Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Juni 2010

Social Media deluxe: Clevere Vermögensberater treffen noble Kunden in ihren angestammten Milieus

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Bankberater jagt dem vermögenden Kunden auf elegante Weise an exklusiven Schauplätzen hinterher, um diesen, emotional wohl getunt, auf seine Produkte aufmerksam zu machen. So ähnlich liest sich dieses Szenario des modern gewandeten CRM-Spezialisten jedenfalls auf finews.ch. Einige Zitate aus dem Interview mit einem Vermögensberater, der sich auf das Marktsegment der exklusiven Anlegerschaft spezialisiert hat:

Vor allem Veranstaltungen oder Zusammenkünfte welche einen hohen Faszinationswert bei den Prospects haben oder als Money-can’t-buy-Events dastehen. In Monte Carlo findet jedes Jahr die «Top Marques» statt – eine Ausstellung für Super-Sportcars.

Auf Einladung von Fürst Albert von Monaco (Bild unten) kommen da viele wohlhabende Leute zusammen, so genannte Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWI). Dieser Anlass ist eine einmalige Plattform für die Kundenakquisition. Wir sorgen dafür, dass der Bankberater über diverse Shake-Hands eine ganze Reihe von vermögenden Personen trifft. Darüber hinaus kann er in weiteren informellen Gesprächen noch andere potenzielle Kunden anpeilen.

Quelle: finews.ch

Da fragt man sich doch gleich, wo der Bankberater jetzt nach der Finanzkrise wirklich den hippen Kunden trifft, wenn der doch nur noch virtuell im Netz verkehrt, und nicht mehr im Golfclub oder in Monte Carlos neben der Rennpiste anzutreffen ist. Vielleicht hilft dann ein virtuelles Golfmeeting, inklusive Animationen von Tiger Woods und dem teuren Scheidungskrieg mit seiner Frau.    

Manche von uns haben nun wirklich andere Probleme, sie haben Angst von der Mittelschicht in die „New Poor“ durchgereicht zu werden, wie die New York Times berichtet. An der Stellschraube hat auch die Wells Fargo Bank kräftig mitgedreht, die sich gerade durch ihre Aktivitäten im Bereich Social Media immer wieder positiv hervor tat.

Aber auch die Deutsche Bank ist ziemlich tief in die amerikanische Immobilienkrise verstrickt, wie man in einem lesenswerten längeren Beitrag auf Spiegel online nachlesen kann. Dabei positionierte sich doch gerade Josef Ackermann kürzlich auf der Hauptversammlung der Aktionäre als „Social Banker“. Wenn es aber ums große Geld geht, sieht die Welt hinter den Kulissen doch meist etwas anders aus.

Man merke: Ein Social Media gleich ob auf dem Golfplatz in Monaco oder im virtuellen Stelldichein auf Youtube – all das macht noch keinen richtigen Sommer. Deren Präsenz  könnte sich sogar als kontraproduktives window dressing entpuppen, wenn dahinter nicht auch die Produkte auf die Interessen des Kunden ausgerichtet sind. Das aber gilt für den exklusiven Vermögensberater auf den Golfplätzen dieser Welt erst recht, der das Putten nicht wirklich von der Pike auf gelernt hat.

Written by lochmaier

Juni 10, 2010 at 6:55 am

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Personal Finance: Was leistet das iPad für den mobilen Bankier

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Wer kennt ihn nicht, zur besten Fernsehzeit vor der Tagesschau in der ARD um 20 Uhr – den Werbespot der Deutschen Bank, in dem ein lässiger Jungmanager mit seinem mobilen Endgerät auf der Straße spielt: Ist es gut, wenn der Dollar steigt…. oder doch nicht?

Da kommen schon mal Zweifel auf. Jetzt naht die Rettung aus dem interaktiven Finanzdilemma, das iPad.

Finews.ch stellt die Frage, was das iPad von Apple als Finanztool leistet:

http://finews.ch/news/finanzplatz/3447-was-taugt-das-ipad-als-finanz-tool

Die Analyse geht fortan in die Details von Finanzinformationen:

http://finews.ch/news/finanzplatz/3449-das-ipad-als-informationsquelle

Info-Tools aus der Finanzwelt

Richtig auf Touren kommt man bei der Web-Recherche aber durch zusätzliche Applikationen. Für die Finanzwelt stehen schon eine Mehrzahl von Info-Tools zur Verfügung. Anbei die fünf besten: 

Bloomberg: Nachrichtenportal

Early Edition: Die persönliche Zeitung

FT Mobile: Online-Zeitung
Thomson Reuters: Nachrichtenportal

Tagesanzeiger: Online-Zeitung

Nun ja, reicht das schon aus? Denn wer beantwortet mir jetzt via iPad wirklich die Frage, ob es gut für mich ist, wenn der Dollarkurs steigt…und das hängt nicht nur vom richtigen mobilen Endgerät ab, sondern von der Kommunikationsfähigkeit und der Intelligenz, die sich dahinter bzw. daneben verbergen.

Written by lochmaier

Juni 8, 2010 at 1:19 pm

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Joint Venture Islamic Finance & Social Banking? Interview mit Michael Gassner

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Seine Publikation schließt ein für westliche Gemüter immer noch recht fremdartiges Verständnis der arabischen Finanzwelt  auf – zusammen mit Philipp Wackerbeck veröffentlichte er den Buchtitel „Islamic Finance. Islam-gerechte Finanzanlagen und Finanzierungen“, erschienen im Bank-Verlag Medien in der zweiten Auflage. Die Rede ist von Michael Gassner. Er lebt in Zürich.

Dipl.-Kfm. Michael Gassner ist zum einen ehrenamtlich damit beauftragt, die Zertifizierung islamischer Finanzprodukte für den Zentralrat der Muslime in Deutschland e. V. zu koordinieren, und steht diesbezüglich als Ansprechpartner für die Finanzindustrie zur Verfügung. Auch hauptberuflich ist er im Bankwesen tätig.

Zudem ist er Mitglied des Shari‘a Boards der Bosna Bank International in Sarajevo, des Editorial Boards des „International Journal of Islamic and Middle Eastern Finance and Management“ sowie im Advisory Board des Dow Jones Islamic Index Newsletter.

All dies sind nun wirklich genug Gründe, ihn einmal etwas genauer zur denkbaren Verbindung zwischen Islamic und Social Banking und der Peer-to-Peer basierten Vermögensanlage zu befragen: 

Social Banking 2.0: Welchen geschäftlichen und gesellschaftlichen Reifegrad hat Islamic Banking in Deutschland erreicht?

Michael Gassner: Gesellschaftlich nimmt die Anerkennung für Islamic finance zu, sowohl vor als auch besonders nach der Krise. Die Bundesbank war Gastgeber einer Konferenz des Islamic Financial Services Board zu Regulierungsfragen international, und die BAFIN hatte sich selbst als Veranstalter bemüht im letzten Oktober und hierbei öffentlich klar erklärt, einer Islamischen Bankgründung in Deutschland offen gegenüberzustehen und eine helfende Hand zu reichen. Dies steht im Gegensatz zum geschäftlichen Reifegrad: Das Angebot steht trotz 4 Millionen Muslimen faktisch bei Null. Das Marktpotenzial wäre dabei aber durchaus mit den Retailbanken in den Vereinigten Arabischen Emiraten von der Marktgrösse her zu vergleichen.

Social Banking 2.0:  Wo liegen Chancen und Hindernisse bei der Akzeptanz aber auch der  Seriösität der Geschäftsmodelle?

Michael Gassner: Die Seriosität des Islamic finance wurde gerade in Deutschland in Verruf gebracht. Sogenannte Türkische Holdings im grauen, unregulierten Kapitalmarkt führten zu schweren Verlusten in zahllosen türkischen Haushalten. Dies gerade auch mit Berufung auf den Islam, was es nur umso perfider machte.

Daher ist es wichtig, Angebote zu schaffen, die ehrlich und anständig aufgebaut sind und neben der formalen Anforderungen auch noch den Sinn und die Absicht des islamischen Finanzwesens repräsentieren.

Social Banking 2.0: Gäbe es Schnittstellen zwischen Social Banking und Islamic Banking, wo könnten die Dienstleistungen von Banken und Investoren grenzüberschreitend fusionieren?

Michael Gassner: Islamic Banking soll immer sozial und nachhaltig sein. Der faire Umgang mit Schuldnern und die Teilhabe und die Vergabe von haftenden Eigenkapital für Unternehmen ist dabei wichtig. Der Vorrang der Verschuldung vor der Stärkung des Eigenkapitals ist gerade in Deutschland ein grosser Fehler und trotz der Krise ist hier noch immer kein Umdenken in Gang gekommen. Dies sehe ich mit allergrösster Sorge. Wieviele Arbeitsplätze müssen noch vernichtet werden?

Ebenso spannend für Deutschland wäre eine Fusion von Islamic finance und dem ursprünglichen Genossenschaftswesen. Der Sparkassensektor war ja bereits in den 1960ern Vorbild für die Islamic Banking Bewegung Mit Ghamr in Ägypten. Und im 19. Jahrhundert waren die Genossenschaftsbanken diejenigen, die um „Financial Inclusion“, sprich die um die Einbindung von aus dem herkömmlichen Finanzsektor ausgeschlossenen Personengruppen besorgt waren. Der Finanzsektor kann einen wesentlichen Beitrag zur faktischen Integration der Menschen leisten.

Social Banking 2.0: Wie sieht es mit Peer-to-Peer-basierten Geschäftsmodellen in der Kreditvergabe oder Geldanlage aus, räumen Sie diesen im arabischsprachigen Raum gewisse Chancen ein?

Michael Gassner: P2P finde ich eine besonders interessante Variante des Finanzwesens. In arabischen Ländern findet diese „offline“ statt, indem Familienmitglieder und Verwandte vorzugsweise finanziert werden. Vielfach ist die Finanzierung über Banken, z.B. Hauskauf in Saudi-Arabien noch am Anfang – erst kürzlich wurden hierzu Gesetze erlassen. P2P wird daher meines Erachtens zuerst in Gesellschaften mit hoher Internetdichte und gleichzeitg fragmentierten Familienstrukturen Erfolg haben und hierbei schrittweise das Geschäftsmodell Bank neu definieren helfen. In einigen Jahren kann es dann auch stärker in arabischen Gesellschaften Fuss fassen, beispielsweise wenn durch einen Escrow Agenten nachgewiesen wird, dass die eigene Familie bereist 50 % finanziert hat, die restlichen 50 % online zu syndizieren, oder die eigene Familie Garantien ausspricht.

Social Banking 2.0: Und noch eine persönliche Frage: Wie ist es als Banker in Saudi-Arabien  zu arbeiten, gegenüber dem deutschsprachigen Kulturkreis – ist dort etwa der Umgang mit Geld ein ganz anderer als bei uns?

Michael Gassner: Ich habe knapp drei Jahre für Bank AlJazira in Saudi-Arabien gearbeitet und bin nun hauptberuflich für eine Schweizer Privatbank im Bereich Islamic finance tätig. Die Zeit in Saudi-Arabien war sehr lehrreich, auch konnte ich viele negative Vorurteile (die auch bei mir bestanden) keineswegs bestätigt finden. Die Menschen sind gastfreundlich und grosszügig im Umgang mit Geld. Die extensive Besuchskultur (im Gegensatz zur Kneipenkultur) zwischen und innerhalb der Familien erfordert aber bereits grosse Wohnungen selbst für frisch verheiratete Berufsanfänger. Diese Anforderungen und der Wunsch nach grossen Autos führen zu einer beängstigenden Konsum- und Leben auf Pump Kultur, nicht zuletzt auch importiert aus den USA. Dies wird unausweichlich zu erheblichen sozialen Problemen führen. Auch der islamische Umgang mit Geld muss gelernt werden…

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Juni 7, 2010 at 7:22 am

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Islamic Finance meets Social Banking…

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Wer zunächst in aller Kürze wissen möchte, was Islamic Finance ist, und wie die Verbindung zu unserem Kulturkreis aussehen könnte…

… der wird zunächst in einem aktuellen Blogeintrag auf den Internetseiten der Zeitschrift „Freitag“ fündig (einschließlich der teils kontroversen und recht zahlreichen Leserkommentare):

http://www.freitag.de/community/blogs/alien59/islamic-finance-was-ist-denn-das

Was aber haben die islamischen Banken mit „Social Banking“ zu tun? Nun ja, da gibt es natürlich die ethischen Vorgaben, anhand derer die Banken sich an gesellschaftlichen Zielen orientieren:

http://arabnews.com/economy/islamicfinance/article17029.ece 

Ein Insider aus der Bankenbranche beleucht auf Global Arab Network, wie die beiden Elemente verschmelzen und sich „verjüngen“, aber auch wie Islamic Finance sich dem finanziellen Mainstram unter dem Duktus Corporate Social Responsibility allmählich annähert:

http://www.english.globalarabnetwork.com/201005175900/Finance/between-700-billion-and-1-trillion-islamic-finance-joins-the-mainstream.html

Nun ja, immerhin gibt es bereits so etwas wie eine Social Islamic Bank:

http://www.siblbd.com/html/homepages.php

Jetzt käme aber der große Sprung über den geistig-finanziellen Ozean der westlichen, arabischen und (fern)östlichen Königreicher hinweg. Zunächst eine historische Replik aus dem obigen Artikel von Globalarabicnetwork, wo die Schnittstellen zwischen Islamic Finance und Social Banking liegen können:

Islamic finance in its modern guise is popularly considered to have emanated from the Egyptian Nasser Social Bank experiment of the 1960s. In the 1970s and 1980s it spread quickly through the GCC with the establishment of national Islamic banks in Dubai, Kuwait and Qatar and the foundation of the Islamic Development Bank in Jeddah. In south-east Asia, Malaysia was developing a dual banking system which has been the model adopted throughout Asia.

Und hier wirft Richard Thomas ein Schlaglicht auf die künftige Entwicklung:

Today, Islamic finance offers solutions across the product mix: from the capital markets related transactions mentioned above, to structured trade and commodity finance and working capital solutions, all sectors of asset finance including general equipment leasing, transportation and logistics, power generation, real estate (leasing tools are particularly given to Islamic finance), private equity and project finance.

Quelle: globalarabnetwork.com

Offen bleibt nun die spannende Frage, ob sich in der nicht mehr monolithisch geprägten Welt zwischen Mainstream-Banking und Islamic Finance auch neue Vertreter von Social Banking 2.0 einen Platz erobern können. Ich habe diesen Zusammenhang hier auf meinem Weblog schon mal versucht auszuloten:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/18/islamic-finance-teil-iii-verschmelzung-der-nachhaltigen-finanzkulturen/

Zumindest einige erste zarte Pflänzchen und Ausläufer von Islamic Finance (jedoch noch ohne den Web 2.0-Zusatz) in unsere heimische Gefilde kann man sich hier bei der Islamischen Genossenschaft in Düsseldorf mal genauer anschauen:

http://www.baitulmal-finance.de/geschaeftsplan.html

Fazit: Rechtlich sind die Hürden auch hierzulande hoch, um beide Elemente Islamic Finance und Social Banking einschließlich der internetbasierten Varianten auf kreative und wirtschaftlich solide Art und Weise miteinander zu verschmelzen.

Da hakt es aber auch bei uns noch gewaltig, in punkto Missverständnissen und kulturellen Barrieren. Ob es in den meisten arabischen Ländern zudem eine kleine Kulturrevolution in Richtung nutzerzentrierte Bankansätze geben kann, das hängt zunächst von politischen Weichenstellungen und weniger von ökonomischen Fragen statt.

Gerade für Investoren spielt die (kulturüberschreitende) Rechtssicherheit bei der Planung von Joint Ventures eine große Rolle. Aber natürlich könnte auch hier konform zu den Sharia-Richtlinien eine vorsichtige Öffnung im Sinne der Partizipation des „Verbrauchers“ am kleinen und großen Spiel auf den Finanzmärkten stattfinden.

Allerdings scheint es derzeit zu früh, um darüber schon konkret Spekulationen anzustellen, ob und wie Islamic Finance und Social Banking (2.0) konkret fusionieren…deshalb sind kreative Spielelemente gefragt, die das große politische Schachbrett eher meiden.

Am Montag folgt noch ein Experteninterview zur denkbaren Verbindung zwischen Islamic Finance und Social Banking.

Written by lochmaier

Juni 3, 2010 at 7:10 am

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Deutsche Bank(enmoral): Josef Ackermann positioniert sich als Social Banker

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Bei den großen Medienhäusern ist die Deutsche Bank durchaus beliebt: Die Journalisten schätzen an der Deutschen Bank besonders ihre gewollte Staatsferne (die als Ausdruck von Selbstbewusstsein verstanden wird), die Stärke des Investmentbankings und ihr Risiko-Management, berichtet das PR-Journal.

In der Hauptversammlung der Deutschen Bank-Aktionärsgemeinde letzte Woche wurde anhand der Rede von Josef Ackermann deutlich, dass sich seit der Finanzkrise jenseits von window dressing doch einige  vorsichtige Neubewertungen der strategischen Positionierung ergeben haben.

Mit Blick auf das Private Banking sind die Zahlen (s. Präsentationsfolie 4 hier ) gegenüber dem Investmentbanking allerdings nicht wirklich überzeugend. Woran liegt das? Fehlt das Vertrauen in die Beratungsqualität. Da stünde es gut, es zurück zu gewinnen, durch mehr Transparenz – aber wie?

Die ganze Rede gibt es hier zum Download. Vor allem wird der Schwenk in der Öffentlichkeitsarbeit 2.0 sichtbar, so etwa in den Kurzvideos auf Youtube:

http://www.youtube.com/user/DeutscheBankGruppe#p/u/2/xRBWcmyuGzg

Zitat Josef Ackermann: Banken seien ein Teil der Gesellschaft: „Wir können in einer Parallelwelt nicht gedeihen“. Siehe dazu auch dieses Youtube-Video.

Das neue Mindsetting saß. Fragt sich nur, was kommt in den unteren Vertriebseinheiten beim Private Banking von der neuen Bankenmoral an, bei der sich Gewinn/Rendite und gesellschaftliche Verantwortung  jenseits von Sonntagsreden befruchten sollen?

In der Praxis mag es beim Investmentbanking noch an an der einen oder anderen Stelle eine Stellschraube geben (z.B. reduzierter Eigenhandel). Oder anders ausgedrückt: Woran wir Citizen Banker oder Common Banker die Deutsche Bank mit Blick auf das Private Banking messen sollten, das lässt sich anhand des Zitats von  Claus Lehmann in seiner Rezension aus meinem Buch „Die Bank sind wir“ so ausdrücken:

In den Fokus rücken in der Diskussion um die Zukunftsmodelle der Banken vor allem die Daten selbst. Wer diese intelligent nutzt, befindet sich im Vorteil. Eine Bank stellt kaum mehr als einen Verarbeiter von Informationstechnologie das, der danach trachtet, möglichst effizient zu arbeiten. Viele Potentiale in der industriellen Automatisierung von Großbanken sind bereits ausgereizt. In den Vordergrund rückt ein anderes Element als das rein technisch und buchhaltärisch geprägte Selbstverständnis einer effizienten Bank. Das entscheidende Element liegt in der phantasievollen Interaktion zwischen dem Absender einer Botschaft, dem “Botschafter”, der sie überbringt und dem einzelnen Kunden, der Signale zurücksendet. Dieser Akt der “kulturellen Wertschöpfung” von Geld ist den Banken weitgehend fremd weshalb weniger hierarchisch geprägte Spieler in der internetbasierten Wertschöpfungskette im Vorteil sind. 

Quelle: p2p-kredite/Social Banking 2.0

In der Tat ist dieser aus meinem Buch zitierte Passus einer der wichtigen Botschaften für die Bankmanager. Denn es bleibt die spannende Frage, wie die Deutsche Bank das Privatkundengeschäft so strukturieren will und kann, so dass am Ende das Wohl und Interesse des Kunden im Mittelpunkt stehen, und nicht die Vertriebsvorgaben, die dem einzelnen Berater kaum Spiel lassen, etwas anderes zu tun als bisher: Nämlich möglichst viele profitable Abschlüsse zu erwirtschaften, bis spätestens am Abend eines jeden Werktages der Controller an die Türe klopft.

Wer verzichtet schon freiwillig auf Gewinne – mögen sie gesamt gesellschaftlich noch so wertvoll sein? Wir sind also gespannt, wie Markt, Moral und neue Geschäftsmodelle künftig bei der Deutschen Bank auf kreative Art und Weise fusionieren… denn nur wer mit dem Kunden auf Augenhöhe (inter)agiert und den Dialog statt das reine Verkaufsgespräch sucht, verdient das Prädikat Social Banker.

Written by lochmaier

Juni 1, 2010 at 6:45 am

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