erster Mitmachfonds von investtor wirbt mit dem Slogan „Masse statt Klasse“. Ein regulierter, transparenter Fonds, den der Anleger direkt beeinflussen kann, indem er fortlaufend seine eigene Meinung einbringe, berichtet die Infoplattform extra-funds.de

Damit ersetze er weitgehend den Fondsmanager. Bezogen auf Investtor betonen die Macher, so berichtet extra-funds.de weiter, dass das Wissen der vielen nur deshalb sinnvoll eingesetzt werden könne, weil die Daten objektiv aggregiert seien.

Außerdem müsse sichergestellt sein, dass Manipulationen ausgeschlossen seien, um Informationskaskaden zu vermeiden. Aus diesem Grund werde auf der Plattform nur anonymisiert und strukturiert bewertet. Die Teilnehmer treffen also ihre Entscheidungen unabhängig voneinander, betonen die Initiatoren. 

Die Bewährungszeit der neuen Bankmodelle im Web 2.0-Umfeld, sie hat begonnen.

Advertisements

Written by lochmaier

August 27, 2010 um 6:43 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: