Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Banking 1.0 trifft 2.0: Nischenmarkt oder Massenbewegung?

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Oftmals ist das vermeintliche Topthema im Geschäftsleben nicht das allerwichtigste. Das gilt auch für die Banken. In der aktuellen Ausgabe 08/2010 der Fachzeitschrift „die bank“ beleuchte ich etwa die Risiken und Nebenwirkungen von großen und meist ziemlich teuren IT-Migrationen in der Finanzbranche bei den Big Playern, aus gutem Grunde unter der Überschrift: „Alles auf die neue Karte setzen?“ .

Angesichts einiger ziemlich misslungener technologischer Umbrüche in den IT-Landschaften von Großbanken tut es sicherlich not, einige Best Practices und Vorgehensweisen zu beachten, um hier nicht allzu viel Geld mit hektischem Aktionismus zu verbrennen, das mit Blick auf den Kunden woanders vielleicht sinnvoller eingesetzt worden wäre. 

Zum Beispiel, wie wäre es mit einer Neujustierung der Geschäftsprozesse auf Basis von Social Banking? Deren Basiselemente 1.0 versus 2.0 lassen sich nachlesen etwa in einem Beitrag in der ZEIT über die grünen Ökoinstitute, oder in einem Blogpost von Ex-Banker Robert Basic, der der Fidor-Bank recht ausführlich auf den Weisheitszahn der kollektiven Schwarmintelligenz gefühlt hat.  

Und nun findet sich im selben Heft von „die bank“ ein ganz aufschlussreicher Artikel über eben diesen vielfältigen „neuen Kosmos“ namens Social Banking, der in voller Länge mittlerweile auch online hier verfügbar ist. Geschrieben wurde er von den Autoren der Unternehmens- und Forschungsberatung Evers & Jung GmbH, die das Thema aus unterschiedlichen Facetten beleuchten.

Auffällig ist, dass bis vor kurzem dieser neue Kosmos wohl eher als einer angesehen war, dem die Branche mit einer gewissen inneren Distanz begegnet war. Es zeichnet sich jedoch ein schleichender Paradigmenwandel in den Chefetagen ab, wenngleich hieraus keine gänzlich neue Revolution abgeleitet werden kann. Die wichtigsten Thesen der Autoren aus dem Artikel in aller Kürze:

Gespeist aus Ursachen, die von besseren technischen Möglichkeiten bis zu den Umwälzungen der Finanzkrise reichen, streben die Peer-to-Peer-Plattformen einen neuen Umgang mit Geld an. Gleichzeitig befinden sich auch die klassischen Social Banks im Aufwind. Mit dieser Entwicklung hat ganz offensichtlich eine Ausweitung des Begriffs „Social Banking“ stattgefunden, der diesen Nischenmarkt möglicherweise in den Mainstream führt.

Aus Anlegersicht ging es immer schon um die Investition in ethische, soziale und ökologische Investments, da dieses Segment kaum von den etablierten Finanzintermediären bedient wurde. Nach alter Definition steht für Anbieter wie Triodos, GLS Bank oder Umweltbank der verantwortungsvolle Umgang mit Geld im Fokus, um hiermit einen kulturellen, ökologischen oder sozialen Mehrwert zu schaffen und nachhaltiges Wachstum zu initiieren. 

Typische Klientel hierfür sind postmaterielle Anlegertypen, für die das Streben nach materiellen Gütern von geringerer Bedeutung ist, die aber gleichzeitig für jede Bank ein weit überdurchschnittliches Ertragspotenzial aufweisen. Eine ZEB-Studie Ende 2009 schätzte diese Kernzielgruppe in Deutschland auf über 6 Mio Kunden, von denen bisher nur 200.000 von Social Banks erschlossen sind. Hinzu kommen nun jene Nutzer, die einfach aufgrund der guten Renditen im Social Banking 2.0 aktiv werden, und andere, die grundsätzlich Transparenz haben wollen, wie ihr Geld verwendet wird.

Es lässt sich daraus die These ableiten, dass sowohl auf Kreditnehmer-als auf Anlegerseite die klassischen Zielgruppen weiter bestehen, wahrscheinlich jedoch aus dem Bereich der internet-affinen Web 2.0-Klientel Zuwächse erfolgen, die das Social Banking aus der Nische führen könnten.

… So stellt sich möglicherweise nur die Frage, welches Szenario eher eintrifft: Dass die Social Banks aus der Nische kommen oder dass die Mainstream- Banken sich „sozialer“ aufstellen. Die Identifizierung einer neuen Kundenphilosophie hin zu mehr Transparenz einerseits und die Etablierung neuer Bankfunktionen über soziale Netzwerke andererseits wären eine in jedem Fall konsequente Weiterentwicklung des Finanzsystems.

Quelle: die-bank.de

Mehr Infos über die Expertise der Autoren dieses Beitrags findet sich übrigens auf deren Facebookseite. 

Übrigens: Ein weiteres Indiz, dass konventionelle Ansätze von Social Banking und die neuen Web 2.0-basierten Konzepte tatsächlich in Summe einen Massen(nischen)markt generieren, belegt auch die Tatsache, dass die Erste Bank Österreich, gerade eine Stabsstelle Social Banking eingerichtet hat.

Sicherlich werden auch konventionelle Banken diesem Beispiel folgen, weshalb sich die Wachstumsperspektiven der neuen Zielgruppenkonzepte aus unterschiedlichen Quellen speisen. Allerdings klappt es noch nicht so ganz mit der Neujustierung der Prozesslandschaft in Richtung Social Banking, denn das würde ja bedeuten dem Kunden deutlich größere Mitspracherechte einzuräumen, wie das Tagebuch eines jugendlichen Mikrospenders belegt, über dessen ziemlich erfolglosen Versuch, eine derartige Initiative mit Hilfe der Bank zu etablieren. Schade eigentlich, aber was nicht ist, das kann ja noch werden.  

Und genau deshalb, weil die Zukunft der Jugend gehört, und nicht denen, die lieber in den Rückspiegel schauen, ist die oben formulierte Ausgangsthese nicht von der virtuellen Geisterhand zu weisen, dass es sich bei der Verschmelzung von Social Banking 1.0 und 2.0 um ein ernst zu nehmendes Phänomen handelt,  das sich durchaus mit einem nachhaltigen Ausrufezeichen versehen lässt, statt um eine kurzlebige Modeerscheinung, die bald wieder von der Bildfläche verschwinden wird.

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Written by lochmaier

August 17, 2010 um 9:24 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. cooler bericht

    Garten

    August 17, 2010 at 11:52 am


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