Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Politik 2.0: Was die Bundespräsidentenwahl mit direkter Finanzdemokratie verbindet

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In seinem Essay „Die entfremdete Republik“ analysiert Schrifsteller Richard David Precht das politische Stimmungsbarometer in der innerlich verunsicherten Bevölkerung – und er beschreibt die soziale Kluft zwischen hierarchisch administrierter und den Möglichkeiten einer direkten Demokratie:

Lobbyisten bekommen die Politik, die sie wollen, sei es durch eine Parteispende, durch beharrliche Freundlichkeit oder durch Jobangebote für nebenbei und nachher. Clement, Bangemann, Althaus, Fischer, Schröder, demnächst wohl Roland Koch – dies sind keine Elder Statesmen mehr, sondern Elder Salesmen. 

Quelle: Spiegel online

Der Begriff “ Elder Salesmen “ statt “ Elder Statesman “ passt als Symptombeschreibung für bestimmte Eliten, die sich  längst nicht mehr durch Innovationskraft auszeichnen. Wer kümmert Sich eigentlich um die künftige Generation, die allmählich in die Verantwortungsübernahme rückt? Und hier kommt das Internet ins Spiel. Denn es ist der Resonanzkörper , in dem sich soziale Stimmungen reflektieren und alternative Konzepte erproben.

Ich zitiere den letzten Abschnitt ( S. 140) aus meinem Buchprojekt „Die Bank sind wir “ , der die Ansätze der direkten internetbasierten Demokratie auf die Spielregeln der Finanzmärkte ummünzt:

Wenn die Eliten und Leistungsträger überwiegend auch weiterhin zum „Jägerdasein“ statt zum Gärtnern tendieren, um nur nach der nächsten möglichst hohen Rendite Ausschau zu halten, dann dürfte das Internet zweifellos das globale Amphitheater ohne Dach sein, in dem soziale Verteilungskämpfe künftig stattfinden. Dies betrifft insbesondere die kreativ orientierten mittleren sozialen Schichten mit einem Drang zur Verantwortungsübernahme, die sich verstärkt finanziellen sozialen Netzwerken zuwenden könnten, um darin neue Chancen wahrzunehmen, die ihnen erstarrte Strukturen nicht mehr offerieren. Positiv betrachtet bietet dies viele neue Chancen. Alternative Lebensentwürfe jenseits überholter Dogmen im Umgang mit dem Geld können sich neuen Raum schaffen. Das Social Banking der zweiten Netzgeneration trägt dazu bei, eine dezentral gesteuerte Finanzkultur als soziales Korrektiv in der hiesigen Bankenlandschaft zu verankern.

Quelle: Social Banking 2,0

Zurück zu Richard David Precht und seinem Essay „Die entfremdete Republik “ . Ein weiteres Zitat schlägt die Brücke zu meinen vorherigen Ausführungen:

Der Aufstand der Menschen im Internet und anderswo für „ihren“ Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck spricht eine andere Sprache. Er könnte ein Zeichen sein, selbst und gerade dann, wenn Gauck verlieren sollte. Ein Symbol, das größer ist als der Mann. Ein Fanal für den Umbau unseres Staates, gespeist aus der Phantasie und Schwarmintelligenz seiner Bürger. Mehr Verantwortung für alle in den Städten, in den Betrieben und mehr Volksentscheide – dort ist vorn.

„Überall müssen sich Autorität und Tradition die Frage nach der Rechtfertigung gefallen lassen … Nicht weniger, sondern mehr Demokratie – das ist die Forderung, das ist das große Ziel, dem wir uns alle und zumal die Jugend zu verschreiben haben.“ Der das sagte, war ein großer Bundespräsident: Gustav Heinemann. Seine Worte gelten noch immer und wieder neu.

Quelle: Spiegel online

Insofern gilt heute und morgen das Motto: Wir sind nicht das, was ganz am Ende folgt, sondern das Volk sind wir – und die Bank gehört auch dazu, um die Finanzströme wieder stärker auf die dringlich notwendigen Existenzgrundlagen von Wirtschaft und Gesellschaft (Arbeit und unternehmerische Tätigkeit sind die tragenden Säulen) zu fokussieren und in die richtigen kreativen Kanäle lenken.

Oder wie es der alt ehrwürdige Unternehmensberater Roland Berger in einem Interview mit dem  Wirtschaftsblatt so ausdrückt:

Wir müssen zulassen, dass neue Strukturen alte ersetzen: Schumpeters ‘Kreative Zerstörung’ ist aktueller denn je – innerhalb eines Unternehmens wie in der gesamten Volkswirtschaft.

Charakter-orientierte Unternehmen und Menschen sind gefragt, wie es der Wegelin – Anlagekommentar vom 28.06. beschreibt . Deshalb mein Rat : Twittern Sie sich doch einfach Ihren eigenen Bundespräsidenten Gauck oder Wulff zusammen.

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Written by lochmaier

Juni 30, 2010 um 6:48 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. An einer Direktwahl des Bundespräsidenten hätte ich als Bürgerin des deutschen Staates nichts auszusetzen. Auch meine Meinung ist es, über den Volksentscheid nachzudenken und der Demokratie demokratischere Züge zu verleihen!

    Christine

    Juli 1, 2010 at 12:55 pm


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