Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Attac: Globalisierungskritiker gründen „demokratische Bürgerbank“

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Vielen Menschen reicht es nicht mehr, nach der Finanzkrise auf das aus dem Ruder gelaufene Bankensystem zu schimpfen – und weiter in passiver Ohnmacht zu verharren.  In der Tat, kreative Ideen und Engagement sind gefragt: Siemens tut es, einige andere denken auch daran – und jetzt kann man auf den Internetseiten der Globalisierungskritiker von Attac Österreich, die jüngst erst durch das Bankentribunal auf sich aufmerksam gemacht haben, folgende interessante Meldung lesen:

Das profitorientierte Bankensystem sei maßgeblich für die Finanzkrise verantwortlich: „Ein zu großer und zu mächtiger Bankensektor stemmt sich gegen jegliche demokratische Regulierung und verhindert selbst kosmetische Reformen. Engagierte Menschen aus ganz Österreich planen daher die Gründung einer „Demokratischen Bank.“ Diese Bank soll gemeinwohlorientiert ausgerichtet sein – Geld und Kredit dienen als öffentliches Gut.

„So wie es eine flächendeckende öffentliche Bildungs-, Gesundheits- oder Bahninfrastruktur gibt, soll es in Zukunft auch eine öffentliche, jedoch demokratische Bankeninfrastruktur geben. Grundsätzlich sollten alle Banken dem Gemeinwohl dienen. Wer das nicht tut, sollte a) nicht in den Genuss der staatlichen Einlagengarantie kommen; b) keinen Zugang zur EZB erhalten und c) den Staat nicht als Kunden gewinnen können“, fordert Strickner.

Die Idee der „Demokratischen Bank“ basiert auf einem von Attac Österreich ausgearbeiteten Konzept.* Attac begrüßt daher eine Gründung durch die Zivilgesellschaft. „Wir freuen uns, dass unser Input so rasch Früchte trägt. Die Zeit für eine alternative Bank in Österreich ist mehr als reif“, sagt Alexandra Strickner von Attac Österreich. Attac lädt dazu ein, den Aufbau der Demokratischen Bank zu unterstützen – durch tatkräftige Mitarbeit, Bewerbung oder finanzielle Beiträge.

Quelle: Attac.at

Ein etwas ausführlicheres 6-seitiges Positionspapier von Attac zur Gründung der neuen „demokratischen Bank“ findet sich hier. Interessant ist, dass sich jetzt viele Mitspieler aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Motiven heraus mit kreativen Ideen an die Gründung einer am Gemeinwohl orientierten „Bürgerbank“ oder einer „Wirtschaftsbank“ (siehe Siemens und Co.) widmen – oder aber neue Geschäftsmodelle von Peer-to-Peer-Banking weiter entwickeln.

Einerseits sollten diese neuen Ansätze in ihrer Folgewirkung auf die große Welt der Börsen und des Investmentbankings nicht überschätzt werden, zumal einige Ansätze etwas ideologisch motiviert sind. Die Frage der begrenzten Vorstandsgehälter etwa ist ein überaus sensibles Thema, über das man (auch mit Blick auf die von Attac gesetzten Thesen) kontrovers diskutieren kann.

Andererseits zeigt dies doch sehr deutlich, dass die Menschen verstärkt in das große Räderwerk der Finanzindustrie und „Black Box Bank“ mit eigenen Konzepten eingreifen wollen. Siehe dazu etwa auch das aktuelle Stimmungsbild „Wir sind nicht eure Geldautomaten“ auf dem Weblog Spiegelfechter.

Und dass die Menschen überhaupt in das große Räderwerk namens „banking business continues as usual“ mit kreativen Ideen eingreifen, daran gibt es nun wirklich nichts auszusetzen, jenseits von persönlichen Einstellungen. Ein Trend verschafft sich Freiraum, den man durchaus als Social Banking 1.0 und 2.0 bezeichnen kann, und der sich sicherlich in diesem Jahrzehnt in seinen unterschiedlichsten Kreativvarianten fortsetzen wird.

Übrigens: Die „Demokratische Bank“ von Attac hat bereits eine eigene Homepage.  Das Motto lautet: Geld und Kredit sind ein öffentliches Gut. Dem kann man eigentlich nur zustimmen, und es wäre sinnvoll, altes Lagerdenken aufzubrechen, und runde Tische jenseits von Sonntagsreden zu bilden, um die Finanzökonomie stärker am Puls der realen Wertschöpfung durch Arbeit auszurichten.

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Written by lochmaier

Juli 13, 2010 um 10:31 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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